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20 Jahre Clan-Film

Die Clan-Kriminalität ist in der Subkultur angekommen

Anfang des Jahres hat die Bundesregierung nach einer AfD-Anfrage neue Zahlen zur Clankriminalität vorgelegt (PDF). Demnach zählt das Bundesinnenministerium 36 fremdländische und professionell organisierte kriminelle Familienclans in Deutschland. 13 Clans sind arabisch, elf gehören zur arabischsprachigen Mhallami-Volksgruppe, neun haben türkische Wurzeln, zwei kurdische und einer kommt vom Westbalkan. 22 der gelisteten Großfamilien sind neben Deutschland auch in anderen EU-Staaten aktiv.

Eine halbe Million Fremde, aus deren Reihen die Organisierte Kriminalität in Deutschland maßgeblich mitgeprägt wird und die trotz des protzig zur Schau gestellten Reichtums vielfach von deutschen Sozialleistungen leben. Angesichts dessen sollte die deutsche Gesellschaft in der Wehrtauglichkeitsdebatte lieber darüber diskutieren, ob der momentan anvisierte Hauptfeind wirklich die etwa 400.000 russischen Soldaten in der 2.000 Kilometer entfernten Ostukraine sind. Vielmehr steht der unsere Lebensart verachtende Gegner längst hunderttausendfach in deutschen Innenstädten von Köln bis Neukölln. Anstatt im Baltikum wäre eine Bundeswehrbrigade in Bottrop und Berlin besser aufgehoben.

Doch während die Politik vom Rechtsextremismus als größte innere Gefahr fabuliert, bilden sich hierzulande neuartige Berührungspunkte zwischen Linksextremismus, Islamisten und dem Clanmilieu, die konsequent vernachlässigt werden. Selbst Insider und ehemalige LKA-Beamte beklagen, dass die Clankriminalität längst aus dem Ruder gelaufen sei. Von einem wirklich harten Durchgreifen der Behörden ist man allerdings weit entfernt.

Im Gegenteil: Die naive Verteilung deutscher Pässe an Clan-Mitglieder, die koordinierte weitestgehend sogar bekannte Bürgergeldabzocke oder Raubzüge gegen deutsche Kulturgüter wie der der Clan-Einbruch ins Dresdner Grüne Gewölbe und die darauffolgende Prozessposse der Rückgabe einiger gestohlener Juwelen erinnern mittlerweile an ängstliche Tributzahlungen an Magyaren und Osmanen aus vergangenen Jahrhunderten.

Drogenhandel und Schießereien

Kein Wunder, dass weitere Gruppierungen hinzukommen, die ihre große Chance wittern und etwas vom weitestgehend schutzlos daliegenden deutschen Kuchen abbekommen wollen. Aus dem Westen, aus Holland und Belgien mit den für den Drogenhandel wichtigen Häfen Antwerpen und Rotterdam stößt seit einigen Jahren die nordafrikanisch geprägte Mocro Mafia nach Deutschland vor, insbesondere in Nordrhein-Westfalen.

Mit rosigen Aussichten für ganz Westeuropa: Im Oktober warnte ein belgischer Untersuchungsrichter anonym in einem Brief an den Justizausschuss des Parlaments, Belgien laufe angesichts korrupter Polizei und Justiz Gefahr  ein Narco-Staat zu werden, ein Staat, dessen politische Institutionen in illegalen Drogenhandel verstrickt sind. Auch in puncto Brutalität – von Sprengstoffanschlägen über Entführungen und Auftragsmorden bis hin zu Folter – steht die hiesige, um einen starken Player bereicherte Szene den Kartellen in Mexiko, Ecuador und Kolumbien in nichts nach.

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Aus dem Osten schlagen seit längerem tschetschenische Gruppierungen auf. Vielfach als Flüchtlinge und Asylbewerber nach Deutschland gekommen, wird hier – im Gegensatz zu eingeübten Fingerzeigen auf die angeblich putinnahe AfD – die mögliche zusätzliche Gefahr einer tatsächlichen fünften Kolonnen Moskaus gerne beiseitegeschoben. Aus dem Südosten versuchen jüngst türkische Banden wie die aus Istanbul stammenden „Daltons“ in Berlin Fuß zu fassen, speziell im Schutzgeldgeschäft. Schusswaffengebrauch ist in der Hauptstadt fast an der Tagesordnung.

Die Schützen fliegen teilweise extra für ihre Taten kurzfristig ein und danach schnell wieder aus. Zudem werden gezielt Flüchtlinge als Täter angeworben. Die im November extra neu gegründete Sondereinheit „Ferrum“ der Berliner Polizei hat alle Hände voll zu tun. Bei der Darlegung der Ursachen für die Zuspitzung der Lage wird sich oftmals auf die offene Einwanderungspolitik – die türkischen, kurdischen und arabischen Clans kamen bereits mit den ersten Asylwellen in den Siebzigern und in den Achtzigerjahren Jahren in die Bundesrepublik – und die zu lasche Justiz fokussiert.

„Der Intensivtäter wird zum Vorbild“

Ein Aspekt wird dabei vernachlässigt: die Prägung der Subkulturen aus Film, Musik und Kleidungsstil. Das Angeben mit Statussymbolen, die Glorifizierung eines männlichen harten Gangster-Lifestyles sowie „Echte Geschichten“-Formate bei YouTube, Twitch und Podcasts beeindrucken Jugendliche und Heranwachsende. Vor zwanzig Jahren, im März 2006, warnten die Lehrer der in die Schlagzeilen geratenen, migrantisch dominierten Rütli-Hauptschule in Berlin-Neukölln: „Der Intensivtäter wird zum Vorbild.“ Heute sind Clan-Thematik, -Slang und -Optik längst im Mainstream angekommen und drücken Streaming, Deutschrap und sogar der Werbung ihren Stempel auf.

Eine Wegmarke dabei ist der Einzug des Clan-Sujets in den deutschen Film, ebenfalls vor 20 Jahren, als Mitte März 2006 „Knallhart“ von Regisseur Detlev Buck in die Kinos kam. Der fünfzehnjährige Michael (David Kross) zieht mit seiner alleinerziehenden Mutter (Jenny Elvers) nach Neukölln. Schnell wird der Deutsche Opfer einer kleinkriminellen Ausländergang, die ihn nach einem Streit abstechen will. Doch ein Clan-Mitglied rettet ihn und stellt ihm dem Familienoberhaupt vor, das den unauffälligen Michael fortan als Drogenkurier im Großstadtdschungel benutzt – bis zur tödlichen Eskalation am Ende. In der Rolle des rettenden Clan-Mitglieds: der Mhallami-Libanese Kida Khodr Ramadan.

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Während die Story samt Lokalkolorit und Umfeld damals noch kaum jemanden interessierte, schlug das Clan-Thema elf Jahre später mit der Serie „4 Blocks“ ein wie eine Bombe. In der Hauptrolle: Kida Khodr Ramadan, der als Oberhaupt der Familie Hamady deren kriminellen Geschäfte in Berlin „managen“ muss. Anfangs noch vom Medienboard Berlin-Brandenburg mitfinanziert und fast unter dem Radar bei dem wenig bekannten PayTV-Sender TNT Serie ausgestrahlt, entwickelten sich die drei Staffeln zu einem profitablen Phänomen, das es letztlich bis auf Amazon, Netflix und ins öffentlich-rechtliche Fernsehen bei ZDFneo schaffte. Und zahlreiche erfolgreiche Deutschrapper wie Massiv, GZUZ oder Veysel mit Rollen einspannte.

Verklärung statt Weckruf

Die an „Knallhart“ von manchen bemängelte klischeehafte Darstellung eines Problembezirks, war plötzlich Popkultur und nach Aussage des vor Ort gut vernetzten Ramadans zu fast 100 Prozent authentisch und realitätsnah. Manch unfreiwillig vielsagende Randnotiz zum Thema Ausländerkriminalität inklusive. So suchten die Macher für die zweite Staffel Komparsen via Social-Media-Anzeige, verlangt waren: „Araber, Türken (Männer + Frauen + Kinder), Osteuropäer, Männer – speziell Kaukasus wie Tschetschenen, Georgier“. Aha, warum nur keine Deutschen?

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Trotz vereinzelter Kritik am „Gangsterporno“ setzte mit dem Aufstieg zur Kultserie zudem die große Verharmlosung ein; zum Missfallen einiger echter Polizeiermittler. „Ich persönlich habe nie unangenehme Erfahrungen gemacht“, betonte dagegen der Regisseur der ersten Staffel, Marvin Kren in einem Interview mit der Zeit. „Und das Wesen des Verbrechens der meisten dieser Großfamilien richtet sich ja eigentlich nie gegen Zivilisten. Dass sich Verbrecher untereinander bekriegen, ist halt Berufsrisiko.“ Verklärung statt Weckruf. Echtheit als Gütesiegel, nicht als Warnschuss.

Junge Migranten als Zielgruppe

Vielleicht ein Grund: Insbesondere die seit den Bushido-Rap-Erfolgen der Nullerjahre entdeckte Zielgruppe der jungen Migranten etablierte sich mit dem Publikumserfolg zunehmend im Kalkül der Filmschaffenden. Zahlreiche Clan-Serien sind seitdem die Folge. Auf Netflix lief 2018 „Dogs of Berlin“ mit dem vorbestraften Rapper Sinan-G als Clanboss. Im gleichen Jahr wagte sich auch Detlev Buck erneut an das Hype-Thema. Eine Hauptrolle in „Asphaltgorillas“ übernahm wieder Kida Khodr Ramadan, der seitdem auf die Clanfigur festgelegt zu sein scheint.

Auch in der ARD-Produktion „Asbest“, die Ende 2025 in die zweite Staffel ging, ist er zu sehen und führte Regie. Ohne ihn scheint im relativ neuen „Deutschen Gangsterfilm“ kaum mehr etwas zu laufen. Dreh- und Angelpunkt des Genres sind zwar größtenteils kriminelle Orientalen, aber trotzdem schafft man es immer wieder böse, irgendwie rassistische und daher in Wahrheit schuldige deutsche, ja sogar christliche Staatsrepräsentanten einzubauen. Über die meist enge Bindung der Clans an den strengen Islam fällt selten ein Wort.

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Doch nicht nur in Deutschland feiern derartige Produktionen beachtliche Erfolge, die den Parallelgesellschaften ein denkwürdiges Denkmal setzen. In den Niederlanden ist die Serie „Mocro Maffia“ Kult, im Vereinigten Königreich „Gangs of London“ und in Frankreich „Caïd“. Mit Auswirkungen auf Ästhetik und Sprache unter Jugendlichen. In Frankreich hat sich die nordafrikanisch beeinflusste Verlan-Sprache ausgebreitet, und auch in Deutschland sind türkischer und arabischer Slang sowie Clan- und Deutschrap-Begrifflichkeiten fester Bestandteil der Jugendsprache.

So meint beispielsweise „Rücken“ den Schutz durch eine starke Gruppierung im Hintergrund eines Rappers, Streamers oder Influencers, und „Politik“ beschreibt die entsprechenden aktuellen Allianzen, Streitigkeiten, Ansagen und Zahlungsmodelle, wer an welchen Clan „abdrücken“ muss oder wer „Fitna“ – arabisch für schwere Prüfung/Versuchung im islamischen Glauben – machen will. Also umgangssprachlich neudeutsch einen Streit provozieren möchte.

Romantisierende „Aufstiegslegenden“ locken junge Männer auf den falschen Weg

Ramadan und Veysel arbeiten momentan an einer europaweiten Gangsterserie mit dem vielsagenden Arbeitstitel „Haram“, die in Brennpunktvierteln von Berlin, Stockholm, Marseille, Neapel und Amsterdam spielt. Im Herbst startet zudem das Prequel zu „4 Blocks“ beim Streamingdienst HBO Max. „4 Blocks Zero“ erzählt, wie der Hamady-Clan im Berlin der Neunziger Jahre an die Macht in der Unterwelt gekommen ist.

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Es sind solche romantisierten „Aufstiegslegenden“, die trotz aller drastischer Gewaltbilder junge Männer mit einem Leben voller AMG-Karossen und anderen Luxusgütern auf den falschen Weg locken. Zumal der Clan-Schick anscheinend sowieso als „normal“ gilt. Immerhin starteten der Weingummi-Hersteller Katjes (natürlich halal) und der Lieferdienst Wolt erst kürzlich zum moslemischen Fastenmonat Ramadan ihre Werbekampagnen in teilweiser astreiner Gangsteroptik, arabischsprachige Großplakate inklusive. Mit dabei in den Reklame-Clips: Kida Khodr Ramadan in seiner Paraderolle.

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