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Bischof Hermann Glettler im Gespräch

„Die Leute wären zufrieden mit einer Barocktapete“

Wo kann man auf den kunstaffinen Bischof der österreichischen Diözese Innsbruck, Hermann Glettler, treffen? Vergangenen Juni war er auf dem „Eden-Fest“ in Augsburg zugegen, welches von Gebetshaus-Gründer Johannes Hartl ins Leben gerufen wurde. Dort war er nicht als Gast, sondern als Sprecher eingeladen, um über „Wozu im Dialog mit zeitgenössischer Kultur?“ zu reden.

Zu sprechen kam der Kunst-Bischof auch auf das umstrittene Fastentuch, mit dem er zu Beginn der vorösterlichen Fastenzeit den Hochaltar der Innsbrucker Spitalskirche verhängen ließ. Das für manche anstößige Bild zeigt ein Schweineherz, das durch einen Gummiring eingeschnürt wird. Dem stark vergrößerten Foto des österreichischen Medienkünstlers Peter Garmusch stellte sich eine Online-Petition entgegen, deren über 2.000 Unterzeichner zur sofortigen Entfernung der Darstellung aufriefen. Schließlich ließ Glettler das Werk vorzeitig abhängen – als „Zeichen der Versöhnung mit den Kritikern“.

In der Mittagspause während des Eden-Fests konnte Corrigenda den Bischof zu einem spontanen Interview gewinnen.

Herr Bischof, Sie sind in der Österreichischen Bischofskonferenz nicht nur für Ehe und Familie, sondern auch für Kultur zuständig und für Ihr Kunstengagement bekannt. Reden wir deshalb als erstes über das Fastentuch mit dem Schweineherz, das über Tirol hinaus für Wirbel gesorgt hat. War auf dem Foto ein Kondom zu sehen?

Nein, eindeutig ein schlichter Gummiring. Irgendjemand hat sich eingebildet, es sei ein Kondom – und dann gab es die vollkommen unnötige und hetzerische Kampagne, dieses scheinbar perverse Bild sofort aus der Kirche zu entfernen. Aber das war eine Fehlinterpretation, ob unbewusst oder mit böser Absicht. Rückblickend kann ich nur sagen: Gratulation denen, die wirklich hinschauen, die sich der Begegnung aussetzen und sich nicht von skandalisierenden Halbwahrheiten treiben lassen.

Welche Aussage hat das großformatige Foto von Peter Garmusch? Was soll dieses „Fastentuch“ den Gläubigen sagen?

Ich denke, dass die fundamentale Bildaussage gut wahrgenommen werden kann. Man sieht ein eingeschnürtes Herz. Es geht um dieses so wichtige, starke und zerbrechliche Organ des Menschen, das weit mehr ist als eine Superpumpe. Dass das abgelichtete Organ von einem Schwein entnommen wurde, hat überhaupt nichts zur Sache. Es ist physiognomisch ganz nahe am menschlichen Herz. Außerdem laufen viele Menschen mit Herzklappen herum, die von Schweineherzen stammen. Wozu die Aufregung?

Wichtig ist die schmerzhafte Beeinträchtigung durch den Gummiring. Das heißt, man fühlt, wenn man hinschaut, diese Einschnürung und auch das Bedürfnis, dass es endlich eine Entkrampfung, eine Befreiung davon gibt. Es geht um Versöhnung. Das war auch das Generalthema der Fastenzeit.

„Herz-Jesu-Bilder sind viel provokanter“

Also es ist ein Bild für das „geistige Herz“ des Menschen?

Ja, für das menschliche Herz. Es ist Resonanzraum für alles, was uns begegnet, zugleich aber auch das Heiligtum, wo Gott mit uns kommuniziert. Es ist Marktplatz und Tempel. Dieses eingeschnürte Herz zeigt: Da funktioniert diese Begegnung nicht mehr, die ursprüngliche Fähigkeit, einem konkreten Du und einem größeren Wir in uns Raum und Stimme zu geben. Da ist kein Freiraum, sondern nur mehr Enge. Enge hat auch mit Angst zu tun.

Kunst argumentiert oft ex contrario, also aus dem Gegenteil heraus. Man zeigt etwas, das überwunden werden sollte. Widerstand soll stimuliert werden: So soll es nicht sein! Wenn Kunst Krieg thematisiert, ist das ja auch nicht eine emotionslose Information, sondern vielmehr ein Aufschrei, eine Klage: Schaut euch diesen Wahnsinn an – und beendet ihn!

Sie haben sich letztendlich dazu entschieden, dieses Fastentuch vorzeitig abzuhängen. Warum?

Das war ein Kompromiss, weil ich gemerkt habe: Eine fast ausschließlich polemisch argumentierende Gruppe hat eine Größe erreicht, die viele mitreißt. Begegnung war nicht mehr möglich. Die Entscheidung lautete, das Bild vor der Karwoche abzuhängen, um die heiligen Tage von dieser Debatte freizubekommen. Mir geht es ja nicht um die Verteidigung einzelner Kunstwerke, sondern darum, dass Kunst einen geistigen Prozess auslöst, der positive menschliche Haltungen verstärken soll – Offenheit, Aufmerksamkeit, Dialogbereitschaft, solidarische Verbundenheit. Das ist mir ganz wichtig.

Geht es Ihnen um Provokation oder darum, die Gläubigen zu einem richtigen Kunstverständnis zu erziehen? Es ist ja nicht das erste Mal, dass Sie ein Fastentuch aufhängen ließen, welches für Empörung sorgte.

Wenn es nur um Provokation um ihrer selbst willen geht, so lehne ich das entschieden ab. Ich glaube, dass die Fotoarbeit von Peter Garmusch ein sehr gutes Kunstwerk ist. Ich dachte, dass der photographische Realismus am ehesten aufregen könnte – man sieht das pure Fleisch des Herzmuskels. Unterschätzt habe ich, dass ein Herz-Bildnis, wie auch immer es aussieht, in Tirol reflexartig mit dem Herz-Jesu-Bildnis in Verbindung gebracht wird. Das hat einige Leute bewogen, mir zu unterstellen, dass ich die Herz-Jesu-Frömmigkeit unseres Landes nicht wertschätzen würde.

Das Gegenteil ist der Fall. Ich sorge mich um eine zeitgemäße Verlebendigung dieser Spiritualität. Aber wenn wir schon beim Bildvergleich sind: Das Herz Jesu wird mit einer Dornenkrone dargestellt. Ich behaupte, dass die Herz-Jesu-Bilder viel provokanter sind als die Fotoarbeit von Peter Garmusch.

„Die katholische Bildtradition ist nicht billig“

Tatsächlich? Worum geht es in den Herz-Jesu-Bildern denn eigentlich?

Es geht um ein symbolisches Bildnis göttlicher Liebe. Das Herz wurde durch den Lanzenstich tödlich verwundet, aber dabei auch zur Quelle für Gottes Herzensenergie, wenn es heißt: „Aus seiner Seite flossen Blut und Wasser.“ Zugleich wird das Herz Jesu immer von Feuer umgeben dargestellt – Ausdruck für höchste Lebendigkeit, Geist und Leidenschaft. Gott liebt leidenschaftlich jeden Menschen. Jesus hat der französischen Ordensfrau Margareta Maria Alacoque anvertraut, dass er sehnsüchtig darauf wartet, dass seine Liebe angenommen, ja „geliebt“ wird. Ihre Jesus-Offenbarungen sind bildbestimmend geworden für die Neuzeit.

Im Barock hat sich die interessante Bildvariation vom Herzenstausch durchgesetzt. Jesus bietet dem Betrachter sein göttliches Herz im Tausch für das erschöpfte, ausgepowerte Menschenherz an. Es geht mir darum, dass wir die tiefe Bedeutung dieser Bilder wieder wahrnehmen. Die zeitgenössische Kunst kann dazu beitragen. Manchmal habe ich den Eindruck, die Leute wären auch schon zufrieden, wenn es nur eine Barocktapete gäbe – man schaut sowieso nicht genau hin.

Zur Person Hermann Glettler

Hermann Glettler, geboren 1965 in der steirischen Marktgemeinde Übelbach, wurde Anfang Dezember 2017 zum Bischof der Diözese Innsbruck geweiht. Er studierte katholische Theologie und Kunstgeschichte in Graz, Tübingen und München. Zwei Jahre war Glettler Gaststudent bei dem deutschen Maler Rudolf Schoofs auf der Kunstakademie in Stuttgart. Von 1999 bis 2016 wirkte er als Pfarrer der Grazer Kirche St. Andrä im multikulturellen Bezirk Gries. Dort wurde er auch als Kurator und Kunstvermittler bekannt.

Glettler ist selbst als Künstler tätig und hatte seit 1990 sechs Einzelaustellungen sowie Austellungsbeteiligungen. In der Österreichischen Bischofskonferenz ist er Referatsbischof für Ehe, Familie und Lebensschutz. Hermann Glettler ist Mitglied der charismatischen, in Frankreich entstandenen, internationalen Gemeinschaft Emmanuel.

In Kirchen gibt es eigentlich viele grausame Bilder, zum Beispiel Heilige, die von Pfeilen durchbohrt sind. Daran haben wir uns gewöhnt. Moderne Kunst hingegen scheint die Gläubigen zu irritieren.

Es stimmt, wir haben in der katholischen Bildtradition sehr viele Darstellungen von Verletzungen, Verwundungen und Hinrichtungen. Das zur Schau gestellte Leid spielt eine große Rolle. Das Herzstück ist die Betrachtung des Leidens Jesu am Kreuz. Sie soll zur Anteilnahme und Umkehr des Menschen führen. Gott hat schließlich seinen eigenen Sohn nicht vor der abgründig boshaften Gewalt der Menschen verschont.

Aber, und da gebe ich Ihnen Recht: Man hat im Laufe der Jahrhunderte mit den Leidensbildern und mit einer gewissen Schmerzensmystik auch übertrieben. Der Grundgedanke ist, dass es nur durch eine konkrete Leiderfahrung hindurch neue Freiheit, neues Leben geben kann.

Vor allem ist die katholische Bildtradition nicht billig – im Vergleich zu einer eher esoterischen, also ausgefransten Spiritualität, wo es vermehrt sehr oberflächliche Harmoniebilder gibt. Da ist die katholische Ästhetik ehrlicher, weil zum Menschsein und In-der-Welt-Sein auch das Verwundbar-Sein gehört, die Verletzlichkeit. Wunden zu haben und zeigen zu dürfen, macht uns menschlicher.

„Jesus ist kein Sunnyboy“

Einige der Installationen, die Sie in Kirchen aufhängen ließen, haben eine politische Komponente. Zum Beispiel die Waffen-Installation im Dom zur diesjährigen Fastenzeit oder auch vom Vorjahr die Photographie, welche einen queeren Aktivisten gezeigt hat. Sollte nicht gerade die Kirche ein Ort sein, der von Politik frei ist?

Grundsätzlich gebe ich Ihnen Recht: Kirche muss ein Freiraum sein, wo man zur Ruhe kommt, wo man die heilsame Nähe Gottes empfinden kann, frei von politischen Debatten und ideologischen Auseinandersetzungen. Ergänzt werden muss dies durch das Hereinnehmen gesellschaftspolitischer Wirklichkeit. Zumindest temporär sollte im heiligen Raum Platz haben, was uns heute beschäftigt, überfordert und entzweit. Die Fastenzeit eignet sich besonders dafür. Christliches Beten ist immer ein weltzugewandtes Beten, solidarische Verbundenheit.

Die Kunstwerke von Christian Eisenberger, die es heuer in der Innsbrucker Servitenkirche und im Dom zu sehen gab, zeigten die großen Verwundungen unserer Zeit. Sie waren zeitgenössische Klagebilder. Die Waffenattrappen im Dom haben konkret auf das Dilemma hingewiesen, in dem wir uns durch den Ukrainekrieg befinden. Einerseits braucht es effiziente Waffen, um einen Aggressor abzuwehren, der nicht weiß, wo seine Grenzen sind. Und zugleich erleben wir durch diesen Krieg und viele andere Kriegsherde weltweit eine Hochzeit der Waffenproduktion. Ein echter Wahnsinn!

Nur mit einem Bruchteil der weltweiten Militärausgaben könnte die ganze Welt von der Geißel des Hungers befreit werden. Jesus bittet uns, in seiner Liebe zu bleiben – und gerade deshalb auch aufmerksam die Wunden heutiger Zeit wahrzunehmen und uns für deren Heilung einzusetzen.

Während der Fastenzeit 2023 wurden im Innsbrucker Dom drei überdimensional große Maschinengewehre von Christian Eisenberger ausgestellt
Während der Fastenzeit 2023 wurden im Innsbrucker Dom drei überdimensional große Maschinengewehre von Christian Eisenberger ausgestellt
Wäre es nicht besser, Bilder aufzuhängen, die Spiritualität ausdrücken? Und braucht es in der Kirche nicht eine Kunst, die Menschen näher zu Christus bringt?

Grundsätzlich ja, aber wenn wir genauer zusehen, so lässt sich Spiritualität nicht so einfach darstellen. Christliche Spiritualität ist eine Aufmerksamkeit des Herzens, die Bereitschaft, sich im Sinne der Bergpredigt für eine größere Gerechtigkeit und Barmherzigkeit einzusetzen. Spiritualität ist nicht ein frommer Tortenüberguss, der uns das Leben in einigen dafür reservierten Räumen versüßen soll.

Gerade das Bild, das Sie vorhin erwähnt haben, hat einen erschöpften Aktivisten gezeigt. „Tired“ war der Titel. Mit innerer Müdigkeit, Erschöpfung und Momenten von Verzweiflung haben unzählige Menschen heute zu kämpfen. Dass der dargestellte junge Mann auch ein Queer-Aktivist war, hatte mit dem eigentlichen Thema nichts zu tun. Und zu welchem Christus wollen wir uns erheben? Christus ist der menschgewordene, verwundete und verklärte Herr des Lebens. Er ist kein Sunnyboy, den das Leid unserer Welt nichts angehen würde. Außerdem hat Jesus mit der Radikalität seiner Liebe auch viele nervös gemacht, ja gestört und provoziert. Haben wir das vergessen?

„Seit dem 19. Jahrhundert gibt es einen Bruch zwischen Kirche und zeitgenössischer Kultur“

Also geht es Ihnen schon um Provokation.

Ja, aber immer im Sinne des Evangeliums. Provokation kommt vom Verb „provocare“, etwas soll hervorgerufen werden. In unseren Herzen hat Gott doch ein riesiges Potential an Liebesfähigkeit angelegt. Es muss aufgeweckt werden – manchmal auch durch irritierende Bilder oder verstörende Texte. An einer oberflächlichen Provokation liegt mir gar nichts. Schließlich weiß ich um die Müdigkeit der Menschen, um ihre Trostbedürftigkeit. Aufregungen und Empörungen gibt es ohnehin genug.

Ich schätze das Feedback von Leuten, die sich auf die bisherigen Kunstinterventionen eingelassen haben und sagen: „Endlich, mit meinen Themen, mit meiner Unsicherheit, mit meiner Ohnmacht bekomme ich einen Raum mitten in der Kirche.“ Das ist für mich dann eine Bestätigung, dass sich der ernsthafte Dialog von Kirche und Kunst lohnt.

Während der Fastenzeit 2022 stellte die Innsbrucker Universitätskirche die Fotoinstallation von Carmen Brucic mit dem Titel „Tired“ aus
Während der Fastenzeit 2022 stellte die Innsbrucker Universitätskirche die Fotoinstallation von Carmen Brucic mit dem Titel „Tired“ aus
Wie ist das Verhältnis von Kunst und Kirche allgemein? Päpste und Kardinäle früherer Zeiten waren oft große Kunstförderer, die Kunst sammelten und in Auftrag gaben. Ist das heute abhandengekommen?

Ja, tatsächlich, seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, mit dem Erstarken der Moderne, gab es einen schroffen Bruch zwischen Kirche und zeitgenössischer Kultur. Es gab nicht mehr die großen Aufträge, Kirche hat sich von den entscheidenden kulturellen Entwicklungen abgekoppelt. Im 19. Jahrhundert versuchten zum Beispiel die Beuroner Mönche oder die „Nazarener“ noch eine Erneuerung der Kunst im Geiste des Christentums. Auch wenn diese Ansätze heute neu gewürdigt werden, waren es Einbahnstraßen. Die säkulare Moderne und Kirche haben sich weitgehend voneinander entfernt.

Im 20. Jahrhundert hat es einzelne großartige Versuche gegeben, wieder eine Brücke zur Kunst zu schlagen. Da ist der französische Dominikaner P. Marie-Alain Couturier zu nennen, der von den USA aus versucht hat, mit den großen Meistern der französischen Moderne Kontakt aufzunehmen. Dass es nach dem Krieg vereinzelt kirchliche Aufträge für Chagall, Matisse, Bazaine und andere gab, war sein Verdienst. Auf sein Engagement geht auch der Bau von Ronchamp durch Le Corbusier zurück, der alles andere als kirchenaffin war.

Ebenso überraschend war die Gestaltung von Glasfenstern durch Fernand Léger in der Arbeiterkirche von Audincourt. Auch ein Msgr. Otto Mauer in Wien, Professor Günter Rombold in Linz oder Pater Friedhelm Mennekes SJ in Sankt Peter in Köln sind als Brückenbauer zu nennen.

Heutzutage gibt es ebenso engagierte Einzelpersonen und kirchliche Kulturinstitutionen, die für eine echte Gastfreundschaft gegenüber zeitgenössischer Kultur eintreten. Das gibt eine gegenseitige geistige Befruchtung, die nicht nur für die Ausstattung von Kirchen interessant ist.

„Es braucht in allen Bereichen Menschen, die das Evangelium verstanden haben“

Wie kann so eine Befruchtung zwischen Kirche und Künstlern aussehen?

Père Couturier hat gesagt: „Ich möchte für Christus die schönste und beste Kunst der Zeit haben.“ Nicht irgendetwas Aufgewärmtes, nicht etwas, das durch die dauernde Wiederholung steril geworden ist, sondern etwas Lebendiges, etwas Echtes. Es geht aber nicht nur um die Ausstattung, um Paramente, Altäre, Glasfenster-Gestaltungen. Es geht um das ganze Leben, um seine Verwundbarkeit, seine Größe, Schönheit, die Zerbrechlichkeit. In der Kunst wird all das verhandelt, genauso wie in der Religion.

Es braucht eine Geschwisterlichkeit im gemeinsamen Suchen und Ringen. Wir dürfen uns nicht den Zukunftsmut rauben lassen, sondern das Herz, den Geist, das Bewusstsein weiten. Kunst ist eine Hilfe dazu – sie unterstützt uns, um das Unaussprechliche nicht zu übersehen, um nicht in die Banalität einer Weltsicht zu verfallen, wo rein das Materielle zählt.

Braucht es mehr Katholiken, die Kunst machen?

Es geht nicht darum, selbst Kunst zu produzieren. Wichtig ist das Interesse für das, was Künstlerinnen und Künstler heute schaffen, was sie antreibt, was ihre Erkenntnisse sind, ihre Perspektiven und Erfahrungen. Es geht um eine Dialog- und Lernbereitschaft. Viele Kulturschaffende empfinden es durchaus als eine Ehre, für einen kirchlichen Auftrag eingeladen zu werden.

Ja, es braucht in allen Bereichen der Gesellschaft Menschen, die das Evangelium verstanden haben, die Christus gewählt haben, ihn lieben, sich von ihm beschenken lassen.

Mein Herzensanliegen ist es, ein neues Vertrauen zwischen den Kulturschaffenden unserer Zeit und der Kirche aufzubauen – auch wenn ich für diese Arbeit nur einen sehr, sehr kleinen Bruchteil meiner Arbeitszeit verwende. Als Bischof habe ich viele „Baustellen“ zu bearbeiten. Vor allem eine zeitgemäße Verkündigung des Evangeliums ist mir ein Anliegen. Wir haben diesbezüglich in unserer Diözese Innsbruck soeben eine Priorität für die nächsten Jahre formuliert.

Sie waren vor Kurzem auch im Nordirak, zu Besuch bei der dortigen christlichen Minderheit. Was war das Anliegen dieser Reise?

Ich habe mit der „Initiative Christlicher Orient“ diese Reise gemacht. Es ist unser Anliegen, die Christen in der Autonomen Region Kurdistan sowie in der Ninive-Ebene und in Bagdad so zu unterstützten, dass sie nicht auswandern müssen. Sie gehören mit 0,6 Prozent der Gesamtbevölkerung zur absoluten Minderheit. Im Mittleren Orient spielen sie dennoch eine wichtige Rolle, weil sie sich für Bildung und den sozialen Zusammenhalt einsetzen.

Leider wurden durch den IS-Terror viele Kirchen und christliche Dörfer und Städte zerstört. Das ist ein wirkliches Elend, gerade in dieser Region, wo das Christentum mindestens auf das 4. Jahrhundert zurückgeht und immer noch die Muttersprache Jesu gesprochen wird.

Ich wollte mit meiner Reise einen Beitrag leisten, dass wir diese unsere christlichen Geschwister der Chaldäisch-katholischen Kirche und der anderen christlichen Konfessionen nicht vergessen. In dieser politisch so aufgeheizten Region brauchen sie unsere Solidarität, auch unser Gebet.

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Helene Dornfeld
Vor 6 Monate 2 Wochen

Bischof Glettler scheint der Antipode des Berliner Propstes Goesche zu sein. Er beherrscht die Kunst, durch gewagte spitzfindige Übertragungs-Saltos u.a. die modische Trans-Ideologie christlich hoffähig zu machen.

Schon letztes Jahr stellte er einen nackten sog. Queer-Aktivisten als 300 mal 450 cm großes Altarbild aus.
02.03.2022 https://www.katholisch.at/aktuelles/137696/kunst-zu-themen-tired-lost-d… (Beim Lesen wäre ich beinahe gestolpert: "...zur Betrachtung und Selbstbefr...agung")

 Laut Aussage der Künstlerin sollten mit der Darstellung dieses nackten queeren Aktivisten
"Fragen nach dem Erschöpfungszustand unserer Gesellschaft, nach Formen des Widerstands zur
Rückgewinnung menschlicher Freiheit und Selbstwirksamkeit", gestellt werden.

Bei aller Laien-Zurückhaltung in Fragen der Willensfreiheit überrascht die Unbefangenheit, mit der der Bischof seinerseits solchem Widerstand gegen (welche?) Unfreiheit seinen Segen gab, und offenkundig dem neuen links-grünen Projekt eines Selbstbestimmungsgesetzes zuneigte, nach dem man sich das Geschlecht zukünftig selbst aussuchen und nach Bedarf wechseln kann.

2
Christ
Vor 6 Monate 1 Woche

späte Zufallsfunde:
Petition mit Erfolg gegen pornografische Bilder-Ausstellung in Kirchen
26.07.2023 https://citizengo.org/de/ot/211560-beendet-die-pornografische-ausstellu…

Ausstellung in Nürnberg wird abgebrochen (Idea):
https://www.idea.de/artikel/pornografische-bilder-ausstellung-in-nuernb…

Kirche schließt homoerotische "Jesus liebt"-Ausstellung dauerhaft (t-online):
https://www.t-online.de/region/nuernberg/id_100215052/nuernberg-kirche-…

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Christ
Vor 6 Monate 1 Woche

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Petition mit Erfolg gegen pornografische Bilder-Ausstellung in Kirchen
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https://www.idea.de/artikel/pornografische-bilder-ausstellung-in-nuernb…

Kirche schließt homoerotische "Jesus liebt"-Ausstellung dauerhaft (t-online):
https://www.t-online.de/region/nuernberg/id_100215052/nuernberg-kirche-…

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Helene Dornfeld
Vor 6 Monate 2 Wochen

Bischof Glettler scheint der Antipode des Berliner Propstes Goesche zu sein. Er beherrscht die Kunst, durch gewagte spitzfindige Übertragungs-Saltos u.a. die modische Trans-Ideologie christlich hoffähig zu machen.

Schon letztes Jahr stellte er einen nackten sog. Queer-Aktivisten als 300 mal 450 cm großes Altarbild aus.
02.03.2022 https://www.katholisch.at/aktuelles/137696/kunst-zu-themen-tired-lost-d… (Beim Lesen wäre ich beinahe gestolpert: "...zur Betrachtung und Selbstbefr...agung")

 Laut Aussage der Künstlerin sollten mit der Darstellung dieses nackten queeren Aktivisten
"Fragen nach dem Erschöpfungszustand unserer Gesellschaft, nach Formen des Widerstands zur
Rückgewinnung menschlicher Freiheit und Selbstwirksamkeit", gestellt werden.

Bei aller Laien-Zurückhaltung in Fragen der Willensfreiheit überrascht die Unbefangenheit, mit der der Bischof seinerseits solchem Widerstand gegen (welche?) Unfreiheit seinen Segen gab, und offenkundig dem neuen links-grünen Projekt eines Selbstbestimmungsgesetzes zuneigte, nach dem man sich das Geschlecht zukünftig selbst aussuchen und nach Bedarf wechseln kann.