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Kolumne „Der Schweizer Blick“

Gefährliche Fakten

Vortragsabende gehören in unseren Breitengraden im Regelfall nicht zu den besonders schützenswerten Veranstaltungen. Der großgewachsene, breitschultrige Mann mit dem charakteristischen verkabelten Knopf im Ohr wirkte daher zunächst wie ein Fremdkörper. Bis der Blick auf einen zweiten und einen dritten fällt. Es wird deutlich: Sie sind nicht hier, um den Ausführungen zu lauschen, sondern um für Ordnung zu sorgen im Fall der Fälle. Und mit diesem ist hier offenbar zu rechnen.

Dieses Bild bot sich kürzlich in Zürich. Der forensische Psychiater Frank Urbaniok, ursprünglich Deutscher, inzwischen deutsch-schweizerischer Doppelbürger, war vom Magazin Nebelspalter eingeladen worden, um über sein aktuelles Buch „Schattenseiten der Migration“ zu sprechen.

Urbaniok werden öffentliche Auftritte nicht leicht gemacht. Eine geplante Veranstaltung im November des vergangenen Jahres wurde abgesagt nach Störandrohungen durch linke Kreise. Der Veranstalter befand, er könne die Sicherheit nicht garantieren. Cancel-Culture braucht keine reale Gewalt, um sich durchzusetzen, es reicht schon das Versprechen, es könnte dazu kommen.

Die Diskussion verhindern

Der Aufschrei gegen solche Entwicklungen ist nicht laut genug. Frank Urbaniok ist kein rechter Hetzer, der gewaltbereite Menschen am Rand der Gesellschaft anspricht. Er ist Wissenschaftler mit einem Flair für Zahlen und der Bereitschaft, diese laut auszusprechen. In seinem Buch zeigt er auf der Grundlage offizieller Statistiken, dass es einen Zusammenhang zwischen der kulturellen Prägung und der Kriminalität gibt. Dabei bleibt er nicht diffus, sondern wird konkret. Er schreibt, welche Nationalitäten gemäß Kriminalstatistik besonders zu Gewalttätigkeit neigen.

Dass Menschen aus Syrien oder Afghanistan beispielsweise bei Sexualdelikten mehrere hundert Prozent überrepräsentiert sind im Vergleich zu den Einheimischen, ist eine simple Tatsache, die sich schlecht wegdiskutieren lässt. Damit bleibt denen, die das nicht ausgesprochen wissen wollen, nur ein Weg: Sie müssen die Diskussion an sich verhindern.

An diesem Abend wird das nicht versucht. Die Personenschützer bleiben arbeitslos, Frank Urbaniok kann seine wissenschaftlichen Erkenntnisse eine Stunde lang ungestört vorstellen und danach Fragen aus dem Publikum beantworten.

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Das ändert allerdings nichts daran, dass der frühere Chefarzt des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich für viele zur Unperson geworden ist. Man wirft ihm vor, mit seinem Buch rechte Hetze zu bedienen. Linksradikale Kreise bezeichnen Urbanioks Ausführungen als „rassistische Positionen“, eine Gruppierung nennt ihn „rechtsextremen Psychiater“.

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Das ist leicht widerlegbar. Der Kern von Rassismus besteht darin, andere aufgrund ihrer Herkunft zu diskriminieren und ihnen den Wert als Mensch abzusprechen. Tut man das, wenn man banale Fakten benennt, die auf offiziellem Zahlenmaterial beruhen? Können korrekte Zahlen „rassistisch“ sein? Und wird man zum Rechtsextremen, wenn man sich mit ihnen beschäftigt?

Was soll „umstritten“ sein?

Auch Journalisten tun sich schwer mit dem Autor, den sie früher selbst gern als Fachmann zu Wort kommen ließen, wenn es um die psychologische Beurteilung von Gewalttätern ging. Es scheint ihnen seit „Schattenseiten der Migration“ nicht mehr ganz geheuer, ihn sachlich zu beleuchten, sie gehen vorsichtshalber auf Distanz. „Auch bei Fachleuten ist das Buch umstritten“, heißt es beispielsweise bei der Zeitung Blick.

Mehr steht da nicht. Was genau ist umstritten: Die Zahlen aus der Kriminalstatistik der Kantone? Die Tatsache, dass sie jemand zusammengetragen und analysiert hat? Oder Urbanioks Feststellung, es sei die Aufgabe des Staates, die eigenen Bürger vor Gewalt zu schützen? Ist „umstritten“ einfach die neue Formel für alles, was man nicht so gern hören mag?

Die Zahlen in seinem Buch sind reine Fakten. Sie zu analysieren, ist die Aufgabe der Wissenschaft, ansonsten stellt sich die Frage, warum sie überhaupt erhoben wurden. Und ja, auch ein Staat, der seine Türen für Flüchtlinge öffnet und die Menschenrechte achtet, steht gleichzeitig in der Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sich die einheimische Bevölkerung sicher fühlt. Nichts davon kann ernsthaft umstritten sein.

Das Vertrauen geht verloren

Wir leben im Zeitalter des Kampfs gegen sogenannte „Fake-News“. Regierungen überschlagen sich mit Vorschlägen, wie die Verbreitung von kunstvoll aufbereiteten Lügen mit dem Ziel der Destabilisierung verhindert werden kann. Aber ist die effektivste Art dieses Kampfs nicht, den eigentlichen Fakten den Weg zu ebnen? Offen zu sagen, wie es ist?

Ausländer sind in der Schweiz in puncto Kriminalität überproportional vertreten, und das dort, wo sie besonders weh tut, im Bereich der Gewaltdelikte. Das macht nicht jeden Ausländer zum potenziellen Täter, doch diesen Umkehrschluss vertritt Frank Urbaniok auch nicht. Was er aber sagt: Man darf diese Probleme nicht totschweigen, und man muss beginnen, neben den Potenzialen der Zuwanderung auch über ihre dunklen Seiten zu sprechen.

Wer Fakten zu Tabus erklärt, schützt damit nichts und niemanden. Im Gegenteil: Das Vertrauen in den Staat geht bei denen verloren, die sich an die Gesetze halten und zusehen müssen, wie das andere nicht tun. Und die sehen, wie Leute zum Schweigen gebracht werden, die Zusammenhänge aufzeigen und sagen: Wir müssen etwas tun.

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