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Aufruf für 2026

Einfach mal machen

Ein Video aus dem abgelaufenen Jahr, das in Erinnerung blieb, ist ein Ausschnitt aus dem ARD-Sommerinterview mit Alice Weidel. Das war jenes unfair aufgezogene Interview, bei dem die ARD während der gesamten Zeit die Sprechchöre und Musik linksradikaler Demonstranten im Hintergrund laufen ließ.

Die AfD-Partei- und Fraktionschefin antwortete auf die Frage von Interviewer Markus Preiß, ob sie drei Dinge nennen könne, die in Deutschland richtig gut liefen, nach einigen Sekunden der Stille: „Ganz schwierig.“ Auf Nachfrage erklärte sie: „Ich bin recht ehrlich zu Ihnen, weil ich eine ehrliche Politikerin bin. Und ich mache mir Sorgen um unser Land.“ An dieser Stelle enden die meisten Clips dieser Szene.

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Weidel ergänzte dann nach einer weiteren Nachfrage, offenbar merkend, dass so ein düsterer Blick auf das eigene Land sich für eine patriotische Politikerin doch nicht ziemt: „Worauf ich besonders stolz bin, ist, dass die deutschen Arbeitnehmer und Arbeiter immer weitermachen, die Hoffnung nicht aufgegeben haben, für unser Land einzustehen und nicht längst den Büttel hingeworfen haben.“ Zwei weitere Punkte konnte oder wollte sie nicht nennen.

Ob Pessimismus oder Optimismus, das ist die falsche Frage

Wer sich ein bisschen mit der AfD auskennt, der weiß, dass Weidel mit dieser Aussage durchaus repräsentativ für den Großteil der AfD steht. Manchmal entsteht der Eindruck, die AfD könne in ihrem jetzigen Zustand gar nicht damit umgehen, wenn es Deutschland tatsächlich besser gehen würde. Die miese Stimmung, die aus einem diffusen Unwohlsein resultiert, aber auch konkreten Aufregeranlässen geschuldet ist, ist auch in anderen politischen Lagern spürbar. Dass das einst vorbildliche Deutschland nicht mehr so funktioniert, wie es das vor einigen Jahrzehnten noch getan hat, fällt nicht nur Kulturpessimisten auf. Ein tödlicher Messerangriff im eigenen Ort verübt von einem Fremden lässt auch einen SPD-Wähler nicht kalt. Die meisten roten, grünen und teilweise auch die schwarzen Funktionäre leugnen übrigens die Krise oder ignorieren ihre Symptome. Umfragen weisen zwar ein mit Blick auf die Wirtschaftslage schlechtes Gefühl aus, aber eher in Bezug auf die Gesamtlage, nicht auf die jeweils eigene persönliche Situation. Schmerzhafte Entbehrungen sind noch selten.

„Optimismus ist Feigheit“, könnte nun der ein oder andere mit Oswald Spengler entgegenhalten. Doch ob Optimismus oder doch eher Pessimismus Feigheit ist, ist die falsche Frage. Die Frage lautet mit dem Begründer der dritten Wiener Schuler Schule der Psychotherapie Viktor E. Frankl: „Wozu fordert mich meine Situation heraus?“ oder „Welche Antwort will ich geben?“

Dazu gilt es zunächst, in gebotener Kürze eine Bestandsaufnahme der Situation vorzunehmen. Deutschland – stellvertretend für ganz Mittel- und Westeuropa – befindet sich in einer geistlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Krise. Das dramatische Ausmaß ist deshalb noch nicht in Gänze sichtbar, weil die alte Substanz noch trägt. Noch sorgt die alte Industrie für ausreichend Nettosteuerzahler. Noch prägen ethnische Deutsche weitgehend das öffentliche Bild. Noch übertönt der besinnliche Klang christlich geweihter Glocken den martialischen „Allahu Akbar“-Ruf des Muezzins. Das alles kann sich, manches wird sich mit Sicherheit noch zum Schlimmeren ändern.

Christlicher Rap erobert die Charts

Gleichzeitig aber zeigt die jüngste Vergangenheit, wie schnell ultrarelativistische Entwicklungen implodieren. Der Wokismus hat seine Durchschlagskraft in einer Geschwindigkeit verloren, wie sich das die wenigsten haben vorstellen können. Plötzlich erobern dezidiert christliche Rapper die deutschen Albumcharts (O’Bros mit „To Be Honest.“). Und auch andere erfolgreiche Künstler in diesem bei jungen Menschen prägenden Musikgenre rappen über Gott (Genetikk, Kontra K), andere wie Kollegah kritisieren inzwischen die fatale Migrationspolitik. Oder betonen wie Superstar RAF Camora in Interviews, dass sie in die Kirche gehen.

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Inzwischen können es neue, konservative Medien mit den alten Marken aufnehmen. Noch vor zehn Jahren wäre das undenkbar gewesen. Die Kontakte zu Politik und Wirtschaft im Hintergrund reichen noch viel weiter, als das bisher offenbar wird. Wer als Journalist eine gute Arbeit sucht, geht heute zu einem Medienhaus wie NIUS, nicht zu den Etablierten. Die junge Generation von heute ist auch wieder deutlich konservativer als die von vor 15 Jahren. In den Bestsellerlisten reüssieren regelmäßig Bücher dezidiert konservativer Autoren. Mit der Büchermesse SeitenWechsel fand in diesem Jahr sogar zum ersten Mal eine eigene Veranstaltung dieser Art mit Tausenden Teilnehmern statt.

Schaut man sich jüngste Umfragen zur religiösen Einstellung der Deutschen an, reibt man sich verwundert die Augen: Durchweg sind die unter 30-Jährigen religiöser eingestellt als die anderen Alterskohorten. Vor allem die Generation 60 plus fällt mit atheistischen Positionen auf. Doch die sind nicht die Zukunft. Die unter 30-Jährigen bilden in einer bemerkenswerten Umfrage im Auftrag der komplett säkular orientierten Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) jene Alterskohorte, die am meisten dafür ist, dass das Sittengesetz auch auf göttlichen Geboten basieren sollte, und die sagt, dass die Welt nicht nur durch naturwissenschaftliche Gesetze funktioniert. In einer INSA-Umfrage waren es denn auch die unter 30-Jährigen, die bei der Frage nach der Existenz Gottes den höchsten Ja-Anteil aufwiesen. Bei den unter 29-Jährigen überwiegt die Zustimmung bei der Frage nach der Existenz Gottes mit 46 zu 37 Prozent deutlich.

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Ja, natürlich bildet die Gruppe derer, die ein ausgeprägtes religiöseres Gehör haben als ihre Altersgenossen, nicht die Mehrheit. Dazu befindet sich die abendländische Kulturkonjunktur zu sehr im Tief. Das ist aber auch gar nicht nötig, damit sich etwas zum Besseren ändert. Der Punkt ist ein anderer: Die deutsche katholische Kirche hat es sich im Niedergang bequem eingerichtet. Sie wäre, wie Simon Kajan in Communio unlängst ausführte, gar nicht mehr in der Lage, einem Ansturm junger, glaubenshungriger Menschen eine Heimat zu bieten.

Deutschland und Europa sind noch immer führend

Ähnliches gilt für die Wirtschaft. Während sich die einen im Verwalten des alten Geldes eingerichtet haben, fordern die anderen, noch mehr Anteile davon abzubekommen. Die dritte und kleinste Gruppe aber ist die, auf die es ankommt. Das sind die Abenteurer, wie sie Europa stets hervorgebracht hat. Die trotz aller Hürden, die ihnen in den Weg gelegt werden, voranschreiten. Und die kaum jemand hervorhebt. Auch nicht die AfD, laut aktuellen Umfragen die klar stärkste Partei.

Dabei ist Europa und vor allem Deutschland nach wie vor Weltspitze auch in zukunftsträchtigen Branchen. In der Raketen- und Sensortechnologie, in der Frühwarnfähigkeit, im Bau von Schiffen, im Quantencomputing, in der Optik (ohne die Firma Zeiss mit Sitz auf der Schwäbischen Alb oder die Laser von Trumpf nahe Stuttgart könnten die NVIDIA-Chips nicht hergestellt werden) oder in der Medizintechnik ist Deutschland gleichauf mit der Weltspitze in Amerika und Asien. 

Wenn man sich anhört, mit welchem Kampfgeist die Gründer von Isar Aerospace oder RFA den gerade entstehenden riesigen Weltraummarkt in Angriff nehmen, verfliegt jeder Defätismus. Unterhält man sich mit Vertretern aus diesen Branchen, sagen diese oft: Wir sind ganz vorne dabei, wenn es um die Entwicklung geht. Bei der Umsetzung hapere es dann, was vor allem auch an den politischen Rahmenbedingungen liege. Doch die sind nicht unveränderlich.

Der unsinnige wie unmenschliche Krieg Russlands gegen die Ukraine hat viele Menschen wieder zurück in die Realität geholt. Er zeigte, dass nationaler Chauvinismus zu nichts Gutem führt, und dass jedes souveräne Land ein starkes Militär braucht. Bundeswehrsoldaten werden heute in der Bahn nicht mehr schief angeschaut, sondern mit Dankesworten bedacht. In Osteuropa werden sie mit Kusshand empfangen. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte, dass Europa sich unter Druck von außen eint.

Die Situation ist düster. Das war sie 1945 auch. Je nach Berechnungsweise hat die Bundesrepublik Deutschland aber schon 15 bis 20 Jahre später die Siegermacht Großbritannien beim BIP pro Kopf überholt. Und der exponentielle Effekt, der beim Bevölkerungsschwund so fatal dezimiert, wirkt auch in umgekehrter Weise, wenn die Bevölkerung wächst. Was wäre gewesen, wenn die Kriegs- und Nachkriegsgeneration nicht eine gewesen wäre, die einfach mal gemacht hat?

Was erwartet das Leben von uns?

Noch einmal Viktor Frankl. In seinem bahnbrechenden Werk „…trotzdem Ja zum Leben sagen“ notierte er:

„Was hier nottut, ist eine Wendung in der ganzen Fragestellung nach dem Sinn des Lebens: Wir müssen lernen und die verzweifelten Menschen lehren, dass es eigentlich nie und nimmer darauf ankommt, was wir vom Leben noch zu erwarten haben, vielmehr lediglich darauf: was das Leben noch von uns erwartet!“

Um diesem Sinn nachzuspüren, gibt es gemäß Frankl drei Wege:

„Entweder schöpferisch, indem wir ein Werk schaffen, indem wir eine Tat setzen. Oder aber erlebend, indem wir die Schönheit der Natur, die Güte eines Menschen erleben. Oder einen Menschen liebend, ihn in seinem innersten Wesen erlebend. Drittens, wo es notwendig ist, wo die Ursache einer Leidenssituation sich auf keinen Fall mehr beseitigen lässt, kommt es darauf an, mit welcher Haltung und welcher Einstellung wir das Leiden auf uns nehmen: in Tapferkeit und in Würde.“

Jeder von uns kann – und muss – einen dieser drei Wege beschreiten. Alles andere führt in die lähmende Angst, vor der in der Heiligen Schrift gewarnt wird:

„Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, wieder zur Furcht, sondern einen Geist der Kindschaft habt ihr empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! Der Geist selbst bezeugt [zusammen] mit unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.“ (Röm 8. 15,16)

Von Kindern lernen

Kinder haben manchmal die erfrischende Eigenschaft, dass sie das tun, was sie wollen, auch wenn es auf den ersten Blick unmöglich erscheint. Sie tun es einfach. Ein auf Videoplattformen bekanntes Video zeigt einen kleinen Jungen, der in kindlicher Nonchalance ein Huhn auf sein Fahrrad setzt und damit losfährt.

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Ja, mag der ein oder andere einwenden, Hühner werden mit der Zeit sehr zahm, das Video zeigt eine Ausnahme … Richtig, es verdeutlicht aber, was möglich ist, wenn man etwas tut. Einfach mal macht. Das heißt aber auch, dass man manchmal das tun muss, was man nicht mag. Gremienarbeit zum Beispiel. Je verwirrender und unordentlicher die Situation wird, desto mehr kommt es auf Menschen an, die die Ordnung, die gottgegebene Ordnung, wiederherzustellen versuchen. Das gilt auch im Kleinen: In der Familie, im Dorf, im Viertel, im Verein, im (Pfarr-)Gemeinderat. Es gilt, bestehende Strukturen peu à peu zu übernehmen, oder aber alternative zu schaffen. Überall im deutschsprachigen Raum findet man Gleichgesinnte, kann sich zusammen- oder anschließen, kann aktiv werden, kann Vorbild sein.

Das geht aber nicht mit mieser, lähmender Laune. Die entfacht nur destruktive Kräfte. Ein Katholik, der angesichts des Zustands der Kirche besorgt sei, habe aufgehört, Katholik zu sein, schrieb der unvergleichliche Nicolás Gómez Dávila. Da Abwarten und Tee trinken aber keine Option ist, da uns der liebe Gott Talente gegeben hat, die genutzt werden wollen, heißt es spätestens jetzt: Einfach mal machen.

Keiner von uns ist allein

Vor ziemlich genau einem Jahr erreichte mich als Antwort auf eine Dankes-E-Mail für eine Spende für unser Magazin eine Nachricht, die mich bis jetzt beschäftigt. Ein Mann aus Österreich schrieb darin, dass er vor wenigen Tagen via Google Corrigenda entdeckt habe, als er über das Thema Abtreibungen recherchiert hatte. Weiter unten in den langen Nachricht bekundete er:

„Ich habe das Gefühl, auf einem Kontinent zu leben, der dem Wahnsinn verfallen ist. Und das schlimmste ist, dass ich das Gefühl hatte, allein zu sein. Ich kenne niemanden, der meine Haltung zu diesem Thema vertritt, außer mich selbst. Und jetzt Corrigenda. Sie können sich nicht vorstellen, was es in mir für eine Erleichterung ausgelöst hat, als ich auf Ihr Magazin gestoßen bin. (…)

Ihr Magazin gibt mir eine Hoffnung, die in mir schon fast verloren gegangen war: Dass es vielleicht doch irgendwann wieder gut wird. Dass man irgendwann, so wie wir heute vom Zeitalter der Hexenverbrennungen sprechen, von unserem Zeitalter als dem Zeitalter der Abtreibungen sprechen wird. Und niemand sich vorstellen können wird, wie solche Dinge jemals geschehen konnten. Das ist die langfristige Perspektive. Das andere ist, dass ich jetzt weiß, dass es da draußen zumindest ein paar Menschen gibt, die so denken wie ich. Aber nicht am anderen Ende der Welt, sondern hier bei uns.

Keiner von uns ist allein und zusammen können wir die Kultur wieder aufbauen. Und wenn nicht wir, dann die nächste Generation, der wir den Acker bereiten.

Was konkret tun?

Konservativ, christlich und Single: Warum sich nicht noch heute auf einer Plattform wie Himmlisch plaudernChrist sucht Christ, KathTreff oder CatholicMatch anmelden?

Mit seinen Werten im Berufsleben alleine, aber auf der Suche nach Vernetzung: Warum nicht Kontakt zu Organisationen wie Christen im Beruf, der Juristenvereinigung Lebensrecht oder Christen in der Wirtschaft aufnehmen? Für Führungskräfte gibt es beispielsweise den Bund Katholischer Unternehmer.

Frustriert darüber, dass nach Adenauer und Strauß in der Politik nichts Gescheites mehr kam und die Linken reüssieren: Warum nicht bei der Jungen Union, den Christen in der AfD oder der Plattform Christdemokratie mitmachen und sich mit aller Kraft für eine Umkehr einsetzen? Wichtig ist, dass die vernünftigen Menschen in verschiedenen politischen Lagern wirken.

Linksgrün agitierenden Sozialverbänden nicht die karitative Arbeit und der Antifa nicht die Straße überlassen wollen: Warum nicht seine Zeit für Engagement bei den Maltesern, den Lifefluencern oder der Initiative Christkönigtum nutzen? 

In fast jeder Region im deutschen Sprachraum existieren christliche Vereinigungen, bei denen Gott im Mittelpunkt steht, nicht links-grüne Politik. Es ist für jeden politischen und spirituellen Geschmack etwas dabei, charismatisch, traditionalistisch, ganz klassisch-konservativ.

Und schließlich: Auf der Suche nach mehr Sinn im Beruf – warum nicht über eine Bewerbung bei einer christlich geprägten Organisation nachdenken?

Das ist nur eine kurze Übersicht, es gäbe noch viel mehr zu erwähnen – oder zum Erschaffen. Heiraten und Kinder kriegen natürlich nicht zu vergessen. Keine Ausreden mehr!

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