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Kolumne „Ein bisschen besser“

Was Buffalo Bill Kanzler Friedrich Merz raten würde

In dieser Woche traf ich einen berühmten Ökonomen, der nichts Gutes über unsere Zukunft prophezeite. Er schaute mich dabei prüfend an, ganz so, als wolle er wissen, ob ich seine Einsichten vertrüge. Angeblich, so sagte er mir dann, sei es der legendäre Buffalo Bill gewesen, der durch die fast geschlossenen gelben Zähne den Satz geknurrt habe: „Wenn du die Wahrheit sagst, brauchst du ein schnelles Pferd.“

Ich erinnere mich daran, als ich mit meiner Frau Judith heute in der Morgensonne frühstücke. Eine Woche wie im Wilden Westen liegt hinter uns. Ich musste hinaus in die feindliche Prärie, Judith hat unser Wigwam befestigt, es hält jetzt den nächsten Anstürmen statt.

„Nur ein ruhiger Fluss gräbt tiefe Ufer“

„Ziehe nicht in den Kampf, wenn dein Herz zögert, denn ein halb entschlossener Krieger besiegt zuerst sich selbst“, sagt meine Frau und braut einen starken Kaffee. „Jedes Wort von dir ist ein Pfeil, der sein Ziel niemals verfehlt“, antworte ich. Sie mahnt zur Geduld und sagt: „Nur ein ruhiger Fluss gräbt tiefe Ufer.“ Ich versichere ihr: „Meine Seele ist wie das Wasser: still in der Tiefe, bewegt an der Oberfläche.“ Judith zündet ein Friedenszigarettchen an.

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Möglicherweise, denke ich, liegt im Wilden Westen mehr Weisheit als im Abend- und Morgenland zusammen. Vielleicht wäre es ein bisschen besser gewesen, Friedrich Merz hätte seinen Vize Lars Klingbeil in der Villa Borsig nicht angebrüllt, sondern seelenruhig festgestellt, dass sich zwei Häuptlinge durchaus ein Lagefeuer teilen können, aber zumindest einer von beiden es auch nähren muss. 

Ich spreche diese Wahrheit aus, ohne ein schnelles Pferd zu besitzen

Vielleicht könnte er jenem Krieger vom Stamm der Russen die Augen öffnen, wenn er ihm zuriefe: „Wenn sich der Jäger verirrt hat, erklärt er schnell den Wald zum Ziel.“ Und vielleicht könnte er all denen entgegenhalten, die nach einem Jahr seiner Arbeit als Kanzler jetzt das Kriegsbeil ausgraben: „Urteile über niemanden, bevor du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gegangen bist.“

Ich trete näher heran an meine schöne Frau. Im Verglühen ihrer Zigarette gestehe ich: „Als sich unsere Spuren einst im Staub trafen, hielt der Wind einen Atemzug lang inne. Seitdem reiten wir denselben Pfad durch Sturm, durch Nacht, unter brennender Sonne. Wir teilen dasselbe Feuer, wir trinken aus demselben Fluss, wir lauschen demselben Herzschlag unter dem Donner der Erde. Und wo dein Schatten fällt, da ist mein Ort.“ 

Ich spreche diese Wahrheit aus, ohne ein schnelles Pferd draußen angebunden zu haben. Buffalo Bill wäre tief beeindruckt.

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