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Religionskongress der CDU/CSU-Fraktion

Auf der Suche nach einem Heilmittel für eine Gesellschaft von Ichlingen

Eine Beobachtung vom ersten Mai. Ganztägiger Einkehrtag im brandenburgischen Zisterzienserkloster Neuzelle zu Ehren des heiligen Josef, des Tagesheiligen. Inkognito unter den etwa 50 Teilnehmern: der amtierende Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, begleitet von seiner Frau und Leibwächtern, die sich im Laufe des Tages sichtbar entspannen. Kein Fernsehen, keine Pressestatements, keine PR: der CDU-Politiker ist privat hier.

Haseloff nimmt an der hl. Messe teil, geht zur Kommunion, lauscht den Vorträgen der Mönche, steht am Nachmittag mit anderen reuigen Sündern in der Schlange zur Beichte an, neugierig beguckt von den barocken Engelsputten der Klosterkirche. Gelebter Glaube als Entscheidungschristentum im religiös ausgetrockneten Nordosten der Republik. Katholische Frömmigkeit bei einem Spitzenpolitiker: im Deutschland des Jahres 2024 eine Seltenheit.

Dass die Gretchenfrage aktuell ist, sie die Menschen umtreibt, auch noch in unseren Tagen, das zeigte der rege Zuspruch zu einer Veranstaltung der oppositionellen CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Die fragte: „Wie hältst du es mit der Religion?“ – und lud zu einer Podiumsveranstaltung ins Berliner Reichstagsgebäude, um über die gesellschaftliche Relevanz der Kirchen zu diskutieren. Thomas Rachel, der Fraktionsfachsprecher für Kirchen und Religionsgemeinschaften, merkte an, „dass der Fraktionssaal noch voller ist, als er sonst in einer Fraktionssitzung ist“, und man möchte hinzufügen: Mit den etwa 350 Gästen waren auch weit mehr und vor allem jüngere Besucher gekommen als zu einem durchschnittlich besuchten Gottesdienst in einer Kirche am Sonntag.

Ohne das Wurzelwerk des Christentums nicht denkbar

Mit dem Gottesbezug aus der Präambel des Grundgesetzes führte Rachel ins Thema ein, und seine Ausführungen zum rechten Verhältnis zwischen Bürgern und Staat waren nur scheinbar altbekannt und oft gehört: „Der Staat ist keine letzte Instanz und darf sich niemals zu ihr aufschwingen. Wir haben eine Verantwortung vor Gott und den Menschen. Damit wird an die Grenzen der Gewalt des Staates erinnert.“ Vor dem Hintergrund einer Bundesregierung, die Bürger und Wirtschaft ungenierter und frecher als zuvor mit dirigistischen Eingriffen lenkt, steuert und piesackt, war diese Erinnerung gut platziert.

Wer vor der Veranstaltung darauf gewettet hatte, dass das Böckenförde-Diktum bestimmt schon nach drei Minuten fallen würde, konnte vergnügt den Gewinn einstreichen. „Der freiheitliche, säkularisierte Staat“, dozierte Thomas Rachel, „lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Der Staat lebe auch von Werten, die er allein nicht schaffen kann, „er lebt von Institutionen, die diese Werte leben und mit Leben füllen“. Unser demokratisches Gemeinwesen: ohne das Wurzelwerk des Christentums nicht denkbar. Das christliche Menschenbild: der Kompass für die Unionsparteien.

„Räume, in denen existentielle Fragen gestellt werden“: Thomas Rachel, Fachsprecher für Kirchen und Religionsgemeinschaften der Unions-Fraktion im Bundestag, bei einem Pressestatement

Aber wie weiter, wo doch Hunderttausende jährlich aus den Kirchen austreten, wenn aus der schleichenden eine galoppierende Erosion des kirchlich verfassten Christentums geworden ist? Erstmals in der deutschen Geschichte stellen Christen keine absolute Mehrheit mehr in der Gesamtbevölkerung.

„Das C ist eine klare Grenze nach Rechtsaußen“

Rachel mache sich „Sorgen, wenn die Kirchen aus lauter Angst vor ihrem Bedeutungsverlust zunehmend nur noch um sich selbst kreisen. Wenn die hoffnungsstiftende Evangeliumsbotschaft durch andere Botschaften verdrängt wird.“ Dabei sehe er eine wesentliche Funktion von Kirchen darin, dass sie Räume schaffen, „Räume, in denen existentielle Fragen gestellt werden“ und auch Antworten gefunden würden: „Das ist wahrlich keine Kleinigkeit.“ Dazu der praktische Dienst am Mitmenschen.

Für die Kirchen sei es nur gut, dass diese einen besonderen Ansprechpartner in der Politik hätten (gemeint war seine Partei), „auch wenn diese das nicht immer so wahrnehmen“. Hier kam das Schmunzeln im Saal so sicher wie das Amen in der Kirche. Schließlich sei das christliche Menschenbild der Kompass für die Union. „Und das C in unserem Namen, es ist eine einheitliche Klammer“ und sorge, im Unterschied zu anderen politischen Richtungen dafür, dass das Liberale menschlich bleibe, das Soziale nicht in einen neuen Sozialismus führe und das Konservative „nie in eine Blut- oder Bodenideologie abgleitet“: „Das C ist eine klare Grenze nach Rechtsaußen.“

Mit Spannung erwartet wurde die Rede des CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz. Als er angekündigt wird, gehen Kameramänner in Position, es herrscht gespannte Stille. „Wie steht es nun um die gesellschaftliche Relevanz der Kirchen?“, fragte Friedrich Merz. „Ganz ohne Frage: Die Kirchen sind eine große Stütze unserer Gesellschaft. Der kirchliche Kindergarten. Die evangelische oder katholische Schule. Der Jugendklub im Gemeindehaus. Das Pflegeheim der Diakonie. Das Krankenhaus der Caritas.“

Präsent, wenn es wirklich hart auf hart kommt

Fast zwei Millionen Beschäftigte arbeiteten bei den Kirchen, nach dem Staat der größte Arbeitgeber, dazu viele Hunderttausend Ehrenamtliche. Ob hier wirklich immer der Glaube das Entscheidende ist oder nicht vielmehr oft nur noch Trägerschaften – dieser Frage, so wurde nach der Veranstaltung in Einzelgesprächen deutlich, hätte mancher gern mehr Beachtung geschenkt gesehen.

Aber dennoch: Wer wollte Merz nicht recht darin geben, wenn dieser die Kirchen lobt als Institutionen, die oft als einzige da sind, wenn es wirklich hart auf hart kommt. „Es ist gerade die Kirche, und es ist allzu häufig nur die Kirche dort präsent, wo die Lebensumstände besonders schwierig, die Verhältnisse besonders kompliziert sind.“ In Notsituationen zeige sie ihre besondere Stärke: „Die Kirche scheut das Elend nicht.“

CDU-Vorsitzender und Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Friedrich Merz während seines Grußworts

Wie seine Vor- und Nachredner auch, machte der Katholik Merz den Trend zur Säkularisierung, zur Institutionenkritik und die Fehlentscheidungen bei den Missbrauchsskandalen für die Abkehr von den Amtskirchen in jährlich sechsstelliger Höhe verantwortlich. Doch im Gegensatz zu Bischof Franz-Josef Overbeck, der später sagen wird, den Kirchen fehlten die Suchenden, setzte Merz einen anderen Akzent.

Auch wenn das Interesse an den Kirchen abnehme – „was aber nach meinem Eindruck in unserer Gesellschaft nicht abnimmt, ist das Bedürfnis nach Spiritualität, die Suche nach Antworten auf die ganz grundlegenden Fragen unseres Lebens“, so Merz. Die Sehnsucht nach Antworten werde zunehmen: „Regalmeter um Regalmeter sind gefüllt mit Ratgeberliteratur“, nannte Merz ein Beispiel aus den Buchhandlungen, mit den Angeboten von Lifecoaches in den sozialen Medien ein anderes.

Die Kirche, so rief Merz den anwesenden Geistlichen ins Gewissen, „ist aber gerade dort stark, wo sie sich dieser Herausforderungen durch die Sinnsuchenden annimmt, wo sie den Mut und die Bereitschaft hat, Antworten zu geben, die nicht bloß der reinen Vernunft entsprechen. Wo Gottesdienste die Frohe Botschaft in das Zentrum rücken.“

Merz: „Große Chancen für die Kirche“

In dem Zusammenspiel von Gemeinschaft und Diakonie, Glaubenszeugnis und Liturgie sah Merz eine „große Chance für die Kirche“, im „Gleichgewicht zwischen Weltlichem und Transzendentem“. Ob unseren von den Tauen der Tagespolitik so oft so gebundenen Bischöfen an dieser Stelle wohl die Ohren geklingelt haben? In der anschließenden Fragerunde ganz am Schluss meldete sich ein junger Mann, dem es wichtig war zu sagen, wir sollten beten für unsere Hirten, Priester und Diakone.

Merz endete mit einem Zitat aus dem Grußwort des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler zur Synode der Evangelischen Kirche 2006:

„Was ich mir von der Kirche, von den Kirchen wünsche, ist die klare Unterscheidung zwischen letzten und vorletzten Fragen. Alle Politik gehört, so wichtig sie ist, zu den vorletzten Fragen. Die letzten Fragen, vor die jeder Mensch unvertretbar selber gestellt wird, die Fragen nach dem Sinn seines Daseins, nach dem Sinn seines Lebens und Sterbens, werden von keiner Politik aufgehoben. Diese Fragen wachzuhalten und in diesen Fragen die Menschen nicht alleinzulassen, darauf kommt es heute vielleicht am allermeisten an. Hier besonders erwarte ich die Stimme der Kirche – und ihre Stimme sollte in den entscheidenden Fragen nicht leiser sein als in ihren Äußerungen zur Politik.“

Das Publikum quittierte es mit starkem Applaus.

Wenn schon der Bundesvorsitzende einer politischen Partei viel von mutmachenden Chancen und froher Botschaft spricht und der Kirche freundlich, aber energisch ins Stammbuch schreibt, als Leuchtturm für Schiffbrüchige bitte, bitte heller zu scheinen – wieviel mehr wäre nun von den hochgestellten geistlichen Damen und Herren beiderlei Konfession zu erwarten gewesen, denen nun das Podium gehörte.

Wie hoffen im „gordischen Krisenknoten“?

Die amtierende Ratsvorsitzende der EKD, Kirsten Fehrs, berichtete von einer Demonstration „gegen Rechts“ in Hamburg, das zu ihrem Sprengel als Bischöfin gehört. Dass Moslems, Juden und Christen dort gemeinschaftlich für die Demokratie eintraten, habe sie sehr beeindruckt, und sie deutete das auch als „zutiefst religiöse Signale“.

Insgesamt sehe sie eine Gesellschaft der „Ichlinge“, die die eigene Freiheit absolut setzten, denen die Freiheit der anderen dagegen herzlich egal sei. „Man ist eigentümlich vereinzelt.“ Die Verneinung Gottes, der Verlust der Bindung an die Zehn Gebote, das Auf-sich-selbst-Zurückgeworfensein des postsäkularen Menschen, „das befremdet mich instinktiv“. 

„Kirche ist gebraucht als Werteinstanz“, unterstrich Fehrs. Angesichts eines „gordischen Krisenknotens“ und „hohen seelischen Stresses“, vor dem Hintergrund des Erstarkens der AfD, von Klimawandel, von gesellschaftlicher Polarisierung und Nationalismen – „wie kann man da von Hoffnung sprechen, dass es die Menschen auch erreicht?“ Ja, in der Tat, wie geht das, wenn man nicht von Jesus Christus spricht? Möglicherweise nahm die Bischöfin den Namen des Gottessohnes aus Ehrfurcht nicht in den Mund, das kann sein. Wo doch die Seelsorge die „Muttersprache der Kirche“ sei, wie sie betonte.

Bischof Overbeck: Neuevangelisierung ist „schillernd“

Die Nordbischöfin wolle einen Glauben, „der öffentlich gehört werden soll“, christliche Hoffnung, die Beine bekommen hat, „damit die Menschen vor Angst nicht vergehen“. Als evangelische Kirche müsse man „Verständigungsorte“ bieten und „nicht aufhören, zuzuhören“, denn nur so lasse sich eine demokratische und menschenfreundliche Gesellschaft aufrechterhalten. Bei der SPD klingt der Sound nicht unähnlich, bei der EKD läuten halt zusätzlich noch die Glocken.

Nicht mehr glauben, nicht mehr fromm sein – journalistisch zugespitzt waren das die Thesen, die der katholische Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, aufstellte: „Es gibt die Suchenden nicht!“ Wie man auf eine verständliche Weise Menschen für den Glauben begeistern könne – „es gibt darauf keine einfachen Antworten. Wir werden in Zukunft Minderheit sein.“ Diese Wahrheit müsse man unumwunden aussprechen, auch „schillernde Begriffe wie Neuevangelisierung“ würden daran nichts ändern.

Overbeck wirkte nüchtern, resigniert. Man solle aufhören zu glauben: und zwar an die Volkskirche. Angesichts von nicht einmal mehr der Hälfte der Deutschen, die konfessionell gebunden sind und der Tatsache, dass Religiosität und Institution sich völlig entkoppelt hätten, dazu seine Erfahrung als Militärseelsorger mit „fünfzig Prozent ohne Taufe“, gebe es „kein Zurück“.

Entfaltung, Schönheit, Fülle

Der Ruhrbischof warnte vor einem „sektenartigen“ Rückzug auf eine scharf abgegrenzte religiöse Identität, denn es stelle sich ganz bald die „Relevanzfrage der Kirche“. Die Erfahrung etwa, von Gott beschenkt zu sein und das Bekenntnis zu Jesus Christus, das müsse „herauskommen aus allem Frommem“: Denn ohne gesellschaftliche Relevanz sei die Kirche irrelevant, ohne Tradition indessen habe sie keine Identität. Schwierig! „Darum sollten wir darum ringen, wo Reformen notwendig sind und wo etwas festgehalten werden muss.“

Die Philosophin und bekannte Medizinethikerin Christiane Woopen (Universität Bonn) wollte, wie sie in ihrem Statement sagte, eine ethische Laienperspektive einbringen. Das ethisch Gute bestehe in Entfaltung, Schönheit, Fülle. Da müsse man in einen Diskurs gehen, „aber das schließt alles Extremistische aus!“ Woopen war Mitglied der von der Regierung eingesetzten „Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin“. Diese sprach im April die – extremistische? – Empfehlung aus, das Lebensrecht des Ungeborenen in den ersten Monaten der Schwangerschaft zu schwächen und hier die Abtreibung rechtlich ganz straffrei zu stellen.

Christiane Woopen und Bischof Franz-Josef Overbeck

An den verfassten Kirchen machte sie, „für beide Kirchen unterschiedlich“, eine „Krise im Grundton“ aus, und kritisierte deren „Wir bewerten, wir regeln, wir haben die rechte Moral, und wir verkünden das!“ Die Kirchen könnten wieder relevanter werden mit einer anderen, besseren Sprache, „um aus der Bubble herauszukommen“.

Gar nicht so resigniert wie ihr Vorredner rief sie: „Wir sind freie Menschen! Für mich gibt es keine Religion, die eine radikalere Freiheit begründen könnte als das Christentum.“ Zwei Ansatzpunkte wollte Woopen den Zuhörern dabei mitgeben: Ein freier Schöpfergott ruft in völliger Freiheit den Menschen als sein Ebenbild ins Leben, erschafft ihn als Beziehungswesen, „und auch Gott ist Beziehung in der Dreifaltigkeit“. Woopen merkte wohl, dass sie religiöser sprach als ihre geistlichen Vorredner, denn ihr rutschte die Bemerkung heraus: „Ich komme mir so komisch vor, das hier neben Bischöfen zu sagen …“

Als ein Zweites unterstrich sie: die Zusage der unbedingten Annahme und Liebe, der Zusage durch Gott: Ich will dich, ich liebe dich, du bist mein. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man noch freier sein kann als mit diesen Zusagen! Und das wird mir durch die Kirchen nicht laut genug verkündet.“ Warum sich diese zwei Botschaften mit dem zuvor kritisierten Wahrheitsanspruch der Kirche beißen sollten, erschloss sich freilich nicht.

Debattenschwung am Schluss, Applaus für Lebensschutz

Erst als das Publikum zu Wort kommen durfte, kam endlich etwas Schwung und Kontroverse in den Fraktionssaal, durch dessen gläsernes Dach eine der auf dem Reichstag wehenden deutschen Flaggen zu sehen war.

Adressiert an die drei Podiumsteilnehmer, setzte die CDU-Bundestagsabgeordnete Elisabeth Winkelmeier-Becker zu einer deutlichen Wortmeldung in Sachen Paragraf 218 Strafgesetzbuch an. Sowohl Ethikerin Woopen als auch Bischöfin Fehrs gehören Organisationen bzw. Gremien an, die sich für eine Legalisierung der Abtreibung bis zur 22. Schwangerschaftswoche einsetzen. Und beide betonten denn auch die Güterabwägung zwischen dem Selbstbestimmungsrecht der Frau und dem Lebensrecht des ungeborenen Kindes, die der Gesetzgeber vorzunehmen habe.

Winkelmeier-Becker hingegen kritisierte, dass die Debatte um Paragraf 218 bzw. 218a überhaupt aufgemacht worden sei und die bestehende Regelung bereits diese Abwägung treffe. Dass dadurch jährlich über 100.000 Kinder abgetrieben werden, auf dieses Faktum gehe auch in der Union niemand kritisch ein. Die Strategie der Christdemokraten laute: die aktuelle Regelung aufrechterhalten, um bloß keinen neuen „Kulturkampf“ zu riskieren.

Debatten unter dem Kreuz Christi: Podium und Publikum im CDU/CSU-Fraktionssaal im Reichstagsgebäude

Immerhin Ruhrbischof Overbeck hielt, wenn auch ohne die katholische Lehre zu erwähnen, die Fahne des Lebens hoch. Es sei wissenschaftlich erwiesen, betonte der Geistliche, dass bereits im Achtzellenstadium die Fähigkeit enthalten sei, zu einem ganzen Menschen heranzuwachsen. Daher sei die Position klar: Bei der Güterabwägung zwischen dem Selbstbestimmungsrecht der Frau und dem Lebensrecht des Ungeborenen gewichte die römische Kirche letzteres klar höher. Aus dem Publikum: Applaus, und das nicht zu knapp.

Überhaupt zeigten sich die Stimmen aus der Zuhörerschaft glaubensfroher als die drei Diskutanten des Podiums. Jemand aus Vorpommern hob die Bedeutung der je konkreten Dorfkirche als Veranstaltungsort für den dörflichen Zusammenhalt hervor, beklagte aber das dort völlig fehlende Christentum. Mission, Mission! Die müsse von der Kirche kommen, aber da komme nichts.

Von wo die Erneuerung der Kirche kommen könnte

Einem anderen vom Evangelischen Arbeitskreis der CDU/CSU war es wichtig, dass die Kirche sich für einen umfassenden Frieden in der Gesellschaft einsetze, aber so eine gesellschaftliche Aufgabe könne doch um Himmels willen nicht von der Glaubensweitergabe getrennt werden: „Macht alle Menschen zu meinen Jüngern!“ mahnte er Jesu Auftrag an, „und für die politisch Verantwortlichen wollen wir beten!“

Ein dritter warf ein, er wünsche sich „mehr Martin Luther zurück und einen ordentlich geführten Diskurs“, eine Frau meldete sich und fragte: „Was hat das hier nun gebracht, was nehme ich von hier mit?“

Beim anschließenden Empfang bei Würstchen, Salat und Weißwein – diese Stärkung konnte und durfte man in jedem Fall mitnehmen – erzählten Eheleute aus Merseburg von den vielen, vielen Iranern, die ihre zusammengeschrumpfte evangelische Gemeinde im Herzland der Reformation bereichern und wieder jung, lebendig und glaubensstark machen. Ob diese frohen Neugetauften die sehr deutsche Debatte heute verstanden hätten?

 

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Dinah
Vor 1 Monat

Was können die Kirchenglieder von den meisten katholischen Bischöfen im deutschen Sprachraum erwarten? Die äußere Wahrnehmung sieht eher düster aus: da ist der Hofknicks vor dem Staat zum Amtsantritt; die meisten agieren wie Manager eines Unternehmens, der allenfalls für die Angestellten ansprechbar ist, keinesfalls jedoch für alle Gläubigen (eher Kunden) seines Bistums; wie Manager unterwerfen sie sich den Subventionen des Staates und werden von ihm gepampert und gestillt; katechetische Unterweisung findet so gut wie nicht mehr statt, die Sakramente sind größtenteils ruiniert, die ausgebreitete „Theologie“ lässt sich ganz einfach so zusammenfassen: „Piep piep piep, wir ham uns alle lieb.“(natürlich sind die nicht mitgemeint, die nicht so mitspielen, wie es die aktuelle Politparole fordert).
Ich drück es mal in kraftvoll lutherischer Diktion aus: der Staat hat die petrinischen Schlüssel gefressen und ausgeschissen.
Aber, aber, aber, vielleicht muss es manchmal so sein? Es ist womöglich wie die Geschichte in 1 Kön 3, 16-28, wo zwei Frauen sich um ein lebendes Kind streiten und die wahre Mutter verzichtet, um das Leben des Sohnes zu retten. Es ist tragisch und es gilt wachsam zu bleiben.

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Veritas
Vor 1 Monat

Eine sehr nahbar, lebhaft beschriebene Reportage. Mir scheint, die Union lechzte fast schon nach kantigeren Kirchenvertretern, aber die sind schwach und liberal.

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Isis Alina Klinken
Vor 1 Monat

Wie kommt Bischof Overbeck darauf, dass es keine Suchenden nach der ewigen Wahrheit und dem Sinn des Lebens gebe? So viele junge Leute wenden sich der Esoterik zu, weil sie nach Ritualen suchen, aber durch antichristliche, vor allem antikatholische Vorurteile ihnen die Wahrheit in Person = Jesus Christus vorenthalten wird. Gerade weil die Volkskirche nicht mehr fruchtbar ist, brauchen wir missionarische Jüngerschaft durch charismatische innere Erneuerung. Gemeinschaften wie die Emmanuel Houses oder Loretto machen das wunderbar vor, denn dort blüht der Glaube. Ein Bischof kann doch nicht sagen: „Die Zahl der Christen und der Einfluss der Kirche geht zurück, also müssen wir uns säkularisieren, um attraktiv zu sein.“ Eine Sozial-NGO mit spiritualisiertem Ampel-Programm hält Gemeindesekretärinnen bei der Stange, die einfach eine gesicherte Verwaltungsarbeit suchen. Für sinnentleerte Menschen ist es Jacke wie Hose, ob ihnen SPD oder ein deutscher Ampel-Kirchenklub sagt, dass sie einfach machen sollen, was sie glücklich macht und ethisch nach dem jeweiligen Zeitgeist leben sollen.

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Andreas Graf
Vor 1 Monat

Der Teufel geht wie ein brüllender Löwe umher und versucht, wen er verschlingen kann. In heutiger Zeit nimmt er besonders viele Seelen in die Gefangenschaft, die er mit in die Hölle hinabziehen möchte. In diesem Kampf gegen die höllischen Geister hilft nur die Waffenrüstung Gottes, allen voran der Rosenkranz. Dieser wird heute sehr vernachlässigt. Die anwesenden Bischöfe hätten darauf hinweisen müssen, falls sie nicht schon selbst in den Krallen der finsteren Mächte sind. Wir leben in einer bequemen Zeit. Beten kostet dagegen Zeit und Ruhe. Eine Zeit, die gut investiert wäre. Beten ist quasi das beste Investment, das es gibt.

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Dinah
Vor 1 Monat

Was können die Kirchenglieder von den meisten katholischen Bischöfen im deutschen Sprachraum erwarten? Die äußere Wahrnehmung sieht eher düster aus: da ist der Hofknicks vor dem Staat zum Amtsantritt; die meisten agieren wie Manager eines Unternehmens, der allenfalls für die Angestellten ansprechbar ist, keinesfalls jedoch für alle Gläubigen (eher Kunden) seines Bistums; wie Manager unterwerfen sie sich den Subventionen des Staates und werden von ihm gepampert und gestillt; katechetische Unterweisung findet so gut wie nicht mehr statt, die Sakramente sind größtenteils ruiniert, die ausgebreitete „Theologie“ lässt sich ganz einfach so zusammenfassen: „Piep piep piep, wir ham uns alle lieb.“(natürlich sind die nicht mitgemeint, die nicht so mitspielen, wie es die aktuelle Politparole fordert).
Ich drück es mal in kraftvoll lutherischer Diktion aus: der Staat hat die petrinischen Schlüssel gefressen und ausgeschissen.
Aber, aber, aber, vielleicht muss es manchmal so sein? Es ist womöglich wie die Geschichte in 1 Kön 3, 16-28, wo zwei Frauen sich um ein lebendes Kind streiten und die wahre Mutter verzichtet, um das Leben des Sohnes zu retten. Es ist tragisch und es gilt wachsam zu bleiben.

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Veritas
Vor 1 Monat

Eine sehr nahbar, lebhaft beschriebene Reportage. Mir scheint, die Union lechzte fast schon nach kantigeren Kirchenvertretern, aber die sind schwach und liberal.

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Rainer Beel
Vor 1 Monat

Geschwätz, vertane Zeit. Schade!