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Vom Fernen Osten zum abendländischen Glauben

Warum ich als gebürtiger Vietnamese die christliche Wurzel des Westens verteidige

Geboren und aufgewachsen bin ich in einer buddhistisch-konfuzianischen Familie – in Nordvietnam, einer Region, die bereits 1954 kommunistisch war, 21 Jahre vor dem Süden. Ende der 2000er Jahre, als das Internet gerade nach Vietnam kam und das Regime die Informationsflüsse noch nicht kontrollieren konnte, stieß ich zufällig auf Berichte über ein freies, humanes und schönes Südvietnam, das nach nur zwanzig Jahren Existenz ausgelöscht wurde. Die Frage, warum eine freiheitlich-demokratische Ordnung so zerbrechlich sein konnte – im Süden Vietnams wie im ganzen Land – begleitete mich später auf meinem Bildungsweg nach Deutschland und Irland.

Hier auf dem Boden des freien Europas habe ich mich eingehender mit unserem armen Südvietnam beschäftigt. In der gesamten Zeit seines Bestehens waren die Jahre der Ersten Republik unter der Führung eines katholischen Präsidenten die friedlichsten und glücklichsten Südvietnams. In der Zweiten Republik musste im Präsidentenpalast eine Aufteilung zwischen Katholizismus und Buddhismus bestehen, wobei der Präsident Katholik und der Vizepräsident Buddhist war, was den Unabhängigkeitspalast fast halbierte. Diese Periode Südvietnams war zwar wegen der zunehmenden Kriegslage voller Instabilität, aber im Wesentlichen war es noch ein glückliches Land mit einer humanistischen Freiheit.

Seit dem Jahr 1975, als mein gesamtes Land in die Hände der Kommunisten fiel, blieb Christen – sowohl Katholiken als auch Protestanten – jeglicher Zugang zu politischer Macht dauerhaft verwehrt. Auch der Zivilisationsgrad und die Würde meines Landes fielen immer weiter hinter unsere kulturellen Bruderstaaten zurück – allen voran Südkorea, Taiwan und Japan, später selbst hinter südostasiatische Nationen wie Thailand, Malaysia, die Philippinen und Singapur.

Das Christentum als Fundament der Menschenrechte

Daraus erahnte ich allmählich den Zusammenhang zwischen dem Christentum und einer freien Gesellschaft. Den Menschen im Westen mag es vielleicht schwerfallen, diese Verbindung zu erkennen, doch für ihre autoritären Feinde ist sie überaus klar: Der Beweis dafür ist das Misstrauen und die Überwachung, mit denen Teheran oder Peking den Christen im eigenen Land begegnen.

In der Tat: Wo Christen eingeschränkt und verfolgt werden, dort werden auch die Grundfreiheiten – das Recht auf Leben, die Gewissensfreiheit und das Recht auf Privateigentum – beschnitten. Das ist kein Zufall. Wie schon John Locke argumentierte, entstammen diese fundamentalen Menschenrechte dem Herrn und Gott, und die Aufgabe eines an das Recht gebundenen Staates ist es, sie für jeden Bürger zu schützen. Auf diesem Fundament entstand die glanzvolle freie Gesellschaft der Vereinigten Staaten, die in Wissenschaft, Wirtschaft und Militär zur Weltspitze aufstieg. Von den Weltkriegen bis zum Sieg im Kalten Krieg hat dieses Modell eines Rechtsstaates seine Überlegenheit unter Beweis gestellt.

Im Gegensatz dazu versucht der Staat, wenn er sich mit einer teuflischen Ideologie verbindet und zu einer Art modernem Götzendienst wird, Gott als einzigen Gegenstand der Anbetung zu ersetzen und jene von Ihm ausgehenden Grundfreiheiten zu zerstören, die die menschliche Würde garantieren. Faschistische, kommunistische und islamistische Regime haben stets versucht, die gottgewollten freien Ordnungen zu übertreffen, sind jedoch gescheitert – weil den Menschen unter diesen Regimen die für eine ganzheitliche Entfaltung grundlegenden Freiheiten geraubt wurden.

Das Erbe Roms und der Geist des Alten Testaments

Von hier aus blickte ich weiter zurück und entdeckte die prachtvollen Architektur- und Bildhauerwerke sowie die wissenschaftlichen Arbeiten der Renaissance, die das Fundament der modernen Wissenschaft bildeten – eine Epoche, in der göttlicher und menschlicher Wille in jedem Werk miteinander harmonierten.

Doch hätte die Katholische Kirche nicht über ein Jahrtausend hinweg das Wissen der griechisch-römischen Antike durch die mühevolle Kopierarbeit ihrer Mönche bewahrt, hätte die Renaissance nichts zum Wiederentdecken gehabt. Alles begann mit Papst Leo I. und später Gregor I., die beim Untergang des Weströmischen Reiches hervortraten, um die Stadt Rom zu beschützen und zu verwalten. Die militärischen Mächte, die das Erbe des Weströmischen Reiches antraten, respektierten den Papst aufgrund seines Glaubens und seines Wissens. So stellten sie die königliche Macht unter die Billigung der Kirche – allen voran mit der Krönung Kaiser Karls des Großen zum Herrscher des Heiligen Römischen Reiches.

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Autor Benjamin Ho Duc vor dem Dresdner Zwinger: Das Abendland lieben gelernt

Die katholischen Monarchen verteidigten Europa aus ihrem Glauben heraus gegen die islamische Invasion oder eroberten es, wie im Fall Spaniens, sogar zurück, um so die westliche Zivilisation bis heute zu bewahren. Im Vergleich mit den Staaten des Nahen und Mittleren Ostens – einst christliche Länder, ehe sie vom Islam erobert wurden – zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Wo das christliche Fundament bewahrt blieb, bewahrte die Gesellschaft auch jene Zivilisiertheit, die als Grundlage für den demokratischen Diskurs dient; wo hingegen eine radikale Islamisierung stattfand, verkam die Demokratie zur Fratze und wurde immer wieder zur Beute extremistischer Kräfte – sei es das Ayatollah-Regime im Iran, die Taliban in Afghanistan, die Muslimbruderschaft in Ägypten oder der IS in Irak und Syrien.

Der Geist der Freiheit im Alten Testament und ein geistesgeschichtlicher Bruch

Als jemand, der einst sowohl von linken als auch von rechten antisemitischen Verschwörungstheorien beeinflusst war, wurde ich von diesem teuflischen Gedankengut völlig gereinigt, als ich zur eigentlichen Wurzel des Christentums vordrang: dem Alten Testament. In den Texten des Alten Testaments spürte ich am deutlichsten den Geist der Freiheit im Kampf gegen jegliche Despotie – im Einklang mit den Schlachten der Griechen gegen das antike Perserreich. Ebenfalls aus dem Alten Testament stellte ich fest, dass ein Staat erst dann ein vorbildliches Modell bildet, wenn seine Herrscher noch auf die Propheten hören. Man kann sagen, dass die Katholische Kirche bis zur Renaissance die Rolle sowohl des Propheten als auch des Priesters einnahm und die europäischen Staaten lenkte – geprägt von begrenzten Kriegen einer ritterlichen Elite.

Doch seit der Reformation erwies sich dieser geistesgeschichtliche Bruch als zweischneidig. Während der maritime, angelsächsische Raum den Pfad der Freiheit unter Gott beschritt – verkörpert durch John Locke und das US-amerikanische Modell, in dem die Grundrechte fest im göttlichen Naturrecht verankert blieben –, glitt der europäische Kontinent zunehmend in einen radikalen Rationalismus, die Romantik und den Materialismus ab. Ein Denken, das nur noch den Menschen kennt und Gott vergisst, entfesselte den modernen Götzendienst fataler Ideologien. Dies führte schließlich zu den verheerenden, totalen Kriegen des 20. Jahrhunderts.

Trotz der Verheerungen solcher Kriege vermögen diejenigen, die den einzigen wahren Gott YHWH durch Jesus Christus anbeten, durch das stets erneuernde, abundante Leben aus dem Heiligen Geist alles aus der Asche wieder aufzubauen. Die Bundesrepublik Deutschland ist dafür ein Paradebeispiel: Bundeskanzler Konrad Adenauer vereinte die Christen – ob Katholiken oder Protestanten – in der CDU. Diese Regierungspartei, die sich der Bekämpfung jeglicher Form von Antisemitismus verschrieb, baute Deutschland in den folgenden zwei Jahrzehnten durch das Wirtschaftswunder wieder auf.

Die Lehre der Geschichte: Mäßigung nur unter Gott

Solange die göttliche Macht über der menschlichen Macht steht, kennen die Menschen Mäßigung. Das Modell, in dem die Propheten über der königlichen Macht stehen, existierte nur in Westeuropa. Selbst in orthodoxen Ländern unterstehen die Patriarchen im Grunde der Macht des Staatsoberhauptes, so dass der persönliche Wille des Herrschers oft über dem Willen Gottes steht – der Fall Putin und die Russisch-orthodoxe Kirche ist dafür ein prägnantes Beispiel. Ähnlich verhielt es sich früher in den protestantischen Staaten, in denen der Monarch zugleich das Haupt der Landeskirche war.

Hierbei muss klar zwischen einer islamischen Theokratie und dem jüdisch-christlichen Bund unterschieden werden: Während Erstere den menschlichen Willen fälschlich als den Willen Allahs ausgibt – eines Gottes, der meiner Meinung nach weder im Alten noch im Neuen Testament der eine wahre Gott ist, da er sich in seinem Wesen grundlegend unterscheidet –, um Gläubige anzustacheln und sinnliche Belohnungen zu versprechen, stützt sich Letzterer auf das objektive Gesetz und die ewige Gerechtigkeit des einzigen wahren Gottes, um die animalischen Triebe des Menschen zu zügeln.

Eine Warnung an das heutige Europa

Zum Abschluss kehre ich zur heutigen Realität Europas und einer potenziellen Gefahr zurück: Politische Parteien – selbst Produkte der Demokratie, die im Innersten in der gottgegebenen Freiheit des Judentums und Christentums wurzelt – vergessen zunehmend ihre Herkunft. In Ländern ohne christliches Fundament würden ihnen solche Freiheiten niemals gewährt. Schwerwiegender noch: Vergessenheit führt zu der Anmaßung, sich an die Stelle Gottes zu setzen, und drängt freie Gesellschaften auf die Bahn jener Staaten ohne christliche Basis. Genau deshalb sind liberal-demokratische Systeme andernorts so anfällig für extremistische Gruppen.

Es erklärt zugleich, warum die freien Ordnungen in Europa standhalten konnten: Weil ihr fast zweitausendjähriges christliches Fundament fortbesteht und die Führungspersönlichkeiten dieses Kontinents in entscheidenden Momenten zur Einsicht gelangten, sich dem wahren Gott wieder zuzuwenden und neu aufzubauen – genau wie einst die jüdischen Könige, die nach jedem Fehltritt umkehrten, um Vergebung zu erlangen und ihr Land neu zu errichten.

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