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Kolumne „Kaffeehaus“

Eschatologie in der Küche

Die schwersten Fragen des Glaubens werden nicht in den Vorlesungssälen der Theologie diskutiert. Nein, oft werden sie während des Abendessens, beim Zähneputzen oder kurz vor dem Einschlafen mit Kindern erörtert. „Werden wir im Himmel gut atmen können, wenn die Luft in der Höhe so dünn ist?“ oder „Wirst du im Himmel so alt wie jetzt sein, Mama?“ – sie wollen es ganz genau wissen.

Und auch eine Mutter, die Theologie studiert und Referate über Eschatologie (die Lehre von den letzten Dingen) geschrieben hat, muss gut überlegen, was sie sagt. Denn Kinder lassen sich – im Unterschied zu manchen Theologieprofessoren – mit schwammigen oder relativierenden Antworten nicht zufriedenstellen.

Vor einigen Tagen ereignete sich in unserer entfernten Verwandtschaft eine Tragödie: eine Frau und Mutter wurde auf ihrem Weg zur Arbeit brutal ermordet. Eine Tat, die sprachlos macht und nicht verstanden oder erklärt werden kann. Ein Ereignis, das die Theodizee-Frage unmittelbar in die Nähe des Alltags rückt: Warum lässt Gott das Böse zu?

Das Böse gehört dazu, und es ist nicht einfach, das zu akzeptieren

Aber fast musste ich mich schämen, dass dies meine ersten Gedanken waren. Denn als Theologin müsste ich wissen, dass es größere Dimensionen gibt als dieses Leben im Hier und Jetzt. Die Schöpfung und göttliche Heilsordnung unterliegen einer anderen Logik, als der von uns als gerecht empfundenen. Der allgemeine Spruch, dass „der Tod zum Leben gehört“, nimmt jedoch eine andere Dimension an, wenn der Tod in die unmittelbare Nähe rückt.

Es gehört auch „das Böse“ zum Leben, und es ist nicht einfach, dies zu akzeptieren. Deshalb entschied ich mich, die Kinder über diese Tat aufzuklären. Im Hinblick auf die Hoffnung auf das ewige Leben, aber auch die Hilfe, die sich durch das Gebet und konkrete Taten realisieren lässt. Die Kinder beteten gern für die betroffene Familie. Mein Sohn bat sogar seine Religionslehrerin in der Schule, gemeinsam mit anderen Kindern zu beten.

Selbstverständlich macht es für die gesamte Auffassung vom Leben einen enormen Unterschied aus, ob man annimmt, dass nach diesem Leben alles aus ist oder man sich vom Glauben an die Auferstehung der Toten tragen lässt. Eins bleibt jedoch der gemeinsame Nenner dessen, was im Leben wirklich zählt: das Gute, das wir gesät haben und die Liebe, die wir geschenkt haben.

Das wahrhaft Gute bleibt

Alles wahrhaft Gute bleibt und wird weiterbestehen. Diese Botschaft scheint auch in den Herzen der Kinder während unserer abendlichen Gespräche über das Leben und den Tod angekommen zu sein. Sie gibt Trost und Mut. Kein Erfolg, keine Karriere und kein Reichtum werden da mithalten können.

Der Franziskaner-Pater Gereon Goldmann beschrieb diesen Aspekt wie folgt:

„Nun bin ich ein alter und kranker Mann. Fester als je ist meine Überzeugung, dass alles, was auch immer im Leben geschehen wird, unter der gütigen und liebevollen menschenfreundlichen Vorsehung einer ewigen Liebe geschieht. Freude und Leid, Erfolg und Misserfolg, Krankheiten und Nöte aller Art. Alles schlägt zum Guten aus – ja, zu unserem Besten, wenn wir die Überzeugung bewahren, dass Gott uns sieht, dass er uns liebt und hört, wenn wir uns an ihn wenden. Die Brücke zu ihm ist aber das Gebet und die heilige Eucharistie.“

Auch ein trauriges Ereignis oder eine furchtbare Tragödie können zum Anlass werden, gemeinsam über den Sinn des Lebens und des Todes nachzudenken. Die moderne Theologie legt viel Wert drauf, nicht in der Absolutheit des Kinderglaubens und -Denkens steckenzubleiben.

Ich behaupte: Unser Erwachsenenglaube wird einmal den Kategorien der Kinder gerecht werden müssen. Irgendwann wird man in der eigenen Küche nach dem Sinn des Lebens und des Leidens gefragt – es ist nie früh genug, sich darauf vorzubereiten.

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Chrizzlybear
Vor 9 Monate 1 Woche

Super Artikel! Meine Kinder stellen zum Glück noch nicht solche Fragen, aber das kommt sicher bald. Ich sollte mich besser darauf vorbereiten. Eine schlechte Antwort kann evtl schaden verursachen, der dann schwer aus dem Kopf zu bekommen ist, z.B. Fegefeuer und Hölle.

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Isis Alina Klinken
Vor 9 Monate 1 Woche

Natürlich muss es kindgerecht aufbereitet sein, klar, aber das Fegefeuer und die Hölle ist Realität, auch und vor allem gehört das zu den schwierigen Elementen des Glaubens. Das Böse hat den leichtesten Zugriff auf einen Menschen, wenn er nicht an den Teufel glaubt. Auch einem jüngeren Kind kann man es z B. so antworten, dass böse das ist was schlechte Gefühle erzeugt und Jesus das Kind leitet,da es Ihm in der Taufe anvertraut wurde und dass das Kind immer um Beistand und Schutz beten kann

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Veritas
Vor 9 Monate 1 Woche

Bravouröse Kolumne, kurz und knapp auf den Punkt gebracht und dennoch mit persönlicher Note, dank der sich viele Leser besser in die Thematik hineinversetzen können. 👏

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Chrizzlybear
Vor 9 Monate 1 Woche

Super Artikel! Meine Kinder stellen zum Glück noch nicht solche Fragen, aber das kommt sicher bald. Ich sollte mich besser darauf vorbereiten. Eine schlechte Antwort kann evtl schaden verursachen, der dann schwer aus dem Kopf zu bekommen ist, z.B. Fegefeuer und Hölle.

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Isis Alina Klinken
Vor 9 Monate 1 Woche

Natürlich muss es kindgerecht aufbereitet sein, klar, aber das Fegefeuer und die Hölle ist Realität, auch und vor allem gehört das zu den schwierigen Elementen des Glaubens. Das Böse hat den leichtesten Zugriff auf einen Menschen, wenn er nicht an den Teufel glaubt. Auch einem jüngeren Kind kann man es z B. so antworten, dass böse das ist was schlechte Gefühle erzeugt und Jesus das Kind leitet,da es Ihm in der Taufe anvertraut wurde und dass das Kind immer um Beistand und Schutz beten kann