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Kolumne „Kaffeehaus“

Man kann nicht alles haben

Vor einer Woche erhielt ich spontan eine Einladung, als eine der Podiumsteilnehmer auf einer Konferenz zum Thema „Familie in der Krise“ zu sprechen. Gern sagte ich zu, denn es war eine Herausforderung und eine Chance. Ich sprach von meiner Kindheit als ältestes von acht Kindern und von meiner Erfahrung als Mutter. Die Botschaft lautete: Die Familie ist nicht der Grund für die gegenwärtigen Krisen in der Gesellschaft, sondern sie ist ihre Lösung!

Wenn aber die Familie so gut und so nützlich für die Menschen selbst, aber auch für die ganze Gesellschaft ist, warum genießt sie dann nicht ein höheres Ansehen in der Gesellschaft, warum wird sie, im Gegenteil, geradezu bekämpft? Das war die zentrale Frage, die während der Podiumsdiskussion näher beleuchtet wurde.

Ich wies auf die demographische Krise hin und veranschaulichte am Beispiel der Zahlen in Deutschland: ein Viertel der jungen deutschen Männer will keine Kinder, und etwa 40 Prozent der deutschen Frauen mit Universitätsabschluss sind kinderlos. Die Gründe dafür sind vielfältig, und eine solche Abwendung von Familie lässt sich nicht nur mit ökonomischen Gründen erklären. Vielmehr leidet das Image der traditionellen Familie in der Gesellschaft. Sie wird als eine Art Gefängnis dargestellt, der gesellschaftliche Beitrag der Frauen wird auf ihre Karriere reduziert, und Mutterschaft wurde zu einem verdächtigen Wort.

Die gesellschaftlichen Veränderungen, die eigentlich den Interessen von Frauen dienen sollten, haben diese nicht glücklicher gemacht. Tatsächlich nehmen psychische Probleme wie Depressionen und Ängstlichkeit stark zu, insbesondere bei Frauen. Neue Studien zeigen, dass am meisten junge, linke Frauen davon bedroht sind. Nach den Gründen muss man dabei wohl nicht lange suchen.

Wir sollen dies, wir sollen das, und sollen jenes

Podiumsdiskussionen bergen immer das Risiko, dass man mit unerwarteten Fragen überrascht oder auf einen neuen Aspekt fokussiert wird, den man vorher nicht im Blick hatte. So ertappte ich mich dabei, im Rahmen der Diskussion auf den Druck hinzuweisen, dem wir Frauen, insbesondere Akademikerinnen, heute ausgesetzt werden: Wir sollen zu Ende studieren, eine Karriere beginnen, einen geeigneten Partner finden, mit diesem eine Familie gründen und Kinder bekommen. Das ist stressig, vor allem, weil die Zeit begrenzt ist.

Ich sprach davon, dass die endlosen Möglichkeiten auch eine Bürde sind und Frauen unter Druck setzen. Dabei plädierte ich für eine Politik, die gute Bedingungen an Studien- und Arbeitsorten für Mütter im Blick hat. Anstatt Frauen zu kritisieren, sollte man es ihnen erleichtern, eine Familie zu haben. Nach der Diskussion kamen vor allem Frauen zu mir und dankten mir, eine Perspektive der Frauen glaubwürdig vertreten zu haben.

Das Schlüsselwort ist opfern

Doch zu einer zentralen Aussage und der Schlussfolgerung aus meinen Überlegungen kam ich erst, als es ein Journalist bei einem Interview nach der Diskussionsrunde genau wissen wollte. Wie es gelingen kann, dass gebildete Frauen Familie und Kinder in Einklang bringen können, interessierte ihn.

Meine Antwort war knapp: Im Leben müsse man immer auf etwas verzichten und etwas aufgeben. Das Schlüsselwort ist „opfern“. Man kann nicht alles haben, ließ ich mich hören. Der Interviewer stimmte begeistert zu. Es sei vermutlich eine der größten Lügen des Feminismus, alles im Leben haben zu können, waren wir uns einig. Man könne nicht alles zur selben Zeit haben, ergänzte ich, damit die Botschaft positiv bleibt. Familie ist es aber wert, sie im Leben zur Priorität zu machen, fasste ich zusammen.

Sicher ist Familie keine Zauberformel zur Vermeidung aller Krisen und Probleme im Leben. Aber sie ist ein Ort, wo man mit ihnen am besten klarkommt und wo die Hingabe an andere helfen kann, Leere und Traurigkeit zu überwinden. Dies ist eine Botschaft, die wir häufiger aussprechen sollten. Vielleicht können wir dabei helfen, dass junge Menschen im Leben echte Ideale verfolgen und psychische Probleme vermeiden können.

 

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Nepomuk
Vor 2 Monate 2 Wochen

Das klingt allerdings - und das meine ich wie Oberst Böckl nicht als Kritik, sondern als Feststellung - schwer nach "Die Antwort ist 'Ganz einfach, das geht nicht'".

Gibt es, und das meine ich gar nicht rhetorisch, auch eine Antwort auf die folgende, umformulierte, präzisierte und, wie ich denke, vom Interviewer wahrscheinlich auch eigentlich gemeinte Frage:

"Angenommen, jemand, speziell jemand Weibliches, findet in der Tat, daß die Familie nicht nur an sich, sondern auch tatsächlich für sie selbst wichtiger ist als die Karriere; und sie ist bereit, *wenn nötig* letztere für erstere zu opfern. Nun aber will sie, mal angenommen, trotzdem zugleich auch - tatsächlich selber, nicht nur wegen den Erwartungen ihres zeitgeistig geprägten Umfeldes - auf letztere nicht völlig verzichten und einen Beruf haben, der, gewiß mit Abstrichen auf Grund des Opfers, aber doch über stumpfes Geldheranschaffen hinausgeht und ein gewisses Element an außerfamiliärer, sorry für das triggernde Wort: Selbstverwirklichung beinhaltet.

Wie geht *das*?"

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Nepomuk
Vor 2 Monate 2 Wochen

Das klingt allerdings - und das meine ich wie Oberst Böckl nicht als Kritik, sondern als Feststellung - schwer nach "Die Antwort ist 'Ganz einfach, das geht nicht'".

Gibt es, und das meine ich gar nicht rhetorisch, auch eine Antwort auf die folgende, umformulierte, präzisierte und, wie ich denke, vom Interviewer wahrscheinlich auch eigentlich gemeinte Frage:

"Angenommen, jemand, speziell jemand Weibliches, findet in der Tat, daß die Familie nicht nur an sich, sondern auch tatsächlich für sie selbst wichtiger ist als die Karriere; und sie ist bereit, *wenn nötig* letztere für erstere zu opfern. Nun aber will sie, mal angenommen, trotzdem zugleich auch - tatsächlich selber, nicht nur wegen den Erwartungen ihres zeitgeistig geprägten Umfeldes - auf letztere nicht völlig verzichten und einen Beruf haben, der, gewiß mit Abstrichen auf Grund des Opfers, aber doch über stumpfes Geldheranschaffen hinausgeht und ein gewisses Element an außerfamiliärer, sorry für das triggernde Wort: Selbstverwirklichung beinhaltet.

Wie geht *das*?"