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Kolumne „Der Philosoph“

UFOs und Aliens? Zum Glück gibt es die Kunst

Erinnern Sie sich noch an das Poster mit dem Bild einer fliegenden Untertasse und der Aufschrift: „I want to believe“? Das hing im Büro des FBI-Spezialagenten Fox Mulder aus der Serie „Akte X“, die in den 1990er-Jahren ein Millionenpublikum fesselte. Mulder war sich sicher: Außerirdische existieren, besuchen unseren Planeten und die Regierung weiß Bescheid und tut alles, um es zu vertuschen.

„I want to believe“-Poster aus der Serie „Akte X“

So faszinierend die Frage nach außerirdischem Leben auch ist, ist es nicht doch arg überspannt, wirklich an die Existenz von UFOs und Aliens zu glauben? Nein, denn spätestens seit den spektakulären Videos, die im Dezember 2017 von der New York Times veröffentlicht wurden, muss jedem klar sein: Die USA sind im Besitz von Filmmaterial, das nicht näher identifizierbare Flugobjekte mit unerklärlichen Flugeigenschaften zeigt. Vor ein paar Tagen hat nun auch die Trump-Regierung mit der Veröffentlichung von UFO-Akten begonnen.

Die Frage, ob wir es wirklich mit extraterrestrischen Artefakten zu tun haben, ist mit dem bisher offiziell veröffentlichten Material zwar nicht beantwortet. Was dagegen eindeutig feststeht: Die Wirklichkeit ist voller Phänomene, die wir nicht verstehen. Oder wie Shakespeares Hamlet zu seinem Freund Horatio spricht: „Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, Horatio, von denen sich eure Schulweisheit nichts träumen lässt.“

Müssten wir die Außerirdischen bekehren?

Das Thema Außerirdische wirft auch eine Reihe tiefgreifender philosophischer und theologischer Fragen auf: Gibt es ein anderes Denken als das menschliche? Wie universell ist die Vernunft, wie der Mensch sie begreift? Müssen wir unsere Vorstellungen von Raum und Zeit revidieren? Hatte das Aliengeschlecht auch einen Sündenfall und ist daher erlösungsbedürftig? Müssten wir die Außerirdischen dann nicht auch bekehren? 

Und: Stellen sie, selbst wenn sie erst einmal nichts Übles im Schilde führen, nicht doch potenziell übermächtige Feinde dar, denen die Menschheit nur durch einen globalen Zusammenschluss die Stirn bieten kann?

Gerade der letztgenannte Gedanke – eine Konsequenz der von Carl Schmitt eingeführten Freund-Feind-Unterscheidung – macht deutlich, dass auch die bloße scheinbare Existenz von Außerirdischen zu politischen Zwecken ausgenutzt werden könnte. Skeptische Zeitgenossen dürften daher die Augenbrauen hochziehen, wenn die Trump-Regierung, die im Iran einen unpopulären Krieg führt und der Öffentlichkeit zugleich immer noch versprochene Epstein-Akten schuldig ist, sich gerade jetzt um Transparenz in Sachen Aliens bemüht. Alles nur ein Ablenkungsmanöver?

Ein eigenartig dunkles Erhabenheitsgefühl

Zum Glück gibt es die Kunst, um Licht ins Dunkel zu bringen – oder genauer: den Künstler Frank J. Schäpel. In der Leipziger Galerie „Zentrale Randerscheinung“ ist gerade die unbedingt sehenswerte Ausstellung „UFOKOMPLEX“ eröffnet worden, die Zeichnungen, Skizzen und Gemälde Schäpels zum Thema zeigt. Das Markenzeichen des Künstlers ist die Beschäftigung mit jenen außergewöhnlichen bis unliebsamen Realitäten, die der Meinungsmainstream gern ausblendet. So kommt es, dass der in Berlin lebende Schäpel, der unter dem vor Kurzem verstorbenen Künstler Georg Baselitz studiert hat, Marienerscheinungen, die Black-Lives-Matter-Ausschreitungen und eben auch Aliens zum Sujet seiner Kunst macht.

Schäpel versteht sich dabei als Dokumentarist; die ihn leitende ästhetische Kategorie ist, wie er bei der Vernissage der UFO-Ausstellung auf Nachfrage erklärte, weniger die Schönheit als die Erhabenheit. Lässt man die Bilder der Leipziger Ausstellung auf sich wirken, stellt sich in der Tat eine Art Erhabenheitsgefühl ein, wenn auch ein eigenartig dunkles.

Denn neben dem Staunen über ein gigantisches Universum, das so viele Geheimnisse und den Menschen übersteigende Phänomene birgt, mischen sich auch Gefühle des Unheimlichen und Bedrohlichen. Wenn es wirklich solche Wesen von anderen Sternen gibt, was wollen sie von uns? Beim Betrachten der Bilder Schäpels scheint es, als seien wir ihnen ebenso fremd wie sie uns.

Schäpel ist ein Parteigänger der Phänomene

Auch wenn offene Feindseligkeiten wohl eine Seltenheit sind, so verlaufen die berichteten Begegnungen mit den fremden Wesen nicht immer harmlos. Ein bedrückendes Beispiel sind die zahlreichen UFO-Sichtungen in Nordbrasilien in den 1970er-Jahren. Die Lichtstrahlen, die von den unbekannten Objekten am Himmel ausgingen, hinterließen Strahlenschäden bei Tieren und Menschen. In den ärztlichen Untersuchungen sind 40 Opfer dokumentiert. Um die panische Stimmung einzudämmen, schaltete sich das Militär ein und fertigte eine detaillierte Dokumentation der Geschehnisse an, die Schäpel wiederum künstlerisch aufbereitet hat.

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An diesem Beispiel wird deutlich, dass Schäpels dokumentarischer Zugang bedeutet, sich auch intellektuell in die künstlerisch aufzubereitende Sache zu vertiefen. So hat er sich jahrelang als UFO-Forscher betätigt und etwa einen Katalog angelegt, der im Zeitraum von 776 (!) bis 2014 Fälle im nordwestdeutschen Raum sammelt und kartografiert. Das früheste Ereignis dabei stellen übrigens „zwei rötlich flammende ‘Schilder’“ dar, die „über der Kirche der belagerten Sigiburg erscheinen“ und bei den Angreifern Panik auslösen. 

Entsprechend durchweht ein geradezu wissenschaftlicher Geist die Ausstellung: Schäpel erweist sich als Parteigänger der Phänomene, der sich eine Wertung der dokumentierten Erlebnisse verkneift. Der Künstler zeigt – mit wenigen Ausnahmen wie den bunten, rorschachartigen UFO-Bildern – schlicht das, was erscheint. Welches Wesen hinter den Erscheinungen steckt, bleibt offen und dem Urteil des Betrachters überlassen.

Hinweis: UFOKOMPLEX, Galerie Zentrale Randerscheinung, Ludwigstraße 91, 04315 Leipzig, noch bis zum 26. Juni 2026.

 

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