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Alternative zu Optimismus und Verzweiflung

Warum Europa seine christliche Hoffnung neu entdecken muss

Hoffnung ist ein inflationär gebrauchtes Wort und zugleich ein schillernder Begriff. Der neomarxistische Philosoph Ernst Bloch schrieb vom „Prinzip Hoffnung“ als Triebkraft der Geschichte. Andere verstehen Hoffnung als Optimismus, als einen Glauben an eine bessere Zukunft. Doch unsere Zeit ist solchen Hoffnungstheorien gegenüber skeptisch geworden. Sie stellt ihnen die Lebenswirklichkeit entgegen, einen Blick auf die Welt, die keine Hoffnung sieht, sondern eher Gleichgültigkeit, wenn nicht sogar Verzweiflung.

Doch gerade hier liegt ein Missverständnis vor, dessen Überwindung für die Zukunft Europas wesentlich ist.

Der britische konservative Philosoph Roger Scruton hat in seinem Werk immer wieder vor einem falschen Optimismus gewarnt und die Notwendigkeit eines realistischen, nüchternen Blicks auf die Welt betont. Zugespitzt formuliert lautet seine Einsicht: Der Progressive ist häufig Optimist oder wird, wenn seine Fortschrittserwartung scheitert, hoffnungslos; der Konservative dagegen ist oft pessimistisch, aber gerade deshalb nicht ohne Hoffnung. In dieser Unterscheidung verbirgt sich etwas Entscheidendes.

Hoffnung hat eine Vernunft

Optimismus ist meist eine Gefühlshaltung, eine Stimmung. Man kann optimistisch sein, ohne rationalen Grund. Optimismus kann eine Disposition des Temperaments sein. Der Optimist hofft, dass es morgen besser wird, ohne dafür einen tieferen Grund angeben zu müssen. Hoffnung hingegen ist etwas anderes. Sie ist keine bloße Stimmung, sondern eine Haltung, die auf rationalen Gründen beruht.

Der 1. Petrusbrief macht dies deutlich: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.“ Was im Deutschen mit „Rechenschaft“ übersetzt wird, wird im Lateinischen ratio und im griechischen Text logos genannt. Man kann daher sagen, es geht darum, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach dem Grund der Hoffnung fragt. Damit wird gesagt: Hoffnung hat eine Vernunft, eine Ursache, die nicht im Gefühl oder einer Stimmung, sondern in der Wirklichkeit selbst liegt. 

Die Welt ist voll von Ungerechtigkeit, Leiden und Tod. Doch gleichzeitig kann der Mensch hoffnungsvoll sein, wenn er einen Grund hat zu glauben, dass dieses Leiden und die Ungerechtigkeit nicht das letzte Wort haben, dass das Leiden einen Sinn hat, und dass es einen Sinn im Leben gibt. Und dass schließlich Gerechtigkeit möglich ist.

Umgekehrt kann ein Mensch optimistisch sein, weil die Börse steigt, weil die Technologie Heilung verspricht oder weil politische Programme eine bessere Zukunft verheißen. Gleichzeitig kann er dennoch hoffnungslos sein, wenn er keinen Grund sieht, warum das Leben an sich einen Sinn haben sollte.

An die Stelle metaphysischer Ordnung treten Pragmatismus und Hedonismus

Hoffnungslosigkeit ist in erster Linie eine Annahme über die Wirklichkeit der Welt. Was Hoffnungslosigkeit ist, findet sich in Friedrich Nietzsches Aphorismus „Excelsior“:

„Es gibt für dich keinen Vergelter, keinen Verbesserer letzter Hand mehr – es gibt keine Vernunft in dem mehr, was geschieht, keine Liebe in dem, was dir geschehen wird.“

Mit dem Verschwinden Gottes verschwindet auch die Hoffnung auf ein gutes Ende, auf Gerechtigkeit und Sinn. An ihre Stelle tritt das Versprechen der modernen Ideologien: Der Mensch selbst werde sich Gerechtigkeit schaffen, durch Vernunft, technologischen Fortschritt und positives Denken. J. R. R. Tolkien sah im Fortschrittsoptimismus, in der Verbesserung der Welt durch Maschinen, eine Hybris und Verzweiflung am Werk. In einem Brief an seinen Sohn Christopher während des Zweiten Weltkrieges schrieb er: 

„Da liegt die Tragödie und Verzweiflung aller Maschinerie offen zutage. Im Gegensatz zur Kunst, die sich damit begnügt, im Geist eine neue Sekundärwelt zu erschaffen, versucht sie, das Verlangen zu verwirklichen und so Macht in dieser Welt zu schaffen; und das lässt sich nicht wirklich zu unserer vollsten Zufriedenheit bewerkstelligen … Und zu dieser grundlegenden Unfähigkeit des Menschen kommt noch der Sündenfall hinzu, der dazu führt, dass unsere Erfindungen nicht nur an ihrem Ziel scheitern, sondern sich in neues und schreckliches Übel verwandeln. So gelangen wir unweigerlich von Daidalos und Ikarus zum Riesenbomber. Das ist kein Fortschritt an Weisheit!“

Der französische Philosoph Michel Onfray propagierte mit seiner „Université Populaire“ einen „postmodernen Atheismus“ ohne Metaphysik. An die Stelle religiöser und metaphysischer Ordnung treten Pragmatismus und Hedonismus. Wenn es keinen Gott gibt und wenn keine moralische Ordnung von außen kommt, dann soll der Mensch seine Glückseligkeit im Hier und Jetzt suchen. Lust, Konsum und Erlebnis werden zu den neuen Zielen.

Moral wird dann zum reinen Nützlichkeitsrechnen. „Das ist moralisch, was dem Glück der meisten dient.“

Der Weg von der Rebellion zur Dekonstruktion

Doch gesellschaftlich hat dieser Hedonismus nicht zu Glück geführt. Die Kultur reagiert mit Verzweiflung. Die Kulturgeschichte der vergangenen sechzig Jahre kann als Chronik dieses Prozesses gelesen werden. Sie zeigt den Weg von der Rebellion zur reinen Destruktion.

Die Musikband „The Prodigy“ veröffentlichte 2015 das Album „The Day Is My Enemy“. Der Titel ist Programm: Der Tag, das Leben, die Existenz selbst werden zum Feind erklärt. Das ist nicht mehr Rebellion gegen eine moralische Ordnung. Es ist die Verneinung, dass überhaupt noch eine Ordnung existiert. Die Musik ist aggressiv, chaotisch und ohne Melodie im klassischen Sinne. Sie ist Soundlandschaft für eine Fangemeinde, die keine Hoffnung mehr kennt.

Es gibt noch viele weitere Beispiele. Zeitgenössische Musik verherrlicht nicht mehr nur Sinnlichkeit. Sie zelebriert Verbrechen als Lebensstil. Rap und Trap glorifizieren Drogenhandel und Gewalt nicht nur als provokative Rebellion, sondern als bloße Realität, als das, was das Leben angeblich wirklich ist.

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Parallel dazu hat sich die Unterhaltungsindustrie desselben Mittels bedient. Das Computerspiel Grand Theft Auto V, kurz GTA V ist mit über 200 Millionen Verkäufen eines der beliebtesten Spiele aller Zeiten. Demnächst wird der sechste Teil der Serie erscheinen. GTA tut etwas Interessantes: Es nimmt die hoffnungslose Philosophie oder die Philosophie der Hoffnungslosigkeit ernst. Diebstahl ist in diesem Spiel Gameplay. Mord und Totschlag werden zum Vergnügen. Sexuelle Grenzüberschreitungen erscheinen als Unterhaltung. Korruption wird normal.

Ein anderes symptomatisches Phänomen ist das Horrorgenre. Nach der sexuellen Revolution blühten Teufels- und Geisterfilme auf. Später folgten Zombieserien. Millionen Zuschauer verfolgten seit den 2000er Jahren Serien wie „The Walking Dead“, in denen die Zivilisation zusammenbricht und nur noch der nackte Überlebenswille zählt. Die überlebenden Menschen in den „Zombielands“ sind Camus’ moderne Sisyphos-Figuren. Sie halten durch, ohne Hoffnung, nur um dem unvermeidlichen Schicksal etwas länger zu entkommen. Wir sind umgeben von einer medial inszenierten atheistischen Hoffnungslosigkeit, die die Kerninhalte der Unterhaltungsindustrie sind.

Im Unterschied zum christlichen Leiden gibt es in dem atheistischen keinen Ausweg

In diese Reihe der Verzweiflung fügen sich auch moderne Comedy-Serien sowie Stand-up- und Roast-Shows nahtlos ein. Michael Schur, Drehbuchautor der US-Comedyserie „The Office“, fragt treffend

„Die Welt ist verkorkst und schrecklich und elendig und beängstigend und furchtbar. Was ist die Lösung, was ist der Weg durch das Elend, die Verdrehung, den Schrecken? Was können wir den Menschen verschreiben, die mit dieser Kunst umgehen? Wir können sagen: Wir wissen es. Wir anerkennen eure Ängste vor der Welt, in der ihr lebt, und versuchen etwas auszudrücken. Hier [im Humor der Serie] ist etwas, das du tun kannst, um dich besser zu fühlen – oder hier ist ein Weg durch den Irrgarten.“

In einem ähnlichen Stil ist die deutsche Serie „Stromberg“ geschrieben. Ihr liegt ein Weltbild zugrunde, das an die humanistische Philosophie der Giordano-Bruno-Stiftung erinnert. Deren Vorstandssprecher, Michael Schmidt-Salomon, beschreibt den Menschen provokant als „Trockennasenaffen“, der eine „tragische Existenz“ führe. Dennoch könne man einen „Heidenspaß“ haben.

Im Unterschied zum christlichen Leiden an der Welt, zu Hiobs Leiden und dem Jammertal des Salve Regina, gibt es in den Comedyserien und der „tragischen Existenz“ Schmidt-Salomons keinen Ausweg, keinen „Vergelter letzter Hand“ mehr. Spaß und Humor sind nicht mehr eine Kunstform, die wie bei der Narrenfreiheit des Hofnarren dazu dienen, die Mächtigen kritisieren, ihnen einen Spiegel vorhalten und unangenehme Wahrheiten aussprechen, sie werden zur Flucht vor der Verzweiflung. Sie sind Ausdruck eines Atheismus, der über die Plattenbauten der DDR nicht mehr hinauskommt.

Der Mensch kann Gerechtigkeit nicht selbst schaffen

Dabei ist wichtig zu verstehen, dass der moderne Atheismus ursprünglich nicht hedonistisch, sondern moralisch motiviert war. Das hat Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika „Spe Salvi“ über die christliche Hoffnung (2007) meisterhaft analysiert.

Der Atheismus des 19. und 20. Jahrhunderts sei demnach ein Protest gegen Ungerechtigkeit gewesen. Er sei ein Protest gewesen, der sage: Eine Welt, in der so viel Leiden unschuldiger Menschen existiere und in der die Macht so zynisch sei, könne nicht das Werk eines guten Gottes sein. Wenn Gott diese Welt verantworte, dann sei er nicht gerecht und schon gar nicht gut. Um der Moral willen müsse man diesen Gott bestreiten.

Aber daraus folge eine Konsequenz, die sich als fatal erwiesen habe. Wenn es keinen Gott gebe, der Gerechtigkeit schaffe, dann müsse der Mensch selbst sie schaffen. Dieser Anspruch, so Benedikt XVI., sei aber „anmaßend und von innen her unwahr“. Die Geschichte des 20. Jahrhunderts beweise das. Der Kommunismus, der Faschismus und alle Ideologien, die der Mensch sich selbst zur Gerechtigkeit gab, hätten zu den „größten Grausamkeiten und Zerstörungen des Rechts“ geführt.

Eine Welt, die sich selbst Gerechtigkeit schaffen müsse, sei eine Welt ohne Hoffnung. Niemand antworte auf das Leiden der Jahrhunderte. Niemand bürge dafür, dass nicht der Zynismus der Macht, unter welchen ideologischen Verbrämungen auch immer, die Welt beherrsche.

Die großen Denker der Frankfurter Schule, insbesondere Max Horkheimer und Theodor W. Adorno, hätten dieses Problem erkannt. Sie hätten Atheismus und Theismus gleichermaßen kritisiert. Horkheimer habe radikal bestritten, dass irgendein immanenter Ersatz für Gott gefunden werden könne. Aber er habe auch auch das Bild des guten und gerechten Gottes abgelehnt.

In einer extremen Radikalisierung des alttestamentlichen Bilderverbots habe er von der „Sehnsucht nach dem ganz Anderen“ gesprochen, das unnahbar bleibe. Das sei ein Schrei des Verlangens in die Weltgeschichte hinein.

Adorno habe an dieser Bildlosigkeit festgehalten und zugleich seine „negative Dialektik“ betont. Gerechtigkeit, wirkliche Gerechtigkeit, würde nach Adorno eine Welt verlangen, „'in der nicht nur bestehendes Leid abgeschafft, sondern noch das unwiderruflich Vergangene widerrufen wäre'“.

Was das bedeutet, benennet Benedikt klar: Gerechtigkeit – und damit auch Hoffnung – kann nicht sein ohne Auferstehung der Toten.

Alles hat eine Bedeutung und steht in einer Rechenschaft vor Gott

Das ist der entscheidende Punkt. Der säkulare Traum von Gerechtigkeit und Hoffnung ist unmöglich. Entweder gibt es einen Gott, der Geschichte richtet oder es gibt am Ende keine echte Gerechtigkeit, keine echte Hoffnung. Dann triumphiert am Ende nicht das Recht, sondern das Geschick, sich den Konsequenzen zu entziehen, und der rücksichtslose Wille zur Macht.

Im Gegensatz zum atheistischen Traum der Gerechtigkeit im Hier und Jetzt ruht die christliche Hoffnung nicht darauf, dass wir hier ein erfülltes, glückliches Leben haben werden. Das versprechen liberale und kommunistische Systeme immer wieder – und es ist ein nicht einlösbares Versprechen.

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Christliche Hoffnung ist der Glaube, dass das Leben an sich nicht sinnlos ist. Alles hat eine Bedeutung und steht in einer Rechenschaft vor Gott. Jede Ungerechtigkeit erfährt bei Gott Gerechtigkeit. Alles Gute, das ich tue, wird gesehen und belohnt. Alles Böse und alles Scheitern werden ebenso gesehen und gerichtet. Gott ist der Herr der Geschichte. Nicht der Mensch richtet die Geschichte, sondern Gott.

Dass das Leben nicht sinnlos ist und unter allen Umständen lebenswert, und letztlich von Gott Gerechtigkeit erfährt, ist der Grund, warum Johannes Paul II. in „Evangelium vitae“ Paul VI. mit den Worten zitieren kann: 

„Ja, ‘dieses sterbliche Leben ist trotz seiner Mühen, seiner dunklen Geheimnisse, seiner Leiden, seiner unabwendbaren Hinfälligkeit eine sehr schöne Sache, ein immer originelles und ergreifendes Wunder, ein Ereignis, würdig mit Freude und Lobpreis besungen zu werden’.“

Das Christentum sagt: Das Leben ist schön, nicht weil es schmerzlos ist, sondern weil es einen Sinn hat. 

Hier offenbart sich etwas Fundamentales. Die großen Kathedralen Europas wurden gebaut, obwohl ihre Bauzeit Jahrhunderte dauerte. Ein Rekord stellt hier die Abtei der berühmten Klosterinsel Le Mont-Saint-Michel in der Normandie auf. Ihre Bauzeit dauerte rund 1.300 Jahre.

Die Baumeister wussten, dass sie ihr Werk nie vollendet sehen werden, dass ihre Enkelsöhne daran weiterarbeiten werden müssen. Und doch wurde gebaut, mit ganzer Kraft und ganzer Kreativität.

Im Dreißigjährigen Krieg, als Hunderttausende starben und ganze Landstriche verwüstet wurden, bekamen die Menschen immer noch Kinder. Nach jeder Zerstörung wurde wieder aufgebaut. Warum geschah das? Sie haben Schreckliches erlebt, oft auch selbst getan. Aber sie waren hoffnungsvoll, weil sie an einen Gott glaubten, dem die Zukunft gehört, und weil sie glaubten, dass ihre Kinder und ihre Werke einen Platz in Gottes Plan haben. Dies ist das Zeichen der christlichen Hoffnung: Sie ermöglicht Kultur.

Euthanasie und Abtreibung nehmen zu, weil das Leben nicht mehr als unbedingt wertvoll und sinnvoll, sondern als optional oder relativ verstanden wird. Ehe und Familie zerfallen, weil es nichts mehr zu bewahren gibt, keine größere Sache mehr besteht, für die es sich lohnt zusammenzuhalten.

Die Grundlage für die Hoffnung schwindet

Der „Neue Atheismus“ der 2000er Jahre, vertreten durch Autoren wie Dawkins, Harris und Hitchens, versuchte, den Atheismus als Freiheitsbewegung zu verkaufen. Doch er bot keine Alternative zur christlichen Hoffnung.

Wenn im Westen der Glaube schwindet, schwindet die Grundlage der Hoffnung. An seine Stelle tritt die Verzweiflung. Nicht in erster Linie als Gefühl und Depression, sondern als Grundannahme über das Leben. Verzweiflung kann kreativ und lebendig auftreten, aber letztlich bleibt sie ein Nein zum Wert und Sinn des Lebens. 

Die Alternative zur Verzweiflung ist die Hoffnung. Damit diese Hoffnung jedoch ein tragfähiges Fundament hat, muss sie rational begründet sein. Es geht also darum, Gründe für Hoffnung zu nennen, die nicht bloß im Gefühl oder im Wunschdenken liegen, sondern – einfach gesagt: in der Annahme, dass das Leben Sinn hat, weil es von einem guten Schöpfer kommt und getragen wird.

Christlich gesprochen ist es der Glaube an die Auferstehung Jesu Christi, für die es viele Zeugen gab, der Menschen zu der Überzeugung führte, dass der Tod nicht das letzte Wort hat – ebenso wenig die Ungerechtigkeit der Welt oder das Leid im eigenen Leben. Vielmehr findet in Gott alles ein gutes Ende: Gott siegt am Ende, und deshalb gibt es immer Grund zur Hoffnung.

Hoffnung ist nicht passiv

Diese Hoffnung muss in keiner Situation, in keinem Elend und in keiner Ausweglosigkeit der Welt verzweifeln. Es ist die Hoffnung eines Maximilian Kolbe, der im Hungerbunker Gott lobpreiste. Es ist die Hoffnung eines Johannes vom Kreuz, der von seinen eigenen Mitmönchen in ein Ordensgefängnis geworfen wurde und dennoch schreiben konnte: „Ohne Halt – und doch gehalten.“ 

Ja zum Leben sagen. Nicht weil das Leben immer glücklich ist, sondern weil es sinnvoll ist. Es bedeutet, wieder für die Zukunft zu bauen, nicht nur für uns, sondern für Generationen, die wir nicht sehen werden. Es bedeutet, wieder Kinder zu bekommen, hoffnungsvoll, im Vertrauen, dass Gott sie trägt. Es bedeutet, wieder schöne Kathedralen und Kirchen zu bauen als Zeichen dafür, dass wir an etwas Bleibendes glauben.

Benedikt XVI. betont in „Spe Salvi“: Hoffnung ist nicht passiv. Der hoffnungsvolle Mensch weiß, dass er nicht das gesamte Leid und die Ungerechtigkeit der Welt besiegen kann, aber er handelt wie der barmherzige Samariter, aus Nächstenliebe an dem Ort, an den er gestellt wird, weil er an das Gute glaubt.

In einer rationalen, begründeten Hoffnung wird der Westen, wird das Abendland nicht zu einem „Zombieland“, sondern schafft schöne und aufbauende Kultur. Diese Hoffnung ist stärker als jedes materielle Erbe. Denn selbst wenn Europa in Trümmern liegt, kann es voller Zukunft sein, wenn es Hoffnung gibt.

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