Direkt zum Inhalt
Klage gegen Gendern

„Eltern sollten sich gegen Indoktrination an der Schule wehren“

Es ist der Leidensweg eines Vaters, der nichts unversucht gelassen hat: Im Frühling 2022 schreibt er erstmals E-Mails an Lehrer seines Kindes, die, seiner Meinung nach, identitätspolitische Thesen nicht objektiv darstellten und Schüler unter Druck setzten, mit Genderstern und Sprechpause zu gendern – obwohl Gendern nicht den Vorgaben der deutschen Rechtschreibung entspricht. Antworten erhält er keine, Gespräche werden ihm verweigert. Vor den Sommerferien reicht der Vater schließlich eine Beschwerde bei der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie ein und fordert sie zum Einschreiten auf. Doch er erhält eine Absage. Am 6. Februar dieses Jahres geht er vor das Verwaltungsgericht: Der Vater klagt gegen die Vermittlung von Gendersprache im Schulunterricht. Das hat es bis dato in Deutschland noch nicht gegeben.

Der Name des Vaters ist Corrigenda bekannt. Da er Nachteile für sich und seine Familie fürchtet, wird er im folgenden Interview mit „Herr Müller angesprochen.

 

Herr Müller, Sie klagen gegen die Vermittlung von Gendersprache im Schulunterricht. Was stört Sie denn so sehr am Gendern, dass Sie damit sogar vor Gericht gehen?

Zunächst möchte ich festhalten, dass jeder privat die umstrittene Genderschreib- und sprechweise benutzen soll, wie er möchte. Das Gendern über Machtverhältnisse wie im Obrigkeitsstaat durchzudrücken, ist aber nicht in Ordnung. Mich stört die sprachliche Seite, die auch bei meiner Klage im Vordergrund steht, dass man es schwer lesen und verstehen kann, und die an den Haaren herbeigezogenen Begründungen. Gendern wird über Fernsehen und Rundfunk, insbesondere den öffentlich-rechtlichen, vermittelt.

Dazu kommen die öffentlichen Universitäten, an denen es teilweise schlechtere Noten gibt, wenn man nicht gendert, und dann die staatlichen Schulen, wo die Kinder verstärkt beeinflusst werden, und jüngst sogar Arbeitgeber.

Gendern ist gesellschaftlich umstritten, und natürlich gehört dieser Streit auch in den Politikunterricht an Schulen, aber bitte mit Darstellung der Kritik und entsprechender Zurückhaltung und Neutralität der Lehrer. Und solange es keinen gesellschaftlichen Konsens über eine Änderung der Rechtschreibung gibt, muss sich die öffentliche Hand und insbesondere die Schulen, an die normgerechte Rechtschreibung nach den Regeln des Rats für deutsche Rechtsschreibung und der Kultusministerkonferenz halten.

„Das gab es in der DDR auch und in allen Diktaturen“

Hatten Sie diese Gender-kritischen Ansichten schon vor den Vorfällen an der Schule Ihres Kindes oder haben sich diese gebildet im Zuge Ihrer Erfahrungen?

Das Thema Gendern kam vor drei, vier Jahren noch nicht so sehr in der Öffentlichkeit vor. Es fing im öffentlich-rechtlichen Fernsehen irgendwann mit Diversity-Kampagnen an und hat sich plötzlich überall ausgebreitet. Das hat mich damals schon gestört – dass man sagt, wir müssen jetzt die Sprache ändern, um die Menschen zu ändern. Das gab es in der DDR auch und in allen Diktaturen. Früher hat mich das Thema nicht persönlich betroffen.

Als es anfing, so massiv um sich zu greifen, habe ich angefangen, mich damit zu beschäftigen. Ich habe dann das Buch „Noch normal? Das lässt sich g(ä)ndern!“ von Birgit Kelle gelesen. Das hat mir die Augen geöffnet, was da alles an Ideologie hinter dem Genderstern steckt.

Mit dem Gendern kommt die Ideologie des intersektionalen Gender-Feminismus, der Identitätspolitik und der sogenannten Critical Race Theory. Das wird alles über den Genderstern mit vermittelt, und zwar einseitig, ohne Darstellung der Kritik an diesen Thesen. Das habe ich in der Schule meines Kindes mit den jungen Lehrern erlebt. Die Kritik an der Verwendung von Gendersprache und den Thesen hinter dem Genderstern kommt im Unterricht nicht vor.

Vorschau Identitätspolitik, queer
Ein Ausschnitt aus einer Powerpoint-Präsentation über „Normativität und (De-)Konstruktion von Geschlecht und Identität“. Das Unterrichtsmaterial stammt aus der Schule des Kindes von Herrn Müller

Sind Sie der Meinung, dass sich mehr Bürger gegen Gendern und Identitätspolitik wehren sollten?

Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man Leuten, die diese Ideologien verbreiten, entgegentritt und ihnen sagt, dass wir in einer freien, demokratischen und an der Würde jedes Individuums ausgerichteten Gesellschaft leben und dass das, was sie verbreiten und wie sie es versuchen durchzusetzen, genau das Gegenteil davon ist. Wegen des Hasses und der Hetze, die sich teilweise über Andersdenkende zu diesem Thema ergießt, und wegen der Abhängigkeiten, trauen sich viele nicht zu widersprechen. Das ist dann das Ende von Demokratie. Das ist, neben den sprachlichen Aspekten, ein weiterer Grund, warum ich die Klage einreiche.

Wie erklären Sie sich diese aktivistische Gesinnung mancher Lehrer?

Ich bin kein Sozialwissenschaftler und hab da keine Studienergebnisse. Mein Eindruck ist, dass diese ganze Thematik aus Amerika und England zu uns herüberschwappt und in die Universitäten Eingang gefunden hat. Gendern gehört an vielen Unis zur Pflicht. Ich merke das auch an meinem Arbeitsplatz. Etliche von den jungen Leuten, die bei uns anfangen, mussten an der Uni gendern, und jetzt machen sie es halt weiter.

Bei den Lehrern ist das in ihrer Ausbildung vermutlich noch viel stärker. Viele sind aber auch davon überzeugt, dass sie wirklich etwas Gutes damit tun. Und: Auch Lehrer unterliegen einem Anpassungsdruck. Sie werden zu Diversity-Studientagen geschickt. In meinem Freundeskreis berichtete eine Lehrerin von ihrer Direktorin, dass diese sie angewiesen habe, in ihrer Kommunikation zu gendern. Hier gibt es aber eine gute Nachricht für alle Berliner Lehrer: Auf die CDU-Anfrage zum Gendern an Berliner Schulen antwortete der Senat, dass eine Weisungsbefugnis eines Schulleiters gegenüber Lehrkräften betreffend die Verwendung von gendergerechter Sprache nicht besteht.

„Die Ethiklehrerin verbreitete die These, Rastalocken seien rassistisch“

Sie sagen, Sie haben das Gespräch zu Lehrern und Schulleitung gesucht, aber hätten keine Antworten erhalten. Wie erklären Sie sich diese Gesprächsverweigerung?

Es handelt sich vor allem um drei Lehrer und deren Direktorin. Mit einem hatte ich ein recht ausführliches und sachliches Gespräch. Die Klassenlehrerin hat gemeint, sie hätte keinen Gesprächsbedarf, denn sie hätte von meinem Gespräch mit ihrem Kollegen gehört.

Ich habe ihr dann eine höfliche, aber deutliche E-Mail geschrieben mit den Punkten, die ich nicht gut finde. Zum Beispiel wie sie, meiner Meinung nach, versucht, die Kinder zum Thema Gendern zu indoktrinieren und dass das aus meiner Sicht nicht geht. Es ging auch um einen Vorfall, der konkret mein Kind betrafen. Darauf hat sie inhaltlich nicht geantwortet. Dann hatte ich mich an die Direktorin gewandt mit der Bitte um ein Gespräch. Ich erhielt keine Antwort.

Erst danach habe ich das Thema mit einer ausführlichen Beschwerde an die Schulaufsicht getragen. Darin beschreibe ich, was passiert ist, und meine Rechercheergebnisse dazu. Ich schrieb, dass ich der Meinung bin, dass Lehrer rechtlich gebunden sind an die normgerechte Schreibung und nicht Unterrichtsunterlagen mit Sternchen, Unterstrichen und Doppelpunkten machen können und im Unterricht beim Reden mit den Kindern nicht diese Sprechpausen machen dürfen.

Im neuen Schuljahr kam eine neue Ethiklehrerin, die mit einem Pronomen-Stuhlkreis anfing. Jeder sollte dort sein Geschlecht wählen und sagen, mit welchem Pronomen er angesprochen werden möchte. Sie verbreitete die Thesen, dass es Rassismus nur gegen Schwarze, nicht gegen Weiße geben könne und dass das Tragen von Rastalocken rassistisch sei. Da habe ich mich auch an diese Lehrerin gewendet. Sie hat nicht reagiert und wiederum auch die Schulleitung nicht.

Letztlich erhielt ich dann im September letzten Jahres eine sehr knappe Antwort der Schulaufsicht. Die Klage hat also eine Vorgeschichte von einem Jahr, innerhalb der ich weitgehend vergeblich versucht habe, ohne Gericht und Öffentlichkeit das Problem erst einmal innerhalb der Schule zu diskutieren. Bereitschaft dazu gab es so gut wie keine.

Wissen eigentlich die Lehrer von der Klage?

Davon gehe ich mittlerweile aus. Ich habe gerade erfahren, dass es in der Schule in der vergangenen Woche eine Lehrerkonferenz gab, wo meine Klage gegen das Land Berlin zum Gendern offensichtlich breit besprochen wurde. Damit weiß nun das gesamte Kollegium, dass die Berichte und die Klage die eigene Schule betreffen. Zudem war dort auch ein Schüler anwesend, der aus der Lehrerkonferenz offenbar für sich die Aufgabe mitgenommen hat, sich mit den Lehrern solidarisch zu erklären und das Thema breit in die Schülerschaft trägt. Es bleibt also abzuwarten, wie lange die von mir gewahrte Diskretion hinsichtlich der Schule und der Lehrer noch hält.

Ich möchte mit der Klage keine einzelnen Lehrer angreifen. Ich will einfach, dass sich die Lehrer an die geltenden Regeln halten. Ich möchte das nicht auf eine persönliche Ebene ziehen, auch wenn natürlich das Verhalten der betroffenen Lehrer Auslöser ist. Aber an sich ist es das Land Berlin, die Schulaufsicht, die dafür sorgen muss, dass die Rechtschreibregeln eingehalten werden und, was natürlich rein tatsächlich viel schwieriger ist, die Ausgewogenheit bei solch umstrittenen Themen gemäß dem Beutelsbacher Konsens und den schulrechtlichen Anforderungen an Neutralität und Zurückhaltung der Lehrer.

„Demokratie lebt davon, dass man sich streitet und nicht einfach alles hinnimmt“

Haben Sie keine Angst, dass sich diese ganze Sache und die Klage negativ auf Ihr Kind auswirkt?

Angst habe ich nicht; ich habe Anfang letzten Jahres angefangen, meine Meinung zu äußern. Von dem Punkt an gab es natürlich das Risiko, dass Lehrer damit nicht professionell umgehen, sondern das an meinem Kind auslassen. Mein Eindruck war, dass das bisher nicht passiert ist.

Wie sich das entwickelt, weiß ich natürlich nicht. Das hat man nicht in der Hand. Natürlich ist die Sorge da, dass es sich negativ auf das Kind auswirken könnte. Wir diskutieren das auch in der Familie. Meine Frau macht sich mehr Sorgen als ich. Ich sage dann, wenn alle aus Furcht vor irgendwelchen Gegenmaßnahmen ihre Meinung nicht mehr sagen, dann ist am Ende die Demokratie nichts mehr wert. Ich bin der Meinung, eine Demokratie lebt davon, dass man sich streitet und nicht einfach alles hinnimmt. Deshalb hat man als Bürger eine Pflicht, sich einzumischen und nicht wegzuschauen. Ich vertraue darauf, dass trotz Meinungsverschiedenheiten mit der Schule ein anständiger Umgang gepflegt wird.

Das Thema trifft sicher auch bei anderen Eltern auf Anklang. Haben sich andere Eltern bei Ihnen gemeldet, deren Kindern ähnliches passiert ist?

Über meinen Instagram-Account „elterngegengendersprech“ erreichen mich immer wieder positive Kommentare und Nachrichten. Das Echo auf den Welt-Artikel vor zwei Wochen war riesig: über 1.200 Kommentare innerhalb von zwei Tagen, soweit ich es überblicke, fast ausschließlich Zuspruch, Spendenaufrufe, viele haben sich als Eltern zu erkennen gegeben.

Das Thema ist auch einmal Gegenstand in einem Elternabend gewesen. Meine Frau hatte mir vorher gesagt: Du gehst da hin, aber du sprichst das Thema Gendern nicht an. Beim Elternabend ging es dann beim Thema doch recht konfrontativ zu mit der Lehrerin. Ich war es aber gar nicht, der das Thema angesprochen hatte.

„Bei dem Thema ist man lieber still, um keinen Stress zu bekommen“

Was passierte auf dem Elternabend?

Ein anderer Vater wollte wissen, was sein Sohn jetzt machen soll: Soll er denn jetzt mit Genderstern schreiben oder nicht? Der Vater war verunsichert, wollte einfach nur, dass sein Sohn nichts falsch macht. Und dann fing die Lehrerin an mit ihrer „Schluckauf“-Sprache und hat unter Bezug auf eine Antwort des Senats auf eine schriftliche Anfrage der CDU im Berliner Landtag vertreten, jeder Lehrer dürfe jetzt schreiben und sprechen wie er wolle. Man dürfe allerdings auch weiter mit dem generischen Maskulinum gendern.

Ich habe dann widersprochen und erläutert, dass ich die Antwort des Senats nicht so verstehe und selbst wenn, diese Auffassung nicht rechtens ist. Daraufhin entstand immerhin eine kurze Diskussion. Die Reaktionen darauf waren relativ divers: Es gab zwei, drei Leute, bei denen merkte man, dass sie das Gendern unterstützen. Und es gab nach dem Ende der Veranstaltung etliche, die danach zu mir gekommen sind, mir auf die Schulter geklopft und gesagt haben: Super, dass du das angesprochen und so vertreten hast.

Wie waren die Kräfteverhältnisse verteilt?

Es waren ein paar mehr Genderkritiker als Genderbefürworter. Aber die Mehrzahl der Eltern hat tatsächlich gar nichts dazu gesagt. Mein Eindruck war, bei dem Thema ist man lieber still, um keinen Stress zu bekommen. Ich habe aber auch nicht versucht, Allianzen zu schmieden, sondern einfach gesagt: Es gibt eine geltende Rechtschreibung und an die muss sich die Schule halten. Und zwar unabhängig davon, ob die Mehrheit der Eltern in der Klasse oder in der Schule das gut finden oder nicht. Die Rechtschreibung steht ja nicht zur Abstimmung in der Schule, das steht den Eltern oder den Schülern in der Schule nicht zu, darüber abzustimmen.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung rät vom Asterisk, dem Sternchen, Doppelpunkten, Unterstrichen oder anderen verkürzten Formen ausdrücklich ab.

Ja, genau. Die Lehrer, die gendern wollen, die können das natürlich privat machen. Aber in der Schule haben sie eine Machtposition, da steht der Staat den Schülern und den Eltern gegenüber in einem Über- beziehungsweise Unterordnungsverhältnis. Aus diesem Grund gibt es ja gerade Regeln zur Neutralität und zur Zurückhaltung von Lehrern im Schulrecht, um den Missbrauch dieser Machtposition zu verhindern.

„Für ein Kind ist das duraus belastend, abweichend von der Mehrheit nicht zu gendern“

Und Ihr Kind hat die Erfahrung gemacht, dass sich andere Kinder den Vorgaben der Lehrer anpassen?

Ich weiß natürlich nicht, welches Kind in welchem Aufsatz wie oft mit Stern schreibt oder ohne. Aber mein Kind bekommt natürlich mit, wenn gesprochen wird, wenn Vorträge gehalten werden. Für ein Kind ist das durchaus belastend, abweichend von der Mehrheit nicht zu gendern, dann fühlt man sich anders als die anderen.

Die Schüler sind zudem gezwungen, die durchgegenderten Unterrichtsmaterialien zu lesen und gegenderte Aufgabenstellungen in der Klasse laut vorzulesen. Da fällt es auf, wenn man die mit Stern geschriebene Aufgabe nicht mit Stern vorliest, sondern es abweichend davon beim generischen Genus belässt. Es entsteht ein enormer Anpassungsdruck. Genau darauf legen es die Gender-Anhänger an: alles sei freiwillig, verbindliche Vorgaben werden (noch) vermieden, aber man will das Ziel offenbar über sozialen Druck erreichen. Am Ende sind Lehrer auch Sprachvorbilder.

Vorschau Gendern (736), Identitätspolitik (742)
Die Antwort der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie besagt, dass ...
Vorschau
... die allgemeine Rechtschreibung nicht verbindlich sei, weil es keinen Umsetzungsakt in Berlin gebe

Wie weit sind Sie bereit zu gehen? Ihre Klage könnte sich mitunter über Jahre hinziehen.

Mit der Klage habe ich eigentlich schon das gemacht, was das Maximum ist. Mehr als Klagen geht ja nicht. Nur ganz wenige Eltern klagen gegen die Schule oder die Schulverwaltung. Allerhöchstens mal, wenn es um Schulplätze geht. Die Eltern, die mitkriegen, was in den Schulen an Indoktrination läuft, erdulden das meistens. Aber es gibt kaum jemanden, der dagegen etwas unternimmt.

Es gehört meiner Meinung nach auch zur Fairness dazu, zuerst mit den Lehrern zu reden. Das ist schon Überwindung, dass man zu jemandem geht, der seinem eigenen Kind Noten gibt, von dem man abhängig ist, der eine Machtposition hat.

Das war auch für mich durchaus eine Überwindung. Ich habe mir dann später für die Klage Verbündete gesucht. Der VDS, der Verein Deutsche Sprache, unterstützt meine Klage finanziell, was die Prozesskosten angeht. Jetzt liegt die Klage beim Verwaltungsgericht. Es geht möglicherweise über drei Instanzen. Ich bin zuversichtlich, dass wir gewinnen.

Es gab übrigens auch von der Berliner CDU eine von mir initiierte schriftliche Anfrage an das Berliner Landesparlament zum Gendern. In beiden Schriftstücken, der Ablehnung meiner Beschwerde und der Antwort auf die CDU-Anfrage, hat der Senat geantwortet, dass die allgemeine Rechtschreibung nicht verbindlich sei, weil es keinen Umsetzungsakt in Berlin gäbe.

Das ist ein ziemlich starkes Stück. Die Bild hatte das dann noch mal beim Senat nachgefragt. Der zuständige Berliner Senat hat dann laut Bild geantwortet, dass selbstverständlich die Rechtschreibung in Berlin gelte. Ja, also das ist ein gewisses Zurückrudern. Die versuchen nach meiner Einschätzung, eine gerichtliche Entscheidung zu vermeiden, weil sie wahrscheinlich auch sehen, dass sie rechtlich eigentlich keine Chance haben. Insofern sehe ich dem Ganzen sehr zuversichtlich entgegen.

Ich hoffe, dass es im Laufe der nächsten Monate zu einer Entscheidung kommt. Ich habe nämlich einen Eilantrag gestellt. Mein Kind ist nur noch eine gewisse Zeit an der Schule, und Verwaltungsprozesse vor Gericht dauern halt in Hauptsacheverfahren öfter gern mal ein bisschen länger.

„Kinder werden zu Ja-Sagern erzogen. Und das wollen wir als Eltern nicht“

Was würden Sie Eltern raten, die Ähnliches erleben, die in der Schule eine Art Indoktrination wahrnehmen, etwa wenn es um die Themen Identitätspolitik oder Gendersprache geht?

Sich wehren, seine Meinung sagen, sich einbringen, laut und deutlich sagen, dass man nicht einverstanden ist. Erklärungen verlangen, Begründungen hinterfragen. Gender und Identitätspolitik sollen meiner Meinung nach in der Schule unbedingt diskutiert werden. Das will ich gar nicht verhindern, auch nicht mit meiner Klage, im Gegenteil, ich finde es wichtig, dass man sich damit auseinandersetzt. Aber dann müssen eben auch die kritischen Stimmen zu Wort kommen.

Eltern haben das Recht, dass ihre Kinder in der Schule nicht indoktriniert werden und dass sie ein ausgewogenes Meinungsspektrum vermittelt bekommen, so dass Kinder lernen, sich selbst eine Meinung zu bilden. Wenn Lehrer das einseitig darstellen, dann haben die Kinder nicht die Chance auf eigenständige Meinungsbildung, weil die Lehrer natürlich meist viel besser vorbereitet und informiert sind. So werden sie zu Ja-Sagern erzogen. Und das wollen wir als Eltern nicht.

Als Eltern muss man wirklich hingucken, was die Lehrer in der Schule machen. Es steht übrigens auch in den Schulgesetzen der Bundesländer, dass Eltern in der Schule mitwirken. Das müssen noch mehr Eltern machen. Es gibt übrigens auch eine Pflicht der Schule zum Zusammenwirken mit den Eltern. Das Ablehnen von Gesprächen steht dem diametral entgegen.

21
2