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Kolumne „Der Schweizer Blick“

Politisch unkorrekte Schokolade

„Marsch fürs Läbe“ („Marsch für das Leben“) heißt ein Verein, der alljährlich eine Kundgebung in Zürich organisiert. Diese richtet sich gegen Abtreibungen. Recht normal in einer Demokratie mit Meinungsfreiheit, würde man meinen. Aber Jahr für Jahr gibt es Gegendemonstrationen. Weil es sich eben offenbar für viele nicht um eine Meinung, sondern um ein Verbrechen handelt, Abtreibungen abzulehnen.

2019 kam es zu Tumulten beim Umzug. Verursacht wurden diese durch gewaltbereite Linksextreme. Nur drang das offenbar nicht bis zu allen Medien vor. Denn die sind bei diesem Thema tendenziell auf der Seite der Störenfriede. Das linke Onlinemagazin Das Lamm beklagte 2021, dass es zu einer Neuauflage des Anlasses gekommen sei, wo doch der von 2019 „ohnehin krawalllastig“ gewesen sei. Kein Wort davon, wer für diese Krawalle gesorgt hatte. Mit Sicherheit nicht die friedfertigen Demonstranten, die nur dort sein wollten.

Doch das Ganze zog weitere Kreise. Und zwar, weil der Schokoladenhersteller Läderach involviert war. Das erfolgreiche Unternehmen ist in Familienbesitz. Und die Läderachs haben nie einen Hehl aus ihrer christlichen Gesinnung gemacht und waren lange auch beim „Marsch fürs Läbe“ engagiert. Was Schokolade, gut Schweizerisch „Schoggi“, plötzlich politisch machte.

Boykottaufrufe und Buttersäure

Es folgten Boykottaufrufe gegen Läderach. Wer es wagte, leise einzuwenden, das erinnere an Kaufverbote bei religiösen Minderheiten im Deutschland der dreißiger Jahre, wurde niedergeschrien: Der Vergleich sei eine Schande. Warum eigentlich? Auch dort sollte ökonomisch zugrunde gerichtet werden, was nicht ins eigene Weltbild passte. Zumal das Onlinemagazin bern*lgbt sogar einen Beitrag betitelte mit „Kauft nicht bei…“ Braucht es wirklich mehr, um einen Zusammenhang herzustellen?

Beim Boykottaufruf blieb es nicht. Es gab Buttersäureanschläge gegen Filialen. Zum Schutz der Mitarbeiter musste die Polizei eingesetzt werden. Die Fluggesellschaft „Swiss“ kündigte die Zusammenarbeit mit Läderach als Schokoladenlieferant auf. Das Unternehmen ist notorisch bekannt für eine hysterische, präventive Gefolgschaft auf den Zeitgeist. Die „Swiss“ hält als letzte Fluggesellschaft bis heute an der Impfpflicht für Mitarbeiter fest und leidet deshalb unter Personalproblemen.

Die Familie Läderach wurde von den Medien ins Gebet genommen. Wie sie zu Homosexualität stehe, wer nach ihr denn heiraten dürfe, wie sie Abtreibungen beurteile. Als wenn es die Öffentlichkeit etwas anginge, was ein Schokoladenhersteller privat denkt. Es ist nichts bekannt darüber, dass das Unternehmen intern Menschen mit einer anderen Sexualität diskriminiert oder dass politisch Einfluss auf die Angestellten genommen wird.

Manipulierende Wortwahl der Kampagnenmacher

Es ist ganz einfach eine Familie, die erfolgreich wirtschaftet und gleichzeitig persönliche Grundsätze hat. Geschäftsführer Johannes Läderach stellte stets klar, dass er keine Homophobie in der Firma dulde und diese zudem selbst Homosexuelle beschäftige.

Chocolatier Läderach ist international tätig. Auch die deutschen Filialen wurden von der Protestwelle erfasst. Der Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) sprang auf den Zug auf und kritisierte das Unternehmen öffentlich. Das kostet nichts, ist risikofrei und kommt bei der Klientel gut an. Ob jemand vom LSVD zuvor jemals von Schokolade aus dem Hause Läderach gehört hat, ist offen; ebenfalls, ob sich einer von ihnen mit den tatsächlichen Hintergründen der Aufregung in der Schweiz auseinandergesetzt hat.

Dass sich radikale Kreise keinen Deut um die Meinungsfreiheit scheren, wenn diese ihrer eigenen Haltung zuwiderläuft, ist bekannt. Beunruhigender ist, wie kritiklos die Vorwürfe von vielen Medien übernommen wurden. Und wie sie die Leser mit einer gezielten Wortwahl manipulierten.

Geschadet hat es nicht wirklich

Da war beispielsweise die Rede von der „nicht wirklich geheimen Verknüpfung von Läderach und der organisierten Abtreibungsgegnerschaft in der Schweiz“ – als handle es sich um eine kriminelle Vereinigung, die vom Staatsschutz beobachtet werden sollte. Aus einer christlichen Haltung wird bei Journalisten mal schnell „christlicher Fundamentalismus“. Das Ganze wird dargestellt, als handle es sich um ein Netzwerk gewaltbereiter Verrückter – und nicht etwa um ein Engagement für eine gesellschaftliche Frage, die man kontrovers diskutieren kann und soll.

Das Familienunternehmen Läderach kam einige Monate lang medial schwer unter die Räder, weil sie von der nötigen Krisenkommunikation sichtlich überfordert war. Nachhaltig geschadet haben die Boykottaufrufe der Firma aber nicht. Der Produktionsstandort Schweiz wurde ausgebaut, und in den USA entstanden 2021 über 30 neue Filialen. Dort scheint man keine Mühe damit zu haben, wenn erfolgreiche Unternehmer sich einen eigenen Glauben und eine eigene Haltung erlauben.

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