Für den Polit-Exit
Wie gelingt der Polit-Exit? Kann man überhaupt austreten? Oder haben wir es mit einer absoluten Zwangsorganisation zu tun? Es sieht ganz danach aus. Wo soll man denn hin? Politik ist nahezu weltumspannend. Wahrscheinlich hat man nur noch bei einigen wenigen abgeschotteten Indigenen seine Ruhe. Sobald einer nur verkünden würde: „Nein, danke, ich will hier raus, ich brauche euch nicht, ich mache mein eigenes Ding“, müsste er einen Ort finden, wo er etwas eigenes aufbauen kann, und das würde schwierig.
Als jemand, der den Ausstieg sucht, gerät man ohnehin schnell in den Verdacht, mit Bomben nur so um sich zu werfen, mindestens aber ein Staats- oder Verfassungsfeind zu sein. Für die Regierung ist das bekanntlich dasselbe. Doch Verfassung und Staat respektive Regierung sind keine Synonyme. Zur Erinnerung: Das Grundgesetz sichert uns Abwehrrechte gegen staatliche Eingriffe. Es dient also uns zum Schutz. Die darin ebenso enthaltenen Freiheits- und Gleichheitsrechte sind toll – was sollte man dagegen einwenden?
Die Verfassungsfeinde sitzen in den eigenen Reihen
Dass die Polit-Protagonisten Steine werfen, obwohl sie im Glashaus sitzen, kümmert sie nicht. Denn wahr ist, dass die Verfassungsfeinde, nach denen sie allzu gerne fahnden, längst in den eigenen Reihen sitzen. Im Laufe der Geschichte haben Regierungen immer wieder bewiesen, dass es zu ihren allerliebsten Hobbies gehört, die Verfassung auf ihre Weise zu interpretieren und gegen sie zu verstoßen. Und sie tun es bis heute, Tag für Tag. Besonders beliebt ist die Nichtachtung des Grundsatzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“.
Denn wer die Menschenwürde achtet, der geht nicht mit Millionen von Bürgern so um, wie er es während der Pandemie-Jahre tat. Politiker überboten sich in der Ächtung und Ausgrenzung maßnahmenkritischer und nichtgeimpfter Menschen. Ein humanitäres Totalversagen, das bis heute ohne ernsthafte Konsequenzen bleibt. Wer die Menschenwürde achtet, benutzt Menschen nicht als Kanonenfutter und verhindert, dass Bürger sich gezwungen sehen, nach Pfandflaschen im Müll zu wühlen. Wer die Menschenwürde achtet, führt keine Handelskriege und beschließt keine Maßnahmen, die zur Folge haben, dass Märkte schrumpfen oder zusammenbrechen, dass Unternehmen schließen müssen, ganze Branchen leiden und Millionen von Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren.
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Wer die Menschenwürde achtet, mutet Kindern keine steigende Armut und kein desaströses Schulsystem zu und liefert sie dort nicht der Schutzlosigkeit aus. Ende Oktober 2025 berichtete der Cicero, dass seit 2015 die Gewalt an Schulen dramatisch zugenommen hat und der Staat nicht mehr in der Lage sei, die Sicherheit von Schülern zu gewährleisten.
Apropos. Auch der erwachsene Bundesbürger wird eher von Außerirdischen besucht werden als sich auf die innere Sicherheit verlassen zu können, gleichwohl der Staat doch das selbst als entscheidendes Argument für seine Berechtigung anführt. Sogar ein Bummel über den Weihnachtsmarkt kann inzwischen zum Überlebenstrip werden. Denn er birgt nicht nur die klassische Gefahr, zu tief in die Glühweintasse zu schauen, sondern wahlweise womöglich abgestochen oder überfahren zu werden.
Das Staatsversagen ist flächendeckend
Noch mehr Beispiele gefällig? Die finden Sie überall, das Staatsversagen ist flächendeckend. Und wuchert weiter wie besonders hartnäckiges Unkraut. Probleme werden nur dann gelöst, wenn gesichert ist, dass einundzwanzig nächste folgen. Politiker sind so etwas wie der Anti-Midas. Alles, was König Midas anfasste, wurde zu Gold. Bei Politikern ist genau das Gegenteil der Fall: Sie machen aus dem, was mal Gold war, schweres Blei.
Um die eigene Unfähigkeit nicht sehen zu müssen, werden wir Bürger ins Visier genommen. Uns wird alles Mögliche unterstellt, was die Politik eigentlich sich selbst ankreiden müsste. Was hier stattfindet, kennt man aus der Psychologie: Es handelt sich um Projektion. Wer nicht so gerne bei Sigmund Freud nachfragt, sondern lieber in der Bibel blättert, findet auch dort Zitate, die sich wie eine beliebte Strategie der Polit-Garde lesen. Übertragen wir das mal: Statt den Balken im eigenen Auge zu erkennen, wird nach Splittern im Auge des Bürgers gejagt. Kein guter Stil.
Aber wer sich im Überlebensmodus befindet, wer seine Position sichern muss, der legt auf Benehmen nun wirklich keinen Wert. Natürlich will man auch den einzigen Fluchtweg verbarrikadieren, der sich uns Bürgern bietet. Die Anarchie muss des Teufels sein, damit die Politik sich selbst an der Macht und die Bevölkerung im System der Unterdrückung halten kann. Wo kämen wir denn da hin, wenn die Menschen entdeckten, dass sie sich nicht unterordnen müssen.
Das Ziel des Anarchismus ist der Aufbau neuer Strukturen
Um maximal abzuschrecken, wird so getan als wäre die Umsetzung von Anarchie gleichbedeutend mit der Ausrufung einer exorbitanten Gewaltorgie. Man muss nur mal eine spontane Umfrage machen und wird schnell herausfinden, wie sehr diese Vorstellung in den meisten Gehirnen verankert ist. Auch hier hat die Polit-Sekte ganze Propagandaarbeit geleistet.
Es stimmt, es gab blutige Aufstände von Anarchisten, und jeder Mensch, der dabei sterben musste, ist einer zu viel. Da gibt es nichts schönzureden. Doch zur Wahrheit gehört auch, dass die Relationen nicht stimmen, weil es immer so klingt, als würde Gewalt immer erst dann auftauchen, sobald ein Anarchist die Weltbühne betritt. Bleiben wir bei der Realität und setzen das Blut in Vergleich, das in zig politisch angezettelten Kriegen fließen musste – dann steht eine winzige Pfütze einem gigantischen Ozean gegenüber.
Das sind keine schönen Bilder, ich weiß. Doch es ist notwendig, sich diese propagandistischen Verzerrungen nicht bieten zu lassen. Zig Korrekturen sind zu machen. Viele davon übernahm Horst Stowasser mit seinem Bestseller Anarchie, das sich übrigens als ergänzende Lektüre empfiehlt.
So legt er unter anderem dar, dass die blutigen Attentate aus anarchistischen Reihen, die sich Ende des 19. Jahrhunderts ereigneten, einer Negativfixierung geschuldet gewesen seien, die mit dem Wesen des Anarchismus an sich nichts zu tun hätten. Nicht Zerstörung alter Strukturen sei das Ziel des Anarchismus, sondern der Aufbau neuer Strukturen, die die alten erübrigen.
Bei diesem Text handelt es sich – mit freundlicher Genehmigung von Autor und Verlag – um einen Auszug aus dem Buch „Anarchie - jetzt oder nie!“ (Westend Verlag, Neu-Isenburg 2026)
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