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Trump wütend wegen Verfolgung von Christen in Nigeria

„Werden hohen Preis zahlen, wenn sie das Abschlachten von Christen nicht einstellen“

Seit knapp einem Jahr ist US-Präsident Donald Trump zum zweiten Mal im Amt. Wer dachte, dass sich die „America First“ Doktrin des 45. und 47. US-Präsidenten auf den innen-, migrations- und wirtschaftspolitischen Umbau der Vereinigten Staaten von Amerika konzentrieren würde, sollte eines Besseren belehrt werden. Denn allein in den vergangenen zwölf Monaten befahl Trump Militäroperationen in sieben Ländern. Mit Ausnahme der Entmachtung des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro sowie der damit einhergehenden geplanten Zerschlagung von Drogenkartellen und der Sicherung der dortigen Erdölvorkommen hatten die Militäreinsätze abseits von sicherheitspolitischen Beweggründen keine direkte Auswirkung auf das Leben der US-Amerikaner.

Die temporär beschränkten Militäroperationen im Iran, im Irak, in Syrien, im Jemen und in Somalia trafen allesamt Länder, die schon in den vergangenen Jahrzehnten im Fokus der US-amerikanischen Sicherheitspolitik standen. Dass Präsident Trump jedoch an Weihnachten einen Militäreinsatz gegen den sogenannten Islamischen Staat in Nigeria genehmigte, gehörte zu den bisherigen Überraschungen in seiner zweiten Amtszeit.

Der mit 240 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Staat Afrikas rückte mit Trumps Entscheidung in den – kurzzeitigen – Mittelpunkt der weltweiten Aufmerksamkeit. Präsident Trump begründete den Einsatz in seinem eigenen sozialen Medium Truth Social: „Ich habe diese Terroristen zuvor gewarnt, dass sie einen hohen Preis zahlen würden, wenn sie das Abschlachten von Christen nicht einstellten“.

Nigeria seit Monaten im Fokus Trumps

Tatsächlich hatte die Trump-Regierung seit Monaten die religiös motivierte Gewalt in Nigeria auf dem Schirm. Schon Ende Oktober wies Trump auf Truth Social auf die „existenzielle Bedrohung“ für Christen in dem westafrikanischen Land hin. Einherging damit die Einstufung Nigerias als „besonders besorgniserregendes Land“.

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Eine Beurteilung, die Trump schon im Jahr 2020 vornehmen ließ, die allerdings von der Biden-Administration wieder zurückgenommen wurde. Auf der „Countries of Particular Concern“-Liste, die vom US-Außenministerium erstellt wird, stehen ansonsten Länder wie Rotchina, Nordkorea oder der Iran, in denen die Religionsfreiheit systematisch verletzt wird.

In einem nachfolgenden Post unterstellte Trump, passend zur vorausgegangenen Einstufung, der nigerianischen Regierung eine Mitverantwortung für die Gräueltaten gegenüber der christlichen Bevölkerung. Sollte die Regierung keine Maßnahmen zum Schutz von Christen einleiten, würden die USA, so Trump, die Hilfen für Nigeria streichen und militärische Maßnahmen ergreifen.

Islamistische Terroristen in Nigeria verstärkt seit 2009 aktiv

Hegseth ließ sodann auf X verlautbaren, dass das „Kriegsministerium mit Hochdruck gemeinsam mit Nigeria daran [arbeite], die Verfolgung von Christen durch dschihadistische Terroristen zu beenden“. Dass Nigeria mit Terror überzogen wird, geht primär auf das Konto islamistischer Gruppierungen. Seit dem Jahr 2009 ist im Norden des Landes Boko Haram aktiv. Als Vorbild dieser islamistischen Gruppierung gilt die afghanische Taliban. Als Ziel wurde die Einführung der Scharia und das Verbot „westlicher“ Bildung in ganz Nigeria auserkoren. Vor zehn Jahren erfolgte eine Spaltung der Gruppe, da sich ein Teil dem Islamischen Staat der Westafrika Provinz (ISWAP), die im Nordosten des Landes ihr Unwesen treibt und ein Kalifat errichten will, anschloss.

Ebenso erwähnenswert ist die Terrorgruppe der Dschamāʿat Nusrat al-Islām wa-l-Muslimīn, die seit dem Jahr 2017 im gesamten Maghreb und in Westafrika operiert. Im Oktober 2025 verübte die Gruppe, die al-Qaida nahesteht, ihren ersten Anschlag in Nigeria. Immer wieder ziehen auch die Fulani-Milizen mordend durch Nigeria.

Der Global Terrorism Index 2025 sieht in Folge der Aktivität oben beschriebener islamistischer Gruppierungen eine kontinuierliche Verschlechterung der Lage in dem westafrikanischen Land. Gegenwärtig wird Nigeria auf Rang 6 der am stärksten von Terrorismus heimgesuchten Länder gelistet, womit es noch vor Afghanistan steht. Laut dem christlichen Hilfswerk Open Doors starben 3.100 der 4.476 Christen, die im Jahr 2024 getötet wurden, in Nigeria.

Die Nationalkirche Nigerias in der nigerianischen Hauptstadt Abuja: Der Schutz von Christen ist für die nigerianische Regierung kein übergeordnetes Ziel
Verzweifelte Eltern von Mitte April 2014 durch Boko Haram-Terroristen verschleppten zumeist christlichen Schülerinnen in der Stadt Chibok im Bundesstaat Borno im Nordosten Nigerias, 28. April 2014

Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein. Der republikanische Senator Ted Cruz geht von mehr als 50.000 durch Islamisten ermordete Christen seit dem Jahr 2009 aus. Neben den Tötungen und dem Niederbrennen von Kirchen und Schulen fallen auch immer wieder Frauen Misshandlungen, Vergewaltigungen und Entführungen zum Opfer.

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Von Gewalt sind alle Religionsgruppen betroffen

Doch neben Christen werden auch Muslime Opfer der rücksichtslosen Gewalt islamistischer Gruppierungen. Laut der Nichtregierungsorganisation Armed Conflict Location and Event Data (ACLED) waren in den vergangenen Jahren bei einem Drittel der Angriffe auf nigerianische Gotteshäuser Moscheen betroffen. Zwischen den Jahren 2015 und 2017 gab es sogar mehr Anschläge auf Moscheen als auf Kirchen.

Erstmals wurde religiös begründete Gewalt in Nigeria im Jahr 1953 verzeichnet, sieben Jahre vor der Unabhängigkeit des Landes von der britischen Kolonialherrschaft. Eben jene koloniale Vergangenheit ist auch für einen Großteil der nicht-islamistischen Gewalt verantwortlich: Die britischen Kolonialherren hatten einst verschiedene und teils verfeindete Ethnien in ein gemeinsames Gebiet gezwungen.

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Neben einer religiös und ethnisch begründeten Gewalt herrscht in Nigeria auch ein Kampf um Ressourcen wie etwa Weideplätze. Mit seinen vielfältigen Konfliktursachen ist Nigeria ebenso repräsentativ für die Lage in Afrika wie für die dortige Bevölkerungs- und Religionsstruktur. Christen, die laut dem Pew Research Center 43,4 Prozent der nigerianischen Bevölkerung ausmachen, siedeln im Landessüden. Die überwiegende Mehrheit der 56,1 Prozent der Muslime lebt hingegen im Norden Nigerias. Dass der nigerianische Staat trotz immenser Schwierigkeiten und aller Demokratiedefizite (noch) vergleichsweise stabil ist, liegt im politischen System begründet: Seit dem Jahr 1999 orientiert es sich am Föderalismus der USA.

Innenpolitische Gründe als Motivation für US-Militäreinsatz in Nigeria?

Die Gewalt in Nigeria hat vielfältige Gründe und betrifft also nicht ausschließlich Christen. Ob diese differenzierte Sichtweise bei Präsident Trump ankam, darf indessen hinterfragt werden. Den US-Angriff auf den IS an Weihnachten begründete der 47. US-Präsident, wie eingangs erwähnt, mit der Notwendigkeit, das Morden an Christen zu beenden. Doch weder wird diese Gewalt mit einem einzigen Militärschlag beendet werden können noch war der Schutz von Christen für die nigerianische Regierung das übergeordnete Ziel. Diese nannte als Hauptziel des US-Einsatzes die Bekämpfung islamistischer Terroristen, die das Land destabilisieren.

Experte Olayinka Ajala von der Leeds Beckett University sieht in einem Beitrag für The Conversation durch die US-Militäroperation die nigerianische Regierung im Kampf gegen die Aufständischen gestärkt. Zukünftig haben die Militärs Nigerias und der USA auch eine verstärkte Zusammenarbeit in Form eines Austauschs von Geheimdienstinformationen zur Bekämpfung der Islamisten vereinbart.

Das grundlegende Problem der Christenverfolgung in Nigeria wird jedoch kurz- und mittelfristig, entgegen den Äußerungen Trumps, nicht behoben werden. Vielmehr dürfte als primäres Ziel des US-Einsatzes gegen den IS an Weihnachten die Beeinflussung der eigenen Wählerschaft gewesen sein. Schließlich sind es insbesondere evangelikale Christen, die zur Basis von Trumps „Make America Great Again“ Bewegung gehören. Dieser Wählergruppe konnte Präsident Trump im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit nur wenige politische Erfolge vorweisen.

Nach den Erfahrungen aus seiner ersten Amtszeit hält Donald Trump mit einer überraschend aktiven Sicherheitspolitik die Welt in Atem. Dass er das Leid der Christen in Nigeria auf seine Agenda setzte, ist für die Sensibilisierung der weltweit am stärksten verfolgten Religionsgruppe durchaus zuträglich.

Christenverfolgung auch in Europa stärker thematisieren

Auch Papst Leo XIV. versucht mit Ansprachen und Gebeten die Öffentlichkeit auf die weltweite Christenverfolgung hinzuweisen. Zuletzt sprach er am 9. Januar 2026 explizit die „religiös motivierte Gewalt“ in Nigeria bei seiner Grundsatzrede vor Diplomaten an. Die Aufgabe eben jener Diplomaten ist es, Gewalt gegen alle Religionsgruppen, aber insbesondere gegen Christen, offensiver anzusprechen und sie zu verurteilen.

„Dass Papst Leo XIV. in seiner Neujahrssprache Nigeria genannt hat, ist ein sehr positives Signal“, sagte der Geschäftsführer von Christian Solidarity International (CSI) Deutschland, Pfarrer Peter Fuchs, gegenüber Corrigenda. „Medien, aber auch kirchliche Kreise hatten seit den Trump-Statements versucht, die religiöse Verfolgung in dem afrikanischen Land auszuklammern – Medien wie die BBC sprachen sogar von ‘angeblichen Tötungen’. Ein hochrangiger Kirchenvertreter sagte explizit, dass es in Nigeria keinen religiösen, sondern nur einen sozialen Konflikt gebe.“

Mit seiner Ansprache habe der Pontifex diesen Darstellungen mutig widersprochen, er stärke damit die Arbeit christlicher Hilfswerke. „Denn insbesondere im Middle Belt wüten islamistische Fulani-Milizen, die sich auf Usman dan Fodio berufen, einen Fulani-Religionsführer, der 1804 das Sokoto-Kalifat gründete. Wer Ross und Reiter nicht nennt, kann das Problem auch nicht an der Wurzel packen.“

Im Oktober vergangenen Jahres hatte der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin bei der Vorstellung des Berichtes des Hilfswerks „Kirche in Not“ über Religionsfreiheit in der Welt mit Blick auf Nigeria Einschätzungen zum Besten gegeben, die viele als mindestens unglücklich gewählt aufgefasst haben. So sagte die Nummer zwei im Vatikan, bei der Gewalt und Verfolgung in dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas handele es sich „eher um einen sozialen Konflikt, beispielsweise zwischen Viehzüchtern und Bauern“.

Auch in Europa gilt es indessen, der Verfolgung von Christen mehr Aufmerksamkeit zu schenken als bisher, verzeichnete die Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa (OIDAC) alleine im Jahr 2024 2.211 antichristliche Delikte, zu denen Kirchenvandalismus oder körperliche Gewalt gegen Gläubige gehören. Im Interview mit der katholischen Wochenzeitung Die Tagespost forderte Österreichs Kanzleramtsministerin für Europa, Integration und Familie, Claudia Bauer (ÖVP), zu Jahresbeginn, dass „christenfeindliche Straftaten genauso laut und ernst [angesprochen werden müssten], wie jegliche andere Form von Hass“. Nigerianische Verhältnisse sollten in Europa schließlich schon im Keim erstickt werden. Ob das gelingt?

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