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Unglückliche Kolumne

Der SZ-Redakteur und die Kinder der Linie 19

Wollten Sie schon einmal so richtig über Araber ablästern – und über „Ex-Jugoslawen noch dazu? Als Redakteur der Süddeutschen Zeitung (SZ) geht das anscheinend ganz einfach. Diesen Eindruck zumindest erweckt Stephan Handel in seiner Kolumne mit der Überschrift „In der Gewalt der Brüll-Babys (noch online lesbar, den Tweet dazu hat das Blatt schon gelöscht).

Wie wird also Araberschelte salonfähig? Ganz einfach: Man verpacke ihren strengen Geschmack in die süße Hülle des Kinderhasses. Und schon – so scheint es – wird aus dem journalistischen Tabu ein Zeitgeist-To-do.

Aber von Anfang: Was hat Handel so erbost, dass ihm die Tramlinie 19 – die einen Großteil ihrer Strecke sogar als touristische Renommierlinie absolviert – als „Straßenbahn des Todes erscheint? Es sind Kinder. Sie schreien. Unerhört! Das kann man als alter SZ-Haudegen natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Und ihre Eltern sprechen in fremden Zungen, auch das noch! So kann Handel gar nicht prüfen, ob hier korrekt erzogen wird.

Wenn Kinder den Ansprüchen des SZ-Redakteurs nicht genügen

„Ein Junge, vielleicht ein Jahr alt, mit dem seine Eltern in einer Sprache sprechen, die wohl dem arabischen Kulturkreis zuzurechnen ist. Was sie sagen, ist daher nicht zu verstehen, es hört sich aber nicht nach harten Anweisungen an, jetzt doch mal den Mund zu halten. Und so brüllt der Bub aus jedem Anlass. Wo also die „harten Anweisungen fehlen, da wird es Handel zu wild.

Aber schnell weiter im Text: Das nächste Kind ist ausgemacht – oder fürs Erste: seine Mutter. Ihr „resignierter Singsang? Das muss doch „Ex-Jugoslawien sein! Was Handel aber positiv aufzufallen scheint: Sie „versucht es wenigstens, ihr Kind zu beruhigen – aber schafft es nicht. Zumindest nicht so, dass die Ansprüche des mitreisenden SZ-Redakteurs an das korrekte Mitfahren Minderjähriger erfüllt werden.

Denn die Babys, ihre Eltern, ihre fremden Sprachen, alles scheint sich verschworen zu haben: „Sie brüllen sprachübergreifend. Jedenfalls fängt immer der eine an, wenn der andere gerade aufgehört hat, damit die anderen Fahrgäste sich nicht langweilen müssen. Wohin zieht es Handel und seine Aufmerksamkeit jetzt in diesen Minuten in der Höllentram?

Feindbild: Mutter mit Baby

Drittes Ärgernis: Eine deutsche Mutter. Konsequent also, dass Handel seine Balkan-Route des Banal-Bösen wenigstens bis zum bitteren Ende geht. Wo kommt er heraus? Bei einem Feindbild, das man so jetzt nicht erwartet hätte: Mutter mit Baby im Tragetuch: „Typ Lastenfahrrad, aber heute regnet’s. Bei der soziologischen Gruppe „SZ-Leserin also.

Aber Handel ist freigiebig mit seiner Kritik: Es soll nicht nur die treffen, die in unverständlichen Sprachen sprechen, sondern seine eigenen Leser noch dazu. Die Mutter „versucht gar nicht erst, ihr Kind vom Brüllen abzuhalten, sie übt sich vielmehr in der Frust- und Aggressionsbegleitung wie aus dem Lehrbuch ‘Richtig Helikoptern’.

Einen Helikopter wünscht man auch Stephan Handel. Damit er – wenn das nächste Mal die S-Bahn-Stammstrecke gesperrt ist – nicht wieder in die „Todes-Tram“ nach Pasing muss.

Sondern über alle diese einfach hinwegfliegen kann: über seine – noch verbliebenen – Leser, die Araber- und Balkan-Muttis, die schreienden und so seltsam ausländisch brabbelnden Kinder. Hier oben ist es einsam – aber Stephan Handel hat Ruhe. Endlich!

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Kommentare

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Kommentar
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Thorsten Paprotny
Vor 6 Monate 3 Wochen

Danke für Ihre Erwiderung - und besonders für Ihre wichtige Arbeit für den Lebensschutz.

Wir dürfen für Kinder, Kinderlachen und die Lebendigkeit von Kindern sehr dankbar sein.

Wer sich davon gestört fühlt, den verstehe ich nicht.

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Katharina
Vor 6 Monate 3 Wochen

Der SZ-Artikel ist so eine Frechheit!!!

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Lisa
Vor 6 Monate 3 Wochen

Danke! Mich wundert, dass ein solcher Artikel überhaupt veröffentlicht werden darf! Unverschämt!

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Thorsten Paprotny
Vor 6 Monate 3 Wochen

Danke für Ihre Erwiderung - und besonders für Ihre wichtige Arbeit für den Lebensschutz.

Wir dürfen für Kinder, Kinderlachen und die Lebendigkeit von Kindern sehr dankbar sein.

Wer sich davon gestört fühlt, den verstehe ich nicht.

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Veritas
Vor 6 Monate 3 Wochen

Guten Tag. Es ist schade, was aus deutschen Qualitätsmedien geworden ist (oder waren sie das gar nie?). Die Replik von Herrn Püschel habe ich gerne gelesen und sie trifft den Nagel auf den Kopf, der im Falle Herrn Handels einmal ordentlich durchgelüftet gehörte.

Es grüßt mit Dankbarkeit,
Veritas

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Katharina
Vor 6 Monate 3 Wochen

Der SZ-Artikel ist so eine Frechheit!!!

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Ulf Forsberg
Vor 6 Monate 3 Wochen

Die SZ ist eine derart linksgrüne Zeitung, dass Herrn Püschel wohl eine minimale Abweichung von seinem eigenen Welt vollkommen verstört, ja zu einer boshaften Replik animiert.