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Kinderfeindliche Gesellschaft

Wie willkommen sind Kinder?

Eine gute Kindheit, gibt es das? Der österreichische Schriftsteller Thomas Bernhard schien nicht daran zu glauben. In seinem Roman „Alte Meister“ heißt es: „Meine Eltern hatten Ohren, aber sie hörten nichts, sie hatten Augen, aber sie sahen nichts, sie hatten wohl ein Herz, aber sie fühlten nichts. In dieser Kälte bin ich aufgewachsen, sagte er. Ich hatte keine Not zu leiden, aber ich war doch jeden Tag zutiefst verzweifelt, sagte er. Die ganze Kindheit war nichts anderes als eine tiefe Verzweiflungszeit.“

Wie viele der knapp elf Millionen Kinder in Deutschland sind gerade verzweifelt, wie viele weltweit? In einer Runde, in der ich mit Drittklässlerinnen zusammensaß, brach es aus einem Mädchen heraus: „Ich will nicht mehr leben.“ Alle schwiegen betroffen, bis ich fragte, was sie belasten würde. „Ich bin jeden Tag müde, ich kann einfach nicht mehr, alles ist mir zu viel, immer dieser Druck.“ Ob sie darüber schon mit den Eltern geredet habe? „Die sagen, ich soll mich nicht so anstellen.“

Eine Achtjährige erzählte mir, dass ihr zu schaffen machen würde, dass Mama und Papa ihr nicht richtig zuhören würden. Nachts, wenn sie in ihrem Bett liege, weine sie deshalb viel. Besonders traurig sei sie, dass ihr Vater nur an seinem Handy herumhänge, selbst am Wochenende. „Nie hat er Zeit, mit mir zu spielen, andere Leute sind ihm viel wichtiger als ich“, sagte sie leise.

Werden Menschen mit Kindern bald ausgegrenzt?

Wie willkommen sind Kinder? Ich habe, pädagogisch ausgebildet, viel Zeit mit vielen Kindern verbracht und nie aufgehört, darüber nachzudenken. Gerade weil ich immer wieder miterleben musste, dass Kinder sich das, bewusst oder unbewusst, selbst oft fragen. Immer wieder geraten sie in Situationen, die sie zweifeln lassen, ob sie überhaupt erwünscht sind.

Aussicht auf Besserung gibt es kaum. Man muss nur denen zuhören, die, von ihrer eigenen Klimaideologie völlig verblendet, Kinderfeindlichkeit ganz offen propagieren. Wie etwa Zeit-Autorin Cora Wucherer, die sich ganz bewusst gegen Kinder stellt, schon gar nicht eigene will, handelt es sich doch um „Klimaschädlinge“. Oder wie sonst lässt sich ihr Vorwurf an Eltern interpretieren? „Da könnt ihr noch so oft das Lastenfahrrad nehmen und eure Essensreste in selbstgemachte Wachstücher packen, sorry, meine CO2-Bilanz wird immer besser sein als die von euch mit Kindern“, machte sie in einem Statement deutlich.

Wohin soll das führen? Derart wie Pandemiepolitik betrieben wurde und jetzt Energiepolitik, mehren sich die Hinweise, dass wir auch hierzulande auf ein Social-Credit-System hinsteuern könnten, wie es in China bereits routiniert praktiziert wird. Was als rein finanzielles Bonitätssystem begonnen hat, ist hat sich inzwischen zu einem „moralisierenden“ System ausgewachsen, in dem unerwünschtes Verhalten entsprechend sanktioniert wird.

Es mag dystopisch anmuten, aber die Zeichen der Zeit sind besorgniserregend genug, um zu fragen: Könnte es irgendwann dazu kommen, dass Menschen, die Kinder haben, gesellschaftlich ausgegrenzt werden? Steht zu befürchten, dass sie bestimmte Kredite nicht bekommen oder zu bestimmten Berufen nicht zugelassen werden? Ja: Dürfen sie überhaupt noch Kinder bekommen? Man erinnere sich, dass China hier ebenfalls mit schlechtem Beispiel voranging: Jahrzehntelang wurde eine sogenannte Ein-Kind-Politik betrieben, seit 2015 sind maximal zwei Kinder erlaubt.

Man hat die Mahner diffamiert, um sie mundtot zu machen

Um zu erkennen, wie wenig Kinder der Politik und der Gesellschaft wert sind, muss man nur auf die vergangenen drei Jahre zurückblicken. Während der Corona-Pandemie wurden ihre Bedürfnisse wenig bis gar nicht beachtet. Die Regierung zog ruckzuck eine milliardenschwere „Bazooka“ für die Wirtschaft aus dem Ärmel; wie man hingegen Kinder fördert und was ihnen guttut, stand nicht zur Debatte. Schulen und Kindergärten wurden geschlossen, und damit basta.

Spricht man von der Gewalt, die Kindern durch die Corona-Maßnahmen angetan wurde, erlebe ich leider immer wieder, dass das heruntergespielt wird. Um nicht hinsehen zu müssen, auch nicht auf die eigenen Versäumnisse, entwickelt die Gesellschaft Strategien der Verleugnung oder Verharmlosung. Vor allem, wenn von psychischer und emotionaler Gewalt die Rede ist. Psychologen waren bereits seit dem ersten Corona-Lockdown alarmiert und warnten vor Depressions- und Suizidgefahren. Besonders beliebt war das nicht. Man hat die Mahner diffamiert, um sie mundtot zu machen – auch so geht Kinderfeindlichkeit.

Wieso war möglich, Kinder zu potenziellen Mördern zu erklären? Ihnen einzubläuen „Oma und Opa könnten sterben, wenn du sie besuchst“? Wie ist zu rechtfertigen, dass sie Verantwortung für die Erwachsenen übernehmen sollten – obwohl der Rollentausch sie überforderte? Wie konnte man zulassen, sie permanent der Angst auszusetzen, weniger gemocht oder gar ausgeschlossen zu werden, wenn sie sich mit den Corona-Maßnahmen nicht wohlfühlen?

Wie konnte geschehen, dass Politik und Gesellschaft über ihren Körper bestimmt haben, indem man sie zur Maske zwang und zur Impfung drängte? Zur Erinnerung: „Mein Körper gehört mir“ ist ein Leitsatz bei der Prävention sexueller Gewalt, der bereits Kindergartenkindern vermittelt wird. Was folgt, wenn er mal gilt und mal nicht? Und wohin mit der Wut über all die Ungerechtigkeiten und Grenzüberschreitungen? Ist da jemand, der zuhört?

Es ist allerhöchste Zeit

Statt mit Verständnis antwortet ein großer Teil der Gesellschaft mit nächsten Ideologien, die Kinder und Jugendliche in Panik versetzen oder mindestens verstören sollen. Immer mehr junge Menschen geben an, unter Klimaangst zu leiden, hinzu kommt der Transgender-Hype, der bereits die Jüngsten in ihrer Geschlechtsidentität verunsichern soll. Dem bundesdeutschen Kind werden auf einem Internetportal sogar von der Regierung höchstpersönlich sogenannte Pubertätsblocker nahegelegt, damit es sich in Ruhe überlegen kann, welches Geschlecht es eigentlich haben will. Als stünde das zur Entscheidung wie die Anschaffung eines neuen Smartphones.

Geht es nach der AG Queer der SPD Tempelhof-Schöneberg in Berlin sollen bereits Siebenjährige ihr Geschlecht selbst bestimmen können. Einer ihrer Vorstände gilt übrigens als Pädophilen-Versteher. Er brachte im Jahr 1994 ein Buch mit dem ekelerregenden Titel heraus „Die Lust am Kind“.

Wer schützt die Kinder? Die Klima- und Pharmaindustrie, die ohne Zweifel zu den großen Profiteuren gehört, ganz sicher nicht. Damit Kinder nicht gnadenlos den Zeitgeist-Ideologien zum Opfer fallen, brauchen sie unsere Stimme.

„Die Moral einer Gesellschaft zeigt sich in dem, was sie für ihre Kinder tut“, stellte Dietrich Bonhoeffer fest, der sich unerschütterlich im Widerstand gegen die Nationalsozialisten engagierte. Sein letzter erhaltener Text vor seiner Hinrichtung am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg ist inzwischen ein viel gesungenes geistliches Lied: „Von guten Mächten wunderbar geborgen.“ Das klingt sehr tröstlich. Darin heißt es aber auch: „Noch will das Alte unsre Herzen quälen. Noch drückt uns böser Tage schwere Last.“

Das Leiden von Kindern ernst zu nehmen, ist ein entscheidender Schritt, um diese Welt wieder ein Stück kinderfreundlicher zu machen. Und sonst? Was brauchen Kinder wirklich? Was brauchen sie jetzt? Allerhöchste Zeit, sie zu fragen. Und ihnen zuzuhören.

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Kommentare

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Kommentar
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Martin Grünewald
Vor 4 Wochen 1 Tag
Treffend!
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Rosi
Vor 3 Wochen 4 Tage
Kinder brauchen Eltern, die sie wertschätzen, Aufmerksamkeit, ein Zuhause, Geborgenheit, Sicherheit, Zugehörigkeit zu einer Familie. Das dürfte ja nichts Neues sein. Klar kann man Kinder fragen, doch die Erwachsenen sollten das auch so bereits wissen. Meine Meinung ist, dass jedes Kind ein Recht auf Eltern hat und nicht das "Recht auf einen Kitaplatz". Auch wenn ich etwas kritisch formuliert habe, ich stimme dem Artikel inhaltlich zu und bin froh, dass es noch Menschen wie Frau Schindler gibt, die die Situation von Kindern vertritt.
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Martin Grünewald
Vor 4 Wochen 1 Tag
Treffend!
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Rosi
Vor 3 Wochen 4 Tage
Kinder brauchen Eltern, die sie wertschätzen, Aufmerksamkeit, ein Zuhause, Geborgenheit, Sicherheit, Zugehörigkeit zu einer Familie. Das dürfte ja nichts Neues sein. Klar kann man Kinder fragen, doch die Erwachsenen sollten das auch so bereits wissen. Meine Meinung ist, dass jedes Kind ein Recht auf Eltern hat und nicht das "Recht auf einen Kitaplatz". Auch wenn ich etwas kritisch formuliert habe, ich stimme dem Artikel inhaltlich zu und bin froh, dass es noch Menschen wie Frau Schindler gibt, die die Situation von Kindern vertritt.
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Maria Treutler
Vor 3 Wochen
Hallo, ihr Lieben wenn ich solche Kommentare wie dieser Vorschlag von Frau Wucherer höre, werde ich stocksauer. Leider sterben diese so CO ² Bewussten keinen demografisch vertretbaren Tod mit 67, weil sie ja nicht für Leute gesorgt haben, die ihre Rente auch einbringen können. Sorry, klingt gemein, aber uns Eltern Kinder vorzuhalten, ist arrogant und wenig nachgedacht. Ich habe immer gedacht, es muss weitergehen und natürlich auch an die Zukunft der Welt gedacht. Nur die Jüngeren können die Welt weiterbringen. Wir Alten sind alt und werden bald sterben egal, wir jung eir geblieben sind. Danke an 1000 Plus.
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Heike Wagner
Vor 3 Wochen
Wir haben eine von uns nicht gewählte Regierung, die sich erdreistet, unsere Kinder zu sexualisieren und sie mit ihrer Ideologie bzgl. Gender zu verstümmeln und gleichzeitig unsere Familien zu zerstören. Kriminelle, die unsere Kinder hassen! Gnade uns Gott! Deutschland wird zerstört!