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Kolumne „Ein bisschen besser“

Männer allein zu Haus

Wir machen Männerwochenende. Papa, mein Ältester und die Brüder – alle da. „Trinken an der Mosel“ lautet das Programm. Judith mag keinen Moselwein und kommt nicht mit. „Ein unkomplizierter Wein“, sagt dagegen mein Ältester, der gelegentlich als Kellner die Karaffe schwingt. Die Winzerin dichtet eigenwillig: „Was du heute kannst entkorken, das verschiebe nicht auf morgen“, und dreht um 10:30 Uhr am Schraubverschluss der nächsten Flasche. Es beginnt früh unkompliziert zu werden an diesem Tag.

„Sonntagabend kommst du wieder, und Montag um acht muss ich los. Toll“, schreibt mir meine Frau aufs Display. Und das Töchterchen vermisse mich auch. Vielleicht wird es doch nicht so unkompliziert, denke ich.

Ich denke an Anna Karenina, Emma Bovary, Romeo und Julia

Ich frage mich, wie große Männer das geregelt haben. Odysseus zum Beispiel. Zwanzig Jahre war der unterwegs. Er kämpfte gegen Zyklopen, widerstand Sirenen und verbrachte sieben Jahre auf dem Rückweg bei der Nymphe Kalypso. Seine Frau Penelope saß derweil zu Hause und hielt sich die Verehrer vom Leib. Ich bin zweieinhalb Tage weg. Kalypso gibt es hier nicht, nur die Winzerin, die fragt, ob wir noch einen Elbling probieren wollen. Ich sage ja. 

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Bilder getrennter Paare steigen in mir auf. Anna Karenina verlässt ihren Mann für den schönen Grafen Wronski. Die Sache endet unter einem Zug. Emma Bovary sucht das große Glück bei anderen Männern. Am Ende nimmt sie Arsen. Bei Romeo und Julia reichen ein paar Tage Trennung, um zwei komplette Familien ins Unglück zu stürzen.

Wie reagiert Judith, als ich nach Hause komme?

Ich schicke ein Foto von der Mosel. Sonnenschein, Weinberge, fünf zufriedene Männer. „Schön für euch“, kommt zurück. Drei Wörter, deren Bedeutung in einer Ehe von der Betonung abhängt. Papa erzählt von früher. Damals fuhr man weg, ohne dass die Frauen so genau wussten, wo man war. Wer seine Frau vermisste, musste eine Telefonzelle suchen. Und Kleingeld. Manchmal hatte er keins. Beim Verreisen geht es um etwas anderes als um Wein und Freiheit. Man fährt weg, um einmal nicht gebraucht zu werden. Und merkt unterwegs, dass es ein bisschen besser ist, wenn einen jemand braucht.

Am Sonntag fahre ich zurück. Ich habe eine Flasche Elbling für Judith dabei, obwohl sie keinen Moselwein mag. „Na, war's schön?“, fragt sie. „Unkompliziert“, sage ich. „Aber ich habe dich sehr vermisst.“ Sie betrachtet die Flasche. „Dann kannst du ja nächstes Mal zu Hause bleiben“, sagt sie. Immerhin trinkt sie einen Schluck, was ich als Friedensangebot betrachte.

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