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Kolumne „Der Schweizer Blick“

Röcke retten die Männlichkeit

Es ist natürlich Pech, wenn man mit einem Y-Chromosom geboren ist. Das bedeutet nämlich, dass man ein potenzieller Frauenschläger, Vergewaltiger und unterdrückender Patriarch ist. Früher nannte man das Ergebnis dieser genetischen Missbildung übrigens „Männer“.

Wer mit dieser Erbschuld geboren ist, muss Buße tun. Ein einfacher Weg dahin wäre es nun natürlich, einfach auf häusliche Gewalt zu verzichten, nicht über Frauen herzufallen, sie zu respektieren und die Gleichberechtigung ernst zu nehmen. Nur reicht das alles noch nicht.

Stattdessen müssen die Männer dringend „mit den Bildern brechen“, die ihnen von Kindheit an eingepflanzt wurden. Diese wichtige Botschaft wurde soeben zum zweiten Mal im Rahmen des „Rethink Masculinity Day“ in Zürich verbreitet. Man soll seine Männlichkeit überdenken, und das geht natürlich nur, wenn man aufhört, ein Mann zu sein. Wenigstens temporär.

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Klischees mit Klischees brechen

Aber wie macht man das? In diesem Fall, in dem man sich anders kleidet. Deshalb pilgerten nun also Gruppen von Männern in einem Rock durch Zürich. 

Aber Moment mal: Ging es nicht eben noch darum, eingeprägte Bilder zu brechen? Und das tut man, indem ein Mann ein Kleidungsstück trägt, das durch eben solche festgefahrenen Klischees den Frauen zugesprochen wird? 

Gibt es nicht zahlreiche Aktionen, die dazu aufrufen, Stereotypen zu verbannen, indem man beispielsweise die „Ampelmännchen“ nicht mehr scheinbar geschlechtsspezifisch darstellt? Sollten laut der Woke-Mission nicht einfach alle Menschen alles tragen (und sein) dürfen? Und dieselben Kreise verwandeln sich nun für einen Tag in eine Frau – ein Wesen, das es so ja ohnehin nicht mehr geben soll?

Ein sympathischer Herr teilt uns mit, er trage heute einen Rock, „um die Geschlechtsbinarität aufzuweichen“. Er will das also schaffen, indem er ein Kleidungsstück trägt, das seit Ewigkeiten genau für diese Binarität stand. Was der Mann wirklich tut: durch einen Kleidertausch das binäre Geschlechtersystem in seiner reinsten Form vorführen. Ein Mann wird für einen Tag zur Frau. Absicht und Mission widersprechen sich direkt.

Aber pardon, wir haben soeben das Feld der Logik betreten, und die war nicht gefragt am „Rethink Masculinity Day“.

Blicke von der Baustelle

Ein anderer Teilnehmer findet, es gehe darum, „gesunde Formen der Männlichkeit zu finden“. Wobei der Rock ja vermutlich eher eine mögliche Blasenentzündung fördert. Zwei andere erzählen staunend, sie seien gerade im Rock an einer Baustelle vorbeispaziert, und die Arbeiter dort hätten ihnen nachgeschaut. Das sei so „stereotypisch“, findet einer. Er kommt offenbar nicht auf die Idee, dass das keine gierigen Blicke irgendwelcher sexgieriger Machos waren, sondern die pure Verwunderung über das Bild, das sich da bot. Denn wer die Botschaft dieses Tags nicht kannte, sah nur eines: Männer im Rock.

Aber der gute Zweck heiligt die Mittel und in diesem Fall auch den Anblick behaarter Männerbeine. Ziel war es, den Männern den Spiegel vorzuhalten. Sie sollen sich endlich bewusst werden, welche riesigen Privilegien sie in der Gesellschaft geniessen. 

Wie privilegiert man wirklich ist, wenn man offenbar sein biologisches Geschlecht permanent „überdenken“ und nötigenfalls mit der Garderobe der Freundin Karneval spielen muss: Das ist allerdings fraglich.

 

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