Direkt zum Inhalt
Starke Zunahme des Rauchens bei Jugendlichen

Aufbegehren gegen die woke Gängelung

Rauchen ist gesundheitsgefährdend, da gibt es nichts zu verharmlosen oder schönzureden. Jährlich sterben in Deutschland im Durchschnitt 120.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Das Rauchen schädigt das Herz-Kreislauf-System, erhöht das Thromboserisiko und ist Ursache vieler Krebserkrankungen. Wer exzessiv raucht, kann bis zu zehn Lebensjahre verlieren.

Doch wie bei allen „Genussmitteln“ ist es, je nach körperlicher Veranlagung des Einzelnen, die Menge, die das Gift macht. Schon der schweizerisch-österreichische Arzt Paracelsus sagte: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“ So ist der Tabakkonsum neben dem Genuss von Alkohol eine Sache der Eigenverantwortung.

Es macht eben einen Unterschied, ob man abends ein Glas Wein oder Bier trinkt oder täglich einen ganzen Kasten Bier vernichtet. Ebenso verhält es sich mit dem Tabakkonsum – wer zwei Schachteln Zigaretten am Tag „quarzt“, wird schneller und öfter mit den negativen Begleiterscheinungen kämpfen müssen als jemand, der gelegentlich eine Zigarre oder Pfeife genießt.

Die Risiken und Langzeitfolgen sind weithin bekannt, und doch greifen etwa 23 Prozent der Erwachsenen in Deutschland regelmäßig zum Glimmstängel. Bis 2020 war ihre Zahl rückläufig, was wohl weniger am Gesundheitsbewusstsein liegen wird als an der Preissteigerung und dem weitverbreiteten Rauchverbot in Gaststätten. Seit der Corona-Krise zeigt sich jedoch ein Gegentrend: Immer mehr Menschen greifen wieder zur Tschick, gerade auch Jugendliche.

Weil es heute schwerer ist, sich vom Mainstream abzusetzen

Jeder dritte über 14-Jährige raucht. Wie aus der repräsentativen Langzeitstudie „Deutsche Befragung zum Rauchverhalten“ (DEBRA-Studie) hervorgeht, liegt die Raucherquote damit bei über 33 Prozent. Vor Corona (Ende 2019 und Anfang 2020) lag der Anteil der Raucher in der Bevölkerung ab 14 Jahren noch bei ca. 26 bis 27 Prozent. Nun kann man mutmaßen, ob die Steigerung daran liegen mag, dass durch die Lockdowns und Kontaktbeschränkungen die Menschen mehr Stress ausgesetzt waren oder stärker an Einsamkeit litten und deswegen vermehrt zur Zigarette griffen.

Es könnte aber auch sein, dass der heutige Zeitgeist der Verbotskultur eine nicht unerhebliche Rolle dabei spielt und einen direkten Einfluss auf das Rauchverhalten hat – besonders bei den Jugendlichen. Die DEBRA-Studie ergab für das Jahr 2022 einen signifikanten Anstieg unter den 14- bis 17-Jährigen. Demnach hat sich der Anteil der Raucher unter dieser Altersgruppe von 8,7 auf 15,9 Prozent fast verdoppelt.

Die Rebellion ist in der DNS eines heranwachsenden Menschen verankert. Sich gegen die herrschenden Konventionen aufzulehnen, die Regeln der Eltern, der Schule und der Erwachsenen-Gesellschaft abzulehnen oder wenigstens in Frage zu stellen, gehört zum Reifeprozess dazu. Doch in einer Welt, in der Dutzende Geschlechtsidentitäten quasi akzeptiert sind und es nicht mehr darum geht, wer die beste Leistung erbringt, sondern wer es schafft, die beste „Opfer-Karte“ zu spielen, fällt es vielen Jugendlichen zunehmend schwer, sich vom Mainstream abzusetzen. Da das Verbotene seit jeher einen gewissen Reiz ausstrahlt, ist das Rauchen wieder Teil der Jugendkultur geworden.

Seid froh, dass sie „nur“ Tabak rauchen

Während der Staat immer mehr Verbote verhängt und Leitlinien verordnet, um das Volk vor vermeintlichen Gefahren zu schützen, wird die individuelle Freiheit immer mehr eingeengt. Die Werbung propagiert vegane Ernährung, die Schulen werden nach und nach fleisch- und zuckerfrei, alles soll nachhaltig und „klimabewusst“ sein. Dieses enge Moralkorsett wird von den rauchenden Jugendlichen kurzerhand gesprengt. Wie einst ihre Groß- und Urgroßeltern verbinden sie das Rauchen mit einem Lebensgefühl der Freiheit und der Selbstbestimmung. Die Ekelbilder auf den Zigarettenschachteln tangieren sie nicht. Sie trotzen den Gesundheitsrisiken schlicht und einfach mit der Jugend ihres noch unbelasteten Körpers.

Mit Konsumier- und Verkaufsverboten kommt man auch nicht weit. Die Jugendlichen wollen das Verbotene dann umso mehr und finden immer einen Weg, sich die Kippen zu beschaffen. Den (meist ausländischen) Späti-Betreibern ist der gesetzliche Jugendschutz piepegal, Hauptsache, die Kasse stimmt. Außerdem gibt es Ältere, die die heiße Ware an die Jüngeren weitergeben. Besorgten Eltern kann ich da nur sagen: Seid froh, dass sie „nur“ Tabak rauchen.

Fakt ist, die Rauch(un)kultur begleitet die Menschheit bereits seit Epochen – ob es uns gefällt oder nicht. Rauchen ist nicht nur der Konsum von Nikotin, Rauchen war und ist stets eine Zäsur im Alltag. In den Raucherpausen wurden Ideen geboren, der Flurfunk verbreitet, Freundschaften geschlossen. Ich plädiere für die Eigenverantwortung des Individuums und die Rücksichtnahme auf die Mitmenschen. Die Jugend muss ihre eigenen Erfahrungen machen – das ist wie bei der berühmten heißen Herdplatte: Die Großen warnen, die Kleinen machen es trotzdem.

11
8

3
Kommentare

Comment

  • Keine HTML-Tags erlaubt.
Kommentar
3
Hustinette
Vor 3 Wochen 3 Tage
1. Gut, dass Rauchen überhaupt keine Auswirkungen auf andere hat, weshalb es dabei selbstverständlich hier nur um die Eigenverantwortung geht. 2. Komisch, dass in Deutschland mit seinen laschen Nichtraucherschutzregeln das Revoluzzergen der Jugend sich gegen eine Verbotskultur wendet, die es gar nicht gibt. In anderen Ländern gibt es sie, wenn man das so nennen will, viel stärker, dort sind dann die Konsumentenzahlen weitaus niedriger. O Logik, wo bist du? 3. Es gibt keinen Wert, unterhalb dessen Rauchen oder Passivrauchen ungefährlich wären, sagt die Medizin. Die Redakteurin weiß dies offensichtlich besser. Wenn ich Trump wäre, würde ich jetzt „Fake News Fake News Fake News" brüllen. Da ich glücklicherweise nicht er bin, schüttle ich nur verständnislos den Kopf: Da hatte wohl jemand gar keine andere Themen mehr und musste tief in die Mottenkiste der 50er und 60er des letzten Jahrhunderts greifen. Mazel tov mit dieser Einstellung dem Leben gegenüber.
0
Moritz Gruber
Vor 10 Stunden 47 Minuten
>>"Es gibt keinen Wert, unterhalb dessen Rauchen oder Passivrauchen ungefährlich wären, sagt die Medizin." (Absatz) Für das Passivrauchen halte ich das für nicht ausgemacht und unwahrscheinlich. Für das aktive Rauchen stimmt es; aber, wichtiger: weder das eine noch das andere hat die Autorin *behauptet*. (Absatz) Was sie behauptet *hat*, ist etwas *anderes*: "Es macht eben einen Unterschied, ob man [...] zwei Schachteln Zigaretten am Tag „quarzt“ [...] [oder] gelegentlich eine Zigarre oder Pfeife genießt." (Ich könnte noch ergänzen: oder auch Zigaretten raucht, ein paar am Tag.) Das ist offensichtlich richtig; und es beinhaltet *nicht*, daß solche Leute *überhaupt keine* Gefahr durch den Tabak hätten. (Absatz) Die Autorin meint dann allerdings, wenigstens zwischen den Zeilen, daß man diese Gefahr durchaus auch auf sich nehmen darf, wenn man das will. Und auch damit hat sie Recht. - Auch deshalb, weil es immer Gefahren gibt. Welcher verantwortungsvolle Arzt wird über irgendeine Substanz sagen, diese würde sicher keinerlei Schaden anrichten? Kaum einer. Selbst Wasser schadet, in Massen. Gut, in Massen; aber welcher würde über irgendein Genußmittel sagen, es sei wenigstens unter einer bestimmten Schwelle sicher unschädlich, und zwar einer solchen, bei dem es dann schon angefangen hat, Spaß zu machen? Kaum einer. Und der penible Versuch, *alle* Arten von "Noxen", wie die Mediziner das nennen, zu vermeiden - zumindest wenn er ernstgenommen werden würde (ein mehr oder weniger willkürlich hinter "kein Alkohol und Tabak" gesetzter Stop "der Rest kümmert uns nicht" würde das ganze, zugegeben, um einiges einfacher einzuhalten und seelisch ungefährlich machen), und sich nicht auf - der wäre vermutlich der gesundheitsgefährende von fast allen, vom wirklichen Kettenraucher und Spiegeltrinker vielleicht abgesehen. "What has health to do with care? Health has to do with carelessness", sagte Chesterton, und auch der hatte Recht.
3
Hustinette
Vor 3 Wochen 3 Tage
1. Gut, dass Rauchen überhaupt keine Auswirkungen auf andere hat, weshalb es dabei selbstverständlich hier nur um die Eigenverantwortung geht. 2. Komisch, dass in Deutschland mit seinen laschen Nichtraucherschutzregeln das Revoluzzergen der Jugend sich gegen eine Verbotskultur wendet, die es gar nicht gibt. In anderen Ländern gibt es sie, wenn man das so nennen will, viel stärker, dort sind dann die Konsumentenzahlen weitaus niedriger. O Logik, wo bist du? 3. Es gibt keinen Wert, unterhalb dessen Rauchen oder Passivrauchen ungefährlich wären, sagt die Medizin. Die Redakteurin weiß dies offensichtlich besser. Wenn ich Trump wäre, würde ich jetzt „Fake News Fake News Fake News" brüllen. Da ich glücklicherweise nicht er bin, schüttle ich nur verständnislos den Kopf: Da hatte wohl jemand gar keine andere Themen mehr und musste tief in die Mottenkiste der 50er und 60er des letzten Jahrhunderts greifen. Mazel tov mit dieser Einstellung dem Leben gegenüber.
0
Moritz Gruber
Vor 10 Stunden 41 Minuten
zu 2 noch: Es ist für sich genommen nicht unlogisch, wenn die Kombination von moralisierendem Du-sollst-nicht und dem typischen "deutschen Gestarre" einerseits, andererseits aber relativer Liberalität bei den tatsächlichen harten Gesetzen, zu einem höheren Konsum führt bei beidem das Gegenteil. (Das macht die weniger liberalen Gesetze aber nicht richtig. Aufgabe des Rechtes ist es nicht, den Tabakkonsum zu reduzieren, sondern die Leute im Rahmen einer - freilich ebenfalls nicht bis zum Exzeß betriebenen - Rücksichtnahme auf die anderen so viel rauchen zu lassen, wie sie wollen. Mithin ist es unzulässig, das Geschäftsmodell einer freiwillig betretenen Rauchkneipe zu verbieten; es ist auch im allgemeinen unzulässig, von Staats wegen das Rauchen unter freiem Himmel zu verbieten; als Beispiele.)
0
Moritz Gruber
Vor 10 Stunden 47 Minuten
>>"Es gibt keinen Wert, unterhalb dessen Rauchen oder Passivrauchen ungefährlich wären, sagt die Medizin." (Absatz) Für das Passivrauchen halte ich das für nicht ausgemacht und unwahrscheinlich. Für das aktive Rauchen stimmt es; aber, wichtiger: weder das eine noch das andere hat die Autorin *behauptet*. (Absatz) Was sie behauptet *hat*, ist etwas *anderes*: "Es macht eben einen Unterschied, ob man [...] zwei Schachteln Zigaretten am Tag „quarzt“ [...] [oder] gelegentlich eine Zigarre oder Pfeife genießt." (Ich könnte noch ergänzen: oder auch Zigaretten raucht, ein paar am Tag.) Das ist offensichtlich richtig; und es beinhaltet *nicht*, daß solche Leute *überhaupt keine* Gefahr durch den Tabak hätten. (Absatz) Die Autorin meint dann allerdings, wenigstens zwischen den Zeilen, daß man diese Gefahr durchaus auch auf sich nehmen darf, wenn man das will. Und auch damit hat sie Recht. - Auch deshalb, weil es immer Gefahren gibt. Welcher verantwortungsvolle Arzt wird über irgendeine Substanz sagen, diese würde sicher keinerlei Schaden anrichten? Kaum einer. Selbst Wasser schadet, in Massen. Gut, in Massen; aber welcher würde über irgendein Genußmittel sagen, es sei wenigstens unter einer bestimmten Schwelle sicher unschädlich, und zwar einer solchen, bei dem es dann schon angefangen hat, Spaß zu machen? Kaum einer. Und der penible Versuch, *alle* Arten von "Noxen", wie die Mediziner das nennen, zu vermeiden - zumindest wenn er ernstgenommen werden würde (ein mehr oder weniger willkürlich hinter "kein Alkohol und Tabak" gesetzter Stop "der Rest kümmert uns nicht" würde das ganze, zugegeben, um einiges einfacher einzuhalten und seelisch ungefährlich machen), und sich nicht auf - der wäre vermutlich der gesundheitsgefährende von fast allen, vom wirklichen Kettenraucher und Spiegeltrinker vielleicht abgesehen. "What has health to do with care? Health has to do with carelessness", sagte Chesterton, und auch der hatte Recht.