Direkt zum Inhalt
Kolumne „Das liebe Geld“

Zuerst den Coffee-to-go abstellen

Hand aufs Herz: Wann haben Sie sich das letzte Mal wirklich mit Ihren Finanzen beschäftigt, sich einen detaillierten Überblick verschafft? Ich meine nicht den flüchtigen Blick auf Giro- und Tagesgeldkonto, sondern eine echte Analyse Ihrer Finanzen. Ab und zu muss das nämlich wirklich sein. Denn es ist ein erster Schritt zu mehr finanzieller Freiheit.

So ein Kassensturz kann auch richtig guttun. Mitunter gibt es die eine oder andere positive Überraschung. Und wenn nicht? Auch das ist gut. Denn irgendwie ist das wie mit einer Krankheit: Nur wenn wir die Symptome erkennen, die Diagnose bekommen, können wir – mit ärztlicher Hilfe oder ohne – dagegen kämpfen und gesund werden. Ähnlich ist es mit unseren Finanzen. Auch wenn der Vergleich hinkt. Obwohl? Altersarmut gleicht auch einer Krankheit, wenn es für das Allernötigste nicht mehr reicht. Aber so weit muss und soll es nicht kommen – Stichwort finanzielle Freiheit.

Der Kassensturz also: Was haben Sie eigentlich schon? Listen Sie es doch einmal auf – in einer Excel- oder Numbers-Tabelle oder einer App. Was ist auf dem Girokonto (bei vielen ist das mehr, als da hingehört), auf Tages- und Festgeldkonten, dem Sparbuch? Wie sieht es mit der Geldanlage aus? Depot oder mehrere Depots, vermögenswirksame Leistungen? Und dann: Wie hoch sind Ihre bisherigen Ansprüche aus der gesetzlichen Rente? Haben Sie eine betriebliche Altersvorsorge? Private Renten- oder Lebensversicherung?

Sparpotenzial entdeckt? Glückwunsch!

Wenn wir schon bei den Versicherungen sind: Welche Policen haben Sie abgeschlossen? Brauchen Sie wirklich alle? Sterbegeld- und Handyversicherung können auf jeden Fall weg, über die Unfallversicherung sollten Sie kritisch nachdenken, wichtiger sind auf jeden Fall Berufsunfähigkeits- und Rechtsschutzversicherung. Gibt es eventuell bessere Policen, also günstiger und sogar mit mehr Leistungen? Auch auf dem Versicherungsmarkt gibt es einen Preiskampf, von dem wir oft profitieren können. Ein unabhängiger Versicherungsmakler kann hier helfen, Licht und Überblick in den Tarifdschungel zu bringen.

Und überhaupt: Wie viel kommt monatlich rein, wie viel geht raus? Und wofür? Wissen Sie das wirklich genau? Führen Sie für ein paar Wochen oder besser Monate ein Haushaltsbuch. Sie werden sich wundern. Und Sie werden sicher Sparpotenzial entdecken. Fahren Sie lieber Ihre Sparrate ein bisschen hoch, anstatt Geld für ungenutzte Abos rauszuschmeißen. Schmieren Sie ab und zu mal ein Butterbrot, anstatt ständig die teuren belegten Brötchen beim Bäcker zu kaufen. Und auch den Kaffee kann man aus der eigenen Wohnung mitnehmen, anstatt sich den überteuerten Kaffee „to go“ unterwegs zu kaufen.

Einfach ein bisschen nachjustieren

Sie werden feststellen, Ihre Budgets sind ein wenig „verschoben“, aus dem Gleichgewicht geraten. Das ist normal. Ab und zu lohnt es sich, mal wieder über den Status quo nachzudenken, ein bisschen nachzujustieren. Mitunter erlebt man positive Überraschungen. Sie sind schon weiter mit Ihrem Vermögensaufbau als gedacht? Glückwunsch! Sie haben ungeahntes Sparpotenzial und könnten mehr für Ihre Altersvorsorge tun? Super!

Kassensturz, Haushaltsbuch, Budgetierung – nehmen Sie sich ab und zu die Zeit. Sie werden sehen, es lohnt sich. Das eine oder andere lässt sich optimieren, ohne dass Sie sich einschränken müssen.

Ja, diese Kolumne stellt viele, viele Fragen. Das sollten Sie ab und zu mit Blick auf Ihre Finanzen aber auch tun. Auch der Weg zu mehr finanzieller Freiheit beginnt mit der Selbsterkenntnis.

1
0