Wieder brennen zwei Kirchen, aber …
Immer wieder berichtet Corrigenda über die wachsende Christenfeindlichkeit in Deutschland und Europa. So zuletzt über 26 Angriffe auf ein freikirchliches Café in Leipzig, Schüsse auf eine Kirche in Hanau oder Gewalt gegen Teilnehmer einer Lebensschutzdemo in Koblenz. Diese Taten sorgen zu Recht für Empörung, zumal die großen Medien das Thema Christenfeindlichkeit selten aufgreifen und die Behörden die Taten häufig nicht als christenfeindlich einstufen und dadurch die offiziellen Statistiken verzerren.
Es gibt allerdings auch Fälle, die nur auf den ersten Blick Anlass zur Empörung geben. Auf den zweiten Blick stellt sich heraus, dass tatsächlich keine Christenfeindlichkeit vorliegt, obwohl die Umstände zunächst darauf hindeuten. Genauso verhält es sich allem Anschein nach mit einem mutmaßlichen Brandanschlag auf eine Kirche in Niedersachsen, der in den sozialen Medien hohe Wellen schlug.
Polizei nimmt Tatverdächtigen fest
In Barum im niedersächsischen Landkreis Lüneburg brannte am vergangenen Samstag die evangelische Kirche St. Dionys, konkret stand eine elektrische Orgel in Flammen. Durch die Hitzeentwicklung wurden darüber hinaus die Empore sowie eine Treppe beschädigt. Die Polizei schätzt den entstandenen Sachschaden derzeit auf rund eine Million Euro, wie ein Sprecher gegenüber Corrigenda mitteilte.
Anders als bei vielen ähnlichen Fällen gibt es einen Tatverdächtigen. Die Polizei nahm am Abend der Tat, die sich um etwa 14:15 Uhr ereignete, einen 26 Jahre alten Mann fest. Da sich die Polizei gegenüber anderen Medien offenbar weigerte, die Nationalität des Verdächtigen zu nennen, da diese keine Relevanz für die Tat habe, kochten in den sozialen Medien schnell hitzige Spekulationen hoch.
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Zahlreiche Nutzer warfen der Polizei vor, verschleiern zu wollen, dass es sich beim Verdächtigen um einen Migranten handle, der die Kirche aus Hass auf Christen in Brand gesteckt habe. „Wäre es ein Deutscher gewesen, hätte die staatliche Presse das mit Sicherheit deutlich gemacht. Also war es wohl ein Migrant“, kommentierte ein Nutzer. Ein anderer schrieb: „Wenn man ein Geheimnis daraus macht, weiß man, woher er kommt.“ Ebenso waren vielfach Kommentare wie „Sie vergewaltigen und bedrohen unsere Kinder, fackeln unsere Kirchen ab, wir wissen alle, woran das liegt“ oder „Das nennt man Islamisierung“ zu lesen.
Tat geht nicht als christenfeindlich in die Statistik ein
Gegenüber Corrigenda teilte die Polizei nun mit, dass es sich beim Verdächtigen um einen deutschen Staatsbürger ohne Migrationshintergrund handle. Der „psychisch auffällige“ Mann sitzt gegenwärtig in Untersuchungshaft. Am Tag der Tat war er vor seiner Festnahme wegen seines psychisch auffälligen Verhaltens von einem Rettungswagen in das Städtische Klinikum Lüneburg gebracht worden, wo er ausgesagt haben soll, dass er die Kirche angezündet habe.
Nachdem er sich aus dem Klinikum entfernt habe, sei er wenig später von der Polizei erneut in der Nähe einer Kirche, diesmal im Lüneburger Stadtgebiet, aufgegriffen worden. Am Vortag habe sich der Mann aus einer psychiatrischen Klinik in Rostock abgesetzt. Die Polizei betonte gegenüber diesem Magazin, dass trotz der Festnahme die Unschuldsvermutung gelte und noch nicht abschließend geklärt sei, ob es sich bei dem Feuer in der Kirche tatsächlich um Brandstiftung handelt.
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Zudem gab ein Sprecher auf Nachfrage an, dass die Tat, sollte sich der Verdacht gegen den 26-Jährigen erhärten, vermutlich nicht als christenfeindlich oder Angriff auf eine Kirche in die Statistik des Bundeskriminalamts (BKA) eingehen werde. Es lägen nach derzeitigem Ermittlungsstand keine Hinweise auf ein christenfeindliches Motiv vor. Vielmehr sei davon auszugehen, dass der Mann aus psychischer Verwirrung gehandelt habe.
Für christenfeindliche Straftaten gibt es in der BKA-Statistik zur politisch motivierten Kriminalität mehrere Kategorien. Zum einen können diese Taten in die Kategorie Hasskriminalität einfließen, dort explizit in die Unterkategorie „christenfeindlich“. Ferner gibt es den Bereich „Straftaten gegen Religionsgemeinschaften“, in dem in den Unterkategorien etwa die Zahlen zum Angriffsziel „Kirche“ oder „Religiöser Repräsentant“ erfasst werden.
Allerdings finden nur Taten Eingang in die Statistik, wenn „Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass die Tat politisch motiviert ist beziehungsweise sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung richtet oder einer politischen beziehungsweise ideologischen Motivation zugeordnet werden kann“. Mitunter sorgt die Bewertung dieser Anhaltspunkte für Kopfschütteln, wie etwa im Fall der erwähnten Schüsse auf eine Kirche in Hanau während der Sonntagsmesse. Hier sah die Polizei keine Anhaltspunkte für eine christenfeindliche Motivation und ließ den Fall in der Statistik zur Christenfeindlichkeit unberücksichtigt, wie Corrigenda recherchierte.
Weiterer Brand in Nordrhein-Westfalen
Während hinter dem Brand der Kirche in Niedersachsen trotz der Empörung in den sozialen Medien vermutlich kein christenfeindliches Motiv steht, ist die Lage bei einem anderen Brand in der zurückliegenden Woche unklar. In Erkrath-Hochdahl in Nordrhein-Westfalen stand am vorvergangenen Dienstag eine Kapelle in Flammen. Auch hier steht der Verdacht auf Brandstiftung im Raum.
Wie die Polizei gegenüber Corrigenda angab, beläuft sich der Schaden vermutlich auf mehrere Hundert Euro. Einen Verdächtigen gibt es noch nicht. Die Tat geht nach derzeitigem Ermittlungsstand ebenfalls nicht in die BKA-Statistik ein, weder als christenfeindliche Tat noch als Angriff auf eine Kirche. Die Kapelle sei von außen „nicht als christliches Gebäude erkennbar“, sagte ein Sprecher.
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Unabhängig von den zwei aktuellen Fällen ist die Zahl der Brandanschläge auf Kirchen in Europa in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Die Beobachtungsstelle für Intoleranz gegenüber und Diskriminierung von Christen in Europa (OIDAC) dokumentierte im jüngsten Beobachtungszeitraum 2024 insgesamt 94 Brandanschläge in Europa – im Vergleich zum Vorjahr fast eine Verdoppelung. Deutschland ist mit 33 Brandanschlägen trauriger europäischer Spitzenreiter.
Auch die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) beklagte vor wenigen Monaten einen „zunehmend tabulosen“ Vandalismus in Kirchen. Neben Brandstiftung verwies ein Sprecher der Bischofskonferenz auf „Exkremente in Weihwasserbecken und Beichtstühlen, enthauptete Christus- und Heiligenstatuen, Zigarettenstummel und anderen Unrat vor Andachtsbildern, beschädigte Gebet- und Gesangbücher sowie umgestoßene Kirchenbänke und Altarbilder“.
Sowohl OIDAC als auch die Bischofskonferenz kritisierten, dass viele der Taten vom BKA nicht als christenfeindlich erfasst würden, sondern lediglich als Sachbeschädigungen – wie bei der Kirche in Hanau. Aufgrund dieser Zählweise kommt das BKA im Bericht zur politisch motivierten Kriminalität 2025, den die Behörde unlängst veröffentlichte, zum Ergebnis, dass die Zahl der christenfeindlichen Taten im Vergleich zu 2024 exakt gleichgeblieben ist. Für beide Jahre sind in der Statistik je 337 christenfeindliche Straftaten ausgewiesen. Die Attacken auf Kirchen sind laut BKA sogar zurückgegangen, von 111 Delikten im Jahr 2024 auf 92 Delikte im Jahr 2025.
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