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Hormonexperte Johannes Huber im Interview

Wie viele Geschlechter gibt es? „Zwei“

Johannes Huber gönnt sich keine Ruhe. Der bald 80-Jährige betreibt immer noch eine Privatpraxis für Hormonkosmetik, im November wird ein weiteres Buch von ihm erscheinen. Der studierte Mediziner und Theologe kennt sich aus beim Thema Transsexualität. Er gründete die erste Ambulanz für Transmenschen in Österreich, war Vorsitzender der österreichischen Bioethik-Kommission und Leiter der klinischen Abteilung für gynäkologische Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde des Wiener Allgemeinen Krankenhauses. Für das Interview treffen wir ihn in seinem „Zentrum für Hormonkosmetik im vierten Wiener Gemeindebezirk.

Herr Doktor Huber, wie viele Geschlechter gibt es?

Zwei. Alles andere sind Mischformen. Die Evolution hat vor ungefähr 300 Millionen Jahren deswegen zwei Geschlechter konzipiert, weil durch den Austausch von Erbgut zwischen zwei Individuen das neue Leben die Möglichkeit hat, DNA zu mischen und sich damit besser auf ein neues Ambiente vorzubereiten. Das ist eigentlich ein Überlebensvorteil, und dazu braucht es zwei unabhängige DNA-Träger. Das sind die Eltern, Mann und Frau, die ein drittes DNA-Individuum machen können.

Das ist die biologische Überlegung der Zweigeschlechtlichkeit. Das ist nicht irgendetwas, was die Kirche erfunden hat, sondern die Evolution. Sie hat 300 Millionen Jahre an der Zweigeschlechtlichkeit gebastelt und das in zehn Minuten am Standesamt zu ändern, ist schon sehr skrupellos.

Für die Aussage, es gibt nur zwei Geschlechter, kann man heute gecancelt werden.

Ja, das ist richtig. Ein großer Vorteil des Alterns besteht darin, dass man mehr oder weniger immun wird gegen solche Attacken. Die machen einem nicht mehr so viel, und deswegen sehe ich das mit einer großen Gelassenheit. Das kostet mich sicher keinen Karrierekrieg mehr.

Von wo kommt es, dass derartige biologische Fakten heute so umkämpft sind?

Naja, es ist eine Minorität, die die Zweigeschlechtlichkeit leugnet. Man muss fairerweise sagen, dass sowohl die Homosexuellen wie auch Transgender-Personen in der Vergangenheit sehr diskriminiert worden sind. Um das wieder gutzumachen, gehen sie jetzt in die andere Richtung und stellen Normvarianten als Normen da und beschimpfen all jene, die in der Vergangenheit die Zweigeschlechtigkeit als das Ideal dargestellt haben. Das Leben ist Psychologie, das zeigt sich auch hier.

Ich glaube, dass eine eigentlich kleine Minorität auftritt – polemisch und intolerant, muss man sagen. Das Gros der Menschen versteht das gar nicht. Die haben ganz andere Sorgen. Die meisten Menschen wollen nach wie vor eine Partnerschaft, sie wollen nach wie vor Kind und Familie oder eine Gemeinschaft, in der sie in der Zweigeschlechtigkeit geborgen sind.

Was waren die Gründe dafür, dass sie 1998 die erste akademische Ambulanz für Transgender-Personen im deutschsprachigen Raum gegründet haben?

Der Grund war, weil es tatsächlich Menschen gibt, die darunter leiden, dass sie das Gefühl haben, sich in einem Geschlecht zu befinden, das sie nicht sein wollen. Das waren aber Menschen, die nach der Pubertät diesen Wunsch noch immer oder neu hatten und die darunter gelitten haben. Ich bin der Meinung, man soll den Menschen helfen, man soll sie nicht leiden lassen. Aus diesen Gedanken heraus haben wir die Ambulanz ins Leben gerufen. Aber das Pendel schlägt jetzt in die völlig andere Richtung.

„Heute beginnt man Transgender zu bewerben“

Inwiefern?

Heute beginnt man Transgender zu bewerben. Das halte ich für wahnsinnig schlecht. Man soll die Menschen nicht verdammen, die so angelegt sind, man soll ihnen helfen, soweit das möglich ist, aber man soll nicht – was jetzt leider auch die österreichische Regierung tut – großzügig Werbekampagnen unterstützen, bei denen in den Kindergärten und Schulen Transgender beworben wird. Eine Geschlechtsumwandlung geht mit einer lebenslangen Hormonbehandlung einher, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Das ist kein Sonntagsspaziergang. Das zu bewerben, halte ich für wirklich unethisch.

Wie ist man vor 25 Jahren, als Sie die Ambulanz gegründet haben, mit der Transgender-Thematik umgegangen? Wie war damals das öffentliche Klima diesbezüglich?

Es war nicht feindlich. Manche konnten natürlich nicht viel damit anfangen, aber die Unterstützung von Seiten der Leitung des AKHs (Allgemeines Krankenhaus der Stadt Wien, Anm.) und der Stadträtin für Gesundheit war sehr groß. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass Transgender-Menschen polemisiert, belächelt oder ironisiert worden sind. Man hat das akzeptiert und ihnen geholfen.

Zur Person Johannes Huber

Der Mediziner und Theologe, Jahrgang 1946, war von 1992 bis 2011 Leiter der klinischen Abteilung für gynäkologische Endokrinologie und Sterilitätsbehandlung an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (AKH) und Leiter der Hormon- und Kinderwunschambulanz. Huber war lange Zeit Professor an der Universität Wien und ist seit 2004 außerordentlicher Universitätsprofessor an der Medizinischen Universität Wien. Von 2001 bis 2007 war der Arzt Vorsitzender der österreichischen Bioethik-Kommission. Huber begründete 1998 als Abteilungsleiter im AKH die erste Ambulanz für Transmenschen auf akademischem Boden im deutschsprachigen Raum. Seine Vorträge und Bücher machten ihn über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt.

Aber das Thema hatte noch nicht diese große öffentliche Aufmerksamkeit, oder?

Nein, die hatte es nicht. Damals hatte man mit Recht gesagt, Transsexualität gehört zu den Dingen, die in den Intimbereich des Menschen gehören. Sexualität und Geschlechtsorgane wollte man gar nicht so auf die große Glocke hängen.

Was ist der Unterschied zwischen den Transgender-Klienten von heute und denen der 1990er Jahre?

Es sind damals zum Beispiel Frauen gekommen, die gesagt haben: Eigentlich fühle ich mich seit der Pubertät als Mann. Wenn ein Mensch die Pubertät abgeschlossen hat, wenn er also erwachsen ist, kann man den Wunsch nach einer Transition doch eher als fester ansehen, als wenn Jugendliche in der Pubertät diesen Wunsch haben. Die heutige Linie, vor allem in Deutschland, geht in die Richtung, dass man in der Pubertät schon eine Transition vollziehen kann, obwohl noch eine Fluidität vorhanden ist. Das halte ich für den zweiten ganz großen Fehler.

Wenn ein Mensch eine abgeschlossene Persönlichkeit ist und die Transition zum anderen Geschlecht wirklich sein permanenter Wunsch ist, ist das etwas anderes, als wenn ein Jugendlicher in der Pubertät sagt, er oder sie sei unglücklich oder hat Schwierigkeiten mit den Eltern und möchte deshalb sein oder ihr Geschlecht ändern. Das sind zwei grundverschiedene Dinge.

„Man müsste Studien verfassen. Aber nicht einen großen Feldversuch“

Kind mit der Fahne der Transgender-Bewegung: „Man soll nicht großzügig Werbekampagnen unterstützen, bei denen in den Kindergärten und Schulen Transgender beworben wird“
Kind mit der Fahne der Transgender-Bewegung: „Man soll nicht großzügig Werbekampagnen unterstützen, bei denen in den Kindergärten und Schulen Transgender beworben wird“
Wie stehen Sie zu dem neuen Selbstbestimmungsgesetz in Deutschland?

Es ist unverantwortlich! Selbstbestimmung konnte man ja auch schon davor haben. Auch in Österreich, wo die Gesetze anders sind, kann man sagen, man möchte eine andere Identität. Aber dass Jugendliche in der Pubertät, also in dem Prägefenster, nun schon ihr Geschlecht ändern können, welches sie dann jährlich ändern können ohne ärztliche Gutachten, und dass man auch sogar noch bestraft werden kann, wenn man das hinterfragt, halte ich für unerklärlich.

Unerklärlich deswegen, weil ja gerade die deutsche Politik die grüne Linie so vertritt. Bei jeder Banane fragt man, wie ökologisch sie ist, bei der Tierhaltung und der Landwirtschaft ebenso. Wenn es aber um so einen zentralen Punkt des Menschengeschlechts, nämlich um die Fortpflanzung geht, vergisst man die grüne Tradition, da fängt man an, gegen die Biologie zu arbeiten. Man vergisst, was der große Goethe gesagt hat: Mit der Natur kann man nicht zu sehr spaßen, die lässt das nicht zu.

Was bewirken die Hormone im Körper eines Menschen, der eine Transition durchführen lässt?

Ich erinnere mich noch an die Debatte um die Hormonersatztherapie für Frauen, die in die Wechseljahre kommen. Denen verschrieb man Hormone, wenn sie schlimme Beschwerden hatten. Als öffentlich wurde, dass selbst eine zwei-, dreijährige Behandlung mit einem Hormon Brustkrebs erzeugt, hat die ganze Weltpresse aufgeschrien und gesagt: Ihr erzeugt Brustkrebs.

Diese Stimmen vermisse ich in der heutigen Diskussion. Man hat den Eindruck, dass auch die Presse Partei und auf einem Auge blind ist. Ich habe selbst erlebt, was es für einen Entrüstungssturm gab über die Hormonbehandlung von Frauen in den Wechseljahren, die aber Beschwerden hatten und wo die Behandlung maximal zwei, drei Jahre ging. Bei einer Geschlechtsumwandlung dagegen muss man ein Leben lang gegengeschlechtliche Hormone – nicht gleichgeschlechtliche wie bei Frauen in den Wechseljahren – einnehmen. Keine Presse, keine Zeitung fragt nach, ob das möglicherweise auch Brustkrebs erzeugt.

Was sind die Risiken? Gibt es schon Langzeitstudien?

Nein. Wir wissen zum Beispiel viel über die Wirkung der Anti-Baby-Pille. Einige junge Frauen wollen sie nehmen gegen unreine Haut. Dazu müssen die männlichen Hormone unterdrückt werden – zum Beispiel durch die Einnahme von Cyproteronacetat (ein Antiandrogen, Anm.). Man weiß, dass die Wahrscheinlichkeit, ein Meningeom, also einen Gehirntumor zu bekommen, durch die Einnahme größer ist, und aus dem Grund ist man heute sehr zurückhaltend bei dieser Pille. Es wird empfohlen, Cyproteronacetat wirklich nur mehr gegen Akne zu nehmen, aber nicht mehr für die Empfängnisverhütung.

Das Antiandrogen wird bei jedem Mann eingesetzt, der eine Frau werden möchte, und das in viel höherer Dosierung und viel länger. Die Gefahr des Meningeoms kennt man, man kennt aber noch gar nicht, was so eine hohe Dosis über längere Zeit mit einem macht, weil das erst seit kurzem bei der Transition eines Mannes zu einer Frau verabreicht wird. Das ist ein großer Knackpunkt.

Dann weiß man auch nicht, wie hoch die Gefahr für ein Mammakarzinom bei einem Mann ist, der ein Östrogen (weibliches Sexualhormon, Anm.) zu sich nimmt. Das Mammakarzinom kann in der Regel erst in den Wechseljahren bei der Frau auftreten. Beim Mann gibt es auch Brustkrebse, das weiß man, der hat ja auch ein Brustgewebe. Die wichtigsten Fragen sind also offen. Deswegen glaube ich, dass man das machen müsste, was man in der Medizin immer macht, wenn man keine Daten hat: beobachten und klinische Studien verfassen. Aber nicht einen großen Feldversuch.

„Wir schwimmen alle in einem Ozean von Östrogenen“

Transgenderidentitäten unter Jugendlichen nehmen seit 2009 sprunghaft zu. Was ist der Grund dafür?

Da gibt es nur Theorien. Eine Theorie, auf die vieles zutrifft, denke ich, ist die von Professor Volker Hesse: In der Schwangerschaft kommt es beim werdenden Kind zu einer sogenannten Mini-Pubertät. Beim Jungen zum Beispiel bildet die Hodenanlage in der zwölften Schwangerschaftswoche das männliche Hormon Testosteron. Damit wird das XY-Chromosom, mit dem der Junge angelegt ist bei der Befruchtung, noch verstärkt. Das ist quasi ein zweites Geschlechtssiegel zusätzlich zum Chromosom.

Wenn allerdings die Mutter in der zwölften Schwangerschaftswoche Sonnenschutzcreme mit sehr viel Östrogen verwendet, zu vielen Pestiziden oder auch Feinstaub ausgesetzt ist, dann wird die Testosteronproduktion des Hodens „overruled“ von dem Östrogen.

Wir schwimmen alle in einem Ozean von Östrogenen. Pestizide, Waschmittel, Weichmacher – die haben alle Hormonwirkung. Das verhindert, dass das Testosteron tatsächlich wirkt, weil es durch das Östrogen verdrängt wird. Das männliche Chromosom ist zwar da, aber die zweite männliche Geschlechtsprägung fällt aus, weil sie durch den Einfluss von außen weiblich wurde. Dadurch kann eine Genderdysphorie entstehen.

Ich glaube, es ist tatsächlich ein medizinischer, ein biologischer Grund, warum es zu einer derartigen explosionsartigen – 1.000 Prozent innerhalb weniger Jahre – Zunahme des Geschlechtsidentitätsverlustes gekommen ist.

„Die Wahrheit sitzt am längeren Ast“

Welche Rolle spielen Ihrer Meinung nach die sozialen Medien? Es gibt Ärzte und Psychologen, die von „sozialer Ansteckung“ sprechen, zum Beispiel über YouTube, TikTok oder Instagram.

Die spielen sicher auch eine Rolle, weil die Orientierungslosigkeit der jungen Menschen in der Pubertät zunimmt. Unabhängig davon: Es steigt die Suizidrate und das Burnout bei jungen Menschen. Dabei ist es Jugendlichen in der Weltgeschichte noch nie so gut gegangen wie jetzt. Es wird ihnen 24 Stunden rund um die Uhr eine Unterhaltungsindustrie geboten. Da ist es nicht verständlich, dass sie so unglücklich sind. In so einer Situation kann die Hoffnung aufkommen, dass man mit einer Geschlechtsänderung auch sein Leben zum Besseren verändert.

Möglich ist aber auch, dass Kinder nicht mehr die Beziehungsbindungen haben in den ersten zwei Jahren und dass sie aus dieser Beziehungslosigkeit zu den Eltern dann mehr oder weniger desorientiert sind. Es fehlt ihnen die Bindung. Für Erwachsene fordert man eine Viertagewoche, aber Kinder sollen am besten sechs Tage pro Woche in der Kita sein. Das passt nicht zusammen.

Was wären Ihre persönlichen Forderungen an die Politik? Was sollte im Hinblick auf Transgender erlaubt sein, was nicht?

So, wie es derzeit in Österreich geregelt ist, ist es gut. Für eine Änderung des Geschlechtseintrags im Personenstandsregister braucht es ein Gutachten von Psychologen, man muss die Pubertät abgeschlossen haben und man muss ein „irreversibles Zugehörigkeitsempfinden zum anderen Geschlecht“ besitzen.

Das sind eigentlich die Anforderungen des alten Transsexuellengesetzes in Deutschland.

Ja. Das ist nicht diskriminierend. Es verhindert, dass junge Menschen voreilig eine Entscheidung fällen, die sie dann extrem bereuen könnten. Es wäre besser, Geld für wissenschaftliche Forschung in die Hand zu nehmen, als 350.000 Euro, welches von der österreichischen Bundesregierung verwendet wird, um in Kindergärten für Transgender Werbung zu machen. Das Geld sollte man in die Wissenschaft stecken und prospektiv randomisierte Studien machen, damit man Sicherheit in der Zukunft hat.

Haben Sie persönlich keine Angst vor „Shitstorms“ oder medialer Empörung?

Nein. Ich sage immer: Die Wahrheit sitzt am längeren Ast. Das, was ich Ihnen erzähle, ist wissenschaftlich erwiesen. Das ist Faktum.

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Frauke Petry
Vor 5 Monate 1 Woche

Danke für das spannende Interview. Als Chemikerin bin ich seit jeher vorsichtig z.B. mit zuviel Sonnencrème, war aber überrascht, dass sie Hormone enthalten. Gibt es dazu repräsentative Artikel? Danke!

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Helene Dornfeld
Vor 5 Monate 1 Woche

Sie wissen natürlich, dass unsere puren Salatöle eine prima Alternative sind, Olivenöl, Traubenkernöl, Kokosnussöl, die schützen und bräunen wunderbar, man duftet nur halt etwas ranzig...ist aber erfreulich, zu lesen, dass Sie am Ball und aktiv sind. Bewahren Sie sich Mut und Energie und geben Sie doch by the way der Redaktion ein eigenes Interview zur Einschätzung der politischen Entwicklung Stand 2023. Wär' interessant!

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Basti
Vor 4 Monate

Mit einer der besten Beiträge, die ich dazu gelesen habe! In Österreich läuft es. :D Bei gleichzeitigem Anerkennen von Menschen, die wirklich betroffen sind und gleich noch ein paar Ansätze, warum das plötzlich so boomt. Ich bin in meinen Gedanken zu einem ähnlichen Schluss gekommen. Habe aber immer gedacht, jetzt hassen mich alle dafür. Sowohl die konservativen, weil ich nicht kategorisch gegen trans bin, als die progressiven, weil ich auch ein paar Fragen haben. Schön, dass ich nicht alleine bin. Und trotz geschlechtlicher Vielfalt bin ich immer noch der Meinung, es gibt nur männlich und weiblich, alles weitere ist lediglich dazwischen. Danke für die guten Gedanken!

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Pia
Vor 4 Monate 4 Wochen

Ein ausgezeichnetes Interview, sachlich und klar und auch wichtig. Dass Prof. Huber die erste Trans-Ambulanz gegründet hat, sollte (entgegen einem Transphobie-Vorwurf) auch ausreichend klarstellen, dass er die Dinge differenziert sieht.

Eine Nachfrage aber zur Östrogen-Schwemme:
Diese Theorie von V. Hesse dürfte - wenn ich richtig verstehe - jedoch nur für den Anstieg bei Jungen einen Faktor für eine mögliche spätere Geschlechtsdysphorie sein (z.B. durch eine fehlende / abgeschwächte zweite Geschlechtsprägung, dann aber vielleicht eben auch in Wechselwirkung mit dem Feedback, dass weniger männliche Jungs aus ihrem Beziehungsgefüge erhalten).

Laut Prof. Korte, ausgewiesener Fachmann auf dem Gebiet, sind heute jedoch international 85% der trans Identifizierten Personen biologische Mädchen! (https://taz.de/Jugendpsychiater-ueber-Transidentitaet/!5845336/). Korte spricht von einer "neuartigen Identifikationsschablone, für die es einen gesellschaftlichen Empfangsraum gibt".

Vor diesem Hintergrund wirkt das Zitat "Ich glaube, es ist tatsächlich ein medizinischer, ein biologischer Grund, warum es zu einer derartigen explosionsartigen – 1.000 Prozent innerhalb weniger Jahre – Zunahme des Geschlechtsidentitätsverlustes gekommen ist" auf mich einseitig bzw. nicht kohärent, zumal die aktuellen soziokulturellen Dynamiken (Werbung für Trans usw.) oben ebenfalls thematisiert wurden.

Um sich dem Phänomen anzunähern fände ich lohnend, explizit nach den Wechselwirkungen möglicher biologischer, gesellschaftlicher und psychodynamischer Faktoren zu fragen. Denn auf Basis dieser verschiedenen Elemente verhandelt ein konkreter Teenager ja seine Identitätsfragen, entwickelt Lösungsvorstellungen und streckt sich dann je in eine bestimmte Richtung aus.

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Susanne Röhling
Vor 1 Woche 3 Tage

Guter Kommentar, danke!
Der Anstieg bei transidentifizierenden Mädchen und jungen Frauen liegt bei 4.000 Prozent.
Mißbrauchserfahrungen, misogyne Diskriminierung und die Pornifizierung der Gesellschaft bei gleichzeitig immer gewalttätigerer und Frauen demütigender Pornographie spielen hier eine große Rolle. Wenn ich mir ansehe, was für Pornofilmchen sich bereits 8jährige gegenseitig aufs Handy schicken, in denen Frauen gedemütigt und mißhandelt werden, was sich natürlich negativ auf ihr Frauenbild und die Vorstellung von Sexualität auswirkt, kann ich es sehr gut nachvollziehen, wenn Mädchen keine Frauen sein wollen!

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Sabine
Vor 5 Monate 1 Woche

Wie kann es sein, dass sich in den allermeisten Fällen nur 1 Kind transidentifiziert, wachsen sie doch bei denselben Eltern und in derselben Umgebung auf?
Und dann wieder die Schuld bei den berufstätigen Müttern suchen.
Wie erklärt Herr Huber denn die einseitige Sex-Ratio von über 80% Mädchen?
Die Forderung, das Geld in Forschung statt in Werbung zu stecken, trifft es allerdings.

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Thorsten Paprotny
Vor 5 Monate 1 Woche

Ein wichtiges Interview, in dem Johannes Huber das Naturrecht und damit auch die Lehre der römisch-katholischen Kirche bestätigt. Wichtig ist auch, scheint mir, dass die "Bewerbung" von Transgender in Kindertagesstätten u. a. kritisch reflektiert wird.

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Frauke Petry
Vor 5 Monate 1 Woche

Danke für das spannende Interview. Als Chemikerin bin ich seit jeher vorsichtig z.B. mit zuviel Sonnencrème, war aber überrascht, dass sie Hormone enthalten. Gibt es dazu repräsentative Artikel? Danke!

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Thorsten Paprotny
Vor 5 Monate

Was die "Sonnencreme" betrifft - es gab Forschungen dazu (vor etwa 20 Jahren): https://www.scinexx.de/news/medizin/hormone-in-sonnenschutzmitteln/

Vielleicht gibt es auch heute weitere Studien dazu, wer weiß. - Ich wurde das erste Mal durch das Interview auf diesen Zusammenhang aufmerksam.

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Helene Dornfeld
Vor 5 Monate 1 Woche

Sie wissen natürlich, dass unsere puren Salatöle eine prima Alternative sind, Olivenöl, Traubenkernöl, Kokosnussöl, die schützen und bräunen wunderbar, man duftet nur halt etwas ranzig...ist aber erfreulich, zu lesen, dass Sie am Ball und aktiv sind. Bewahren Sie sich Mut und Energie und geben Sie doch by the way der Redaktion ein eigenes Interview zur Einschätzung der politischen Entwicklung Stand 2023. Wär' interessant!