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Kolumne „Der Philosoph“

Was ist der Christbaum ohne Christus?

Alle Jahre wieder treiben in der Adventszeit auch Weihnachtsmuffel ihr Unwesen und sorgen hier und da für ein Skandälchen. So auch heuer, als im Hamburger Stadtteil Lokstedt eine Kindertagesstätte beschloss, auf die Aufstellung eines Christbaumes zu verzichten. Gegenüber den Eltern erklärte die Leitung ihre Entscheidung damit, „kein Kind und seinen Glauben ausschließen zu wollen“. Allerdings, so die Einrichtung, gehe es durchaus weihnachtlich zu: Die Gruppenräume seien der Saison entsprechend geschmückt worden, man habe Adventskalender gebastelt und Weihnachtskekse gebacken. Nur eben auf den Baum wolle man verzichten.

Für viele Eltern blieb die Entscheidung dennoch unverständlich. Als die Sache publik wurde, zog der Ärger Kreise. Der Besitzer eines Pflanzengeschäfts fühlte sich berufen, in einer Nacht-und-Nebel-Aktion eine festlich dekorierte Tanne vor der Kita abzustellen. Die unfreiwillig Beschenkte erstattete daraufhin Anzeige wegen Hausfriedensbruchs.

Unter halbwegs normalen Umständen hätte dieser Fall höchstens das Zeug zur Lokalposse gehabt. In Zeiten der Cancel-Culture und dem wachsenden Bewusstsein für diese wurde aus der Sache jedoch eine landesweite Meldung. So sehr auch unser innerer Wut-Boomer das christlich-abendländische Erbe durch derlei Geschehnisse gefährdet sieht, sollten wir der Versuchung, aufgrund solcher Petitessen in gedankenlose Empörung zu verfallen, doch mit aller Kraft widerstehen.

Nur äußere Ornamente für das Eigentliche

Keine Frage: Der Christbaum ist ein wunderbarer, stimmungsreicher Teil unserer Tradition – ebenso wie der Adventskalender, der Weihnachtsmarkt und das gegenseitige Beschenken am Heiligabend. Allerdings sind alle diese Dinge nur äußere Ornamente für das Eigentliche: die Feier der Geburt Jesu Christi, der nicht nur ganz Mensch, sondern – welch unbegreifliches Mysterium der Inkarnation! – auch ganz Gott ist und der als Gott-Mensch von der Jungfrau Maria geboren wurde, um uns von der Sünde zu erlösen und zum ewigen Leben zu führen. Das ist Weihnachten.

Wer, so müssen sich insbesondere alle eifrigen Verteidiger des Christbaums fragen, glaubt heute überhaupt noch an die Weihnachtsgeschichte? Wer hält sie für historisch reales Heilsgeschehen und nicht nur für eine Erzählung von bloß symbolischem Wert? Wenn wir ehrlich sind, müssen wir sagen: viel zu wenige. Man kann sich aber nicht ernsthaft um das christliche Erbe der Nation, Europas oder gar des ganzen Abendlandes sorgen, ohne in Christus verankert zu sein.

Hohl und zerbrechlich wie eine Christbaumkugel

Ist das nicht zu engstirnig? Traditionen können sich doch wandeln! Was einst ein religiöses Fest war, ist eben säkularisiert worden. Statt Christus steht nun das Beisammensein mit der Familie und den Liebsten im Mittelpunkt. Gerade deshalb kann man auch den Weihnachtsbaum stehen lassen, ohne Nicht-Christen damit auszuschließen. Weihnachten ist für alle da! –

Nein. Weihnachten ohne den christlichen Glauben ist so hohl und zerbrechlich wie eine Christbaumkugel. Aller Lichterglanz, alle Zimt-, Nelken- und Orangenduft getränkte Vorfreude, ja selbst das Schenken selbst erhält seinen wahren Sinn nur aus der Geburt des Heilands. Ansonsten bleibt von Weihnachten nur Kitsch, Kommerz und eitle Wohlfühlsehnsucht.

Ein friedliches Familientreffen ist sicher eine schöne Sache, aber was gibt es denn da zu feiern, wenn nicht den, der einen Frieden bringt, den diese wandelbare Welt niemals garantieren kann? „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“ (Lk 2, 14) ruft die Menge der himmlischen Heerscharen den Hirten in der Weihnacht zu und verkündet damit zugleich, worin der verheißene Friede gründet, nämlich in Gott allein.

Wem dies alles zu religiös ist, soll sich ruhig an allen advent- und weihnachtlichen Äußerlichkeiten erfreuen. Nur als Retter der christlichen Kultur, die die Kultur Christi oder gar nichts ist, sollte er sich besser nicht aufspielen.

 

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