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Krise von Männlichkeit und Weiblichkeit

Wenn das Natürliche fremd wird

Betrachtet man die Themen Liebe, Beziehung und Partnerschaft, so merken viele, dass in unserer Gesellschaft etwas nicht mehr stimmt.

Männer, die nicht wissen, wie sie sich Frauen gegenüber verhalten sollen. Frauen, die nicht wissen, wonach sie sich bei einem Partner eigentlich sehnen. Eine steigende Zahl von Singles, die nicht wissen, wie sich ihr Wunsch nach Partnerschaft erfüllen kann. Paare, die aneinander vorbeireden, bis Beziehungen zerbrechen. Und damit eine wachsende Zahl von Männern und Frauen, die resignieren – gegenüber Beziehungen, gegenüber dem anderen Geschlecht, gegenüber sich selbst.

Diese Verunsicherung hat einen Namen: der Verlust von natürlicher Männlichkeit und Weiblichkeit. Nicht im moralisierenden Sinne, sondern in einem sehr praktischen: Menschen wissen immer weniger, wer sie als Mann oder als Frau sind – und damit auch nicht mehr, wie sie zueinander in Beziehung treten können.

Was bedeutet „Männlichkeit“, was „Weiblichkeit“?

Männlichkeit und Weiblichkeit sind keine sozialen Konstrukte, die beliebig neu beschrieben werden können. Sie sind tief in der menschlichen Natur verankert – biologisch, evolutionär, anthropologisch. Das bedeutet nicht, dass jeder Mann oder jede Frau in ein enges Schema passen muss. Es bedeutet, dass es verlässliche Grundmuster gibt, die quer durch Kulturen und Jahrhunderte aufzufinden sind.

Männlichkeit im natürlichen Sinn zeigt sich in Stärke, die Orientierung gibt, in Schutz, Verantwortungsbereitschaft, Entscheidungsfreude und in dem Antrieb, etwas zu gestalten und zu bauen – sei es eine Familie, ein Werk oder eine Gemeinschaft. Weiblichkeit im natürlichen Sinn zeigt sich in Fürsorge, Empfänglichkeit, Intuition und der Kraft, zu nähren und zu tragen – physisch wie emotional.

Diese Eigenschaften schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich. Ein Mann, der führt, braucht eine Frau, die trägt, und umgekehrt. Diese Komplementarität ist nicht einfach ein patriarchales Konstrukt, sondern eine anthropologische Realität, die in der christlichen Schöpfungsordnung ebenso abgebildet ist wie in der Evolutionsbiologie.

Die innere Stimme sagt das eine, aber die kulturellen Signale das andere

Seit Jahrzehnten findet jedoch eine systematische Umdeutung statt. Was als Emanzipation begann und im guten Sinne noch auf Augenhöhe und gleiche Rechte zielte, ist in eine ideologische Verzerrung umgeschlagen, die natürliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht mehr als Bereicherung, sondern als Problem sieht.

Jungen lernen früh: „Sei nicht so ‘typisch männlich’!“ Aggression, Wettbewerb und Risikofreude – also Eigenschaften, die in Maßen zur gesunden Männlichkeit gehören, werden pathologisiert. Der Begriff „toxische Männlichkeit“ hat Einzug gehalten, nicht nur in den Medien, sondern auch in Universitäten und Schulen. Das sind genau jene Bereiche, in denen Kinder und junge Menschen normalerweise ihre Identität aufbauen.

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Mädchen wiederum erhalten die Botschaft: Sei unabhängig, brauch keinen Mann, priorisiere Karriere. Fürsorge, Häuslichkeit, Mutterschaft – Werte, die tief weiblich sind, gelten als reaktionär. Das Ergebnis ist, dass Frauen ihr weibliches Wesen unterdrücken, weil es gesellschaftlich entwertet wurde.

Was instinktiv und intuitiv noch vorhanden ist, wird nicht mehr gelebt. Die innere Stimme sagt etwas, aber die kulturellen Signale sagen das Gegenteil. Diese Dissonanz erzeugt Verwirrung, Erschöpfung und tiefen Orientierungsverlust. Im Kern ist es ein ständiges Ankämpfen gegen die eigene Natur. Überspitzt gesagt: Die Frau soll stark sein, sich behaupten, Verantwortung tragen. Auch dort, wo es ihr weder liegt noch Freude bereitet, sondern schlicht erschöpft. Der Mann soll Gefühle zeigen und in ihnen verweilen, auch wenn ihm nach Sachlichkeit und Stille zumute ist. Beides sind Qualitäten, die ihren natürlichen Platz haben, nur eben eher beim anderen. Dort fallen sie leicht, dort ergänzen sie sich, dort entsteht kein Widerstand, sondern Fluss, Leichtigkeit und Erfüllung darin.

Gegenseitiges Unverständnis und Misstrauen

Wo keine gemeinsame Sprache der Geschlechtlichkeit mehr existiert, entsteht Misstrauen. Männer und Frauen begegnen sich heute häufiger als Konkurrenten denn als Ergänzung. Feministisch geprägte Debatten haben ein Klima geschaffen, in dem Männer als potenzielle Täter und Frauen als chronische Opfer erscheinen. Das vergiftet das Miteinander, noch bevor eine Beziehung überhaupt beginnt.

Was Männer an Frauen wirklich anziehend finden und was Frauen an Männern, ist evolutionär tief verankert und weicht nur wenig von dem ab, was kulturell als „altmodisch“ gilt: Frauen fühlen sich zu Männern hingezogen, die Stärke, Klarheit und Führungsvermögen zeigen. Männer fühlen sich zu Frauen hingezogen, die Weiblichkeit, Wärme und Empfänglichkeit verkörpern.

Das Konzept der Hypergamie beschreibt dieses Muster: Frauen tendieren evolutionär dazu, einen Partner zu wählen, der ihnen gegenüber in Statussymbolen (wie Sicherheit, Kompetenz, Führung) überlegen ist. Wenn Männer jedoch durch Umerziehung in Passivität und Unentschlossenheit gedrängt werden, und Frauen ihre Weiblichkeit ablegen, entsteht ein gravierendes Attraktionsproblem. Beide suchen etwas, das der andere entweder verlernt hat zu geben oder gelernt hat zu verbergen.

Einsamkeit und Unzufriedenheit als Massenphänomen

Die Folgen sind Einsamkeit und gegenseitige Vorwürfe. Man braucht nur in die sozialen Medien zu schauen, um einen Einblick in die Enttäuschungen und Schuldzuweisungen auf beiden Seiten zu bekommen. Das Gefühl der Einsamkeit und des „Alleinkämpfens“ kann sich sogar bis in die Partnerschaft hineinziehen, wie man an dem Phänomen „Mankeeping“ sehen kann. Die Forscherin Angelica Ferrara beschreibt das folgendermaßen: Frauen übernehmen die gesamte emotionale Versorgung ihrer Partner, während Männer keine eigenen Freundschaften mehr pflegen.

Das klingt zunächst nach einem Argument gegen das klassische Rollenmodell. Es ist aber das Gegenteil: Ein Mann, der emotional vollständig von seiner Frau abhängt, lebt gerade nicht natürliche Männlichkeit, sondern deren Verlust. Zu gesunder Männlichkeit gehören traditionell emotionale Belastbarkeit, Kameradschaft mit anderen Männern und die Fähigkeit, nicht alles auf eine Person abzuwälzen.

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Was hier sichtbar wird, ist also kein Zuviel an Männlichkeit, sondern ein Zuwenig. Eine Entwertung von Männlichkeit entfernt Männer auch von anderen Männern, von Gemeinschaft, von echter Freundschaft.

Frauen wiederum leisten emotionale Arbeit, fühlen sich dabei unsichtbar und erschöpft. Auch das ist kein Zeichen gelebter Weiblichkeit, denn natürliche Fürsorge gedeiht nur dort, wo sie erwidert und gesehen wird, nicht, wo sie einseitig und zehrend wird. Aussagen von Frauen wie: „Ich mache alles und er nichts“, „Ich bin ständig erschöpft, weil alles an mir hängt“, „Ich verliere mich selbst in der Beziehung“, beschreiben oft genau dieses Phänomen.

Nicht selten führt ein Verlust des natürlichen Mannseins noch zusätzlich in eine Sinnkrise. Ein Mann, der sich eigentlich einsetzen will, für Frau (und Kind) da sein will, fühlt sich nutzlos und verunsichert: „Ich weiß nicht mehr, was sie von mir will.“ Solche Aussagen sind kein Zeichen individuellen Versagens, sondern zeigen die Verwirrung über Rollen, Identität und Erwartungen.

Im Schwangerschaftskonflikt: Verunsicherte Männer, fehlende Väter

In einem existenziellen Konflikt wie im Schwangerschaftskonflikt kommen die genannten Probleme dann zu einem Höhepunkt.

Ein typisches Bild aus der Beratungspraxis: Der Partner, 29, reagiert auf die Nachricht der Schwangerschaft mit Rückzug. Er meldet sich tagelang kaum. Nicht, weil ihm das Kind gleichgültig wäre, sondern weil er keine Antwort auf die Frage findet: Bin ich überhaupt in der Lage, ein Vater zu sein?

Was bedeutet es, ein Vater zu sein? Für viele Männer ist diese Frage heute unlösbar. Nicht, weil sie keine Väter sein wollen, sondern weil sie nicht mehr wissen, was von ihnen als Mann und als Vater erwartet wird. Die kulturellen Signale widersprechen sich: Mal soll der Mann präsent und fürsorglich sein wie eine Mutter, mal wird seine biologische Vaterschaft als irrelevant dargestellt.

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In der Schwangerschaftskonfliktberatung zeigt sich das konkret: Männer reagieren auf eine Schwangerschaft häufig mit Rückzug. Das ist keine Gleichgültigkeit, sondern Überforderung und Angst. Die Frage „Bin ich genug?“ quält im Hintergrund. Und wenn keine innere Antwort auf das Vater-Sein gefunden wurde, ist die Ablehnung des Kindes ein verfehlter Selbstschutz.

Beratung, die das ignoriert, greift zu kurz. Ein verunsicherter Mann, dem niemand sagt, dass seine natürliche Vaterrolle wertvoll und nötig ist, wird kaum Ressourcen finden, um sich zu einer Vaterschaft zu bekennen. Hier braucht es nicht nur Information, sondern eine Rückbesinnung auf das, was Männlichkeit und Vaterschaft inhärent bedeuten.

Bei der Frau wiederum heißt es, sie in ihrer natürlichen Rolle als Frau und Mutter zu bestärken. Niemals sonst wird im Leben so deutlich spürbar und sichtbar, was zum Frausein eigentlich dazu gehört. Nicht selten erleben Frauen, wenn sich die ersten Wogen des Konflikts geglättet haben, einen Wandel der Perspektive: Die Schwangerschaft, die zunächst nur als Last erschien, wird plötzlich auch als Geschenk wahrnehmbar. Genau in diesem Moment tritt etwas zutage, das tief im natürlichen Frausein verwurzelt ist – und in dem Frauen eine Erfüllung finden können, die sie vorher nicht erwartet hätten.

In der Paarberatung: Wenn Rollen fehlen, fehlt die Grundlage

Paarberatung, die das Geschlechterthema meidet, behandelt Symptome ohne Ursache. Viele Konflikte in Paarbeziehungen lassen sich auf ein einfaches Grundproblem zurückführen: Er weiß nicht, wie er als Mann gebraucht wird. Sie weiß nicht, wie sie sich als Frau zeigen darf. Beide kämpfen, allerdings gegen das andere Geschlecht statt miteinander.

Wirksame Paarberatung sollte daher auch die Frage stellen: Welche Vorstellung von Männlichkeit und Weiblichkeit bringen die Partner mit? Welche haben sie verinnerlicht? Welche blockieren sie? Erst wenn die Verwirrung über Rollen und Identität benannt wird, können Paare lernen, sich wieder als Ergänzung wahrzunehmen und nicht als Konkurrenten.

Es geht darum, das wiederzufinden, was instinktiv noch vorhanden ist: die tiefe Sehnsucht von Frauen nach einem Mann, dem sie vertrauen können. Die tiefe Sehnsucht von Männern nach einer Frau, der sie etwas bedeuten. Diese Sehnsucht ist nicht sexistisch, sie ist zutiefst menschlich.

Menschen darin bestärken, wer sie von Natur aus sind

Für Beratung im Bereich Schwangerschaft und Beziehung bedeutet das, Menschen darin zu bestärken, wer sie von Natur aus sind, als Männer und als Frauen. Dazu gehört auch, mit den Menschen zu suchen, welche Sehnsucht in ihnen schlummert, was sie im Kern ausmacht und welches Potenzial noch ungelebt in ihnen wartet. Wer das eigene Potenzial entdeckt, kann viel leichter auch das in einem Partner entdecken. Das führt zu gegenseitigem Respekt und Wohlwollen, nicht zu noch mehr Konkurrenz und Kampf. Eine solche Beratung kann gesellschaftlich dazu beitragen, dass das Miteinander von Mann und Frau wirklich wieder gesund wird.

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