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Vorwürfe gegen Lebensschützer

Auf welcher Seite möchten Sie lieber stehen?

Der Münchner Marsch fürs Leben am 25. März 2023: Da haben wir die fröhliche Familie, also Vater, Mutter, Kind und Hund, sie strahlen in die Kamera, Zufriedenheit auf den Lippen. Ihnen gegenüber: zwei junge Männer in erbärmlichen, abgehalfterten Klamotten, einer davon in einem speckigen Ledermantel. Der eine reckt der jungen Familie seinen ausgestreckten Mittelfinger entgegen, der andere hält ein Plakat in der Hand mit der Aufschrift „Föten töten“. 

Ganz ehrlich: Auf welcher Seite möchten Sie lieber stehen? Was möchten Sie, das Ihr Kind später einmal wird: der junge Mann im speckigen Ledermantel mit den ungewaschenen Haaren, der zum „Fötentöten“ aufruft, oder die junge fröhliche Mutter oder der liebende Familienvater mit Kind und Hund?

Die Menschen, die am Münchner Marsch fürs Leben teilnehmen, setzen sich aus tiefster Überzeugung und Liebe für schwangere Frauen, ihre Babys und ihre Familien ein. Sie wollen nicht, dass Frauen keine andere Lösung sehen, als ihr eigenes Kind im Mutterleib töten zu lassen, weil sie überfordert sind, weil sie gerade andere Pläne im Leben haben, weil ihre Partner sie dazu drängen. Sie tun dies aus christlicher Nächstenliebe und aus dem Wissen heraus, dass jedes Leben schön und wertvoll ist und wert, gelebt zu werden. Sie wenden sich gegen eine Kultur des Todes, die meint, man könne über Menschen wie über Waren verfügen.

Was ihr Lieblingsessen ist, wohin sie in den Urlaub fahren, ob sie gerne den Müll trennen und welche Parteien sie wählen – dies alles und noch viel mehr ist unbekannt über die Teilnehmer des Münchner Marsch fürs Leben, und diese Informationen sind auch völlig irrelevant. Es geht ihnen allen um den Schutz des menschlichen Lebens von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod. Es geht ihnen darum, dieser Position Ausdruck zu verleihen, gerade in Zeiten, in denen das Lebensrecht besonders bedroht ist.

„Rechtsextrem“ ist heute auch der, der auf zwei Geschlechter besteht

Medien und Politik hingegen wissen es genauer und angeblich besser: der Münchner Marsch fürs Leben ist neuerdings „rechts“, wahlweise auch „rechtsextrem“, „völkisch“ oder sogar „rassistisch“. Die Münchner Grünen warnten bereits 2021 vor der Teilnahme am Münchner Marsch; das ZDF sendete zuletzt eine ganze Dokumentation darüber, wie rechtsextrem die Lebensschutzbewegung sein soll. 

In Anbetracht der Tatsache, dass man heutzutage bereits als rechtsextrem gilt, wenn man sich zu der biologischen Tatsache bekennt, dass es nur zwei Geschlechter gibt und wenn man daran festhält, dass eine Ehe genau aus Mann und Frau besteht, ist fraglich, wem dieses Label tatsächlich noch Furcht einjagen soll.

 

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Mithin ist dies also nichts anderes als ein geschicktes Framing der Gegenseite, um die eigenen unlauteren Absichten zu vertuschen. Wer das Töten ungeborener Kinder propagiert, sollte sich eigentlich mit öffentlichen Feindbezeichnungen zurückhalten. Denn das Thema Abtreibung und Lebensschutz lässt sich nur absolut sehen: Jeder Mensch hat vom Beginn seiner Existenz an ein Recht auf Leben, das er sich nicht erst verdienen muss und das auch nicht in der Willkür eines anderen liegen darf, nicht einmal in der seiner Mutter. 

Sie wollen ihre eigene extreme Position kaschieren

Wer dies leugnet und zumindest für eine gewisse Zeit oder unter bestimmten Umständen das Lebensrecht zur Disposition stellt, muss sich eingestehen, dass er es mindestens implizit zulässt, man könne diesem anderen Menschen sein Recht auf Leben auch nehmen – und das nennen wir Töten.

Um die eigene extreme Position, die gegen das Naturrecht, gegen das Grundgesetz, ja selbst gegen das positive Recht in Deutschland steht, nicht so explizit benennen zu müssen, dreht man den Spieß lieber um. Man bezeichnet all diejenigen, die dem Lebensschutz die ihm gebührende Position einräumen und die in wirklich jedem Leben die Würde sehen, die ihm das Grundgesetz in Artikel 1 Abs. 1 vorbehaltlos einräumt, mit dem am besten geeigneten Label, um Lebensschützer zu Outlaws zu erklären: „Rechts“, „rechtsradikal“, „rechtsextrem“. Und man solle sich bitte schön diesen finsteren „rechtsextremen“ Gesellen doch lieber nicht anschließen. 

Dabei offenbaren Medien und andere Akteure ihre grundrechtsfeindliche und rechtsstaatswidrige Position: das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit ist mitnichten ein Gnadenrecht der Bundesregierung oder linker Medien, sondern steht jedem Bürger zu. Man muss nicht erst eine Gesinnungsprüfung bestehen, um an einer Demonstration teilnehmen zu dürfen. 

Die Versammlungsfreiheit ist ein Abwehrrecht des Einzelnen gegen den Staat

Wie so oft in der derzeitigen Grundrechtsdiskussion wird das Versammlungsrecht in sein Gegenteil verkehrt: Grundrechte sind Abwehrrechte des Einzelnen gegen den Staat, weshalb das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit gerade einschließt, auch Meinungen zu vertreten und für diese öffentlich zu demonstrieren, die nicht der Mehrheitsmeinung entsprechen und die anderen Menschen ein Dorn im Auge sind.

Zudem offenbart die als Konsequenz immer geforderte „Distanzierung von Rechtsextremen“ eine schwerwiegende Unkenntnis über das individuelle Grundrecht auf Versammlungsfreiheit: Der Veranstalter einer öffentlichen Versammlung, also einer Demonstration, darf niemanden von „seiner“ Versammlung ausschließen.

Vorschau Marsch für das Leben in München 2023
Die Teilnehmer des Marschs fürs Leben ziehen 2023 durch die Münchner Innenstadt

Jeder hat das Recht, sich einer Versammlung anzuschließen und damit öffentlich seine Meinung kundzutun. Die Versammlung unter freiem Himmel nutzt öffentlichen Raum, und daher kann nicht eine Privatperson als Veranstalter entscheiden, wer Teilnehmer sein darf und wer nicht. 

Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts geht das individuelle Grundrecht auf Versammlungsfreiheit sogar so weit, selbst eine „opponierende“ Versammlungsteilnahme auch mit kommunikativen Mitteln, etwa Plakate mit gegenteiligen Parolen, zuzulassen, solange sie nicht in Störung der Versammlung ausartet. Sogar im Fall einer Störung darf der Veranstalter selbst einen Teilnehmer nicht von der Versammlung ausschließen oder gar durch Ordner entfernen lassen. Zu beidem ist nur die Polizei in Ausübung pflichtgemäßen Ermessens berechtigt.

Jedes Jahr werden über 100.000 ungeborene Kinder getötet …

Das uneingeschränkte individuelle Recht auf Versammlungsfreiheit und damit auf öffentliche Meinungskundgabe ist essentiell für einen freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat. Doch wenn es um das öffentliche Eintreten für den Lebensschutz geht, wird vom Veranstalter einer Versammlung unter freiem Himmel in „unserer“ Demokratie ganz selbstverständlich erwartet, dass er dieses Grundrecht den „falschen“ Teilnehmern, die die Ziele seiner Versammlung teilen, rechtswidrig verwehrt. Sonst gehört er automatisch zu den „Falschen“.

Es ist davon auszugehen, dass diese Taktik vor allem damit zu tun hat, dass man sich mit der Position des Lebensschutzes gar nicht auseinandersetzen möchte. Zugegeben, es ist kein schönes Thema: wer sich den Realitäten stellt, muss sich eingestehen, dass in Deutschland jedes Jahr mindestens 100.000 Kinder vorgeburtlich getötet werden. Jedes Jahr. Jedes Jahr eine deutsche Großstadt. Und das, während gerade das große mediale Jammern über den Geburtenrückgang angestimmt wird.

Das bedeutet auch, dass jedes Jahr mindestens 100.000 Frauen keine andere Möglichkeit sehen, als ihr Kind vorgeburtlich töten zu lassen. Man kennt die Gründe (z. B. Überlastung, Druck durch den Partner oder die Eltern) – und wenn man genau hinschauen würde, müsste man zugeben, dass man diese Frauen und Familien zu hunderttausenden jedes Jahr alleinlässt. 

… jedes Jahr werden hunderttausende Schwangere alleingelassen

Da klingt es natürlich viel besser und beruhigt das Gewissen ungemein, wenn man vom „Selbstbestimmungsrecht der Frau“ redet, von „einer Entscheidung, die nicht leichtgefallen ist“, davon, „dass Männer bei diesen Themen nichts mitzureden haben“. Wer so argumentiert, hält sich wie ein kleines Kind die Hände vors Gesicht, das glaubt, damit unsichtbar zu sein. Die Lebensschützer mit ihrem Marsch fürs Leben reißen die Händchen weg und sagen „Du bist noch da!“ Die Erkenntnis der Wahrheit tut weh – und wer den Schmerz nicht erträgt, der zeigt mit dem Finger auf die anderen.

Dem Lebensschutz stünde daher schlussendlich etwas mehr Selbstbewusstsein und etwas mehr offensives Auftreten gut zu Gesicht. Man muss nicht aus lauter Furcht, mit irgendeinem sinnentleerten Wort gelabelt zu werden, über jedes Stöckchen springen, das einem die Gegenseite vor die Nase hält. 

Die andere Seite, diejenigen, die die Märsche für das Leben und die Lebensschutzbewegung mit gesellschaftlich geächteten Zuschreibungen überziehen, stehen auf der Seite der Kultur des Todes und der Lüge. Wir hingegen, die Lebensschützer, wir stehen ein für die Kultur des Lebens, wir stehen auf der Seite der Wahrheit, für die christliche Nächstenliebe, für Hilfe für Frauen und Familien im Schwangerschaftskonflikt.

Wir müssen uns mit unserer Position wahrlich nicht verstecken!

 

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Kommentare

Comment

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Kommentar
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Helen
Vor 1 Monat 3 Wochen

So stark! 💪🏻 Einfach ein super Statement! Danke dafür!

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Stiller Leser
Vor 1 Monat 3 Wochen

Danke vielmals für diese mutigen Worte. Ich werde das Statement verbreiten!

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Zurück ins 19…
Vor 1 Monat 2 Wochen

Ich finde den Kommentar richtig rückwärtsgewandt, wer will heute so was denn noch hören?

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Dandelion
Vor 1 Monat 2 Wochen

Klar sollten alle unterstützt werden, die ein Kind haben wollen.

Und alle, die keins wollen, auch ;)

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Susanne
Vor 1 Monat 2 Wochen

Kann ich nur zustimmen! Super, dass sich noch jemand traut, das auszusprechen!

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Tilo
Vor 1 Monat 2 Wochen

Das Framing „Rechts“ dürfte mittlerweile ein Kompliment sein 😉

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Katharina
Vor 1 Monat 2 Wochen

Danke, liebe Frau Fichtner, für diesen exzellenten Kommentar !!! Und Hut ab für Ihren Mut und Ihr so entschiedenes Engagement fürs Leben!

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Mainstreambekämpfer
Vor 1 Monat 2 Wochen

Machen Sie weiter so, es ist der richtige Weg !
Viel Kraft und Gottes Segen

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Thomas Kunkler
Vor 1 Monat 3 Wochen

Also, weil es nach der Meinung von Prof.Dr.Karl… naiv ist, sich für Lebensschutz einzusetzen , da es in unserer Gesellschaft zur Zeit nicht durchsetzbar ist, kann man es auch gleich sein lassen -so verstehe ich ihn.
Er bringt keine Argumente, sich nicht für Lebens einzubringen.
… naja und das mit den mehr als zwei Geschlechtern sehe ich nur als Provokation

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Matthias
Vor 1 Monat 3 Wochen

Sehr gute, sachliche Argumentation, die uns hilft in Gesprächen. Danke.

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Chrizzlybear
Vor 1 Monat 3 Wochen

Mit allem d'accord, nur frage ich mich ob es wirklich dem Lebensschutz dient, wenn man sich weigert klar von Rechtsradikalem sich abzugrenzen.
Natürlich übernehmen wir die Mausrolle wenn wir uns auf dieses Spielchen einlassen, aber ich glaube, um auf die Mitte der Gesellschaft auszustrahlen, muss man sich dem beugen. Um der Ungeborenen willen. Es ist bescheuert, aber wenn es darum geht Leben zu retten, muss man vlt seinen eigenen Stolz und sein Selbstverständnis kreuzigen. Was nutz ein Marsch fürs Leben, wenn außer den Demonstranten alle der Meinung sind, das ist ein Marsch für das deutsche Volkstum?
Bin offen für Gegenargumente.

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Tilo
Vor 1 Monat 2 Wochen

Was ist am „deutschen Volkstum“ schlecht ? Wieso lassen wir uns immer in eine bestimmte Ecke stellen? Die Schmuddelecken besetzen mittlerweile ganz andere …

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Joachim
Vor 1 Monat 3 Wochen

Mein Respekt für diese gelungene Stellungnahme. Bitte bleiben Sie standhaft! Alle Anfechtungen zeigen doch nur, wie wichtig und wertvoll Ihr Engagement ist.