Wie die Bundesregierung den globalen Abtreibungs-Komplex finanziert
Kurz vor Weihnachten erhielt die deutsche Bundesregierung eine simpel klingende Frage:
„Fördert die Bundesregierung seit 2017 Projekte und Vorhaben im Ausland oder internationale Organisationen, die sich für ein ‘Recht auf Abtreibung’ einsetzen?“
Die klare Antwort der schwarz-rot-geführten Koalition:
„Die Bundesregierung hat im Sinne der Fragestellung keine Maßnahmen im Ausland gefördert, die sich für ein Recht auf Abtreibung einsetzen.“
Ist damit also alles gut? Nein. Denn das war nicht die einzige Frage, auf die die Bundesregierung im Rahmen einer Großen Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion antworten musste. Gleich die nächste Frage lautete nämlich:
„In welcher Höhe erhielt die International Planned Parenthood Federation (IPPF) Zuwendungen aus dem Bundeshaushalt seit dem Jahr 2022?“
Und hier wird es spannend, um nicht zu sagen: skandalös. Denn wie aus der Antwort hervorgeht, wurde die IPPF, die weltweit größte Abtreibungsorganisation, über das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) allein von 2022 bis 2025 mit rund 63 Millionen Euro an deutschen Steuergeldern bedacht. Die Bundesregierung widerspricht sich damit also selbst, wenn sie einerseits sagt, sie fördere keine Organisationen, die ein „Recht auf Abtreibung“ unterstützten, andererseits aber zugibt, jedes Jahr mindestens ein Dutzend Millionen Euro an die IPPF zu überweisen. Das BMZ steht aktuell unter der Leitung von Reem Alabali Radovan (SPD). Sie hatte sich im vergangenen Jahr mit ihrer Partei für die Legalisierung von Abtreibungen in Deutschland eingesetzt, was letztlich am Widerstand von Union, AfD und Teilen der FDP scheiterte.
Hinzu kommen noch hohe finanzielle Zuwendungen an die IPPF-Mitgliedsorganisation Pro Familia über das Bundesfamilienministerium, was aber nicht Thema der Anfrage war, die von der AfD-Vizefraktionsvorsitzenden Beatrix von Storch initiiert wurde.
Was ist die IPPF – und was macht sie gefährlich?
Ende 2025 beschloss die IPPF mit Sitz in London auf ihrer Generalversammlung eine „Werte-Charta“. Darin wird festgehalten, dass „sexuelle und reproduktive Rechte universelle Menschenrechte sind“. Ferner stellt die Charta fest, dass „Gleichstellung intersektional, feministisch, antirassistisch und gegen Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen gerichtet ist. Der Kampf für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte ist untrennbar mit dem globalen Kampf für Gerechtigkeit und Befreiung verbunden“. Die Charta bekräftigt, dass „sichere Abtreibung für alle unser Ziel ist und dass die Rechte von LGBTQ+, von Frauen und Mädchen, indigenen Gemeinschaften und allen marginalisierten Gemeinschaften grundlegend für die Freiheit selbst sind“.
Die 1952 im heutigen Mumbai in Indien gegründete Vereinigung mit 156 Mitgliedsorganisationen und Kooperationspartnern in 153 Ländern, aufgeteilt in sechs Regionen, hat also eine klare Agenda. Deutschland ist Teil der Region European Network (IPPF EN). In einem Strategiepapier formuliert die IPPF vier Ziele, die sie bis 2028 erreichen will. Gleich als erstes Ziel wird die „personenzentrierte Gesundheitsversorgung für Menschen“ (im Original: „Center Care on People“) genannt.
Hinter dieser vermeintlich neutralen Forderung versteckt sich, genauso wie hinter dem Euphemismus „sexuelle und reproduktive Gesundheit“, ganz konkret die Forderung und Durchführung von Abtreibung sowie der Zugang zu Verhütungsmitteln. Laut dem aktuellen Jahresbericht haben Mitgliedsorganisationen der IPPF im Jahr 2024 weltweit 6,48 Millionen Abtreibungen durchgeführt. Hinzu kommt noch die Ausgabe von 192.644 Notfallverhütungs-Tabletten, die sogenannte „Pille danach“.
Im gleichen Zeitraum hat die IPPF durch ihre Mitgliedsorganisationen weltweit 73,6 Millionen „Empfängnisverhütungsdienstleistungen“ erbracht. Dies vor allem in den Ländern Kenia, Sudan und Madagaskar.
Im Zusammenhang mit diesem ersten Ziel verspricht die IPPF bis 2028 einen gemeinsamen Rahmen für digitale Gesundheitsmaßnahmen aufzubauen und umzusetzen. Dafür will sie eine „führende Rolle bei den Verhandlungen mit lokalen Regierungen über die Entwicklung von Richtlinien und Strategien übernehmen, die einen besseren Zugang zu und eine bessere Nutzung von digitalen Gesundheitsmaßnahmen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte sowie der Selbstversorgung in Umgebungen ermöglichen“.
Erfahren Sie mehr über das erste IPPF-Ziel
Ziel sei es, über die Mitgliedsorganisationen immer mehr Menschen telemedizinisch und/oder über eigene mobile Apps unter anderem auch „self-managed abortion“ zu ermöglichen. Die Mitgliedsorganisationen haben weltweit im Jahr 2024 insgesamt 3,1 Millionen digitale Dienstleistungen im Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit erbracht.
Nach eigenen Angaben konnte die IPPF durch Apotheker-Schulungen und gezielte Öffentlichkeitsarbeit im Rahmen der Initiative „Soins Complets d’Avortement en Afrique de l’Ouest“ (SCAAO) im Jahr 2024 in Kamerun die „homebased abortion services“ („Zu-Hause-Abtreibung) weiter ausbauen.
Auch in Pakistan, Nepal, Sri Lanka, Indonesien, auf den Philippinen, in Kambodscha und Papua Neu Guinea konnte die IPPF durch den Regionalverbund ESEAOR (= Ost- und Südost-Asien und Ozeanien) über 198.000 Menschen mit „abortion self-care“ versorgen.
Das zweite Ziel lautet „Move the Sexuality Agenda“. Hinter dem Schlagwort verbergen sich der Einsatz für einen gesellschaftlichen Wandel und die gesetzgeberischen Veränderungen „der sexuellen und reproduktiven Rechte“. Konkret geht es darum, „Entscheidungsträger zu beeinflussen, Politik zu gestalten und Regierungen zur Rechenschaft zu ziehen“. Letztlich geht es der IPPF darum, nationale Gesetze und Richtlinien in ihrem Sinne zu beeinflussen und zu ändern.
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Dabei arbeitet die IPPF mit politischen Entscheidungsträgern auf allen Regierungsebenen zusammen. Durch die Koordination innerhalb des Sekretariats und der Mitgliedsorganisationen setzt sich die IPPF für „sexuelle und reproduktive Gesundheit“, Rechte und Gerechtigkeit ein – bei der Politikentwicklung, in Abstimmungen, Gerichtsentscheidungen und in internationalen Foren.
Im Jahr 2024 trug die IPPF zu insgesamt 101 politischen und gesetzlichen Änderungen bei, die „sexuelle und reproduktive Gesundheit“ und Rechte im Sinne von IPPF unterstützen oder schützen. Die Mitgliedsorganisationen waren für 76 dieser Erfolge verantwortlich. Das IPPF-Sekretariat trug zu weiteren 25 Änderungen bei, von denen 13 globale Institutionen und zwölf regionale Ebenen betrafen.
Erfahren Sie mehr über die Ziele der IPPF
Der Zugang zu „sexueller und reproduktiver Gesundheitsversorgung“ war das häufigste Thema und machte 15 dieser Änderungen aus. Die Prävention von sexueller und geschlechtsspezifischer Gewalt, die Förderung der Geschlechtergleichstellung und die Stärkung der „sexuellen und reproduktiven Rechte“ trugen jeweils zu zwölf Änderungen bei. Die meisten Änderungen bezogen sich auf „positive Änderungen“ in Politik oder Gesetzgebung. Vier Änderungen bezogen sich darauf, dass Mitgliedsorganisationen erfolgreich gegen Gesetzesvorhaben vorgingen, die sich negativ auf die „sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte“ ausgewirkt hätten.
Der europäische Regionalverband, das IPPF European Network, hat sich im Jahr 2024 nach eigenen Angaben vor der Europawahl gegen den „wachsenden Rechtsruck“ stark engagiert. „Zu den Höhepunkten zählten ein innovatives Pop-up-Museum, das die Arbeit im Bereich sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte auf einzigartige und wirkungsvolle Weise präsentierte, sowie die Einführung einer Strategie für die Zeit nach der EU-Wahl, die ein inklusives, feministisches Europa forderte.“
Der Regionalverband „Africa Regional Office“ (IPPF ARO) hat 2024 eine Abtreibungsallianz mit Namen CATALYSTS gegründet und „Forschungsarbeiten zu sexueller Ausbeutung von Kindern, Abtreibungsrechten und der Bekämpfung der Auswirkungen des Kolonialismus auf sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte“ entwickelt.
Das dritte Ziel wird mit „Solidarity for Change“ überschrieben. Mit diesem Ziel versucht die IPPF, Gemeinschaften, Bewegungen und Aktivisten strategisch zusammenzuführen, Allianzen zu schmieden und so die Debatte um Abtreibungen in ihrem Sinne zu gestalten und zu fördern. Konkret geht es dabei um die Verbreitung der von der IPPF entwickelten Narrative auf medialer und politischer Ebene, um so die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Dazu plant die IPPF sektorübergreifende Kampagnen zu den Themen Klimawandel, Gender-Equality und „universelle Gesundheitsversorgung“. Bis 2028 soll dadurch eine kritische Masse an Belegen in anerkannten Fachzeitschriften und einflussreichen Medien veröffentlicht werden, die auf die Politik entsprechend einwirkt.
Das vierte und letzte Ziel des Strategie-Papiers lautet „Nurture our Federation“. Die IPPF hat sich damit zum Ziel gesetzt, die einzelnen Verbände stärker zusammenzuschließen. Dabei ist das Ziel, als die Marke für „sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte“ weltweit wahrgenommen zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, gilt es, Wege zu diversifizierten Finanzierungsquellen zu erschließen, die die inländische Finanzierung wiederum ankurbeln sollen.
Während die von der Bundesregierung großzügig geförderte IPPF also Abtreibung als Menschenrecht sieht, dem sie zur Durchsetzung verhelfen will, gibt es in Wirklichkeit keine rechtlichen Anknüpfungspunkte dafür. Das sagt auch die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die AfD-Anfrage.
„Nach Kenntnis der Bundesregierung besteht im Völkerrecht weder ein ausdrücklich kodifiziertes Recht auf Schwangerschaftsabbruch noch ein ausdrücklich kodifiziertes Recht auf die Wahl der sexuellen Identität.“
Die IPPF und Pro Familia in Deutschland
Die Gelder, die die Bundesregierung an die IPPF schickt, werden indirekt auch dafür verwendet, um Aktivisten in Deutschland anzuspornen, gegen das Lebensrecht von ungeborenen Kindern zu agitieren. Mehrere Beispiele dafür liefert Pro Familia in ihrem aktuellen Jahresbericht. Und daran wird auch deutlich, dass Pro Familia keine neutrale Beratungsorganisation ist, sondern auch Aktivismus betreibt.
Über das Jugendnetzwerk „pia – pro familia in action“ will Pro Familia nach eigenen Angaben eine Plattform bieten, „in der sich Menschen unter einer queer-feministischen, rassismus- und kulturkritischen Perspektive austauschen, verbinden und gemeinsam gestalten“. Ein Blick in den Jahresbericht zeigt, was die Aktivisten darunter verstehen. Auf Seite 6 berichtet Pro Familia, dass 2024 eine zweite Stelle der pia-Koordination besetzt wurde. Und weiter:
„Die beiden Koordinatorinnen bereiteten die gemeinsame Kampagne ‘Abtreibung entkriminalisieren’ von pia und den Medical Students for Choice (MSfC) vor. Die Kampagne entstand aus einer Initiative von pia-Aktivist*innen, die sich nach ihrer Teilnahme beim Youth Forum der IPPF in Bulgarien erfolgreich auf Fördergelder von YSAFE beworben hatten. Ziel war es, auf die Stigmatisierung und Kriminalisierung von Abtreibungen aufmerksam zu machen und die Forderung nach einer Entkriminalisierung breit zu streuen.“
Das bedeutet: Durch die Kooperation mit „pia“ gewinnt auch eine radikale Abtreibungsorganisation wie die MSfC an Bedeutung. Neben Plakaten wurde mit den IPPF-Geldern auch eine Website mit entsprechender Schlagseite veröffentlicht. Das „Bündnis Abtreibung entkriminalisieren“ bewirbt in sozialen Netzwerken Veranstaltungen wie die „feministische Werkstatt“ zum Thema „Gemeinsam Abtreiben: Selbstbestimmte Schwangerschaftsabbrüche solidarisch begleiten“. Eine der Referentinnen war Alicia Baier, Vorsitzende von „Doctors for Choice Germany“, die im Februar 2025 bei einer Sachverständigenanhörung im Rechtsausschuss des Bundestags von der SPD nominiert die Legalisierung von Abtreibung gefordert hatte.
YSAFE, mit vollem Namen Youth Sexual Awareness For Europe, ist eine Jugendorganisation des IPPF European Network. Ihr Ziel ist es, sicherzustellen,
„dass junge Menschen überall ihre sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte (SRHR) genießen können. Wir klären unsere Altersgenossen auf und setzen uns dafür ein, dass junge Menschen ihre SRHR einfordern und an der Gestaltung ihrer Gesellschaften mitwirken können. Wir glauben, dass alle jungen Menschen das Recht haben sollten, über ihren eigenen Körper zu entscheiden und ihre geschlechtliche und sexuelle Identität ohne Angst vor Diskriminierung oder Gewalt zum Ausdruck zu bringen.“
Das IPPF-Netzwerk reicht bis in die höchste parlamentarische Ebene. Und auch Pro Familia ist dabei. Jedes Jahr im Herbst findet ein Advocacy-Workshop in Brüssel statt, organisiert von der IPPF EN. 2024 trat dort auch eine Pro-Familia-Referentin auf, um über „Strategien und Notwendigkeiten im Hinblick auf das neu gewählte Europäische Parlament (EP) sowie die zum damaligen Zeitpunkt designierte Kommission“ zu sprechen. Weiter heißt es im Jahresbericht: „Außerdem nutzte Pro Familia die Gelegenheit, um vor Ort mit deutschen Abgeordneten des EP ins Gespräch zu kommen.“
„An Absurdität nicht mehr zu überbieten“
Auf Nachfrage von Corrigenda bestätigt Pro Familia, dass „zeitlich befristete Projekte“ vom IPPF EN gefördert werden. Und das IPPF EN wiederum erhält Gelder von der Londoner IPPF-Zentrale. Die unionsgeführte Bundesregierung unterstützt Organisationen, die weltweit Abtreibungslobbyismus betreibt. Und damit gegen die Grundsatzprogramme von CDU und CSU handelt.
Beatrix von Storch, die auch Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Bundestags ist, äußerte dementsprechende Kritik an den Christdemokraten. Gegenüber Corrigenda sagte sie:
„Die CDU-geführte Bundesregierung finanziert mit Planned Parenthood International die zentrale Abtreibungsorganisation weltweit, die dann mit Pro Familia den Abtreibungsaktivismus in Deutschland unterstützt. An Absurdität nicht mehr zu überbieten, aber nicht ungewöhnlich für eine Partei, die sich bereits im Koalitionsvertrag mit den Sozialdemokraten hat über den Tisch ziehen lassen. Bekanntlich wird im Koalitionsvertrag der amtierenden Bundesregierung Abtreibung bzw. Lebensschutz mit keinem Wort erwähnt.“
Sie fordere die Christdemokraten dazu auf, „ihrem Namen gerecht zu werden und die Finanzierung der weltweiten Abtreibungs- und LGBTIQ-Lobby schnellstmöglich einzustellen“. Aufgrund der tiefgreifenden Vernetzung der IPPF auch in die deutsche Politik erscheint das jedoch zweifelhaft.
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Kommentare
Mal wieder ein klarer Fall für Lug und Trug in der Politik! Warum diese Unehrlichkeit?
Bezeichnend, dass ich diese Horror-News bei Corrigenda und nicht beim Spiegel oder der Süddeutschen lese.