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Kolumne „Ein bisschen besser“

Warum Grillen endgültig Frauensache ist

Es endet immer gleich: Bei nachlassender Innentemperatur verschrumpeln die Würste äußerlich und bleiben rotbraun in der Schüssel liegen. „Kopfkino“, sagt Judith dann. Ich denke: Es wird Zeit, dass wir Grillen zur Frauensache erklären. 

Ich lehne mich erschöpft in den harten Gartenklappstuhl. Vom Ufer des Baggersees im Ruhrgebiet steigen Rauchsäulen auf. Es riecht nach Fett, das zischend auf Holzkohle verbrennt. Männer umkreisen Feuerstellen und schauen zu, wie Fleisch sekundenschnell tiefschwarz wird. Es gibt, so geht mir durch den Kopf, in Deutschland zwei männliche Lebenslügen. Die erste heißt: „Wir brauchen kein Navi, Schatz.“ Die zweite: „Grillen ist Männersache.“

Die einzige Hausarbeit, bei der Rauch entsteht

Männer behaupten das seit Jahrzehnten mit einer Inbrunst, als hätten sie persönlich das Feuer erfunden. Wahrscheinlich war Adam derjenige, der zufällig neben einem brennenden Busch stand und sagte: „Ich übernehme ab hier Eva.“ Seitdem tragen Männer beim Grillen Schürzen mit Aufschriften wie „Grillminister“, „Meat Boss“ oder sehr spaßig „Burn, Baby, Burn“, obwohl sie gleichzeitig daran scheitern, sechs Bratwürste gleichmäßig zu garen.

Ich bin an dieser Stelle schonungslos ehrlich und gebe zu: Wir Männer haben das Thema nur an uns gezogen, weil es die einzige Hausarbeit ist, bei der Rauch entsteht und wir dabei ein Bier in der Hand halten dürfen. Wir Männer grillen in Wahrheit nicht. Wir veranstalten ein Open-Air-Managementseminar mit Fleischbeilage. Da wird zuerst der Grill errichtet. Gern mit Werkzeugen, die sonst nur beim Bau einer Erdölplattform zum Einsatz kommen.

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Danach wird die Kohle entzündet, begleitet von einer Choreografie aus Wedeln, Pusten und Fluchen, als wollten wir unser totgerittenes Pferd wiederbeleben. Was folgt, ist ein Verhalten, das man sonst nur von Fluglotsen kennt: Niemand darf den Deckel anfassen. Niemand darf Fragen stellen. Niemand darf die Temperatur anzweifeln. Gleichzeitig verbrennt hinten das Gemüse, vorne ist das Hähnchen roh, und die Würstchen sehen aus wie archäologische Funde aus Pompeji.

Und wenn wir bei diesem Ritual reden, dann darüber, dass jetzt US-Navy-Seals nach dem Angriff aufs Mullah-Regime Grillkurse geben, und wir uns zum 53. Geburtstag so einen von unseren Frauen wünschen.

Wir Männer sollten die Frauen grillen lassen

Dabei wäre es ein bisschen besser, wenn wir einfach die Frauen grillen lassen. Sie grillen wie Menschen, die verstanden haben, worum es geht: Essen machen. Während wir Männer uns ein digitales Fleischthermometer für 129 Euro kaufen, erkennen Frauen mit einem kurzen Blick: „Ist fertig.“ Männer brauchen dafür eine App, drei Diagramme und einen Podcast über Kerntemperaturen.

Judith hat beim Grillen zudem einen evolutionären Vorteil: Sie kann mehrere Dinge gleichzeitig. Sie macht nebenbei Salat, rettet das Baguette, beruhigt das Töchterchen und führt ein Gespräch über italienische Fliesenmuster, ohne dass irgendwo etwas explodiert. Ich hingegen habe eben verkündet: „Die Würste sind fertig.“ Natürlich habe ich es so ausgesprochen, als hätte ich gerade persönlich den Frieden hinter Kiew ausgehandelt, aber was nützt es? 

Ich sitze erschöpft im Gartenstuhl, sehe, wie keiner mein letztes schrumpeliges Würstchen essen mag und kann mir schon vorstellen, was Judith nachher sagt, wenn wir uns entkleiden.

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