„Wir Christen müssen über unsere Diskriminierung reden“
Die Luft für Christen in Deutschland wird dünner. Jüngst berichtete Corrigenda über Schüsse während der Sonntagsmesse auf eine Kirche in Hanau, kurz zuvor thematisierte dieses Magazin einen Angriff auf Lebensschützer in Koblenz.
Unter welchem Druck Christen stehen, weiß auch Pastor René Wagner, der gemeinsam mit seiner Frau Pastorin Deborah Wagner die Zeal Church leitet, eine Freikirche in Leipzig. Die Gemeinde eröffnete im September 2023 im Leipziger Stadtteil Reudnitz das Café „Stay“ – und muss nun schließen.
Grund sind 26 Angriffe auf das Café in den vergangenen knapp drei Jahren, mutmaßlich von Linksextremen. Corrigenda sprach mit René Wagner darüber, was die Attacken mit ihm und seinem Team gemacht haben, ob er Unterstützung von der Stadt Leipzig bekommen hat und wie es nun für seine Kirche weitergeht.
Herr Pastor Wagner, nach 26 Angriffen haben Sie Ihr Café geschlossen. Haben die Linksextremen gewonnen?
Nein. Denn für uns als Kirche geht es um viel mehr als um ein Café. Es stimmt, sie haben uns jetzt ein Café genommen. Aber als Kirche sind wir weiter da. Unser Herz ist immer noch das gleiche: Wir möchten Menschen lieben und ein Segen sein für unsere Stadt. Das hat sich nicht geändert – ob mit Café oder ohne.
Was waren das genau für Angriffe?
Zweimal wurden uns die Scheiben eingeschlagen. Bei einer dieser Attacken zerstörten die Täter die Scheiben mit sage und schreibe 78 Hammerschlägen. Dann geht es um zahlreiche Farbattacken. Hier sprechen wir von verschiedenen Graffiti-Tags bis hin zu großen Eimern weißer und roter Farbe, mit denen die Fassade sowie Fenster des Cafés verunstaltet wurden. Außerdem hatten wir jemanden, der uns – wie sagt man das jetzt politisch korrekt? – an drei Scheiben geschissen hat.
Schließlich wurden zwei schwerwiegende Anschläge mit Buttersäure auf unser Café verübt. Beim ersten, Anfang 2025, injizierten die Täter die Buttersäure durch die Schlüssellöcher ins Café. Die Folgen dieses ersten Anschlags bekamen wir noch relativ gut in den Griff. Anders war das beim zweiten Anschlag an Heiligabend 2025. Nachdem wir die Schlüssellöcher inzwischen versiegelt hatten, bohrten die Täter ein Loch in eine Scheibe und schütteten mindestens 1,5 Liter Buttersäure ins Café. Den Gestank kriegen wir bis heute nicht weg. Übrigens konnte für keinen einzigen der 26 Angriffe ein Täter ermittelt werden.
Auf welche Summe beläuft sich der finanzielle Schaden?
Das ist schwer zu beziffern. Auf der einen Seite haben wir die reinen Sachschäden. Allein mit den Folgen der beiden Buttersäureanschlage fertig zu werden, hat uns 35.000 Euro gekostet. Hinzu kommt, dass wir das Café wegen der Angriffe mehrmals schließen und dadurch einen Verdienstausfall verkraften mussten. Nach den Buttersäureanschlagen etwa dauerte es insgesamt drei Monate, ehe wir das Café wieder öffnen konnten. Noch schlimmer waren allerdings die Lügen, die über uns verbreitet wurden. Diese Diffamierungskampagne führte dazu, dass viele Gäste plötzlich weggeblieben sind.
Mit Lügen und Diffamierung beziehen Sie sich auf die anonymen Bekennerschreiben auf der linksextremen Website „Indymedia“, die die Täter dort nach einigen der Attacken veröffentlichten. Darin werfen Ihnen die Angreifer Homophobie vor, weil Sie in Ihrer Kirche die Trauung homosexueller Paare ablehnen. Was sagen Sie zu diesem Vorwurf?
Zunächst ist es so, dass wir überhaupt nicht im rechtlichen Sinne trauen dürfen. Das darf nur der Staat. Was wir als Kirche tun dürfen, ist, nach der rechtlichen, standesamtlichen Trauung eine religiöse Trauung vor Gott durchzuführen oder eine kirchliche Segnung. Das ist ein wichtiger Unterschied. Wir wollen niemandem eine rechtliche, standesamtliche Trauung versagen. Wir haben beispielsweise nie an Demonstrationen gegen Homoehen teilgenommen oder dazu ermutigt, im Gegenteil.
Allerdings stehen wir mit unserer Theologie und Ethik zur Ehe zwischen Mann und Frau und zur traditionellen Familie. Deshalb führen wir in unserer Kirche keine Segnungen oder religiösen Trauungen homosexueller Paare durch. Das ist auch die Position unseres Dachverbands, des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden. Es gibt andere Organisation, die homosexuelle Paare trauen. Das ist vollkommen in Ordnung. Aber wir sehen es anders und machen von unserem Recht auf Religionsfreiheit Gebrauch.
Ein anderer Vorwurf lautet, Sie hätten verschleiert, dass das Café zur Zeal Church gehört und dass Sie mit dem Café Einnahmen für Ihre Kirche generieren wollen.
Das ist totaler Schwachsinn. Erst einmal ist der Handelsregisterauszug für jedes Unternehmen in Deutschland öffentlich einsehbar. Jeder kann problemlos herausfinden, wem welches Geschäft gehört. Richtig ist, dass wir das Café neutral und modern und ohne christliche Bezüge wie Kreuze oder religiöse Flyer gestaltet haben. Dafür haben wir uns entschieden, weil wir einen Ort schaffen wollten, an dem sich jeder unabhängig von seiner Weltanschauung wohl und willkommen fühlt – ohne missionarische Keule. Hätten wir es anders gemacht, also ein klar erkennbares christliches Café eröffnet, hätten unsere Kritiker das wahrscheinlich ebenso angeprangert.
Was ist mit den Einnahmen für die Kirche, die Sie angeblich mit dem Cafébetrieb erwirtschaften wollten?
Es verhält sich genau umgekehrt. Wir haben mit der Kirche das Café finanziert. Das ist ja der Hauptgrund dafür, dass wir nun schließen: Uns ist einfach das Geld ausgegangen. Wir können jetzt im Juni noch einmal unsere Mitarbeiter bezahlen, danach wäre das nicht mehr möglich gewesen. Wir bleiben mit dem Café, als Kirche, auf 150.000 Euro Schulden sitzen.
Es war auch nie geplant, dass Einnahmen aus dem Café in die Kirche fließen. Unser Ziel bestand darin, die Gewinne aus der Gastronomie in soziale Projekte zu stecken. Es gibt in unserem Stadtviertel in Leipzig ein großes Obdachlosen- und Drogenproblem. Wir haben bereits in den vergangenen knapp drei Jahren immer wieder versucht zu helfen, zum Beispiel, indem wir Obdachlosen und Drogenabhängigen heiße Schokolade oder andere Getränke ausgaben. In dieser Richtung hätten wir uns gerne mehr engagiert.
Sie sagten, die finanziellen Probleme seien der Hauptgrund für die Schließung des Cafés gewesen.
Der zweite wichtige Grund ist die psychische Belastung, die wir, das heißt meine Frau Deborah und ich sowie alle Mitarbeiter, aushalten mussten. Der Psychoterror, der seit fast drei Jahren mit all den Angriffen einhergeht, ist extrem und verstößt gegen die Religionsfreiheit in unserem Land. Wir sind sehr müde, und ein Stück weit fällt uns aber auch eine Last von den Schultern.
Wurden Sie, Ihre Frau oder Ihre Mitarbeiter auch persönlich attackiert?
Wir wurden zahlreiche Male bepöbelt. Es kamen Leute ins Café, die uns angeschnauzt und dumm angemacht haben. Als meine Frau draußen auf der Straße ein Sampling gemacht hat, also unser Eis zum Probieren angeboten hat, haben ihr Leute mehrfach vor die Füße gespuckt und sie beschimpft.
Angesichts von 26 Angriffen in weniger als drei Jahren gab es sicher Unterstützung und Solidarität aus der Politik, oder?
Das wäre schön gewesen! Aber das Gegenteil war der Fall. Die Stadt Leipzig weigerte sich beharrlich, die Attacken als Angriff auf die Religionsfreiheit einzustufen, weil sich die Anschläge nicht gegen die Kirche, sondern „nur“ gegen unser Café richteten. Aus diesem Grund argumentierte die Stadt, die Angriffe richteten sich „nicht unmittelbar gegen die Religionsausübung“, und die „grundsätzliche Ausübung der Religionsfreiheit“ sei in Leipzig nicht gefährdet [Anm. d. Red.: Konkret war es Ordnungsdezernat der Stadt unter Leitung des Linken-Politikers Heiko Rosenthal, das auf Anfrage der BSW-Fraktion im Stadtrat so argumentierte].
Inzwischen hat die Stadt eine Kehrtwende hingelegt.
Richtig. Jetzt, nach fast drei Jahren und nachdem wir das Café schließen müssen, hat die Stadt auf Nachfrage der Zeitung Junge Freiheit eingeräumt, dass es sich doch um Angriffe auf die Religionsfreiheit handelte.
Auch der langjährige Chef der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, ist Ihnen unlängst mit einem Gastkommentar bei der evangelischen Nachrichtenagentur Idea zur Seite gesprungen.
Dafür sind wir dankbar. Auch die CDU in Leipzig unterstützt uns mittlerweile seit rund einem halben Jahr. Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung von der SPD hat sich im März mit meiner Frau und mir zu einem Gespräch getroffen, das konstruktiv verlaufen ist. Allerdings hat es zwei Jahre gedauert, bis das Gespräch zustande kam. Zuvor wurden alle unsere Kontaktversuche abgeblockt, jetzt ist jede Hilfe zu spät.
Wären die Reaktionen aus der Politik ähnlich zurückhaltend ausgefallen, wenn es um ein jüdisches oder muslimisches Café gehen würde?
Bei einem jüdischen Café hätte es ohne Zweifel einen großen Aufschrei gegeben. Das finde ich auch richtig, gerade vor dem Hintergrund unserer Geschichte. Ob die Politik bei einem muslimischen Café anders reagiert hätte, weiß ich nicht. Aber die Medien und die Zivilgesellschaft hätten mit viel lauterer Empörung reagiert, als das bei den Angriffen auf uns der Fall war und ist. Als 2013 in Leipzig eine Moschee errichtet werden sollte, haben Unbekannte auf dem Baugelände fünf blutige Schweineköpfe auf Holzpflöcke gespießt.
Eine abartige Tat, in deren Folge zahlreiche Menschen auf die Straße gegangen sind, um sich klar für die Religionsfreiheit zu positionieren. Und das, obwohl Muslime häufig deutlich konservativere Ansichten vertreten als unsere Freikirche. Ich erkenne hier eine grundsätzliche Doppelmoral im linken politischen Lager. Diese Leute greifen uns wegen Homophobie an und gehen dann ohne Bedenken zum Essen in die Dönerbude, obwohl deren Besitzer ebenfalls eine andere Meinung zum Thema Homosexualität haben als im linken Spektrum üblich.
Haben Sie Unterstützung von den beiden großen Amtskirchen bekommen?
Nein. Die Evangelische Landeskirche Sachsen hat bei Idea sogar betont, es seien „keine religiösen Einrichtungen oder Handlungen, sondern ein Wirtschaftsbetrieb attackiert“ worden. Den Rücken gestärkt hat uns unser schon genannter Dachverband, der Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden. Die Vereinigung evangelischer Freikirchen hatte bereits im Februar eine Stellungnahme veröffentlicht und sich solidarisch mit uns gezeigt. Ebenso haben die Evangelische Allianz und die Orthodoxe Kirche auf unseren Fall aufmerksam gemacht.
Enorm gefreut hat uns, dass der evangelische Pfarrer Sebastian Führer am Sonntag in einem Gottesdienst in Leipzig seine Unterstützung für uns zum Ausdruck gebracht und uns in die Fürbitte eingeschlossen hat. Sebastian Führer ist der Sohn von Pfarrer Christian Führer, der bei der Friedlichen Revolution in der DDR eine Schlüsselrolle spielte.
Die Räume, in denen das Café betrieben wurde, gehören Ihnen nach wie vor. Wie wird es damit nun weitergehen?
Das diskutieren wir gerade. Wir müssen sehen, was renovierungstechnisch möglich ist. Weil die Räume im aktuellen Zustand einfach unbrauchbar sind, haben wir eine Spendenkampagne gestartet und hoffen, dass uns möglichst viele Menschen unter die Arme greifen. Gleichzeitig stellen wir uns die Frage, ob wir die Räume überhaupt weiter nutzen wollen. Denn die Angriffe werden nicht aufhören.
Haben Sie Angst, dass die Angreifer auch Ihre Kirche ins Visier nehmen?
Angst ist ein großes Wort. Neulich wurde ich von der Vermieterin unseres Kirchengebäudes angerufen: Es gebe einen Feueralarm, wir sollen bitte nach dem Rechten sehen. In diesem Moment schossen mir schon Horrorszenarien durch den Kopf, die sich glücklicherweise als unbegründet herausstellten. Ich würde jedoch nicht von Angst sprechen, sondern von Sorge. Unser ganzes Team ist sensibilisiert dafür, dass es zu Attacken auf unsere Kirche kommen kann, auch während des Gottesdienstes. Wir wissen, dass wir Störer der Kirche verweisen und sie gegebenenfalls festsetzen dürfen, bis die Polizei eintrifft. Andererseits bin ich relativ entspannt, da ich nicht glaube, dass die Täter diese Grenze überschreiten und unsere Kirche direkt angreifen werden.
Die Angriffe auf Ihr Café sind leider kein Einzelfall. Die Christenfeindlichkeit in Deutschland nimmt seit Jahren zu, wie etwa die Zahlen des Bundeskriminalamts oder der Beobachtungsstelle für Intoleranz gegenüber und Diskriminierung von Christen in Europa (OIDAC) zeigen. Woran liegt das?
Wenn ich das wüsste. Es ist eine Schande, dass die Christenfeindlichkeit in unserem Land immer schlimmer wird. Wissen Sie, was mich daran besonders schockiert?
Was?
Dass in der Öffentlichkeit kaum darüber gesprochen wird. Nehmen wir nur zwei Fälle aus der jüngsten Vergangenheit. Im Mai gab es einen Farbanschlag auf das „Haus für das Leben“ des Lebensschutzvereins Kaleb in Chemnitz. Es war bereits der dritte Angriff dieser Art innerhalb von vier Jahren. In den großen, reichweitenstarken Medien habe ich davon nichts gelesen oder gehört. Ebenfalls im Mai haben Unbekannte während der Sonntagsmesse auf eine katholische Kirche in Hanau geschossen. Nachdem ich dazu etwas in den sozialen Medien veröffentlicht hatte, schrieben mir Leute, die in Hanau vor Ort leben, sie hätten das überhaupt nicht mitbekommen.
Corrigenda hat über den Fall berichtet und herausgefunden, dass die Schüsse auf die Kirche nicht als christenfeindliche Tat in die Statistik des Bundeskriminalamts einfließen.
Sie und wenige andere Medien bildeten eine positive Ausnahme. Apropos Statistik: Viele der Angriffe kommen aus dem linksradikalen Milieu, werden jedoch nicht unter linker Gewalt eingeordnet. Ich halte das für ein großes Problem, weil die Politik sehr oft linke und rechte Straftaten gegeneinander aufrechnet und daraus Maßnahmen ableitet. Wenn aber linke Gewalt unzureichend erfasst wird, ergreift niemand wirksame Maßnahmen dagegen.
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Warum wird in der Öffentlichkeit kaum über die wachsende Christenfeindlichkeit gesprochen?
Ein Grund liegt darin, dass Christen in der Bevölkerung nicht als Minderheit wahrgenommen werden – obwohl bekennende Christen, also solche, die regelmäßig den Gottesdienst besuchen, in Deutschland eine absolute Minderheit sind. Das muss sich die Politik bewusst machen und uns als Minderheit schützen.
Haben Sie das dem Leipziger Oberbürgermeister Jung in Ihrem Gespräch deutlich gemacht?
Von der von Ihnen erwähnten Beobachtungsstelle für Intoleranz gegenüber und Diskriminierung von Christen in Europa (OIDAC) gibt es eine Handlungsanweisung für den richtigen Umgang mit christenfeindlichen Straftaten, die auf den Richtlinien der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) beruht. Darauf habe ich aufmerksam gemacht, das Dokument ausgedruckt und dem Bürgermeister und seinen Mitarbeitern übergeben. Die Handlungsanweisung sagt: Der erste Schritt besteht darin, Angriffe wie gegen uns als antichristliche Hassverbrechen anzuerkennen.
Worauf kommt es noch an?
Wir Christen müssen über unsere Diskriminierung reden. Vor kurzem hat eine Druckerei, mit der wir seit Jahren verbunden sind, die Zusammenarbeit mit uns beendet. Wegen unseres Kirchenverständnisses wolle man keine Aufträge mehr für uns ausführen. Das habe ich öffentlich gemacht. Darauf gab es viel Zustimmung, und mit ein paar wenigen Leuten habe ich ein Gespräch geführt, die mich gefragt haben, warum ich das veröffentlichen musste. Ich habe eine Frage gestellt: „Wenn wir als Synagoge von der Druckerei abgelehnt worden wären, würdest du das als Antisemitismus einstufen und es gut finden, den Fall zu veröffentlichen?“ Mein Gesprächspartner guckte mich an und antwortete mit einem deutlichen Ja. „Warum dürfen wir es dann nicht veröffentlichen?“ Darauf meinte mein Gesprächspartner, das sei anders zu werten. „Warum?“, entgegnete ich. „Wir werden wegen unseres Glaubens abgelehnt.“ Und das ist nicht korrekt.
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Wir sprachen bereits über die Rolle der Medien, die kaum über die Christenfeindlichkeit berichten. Im Gegenteil: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat Christen in zahlreichen Dokus als Gefahr dargestellt. Gibt es auch dort einen zumindest latenten Hass auf Christen?
Ich will niemandem etwas unterstellen, aber aus der Außenperspektive wirkt das so. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat allein in den zurückliegenden zwölf Monaten eine ganze Reihe von negativen Dokus und Berichten über Christen und speziell evangelikale Freikirchen gesendet. Erst vor zwei Wochen lief im NDR ein sehr negativer Bericht über das Missionsschiff „Hope“.
Wir Kirchen werden von diesen Sendern auf ein bis zwei Themen reduziert. Dadurch entsteht ein Zerrbild, das mich enorm ärgert. Die Kirchen übernehmen so viele wichtige Aufgaben in unserer Gesellschaft.
Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?
In der vergangenen Woche habe ich in unserer Kirche den Sterbeprozess einer 35-jährigen Mutter begleitet. Ich war jeden Tag auf der Intensivstation, habe jeden Tag mit der Familie gebetet, mich um den Ehemann gekümmert. Ich war dabei, als die Geräte abgeschaltet wurden. Jetzt versuche ich, der Familie beim Trauerprozess zu helfen. Das gesamte Klinikteam auf der Intensivstation war so bewegt davon, wie viele Menschen diese junge Frau besucht haben. Alles Christen. Das haben die Klinikmitarbeiter seit Jahren nicht erlebt.
Und da sage ich: Leute, das ist das, was uns als Kirchen ausmacht. Wir führen Hochzeiten durch, wir taufen, wir segnen. Wir gehen mit Menschen durch alle Höhen und Tiefen des Lebens und sind für sie da, gerade jetzt, wo die Einsamkeit in unserer Gesellschaft steigt und steigt. Muss man unsere Theologie mögen? Nein. Muss man unsere Ethik toll finden? Nein. Muss man nicht. Kann man komplett scheiße finden. Aber lasst uns doch bitte in Ruhe und hört auf, uns in ein Bild hineinzuframen, das einfach nicht der Wahrheit entspricht.
Zum Abschluss: Wie sollen wir Christen damit umgehen, dass wir zunehmend attackiert und diffamiert werden?
Es ist extrem wichtig, jeden einzelnen Anschlag, jedes Graffiti, alles zur Anzeige zu bringen. Das Zweite ist: Wir sind hier, um zu vergeben, zu lieben und zu segnen. Wir werden nicht mit Gewalt zurückschlagen, keine Steine zurückwerfen, nicht auf Demos marschieren, auf denen wir unsere Gegner beschimpfen. Trotzdem leben wir in einem Rechtsstaat, in dem Unrecht benannt werden muss. In der Apostelgeschichte 16 werden Paulus und Silas ausgepeitscht. Paulus klagt sich am Ende bis zum Kaiser und spricht den entscheidenden Satz: Dürft ihr so mit einem Bürger Roms umgehen?
Das gilt heute für uns: Dürft ihr so mit einem Bürger der Bundesrepublik Deutschlands umgehen? Ich habe das Recht, überall in diesem Land ein christliches Café zu gründen. Ich habe das Recht, an jedem Ort dieses Landes eine Kirche zu gründen. Ich habe das Recht, überall in Deutschland zu beten, zu singen und meinen Glauben zu bekennen. Dieses Recht auf Religionsfreiheit ist in unserem Grundgesetz tief verankert. Wir Christen müssen von diesem Recht Gebrauch machen und überall laut protestieren, wo dieses Recht gebrochen wird.
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