Der Tote-Mann-Schalter und anderes, was Frauen nicht verstehen
Ich halte es an den Wochenenden bei ansteigender Fläche und sattem Grün für durchaus männlich, die Schubkarre zu schieben oder mit nacktem Oberkörper Rasen zu mähen. Und da ich außerdem den Duft von Benzin und frisch geschnittenem Gras liebe, habe ich so ein knatterndes Teil mit Tote-Mann-Schaltung.
Das ist ein Hebel, den ich gedrückt halten muss, sonst stirbt der Motor ab. Ich erkläre Judith das Prinzip: „Wenn der Mann tot ist und loslässt, geht die Maschine automatisch aus.“ „Warum?“, fragt meine Frau. „Damit er sich nicht verletzt.“ „Aber er ist doch schon tot“, sagt sie.
Meine Liebe zur Schreibmaschine und zur Verdunstungskälte
Es gibt technologische Errungenschaften, von denen wir Männer begeistert unseren Frauen berichten, aber der Funke einfach nicht überspringen will. Mit Judith bleibe ich oft auf Flohmärkten vor Schreibmaschinen stehen. Ich drücke dann verträumt ein „J“ oder ein „O“ und beobachte fasziniert, wie sich die kleinen Ärmchen gegen die Walze pressen wollen, die sich zudem mit etwas Kraft im Finger hoch und runter stemmen lässt und so große und kleine Buchstaben möglich macht. Noch bevor ich ansetze, meiner Frau den Mechanismus zu erklären, seufzt sie: „Ja, ich weiß, und darauf hast Du deine erste Semesterarbeit geschrieben.“
› Abonnieren Sie den Corrigenda-Newsletter und erhalten Sie einmal wöchentlich die relevantesten Recherchen und Meinungsbeiträge
Es ist sinnlos, denke ich. Genauso ist es, wenn ich in heißen Sommernächten nachts noch dusche und nass ins Bett steige, um Judith das physikalische Prinzip der Verdunstungskälte zu erklären. Sie sagt dann nur „Iiigitttiiigitt“ und dreht sich ganz nach außen.
Automotor vs. Filtertüte
Ich lasse mich von solchen krassen Fehleinschätzungen in der Regel nicht aus der Ruhe bringen. Ich weiß, dass der männliche Spieltrieb oft Großes bewirkt: Johannes Gutenberg erfand den Buchdruck, Philipp Reis das Telefon und Carl Benz den Automotor. Frauen? Fehlanzeige. Judith protestiert: „Melitta Bentz“, sagt sie, „Filtertüte.“ Ich verdrehe die Augen: „Ohne Buch, Telefon und Auto wäre unser Leben ärmer, Liebling. Aber ohne Filtertüte?“
Wir hauen uns den lieben langen Abend fünfzehn oder zwanzig weitere Erfinder um die Ohren. Meine Frau macht am Ende einen Punkt mit Bertha Benz, die bewiesen hat, dass die Karre ihres Mannes wirklich Strecke machen konnte, bevor wir irgendwann gähnen und ins Bett gehen. Judith probiert dann noch den Lebenden-Mann-Schalter aus, womit der Tag ein bisschen besser endet, als er angefangen hat.
Kommentare