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Kolumne „Ein bisschen besser“

Was passieren würde, wenn ich rechts wäre

Ich glaube, Judith würde sich sofort von mir trennen, wenn ich AfD wählte. Wahrscheinlich würde mich auch meine Familie verstoßen. Ich wäre ein einsamer Wolf. „Du wärst ein verlorenes Huhn“, stellt Judith klar und nimmt damit der Vorstellung auch noch den letzten Funken von Romantik.

Wir reden seit Monaten darüber, mal komme ich ihr mit der Italien-Variante, mit Giorgia Meloni, und sage: Die habe sogar unsere Italiener in dem Dorf in der Lombardei, in dem wir manchmal wohnen, hinter sich geschart. Unser Fliesenleger wähle sie, unser Elektriker auch. 

„Ihr Linken hattet eure große Zeit“

„Und Italien funktioniert inzwischen ein bisschen besser als Deutschland“, füge ich hinzu. Die Züge jedenfalls seien deutlich pünktlicher. Wenn Judith auf Krawall gebürstet ist, sagt sie dann: Auch in Deutschland habe es mal Potentaten gegeben, die Autobahnen gebaut haben. Wumms.

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Mal versuche ich sie bei ihrer Ehre als moderne Frau zu packen: „Links war gestern“, sage ich dann. „Ihr Linken hattet eure große Zeit, als ihr den Mief aus dieser Republik vertreiben wolltet. Aber dann habt ihr übertrieben. Seht, wohin uns das gebracht hat.“ Ich füge in bestimmtem Ton hinzu: „Linke sind out.“ Judith schmeißt die Kaffeemaschine an. „Mein Herz schlägt links“, antwortet sie, und das könne sie nicht so einfach wechseln wie ich meine Hose. Sie schaut scharf aus der offenen Küche hinaus ins offene Schlafzimmer und fragt, wie häufig ich mich heute eigentlich schon umgezogen habe. Spott liegt in ihrer Stimme.

Judith geht zum Angriff über

Und dann geht sie zum Angriff über, rechnet als aufrechte Schwäbin, die sie nun mal ist, vor, dass das, was diese neuen Rechten wollten, einfach gar nicht funktionieren könne. Statt Zuwanderer ins Land zu lassen, wollten sie zum Beispiel ausgewanderte Klempner aus Malle wieder zurückholen und damit die Wirtschaft ankurbeln. Sie lacht und es klingt in meinen Ohren, als lache sie mich aus. „Wer etwas verändern will, sucht Ziele. Wer etwas erhalten will, sucht Gründe“, schleudere ich zurück. Ich habe das gerade in einem Podcast gehört und fand es nicht schlecht.

Judiths Blick wechselt von scharf zu zärtlich. Mit Blick auf uns beide seien ihr dann Gründe lieber, sagt sie. Die Tasse, die sie links von mir hinstellt, verströmt den Duft von frischem Kaffee, die Hündin rekelt sich im Körbchen, das Töchterchen möchte Schokobrötchen. „Hast du die Eieruhr im Blick?“, fragt meine Frau. Ich nicke, fische das Frühstücksei heraus und fühle mich wie ein verlorenes Huhn, das gerade seinen Stall wiedergefunden hat.

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