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Kolumne „Der Schweizer Blick“

Eine Gouvernante namens Staat

Die Sonne scheint. Es ist heiß. Das hat der Sommer so an sich, mal mehr, mal weniger. In aller Regel wird die Allgemeinheit damit gut fertig. Aber wenn man lange genug darüber nachdenkt und eine Schwäche für möglichst viel Staat hat, eröffnen sich aus den hohen Temperaturen neue Möglichkeiten. Wie wäre es zum Beispiel damit: Die öffentliche Hand stellt in Freibädern kostenlos Sonnencreme zur Verfügung.

Diese Forderung wird ganz konkret in der Stadt Zürich erhoben. Zwei Politiker von den Grünen und den Sozialdemokraten finden, es sei höchste Zeit, dass der Staat Maßnahmen trifft, um Sonnenbrand oder gar Hautkrebs zu verhindern. Das ist nur der Anfang. Es gibt bereits erste Ideen für die schweizweite Umsetzung der Idee. Schließlich soll nicht nur die Stadt Zürich vor dem Hautkrebs gerettet werden.

Kommt das durch, müssen Freibäder künftig gut sichtbare Sonnencreme-Spender installieren. Denn der Allgemeinheit ist der Zusammenhang zwischen Sonneneinstrahlung und allfälligen unangenehmen Begleiterscheinungen offenbar zu wenig bewusst. Man muss den Leuten daher auf die Sprünge helfen.

Sonnenbrand ist Anreiz genug

Rein faktisch ist diese Ansicht überprüfbar nicht wahr. Der Onlinehändler Galaxus hat gerade einen neuen Absatzrekord bei Sonnencreme gemeldet: 129 Prozent mehr als im Vorjahr. Was Sinn macht, es ist ja auch heißer. Offenbar weiß die breite Öffentlichkeit also durchaus, dass man sich einschmieren sollte, bevor man in der Sonne brät. Und sie ist durchaus bereit, dafür Geld auszugeben. Weil es schlicht nicht angenehm ist, wenn man sich nach dem Badespaß krebsrot vor Schmerzen windet.

Es gibt vermutlich wenig Produkte, bei denen es so wenig staatlichen Druck zur Benutzung braucht wie bei der Sonnencreme. Man tut sich ja selbst damit einen Gefallen. Das gilt zwar auch für Fahrradhelm oder Sicherheitsgurte im Auto, aber da scheint den meisten die Gefahr weniger unmittelbar. Dass man Überzeugungsarbeit in Form eines kostenlos nutzbaren Sonnencreme-Spenders im Freibad bereitstellen muss, ist hingegen zweifelhaft. Es kann sein, dass man die Tube mal zu Hause vergisst, aber man kann ja mit dem Nachbarn auf dem benachbarten Strandtuch sprechen.

Was ist eigentlich mit der guten alten Eigenverantwortung passiert? Nichts, sagen die Politiker hinter der Idee. Denn auftragen müsse die Creme ja immer noch jeder selbst. Da sind wir aber froh. Es hätte ja sein können, dass auch gleich staatlich geprüfte und besoldete Eincremer durch die Bäder ziehen.

Der Staat als Präventionsstelle

So absurd der Vorschlag auch sein mag, verwundern kann er nicht. Schon früher gab es Vorstöße für kostenfreie Hygieneprodukte wie Tampons und Binden in Universitäten. Dafür wurde sogar ein Wort geprägt: Periodenarmut. Die These: Frauen sind benachteiligt, weil sie für diese Artikel Geld ausgeben müssen, einfach rein biologisch bedingt. Offenbar sind die Schuldenberatungsstellen gefüllt mit Leuten, denen die finanziellen Probleme über den Kopf wachsen, weil sie Tampons kaufen müssen. Das ist das wahre Problem. Und nicht etwa die Explosion der Energiepreise oder die Teuerung bei den Lebensmitteln.

Vermutlich würde es den Schweizer Staat nicht ruinieren, wenn er Sonnencreme für sämtliche Freibäder im Land finanzieren müsste. Es geht allerdings bei dieser Frage nicht nur um Geld, sondern um Prinzipien. Der Staat will uns vor Zucker, Fett, Alkohol und Nikotin schützen, wobei die Aufzählung nicht abschließend ist. Er will dafür sorgen, dass wir schlank sind, durchtrainiert und langlebig. Und nun soll er uns auch vor Sonnenbrand und Hautkrebs bewahren. Was folgt als Nächstes?

Solche Forderungen kommen aus einem zutiefst falschen Staatsverständnis heraus. Sie gehen davon aus, dass die Bürger eines Landes Bewohner eines betreuten Wohnheims sind, die man behutsam durch den Alltag führen muss. Sie wissen selbst nicht, was gut und was schlecht ist für sie. In ihrem eigenen Interesse muss man sie vor falschen Entscheidungen bewahren. Im Fall der Sonnencreme, und dafür sollte man schon fast dankbar sein, würde das nicht mit einem Verbot, sondern einem freiwilligen Angebot geschehen.

Nur brav dem Ausland nachlaufen

Aber wer den Staat kennt, weiß genau: Das wäre nur der Anfang. Schon bald würden die Sonnencreme-Spender nicht einfach irgendwo auf dem Gelände stehen, sondern am Eingang. Und Einlass würde nur erhalten, wer unter dem strengen Auge des Bademeisters auch Gebrauch macht von der Creme. Das klingt zugegebenermaßen nach einem Sketch von Monty Python. Aber befinden wir uns nicht alle längst in einem solchen?

Nach kurzer Recherche zeigt sich dann: Es ist alles viel banaler als gedacht. Nein, die Politiker in der Schweiz sind nicht über Nacht verrückt geworden. Sie tun lediglich das, was sie am besten können: von andern abkupfern. In den Niederlanden ist die kostenlose Abgabe von Sonnencreme bereits Realität. Auch in Deutschland gibt es einzelne Städte, die das schon heute anbieten.

Da ist es natürlich kein Wunder, dass die Schweiz das ebenfalls tun will. Denn dieses Vorgehen hat System. Während Corona wurden die Schulen im Land wochenlang geschlossen. Später gab ein Spitzenbeamter des Bundesamts für Gesundheit zu, dass diese Maßnahme sinnlos gewesen sei. Man habe sie nur vollzogen, weil Nachbar Frankreich das getan habe. Man hätte es nicht begründen können, da auszuscheren.

So funktioniert die Schweiz heute: Getrieben vom Ausland, fremdbestimmt und ohne Motivation, einen eigenen Weg einzuschlagen. Die Sache mit der Sonnencreme ist ein Sommerlochfüller, den man beileibe nicht ernst nehmen kann. Der Hang zum betreuten Denken durch den Staat hingegen ist ernst zu nehmen.

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Kommentar
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Claudia Morel
Vor 7 Monate 1 Woche

Danke für den Artikel, das Gefühl mit dem betreuten Wohnheim habe ich auch immer häufiger, dabei fühle ich mich noch fern dieser Alterskategorie!
Doch wenn der Staat etwas verordnet, ähm anbietet, dann werde ich mittlerweile hellhörig.
Gibt es doch Studien, welche belegen wollen, dass Hautkrebs gerade durch Sonnencreme und Sonnenbrillen verursacht werden kann. Ja richtig, Sonnenbrillen. Ich habe es so verstanden, dass die Verdunkelung der Augen verhindert, dass der Körper eine dem Sonnenlicht angepasste Menge Melanin ausschüttet, welches ja die Haut schützt. Und die industriell hergestellten Cremes haben ebenfalls eine destruktive Wirkung auf die natürliche Reaktion der Haut. Tönt eigentlich logisch, wenn man darüber nachdenkt. Ganz abgesehen von den Nanopartikeln, Hormonen etc., welche darin schwimmen und direkt in den Körper eindringen. Wohin genau?
Übrigens:
Wussten Sie jeweils, was Sie sich da einreiben, wenn Sie sich bei den Desinfektionsspendern bedient haben?
Ihre Texte lese ich immer gerne und ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute!

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Kugler Theodor
Vor 7 Monate 1 Woche

1958 und 1962 hat die US-Marine hoch oben in der Atmosphäre Wasserstoffbomben gezündet ohne das notwendige Vorwissen, einfach zum Experimentieren oder vielleicht aus militärischen Gründen. Als Nebenwirkung entstand u. a. ein Ozonloch. Wir Bürger wurden mit der Begründung FCKW abgefertigt, was nur unbedeutend dafür verantwortlich war und ist. Was will ich sagen: Wenn wir Bürger von den Verantwortlichen offen und ehrlich informiert würden, könnten wir auch eigenverantwortlich damit umgehen (das Ozonloch lässt kosmische Strahlung durch, welche schädlich ist). Wenn wir über Corona und den Ukraine-Krieg ehrlich informiert würden, bräuchten wir vom Staat nicht bevormundet werden. Dann wäre die Macht wieder beim Volk (Demokratie).

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Maria
Vor 7 Monate 1 Woche

Mega Artikel, leider so wahr

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Kugler Theodor
Vor 7 Monate 1 Woche

1958 und 1962 hat die US-Marine hoch oben in der Atmosphäre Wasserstoffbomben gezündet ohne das notwendige Vorwissen, einfach zum Experimentieren oder vielleicht aus militärischen Gründen. Als Nebenwirkung entstand u. a. ein Ozonloch. Wir Bürger wurden mit der Begründung FCKW abgefertigt, was nur unbedeutend dafür verantwortlich war und ist. Was will ich sagen: Wenn wir Bürger von den Verantwortlichen offen und ehrlich informiert würden, könnten wir auch eigenverantwortlich damit umgehen (das Ozonloch lässt kosmische Strahlung durch, welche schädlich ist). Wenn wir über Corona und den Ukraine-Krieg ehrlich informiert würden, bräuchten wir vom Staat nicht bevormundet werden. Dann wäre die Macht wieder beim Volk (Demokratie).

7
Claudia Morel
Vor 7 Monate 1 Woche

Danke für den Artikel, das Gefühl mit dem betreuten Wohnheim habe ich auch immer häufiger, dabei fühle ich mich noch fern dieser Alterskategorie!
Doch wenn der Staat etwas verordnet, ähm anbietet, dann werde ich mittlerweile hellhörig.
Gibt es doch Studien, welche belegen wollen, dass Hautkrebs gerade durch Sonnencreme und Sonnenbrillen verursacht werden kann. Ja richtig, Sonnenbrillen. Ich habe es so verstanden, dass die Verdunkelung der Augen verhindert, dass der Körper eine dem Sonnenlicht angepasste Menge Melanin ausschüttet, welches ja die Haut schützt. Und die industriell hergestellten Cremes haben ebenfalls eine destruktive Wirkung auf die natürliche Reaktion der Haut. Tönt eigentlich logisch, wenn man darüber nachdenkt. Ganz abgesehen von den Nanopartikeln, Hormonen etc., welche darin schwimmen und direkt in den Körper eindringen. Wohin genau?
Übrigens:
Wussten Sie jeweils, was Sie sich da einreiben, wenn Sie sich bei den Desinfektionsspendern bedient haben?
Ihre Texte lese ich immer gerne und ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute!