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„Für immer Frühling“

Soffies Welt

Seit Wochen nun schon gehen Hunderttausende auf die Straßen, um gegen einen großen Teil der parlamentarischen Opposition zu demonstrieren. Oft gemeinsam mit Regierungspolitikern und mit dem Segen des Bundespräsidenten fühlt man sich fuchsig im Recht „gegen rechts“, auch wenn der Anlass höchst zweifelhaft und Deutschland eine parlamentarische Republik ist mit Mehrparteienprinzip.

Aber egal, rechts war schon immer doof, darum: „Ganz Berlin/ Hamburg/ München/ Leipzig usw. hasst die AfD!“ Es ist ja auch so herrlich erhebend, im Massenbad gemeinsam hassen zu dürfen.

Dort, wo man singt, da lass dich ruhig nieder: Die von Parteien und Massenorganisationen getragene und daher nicht ganz so spontane Bewegung hat nun ihre inoffizielle Hymne und ihren Musikstar gefunden. Mitten im kalten Winter stürmt die 24-jährige Sofie Aspacher mit „Für immer Frühling“ so ziemlich alles, was sich stürmen lässt. Auf Spotify wurde der Indiepopsong 2.033.000 Mal angehört, das Video zum Song ging auf YouTube viral (innerhalb von sechs Tagen 220.000 Aufrufe), der Instagram-Account der Newcomerin mit gerade mal 69 Beiträgen schnellte auf über 64.400 Follower hoch. Viele User unterlegen ihre Clips von den Demonstrationen mit „Für immer Frühling“. „Nachfragen nach den Noten und eigene Cover-Versionen bringen die Begeisterung der Neu-Fans zum Ausdruck“, schreibt die Berliner Zeitung in einem Porträt.

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Und das, nachdem Soffie, so ihr Künstlername („mit zwei f und ie“), am 8. Januar nur eine 35-Sekunden-Demoversion am Klavier auf TikTok hochgeladen hatte. Die wurde dort inzwischen gigantische 4,2 Millionen Mal angesehen, Soffies Account hat 93.000 Follower. Vom sozialen Netzwerk auf alle Streamingplattformen: Was für eine Punktlandung. Das richtige Timing und ein Quäntchen Glück sind eben alles. Zum Vergleich: Aspachers vor zwei Jahren erster veröffentlichter Song hatte innerhalb von sieben Tagen bloß 121 Aufrufe, und ihre TikTok-Videos dümpelten seither im dreistelligen Viewsbereich.

Eingängige Melodie, mitreißender Rhythmus, klare Stimme. „Für immer Frühling“ geht einfach ins Blut. „Kein Millimeter nach rechts“ postet die Baden-Württembergerin auf Instagram, und „es tut mir so unendlich leid, dass wir das alle gerade durchmachen müssen“, sagt Aspacher in einem Clip über ihre Motivation für das Lied.

Wer schon immer mal hören wollte, wie ohrenschmeichelnd sich der Zusammenbruch jeglicher deutscher Staatlichkeit besingen lässt, der bekommt es hier komprimiert auf vier Strophen und einer Art Refrain plus Bridge.

„Ich hab’ neulich geträumt“ beginnt Soffie im Sprechgesang.

Von einem Land, in dem für immer Frühling ist
Hier gibt es Kaviar und Hummer im Überfluss
Keine*r hier, der hungert, und niemandem ist kalt
Vanille-Eis zum Nachtisch, alle sterben alt

In das Land, in dem für immer Frühling ist
Darf jede*r kommen und jede*r gehen
Denn es gibt immer einen Platz am Tisch
Rotkarierter Stoff – keine weißen Flaggen mehr
Alle sind willkommen – kein Boot, das sinkt im Mittelmeer

Auf Instagram ist der Zuspruch für Soffie aka Oktoberklub 2.0 riesig: „Leute, das wird ’ne Hymne“ schreibt tiffytattoo2450, „Schockverliebt, hab’s heute auf ’ner Demo das erste Mal gehört und gesungen“ verkündet sabinehaak3402, „Super geiles Lied und ein klares Zeichen. Und es ist genau das, was wir im Moment brauchen!“ findet heinzoliverstech6832, nico.las_x3263 wünscht „Soffie zum ESC!!!“

„Eure Traumwelt heißt Görlitzer Park“

Und in dem Sound könnte es endlos weitergehen, wären da nicht diese leidigen Miesmacher und Ewiggestrigen, die sich in Soffies Welt nicht zurechtfinden:

„Ich war in meinem Leben noch nie rechts – und werde es nie sein! Aber dieser Staat macht mich gerade dazu, weil ich wach & sensibel bin …“ postet sabineblankenburg-0815. Oder ein User mit dem verdächtigen Namen letzte_rettung2025: „Also, das mit kalt haben die Grünen verkackt, ach ja, stimmt, Lebensmittelknappheit und Inflation sind ja auch noch Thema, hab’ ich was vergessen? Stimmt, wer soll das bezahlen, wenn unsere Wirtschaft durch die grüne Ideologie zerstört wurde!“

Ein maerkischer textet: „Find’s immer interessant, wie selbsternannte Idealisten einzig und allein im materiellen Reichtum das große Glück der Welt sehen.“ yelloinsta wendet altklug ein: „Die Jugend hat das Recht, naiv und unwissend zu sein. Wenn dein Traum zu Ende ist und du die Augen aufmachst, wirst du sehen, dass sehr fremde Menschen an deinem Tisch sitzen.“ Ein anderer ätzt: „Eure Traumwelt heißt Görlitzer Park.“

Dass am für alle und jeden gedeckten Tisch „Kaviar und Hummer“ gereicht werden, stößt freilich einer Reihe Kommentatoren sauer auf. Stellvertretend hierfür vita_ohne_li, ihres Zeichens Sangeskollegin: „Ich mag den Song total! Aber wieso gibt’s lebendig gekochte Tiere im Überfluss? Tierleid immer und überall zu normalisieren finde ich einfach nicht okay.“ Wenn die Revolution ihre Kinder frisst – zu geil!

Aber wir schweifen ab, daher weiter im Text:

In dem Land, in dem die Winter nicht so trübe sind
Ist der Himmel nur noch blau und rosarot
Kinder an die Macht
Keine hohen Mauern mehr
Karma-Konto voll
Alle Waffenspeicher leer

In dem Land, in dem die Sommer kühler sind
Hab’ ich keine Angst zu sagen, was ich fühl
Das Herz wohnt auf der Zunge
Die Sonne auf der Haut
Keine*r ist im Soll
Sag mir einfach, was du brauchst

Da reibt man sich ratlos die Augen. Leben wir eigentlich in derselben Wirklichkeit? Uns wollte immer scheinen, dass dieses Land außer Brandmauern und eingezäunten Weihnachtsmärkten auch heute schon gar keine Begrenzungen mehr kennt. Ach, und von wegen keine Angst: In Deutschland darfst du fühlen, was du lustig bist – heute fühl ich mich als Frau, morgen als Mann, alles amtlich bescheinigt –, aber Tatsachen auszusprechen, die seit Menschengedenken unbestritten waren, das überleg dir zweimal, sonst stehst du bald im Soll.

Ein Lob der vier Jahreszeiten

„Sag mir einfach, was du brauchst“: Danke für das Anerbieten aus Soffies Bedingungsloses-Grundeinkommen-Welt! Auch mein Herz wohnt auf der Zunge, und dieses Herz wünscht sich zehn Division für die Bundeswehr mindestens, damit nicht nur Soffies Konzerte ein „Safespace“ sind, „wo äh alle aufeinander aufpassen“, sondern unser ganzes Deutschland, damit wir „keine weißen Flaggen mehr hissen müssen. Dass gerade bei dieser Zeile das Münchner Siegestor im Hintergrund steht ich liebe es!

Was durch Soffies rosarote Brille sich vielleicht nicht so ganz gut erkennen lässt, was die Ukrainer aber schon hammermäßig erfahren mussten, ist, dass nämlich Putin (und womöglich auch China) nur drauf lauert, bis unsere Waffenspeicher leer sind. Darum auch sind nicht wenige besorgt, dass gerade jetzt in dieser Zeit, die Staatsmänner bräuchte, in Berlin rebellische, großgewordene Kinder an der Macht sind, denen wegen schlechter Umfragewerte der Popo auf Grundeis geht.

„Ein garstig Lied! Pfui! ein politisch Lied“ also? Aber nein doch! Wir wollen wirklich nicht so hart urteilen. Schließlich ist das alles nur ein beschwingtes Liedchen über Soffies Traum. Die hart arbeitenden Menschen da draußen, diejenigen, die eine Familie gründen, die eine Firma aufbauen, die ihr Feld bestellen, die wissen, dass das Jahr den bittren Winter kennt, den Frühling der Aussaat, das Geschenk des Sommers und den Herbst der Ernte. So erst ist das Leben komplett. Soffie macht Musik „für alle Girls, Gays und Theys und natürlich für alle Allies“, also nicht für uns, und die Kunst ist bekanntlich frei.

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Auch andere machen Musik. Vielleicht für breitere Schichten. Adrian hat, wie wir finden, die Soffie knorke gecovert. Und ebenso ein Feeling für das richtige Timing bewiesen. Adrian hat in der Deutsche-Bahn-Version neulich geträumt:

Von einem Land, in dem es immer Züge gibt
Die schnell und günstig sind
Hier braucht man Inlandsflüge nicht
Steckdosen und WLan gibt es überall
Jeder Zug kommt pünktlich, das ist hier normal

In einem Land, in dem es immer Züge gibt
Und „Genug Sitzplätze für alle“ keine Lüge ist
Wo die Klima funktioniert
Und auch im Winter, wenn es schneit
alle Züge fahren, denn die Schienen sind beheizt

Beweisen wir lieber mal, dass wir das mit der Bahn hinbekommen. Bis zum Zielbahnhof träum ich davon.

 

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Kommentar
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Arbeitnehmer
Vor 4 Monate 1 Woche

Ach meine liebe Soffie, ja ich kann dir nachfühlen, wenn du sagst: „Es tut mir so unendlich leid, dass wir das alle gerade durchmachen müssen“. Was meinst du welches Leid ich seit über vierzig Jahren tragen muss in diesem Land. Da wärest du längst dran zerbrochen.

Mehr als vier Jahrzehnte lang leide ich jetzt schon unter der Aufkündigung des antitotalitären Grundkonsens' der uns vormals frei unsere Meinung sagen ließ, statt die der Regierung. Ich leide mit und an dem deutschen Volk, dass sich so gerne einer faschistischen Diktatur beugt, diesmal in der roten Geschmackslosigkeitsrichtung "Anti". Was glaubst du, was ich alles durchmachen musste, weil Linke mein Leben zerstören wollten, mich als Mann in der Schule und am Arbeitsmarkt benachteiligten, meine Kinder in der Schule zwangsweise sexualisieren wollten, meine Steuern überallhin verschleudern und so weiter.

Ja, das Leben ist hart. Und jetzt auch für dich, du arme, *schnief*, dass du tatsächlich erleben musst, dass die Leute, die dieses Land seit Jahrzehnten tragen und dir und deinesgleichen ein müheloses Leben in Wohlstand erarbeitet haben, deine rotgrüne Diktatur scheisse finden und nicht mehr den Mund halten. Aber ich kann dir Mut machen. Es gibt genügend Schläger, die mich und meinesgleichen zusammenschlagen werden, wenn wir zu laut gegen dein linksextremes Regime opponieren. Wenn wir bösen alten weißen Männer alle von sog. "Antifaschisten" getötet wurden, dann wird zwar niemand mehr arbeiten um deinen Wohlstand zu finanzieren, aber dann musst du wenigstens nicht mehr so leiden, weil wir deine linke Diktatur scheisse finden, du arme.

Ja, ich kann dir nachfühlen, du Opfer von Umerziehung und Seelenmord. Du tust mir leid, weil sie bei dir geschafft haben, was sie mit mir auch, aber vergeblich, versucht haben. Aber vielleicht schaffst du ja doch irgendwann anzufangen, statt deines Gefühls dein Gehirn zu benutzen.

0
Sven Jürgens
Vor 3 Monate

Dieser Song ist so LINKS, wie kann man so etwas gutheißen! Ihr werdet nichts besitzen und trotzdem glücklich sein!!! Klaus Schwab wird es freuen! Die Dummen sterben nicht aus.
Viele solcher Menschen, die sich so beeinflussen lassen, sollten lieber mal über den Tellerrand hinausschauen!!!

0
Sven Jürgens
Vor 3 Monate

Dieser Song ist so LINKS, wie kann man so etwas gutheißen! Ihr werdet nichts besitzen und trotzdem glücklich sein!!! Klaus Schwab wird es freuen! Die Dummen sterben nicht aus.
Viele solcher Menschen, die sich so beeinflussen lassen, sollten lieber mal über den Tellerrand hinausschauen!!!

9
Arbeitnehmer
Vor 4 Monate 1 Woche

Ach meine liebe Soffie, ja ich kann dir nachfühlen, wenn du sagst: „Es tut mir so unendlich leid, dass wir das alle gerade durchmachen müssen“. Was meinst du welches Leid ich seit über vierzig Jahren tragen muss in diesem Land. Da wärest du längst dran zerbrochen.

Mehr als vier Jahrzehnte lang leide ich jetzt schon unter der Aufkündigung des antitotalitären Grundkonsens' der uns vormals frei unsere Meinung sagen ließ, statt die der Regierung. Ich leide mit und an dem deutschen Volk, dass sich so gerne einer faschistischen Diktatur beugt, diesmal in der roten Geschmackslosigkeitsrichtung "Anti". Was glaubst du, was ich alles durchmachen musste, weil Linke mein Leben zerstören wollten, mich als Mann in der Schule und am Arbeitsmarkt benachteiligten, meine Kinder in der Schule zwangsweise sexualisieren wollten, meine Steuern überallhin verschleudern und so weiter.

Ja, das Leben ist hart. Und jetzt auch für dich, du arme, *schnief*, dass du tatsächlich erleben musst, dass die Leute, die dieses Land seit Jahrzehnten tragen und dir und deinesgleichen ein müheloses Leben in Wohlstand erarbeitet haben, deine rotgrüne Diktatur scheisse finden und nicht mehr den Mund halten. Aber ich kann dir Mut machen. Es gibt genügend Schläger, die mich und meinesgleichen zusammenschlagen werden, wenn wir zu laut gegen dein linksextremes Regime opponieren. Wenn wir bösen alten weißen Männer alle von sog. "Antifaschisten" getötet wurden, dann wird zwar niemand mehr arbeiten um deinen Wohlstand zu finanzieren, aber dann musst du wenigstens nicht mehr so leiden, weil wir deine linke Diktatur scheisse finden, du arme.

Ja, ich kann dir nachfühlen, du Opfer von Umerziehung und Seelenmord. Du tust mir leid, weil sie bei dir geschafft haben, was sie mit mir auch, aber vergeblich, versucht haben. Aber vielleicht schaffst du ja doch irgendwann anzufangen, statt deines Gefühls dein Gehirn zu benutzen.