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Kolumne „Ein bisschen besser“

Komm mit ins Legoland

Am Samstag habe ich die Kindergrundsicherung übernommen. Das kleinste Töchterchen hat sich ein Lakritz mit brauner Ummantelung geschnappt, eins von der Firma, die, geht es nach unserem grünen Landwirtschaftsminister Cem Özdemir, künftig vor 18 Uhr nicht mehr länger Werbung machen darf.

Aber diese Lakritze funktionieren eben völlig ohne Werbung, landeten kurz im Mund, wurden dann im hohen Bogen aufs Parkett gespuckt, wobei eine braune zähe Soße durch die Lippen übers frische Kleid lief. Ich habe sofort gehandelt und ihr alles ausgezogen.

Während ich nach einer neuen Ausstattung suchte, lief dem Töchterchen etwas Pipi das Bein herunter, weswegen sie, als sie zum nächsten Lakritz lossprinten wollte, darauf ausrutschte und sich den Kopf stieß.

Robust reagieren

Diese Zeilen richten sich ausdrücklich nicht gegen Werbung verbietende Landwirtschaftsminister. Sie sollen auch nicht mitleidheischend sein. Ich würde sogar von mir sagen, dass ich an jenem Samstag robust reagierte, was neuerdings eine kriegerische Vokabel ist.

Wenn der Bundeskanzler davon spricht, dass er die Ukraine in die Lage versetzen wolle, eine robuste Antwort auf den russischen Überfall zu geben, heißt das, dass er demnächst Marschflugkörper des Typs Taurus liefert. Meine robuste Antwort war ein kurzer Anraunzer und eine frische Hose über dem entsprechenden Körperteil.

Ein bisschen besser ist es, Ausflüge in die Politik zu lassen. Mit meinem Töchterchen habe ich deswegen einen Ausflug in die Stadt gemacht und einen Gutteil des Vormittags im Lego-Laden verbracht.

Er lebt davon, dass Eltern, die einst mit den bunten Klötzchen spielten und noch aus der Schreibmaschinen-Generation stammen, mit leuchtenden Augen vor einem Lego-Baukasten stehen, mit dem sich eine solche Schreibmaschine bauen lässt, während der Nachwuchs per App einen Lego-Bausatz zusammenkonfiguriert und die Jüngsten munter im Laden die Steine verstreuen, die so verdammt wehtun, wenn ich barfuß drauftrete.

„Liberté, Egalité, Beaujolais“

Das ist noch genauso wie früher, der Rest ist neu und ich zieh den Hut vor den Lego-Managern, die mit Macht in die Zukunft ziehen.

Anschließend habe ich meine Frau Judith auf einen Wein neben dem Legoladen getroffen. Uns beide zieht es nur sanft in die Zukunft. Wir sind mehr die Brückenbauer zwischen Konfigurationsapp und Schreibmaschine. Wir spucken mit Lakritze in die neue Zeit und genießen die alte. Wir verteidigen robust unsere Werte. „Wie heißen deine?“, fragt Judith. „Liberté, Egalité, Beaujolais“, sage ich. „Und deine?“. „Gerechtigkeit“, sagt sie, worauf ich ihr das Glas penibel so voll gieße wie meins und denke, dass ich einmal Pipiwegwischen gut habe.

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