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Kolumne „Der Schweizer Blick“

Sehnsucht nach dem Hitzetod

Die Schweiz hat, wie auch ihre Nachbarn, eine hitzige Woche hinter sich. Aber keine gewöhnliche. Sondern eine rekordverdächtige. 

Der Wetterfrosch der Nation, Thomas Bucheli, theoretisch bereits pensionierter Leiter der „Meteo“-Redaktion beim Schweizer Fernsehen (SRF), der noch etwas in Teilzeit weiterwirkt, verkündete in der Wettersendung: Das, was man gerade erlebe, habe vorher noch kein Mensch so gesehen. Die Ballung von Hitzetagen sei historisch und unerreicht seit vielen Jahrzehnten. Nicht einmal, wer schon beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs etwas mitbekam, kann jemals so heiß gehabt haben wie es vorige Woche war.

Das lässt sich ganz bestimmt statistisch erhärten, zumal man mit dem Beginn der offiziellen Temperaturmessungen ja nach Bedarf jonglieren kann. Aber wer nicht ganz jung ist, steht unter dem Eindruck, 2003 bereits ähnlich gelitten zu haben. Vielleicht waren es zwei Grad weniger. Vielleicht waren es zwei Hitzetage in Folge weniger. Aber daraus einen alarmierenden, nie erreichten Rekord zu zimmern, der nun bitte umgehend politische Maßnahmen zur Folge haben muss, ist reichlich gewagt.

Warnende Worte und Bilder

Auch der frühere Wetterfrosch der Nation, der in Deutschland bestens bekannte Jörg Kachelmann, verbreitete dieselbe Botschaft, einfach in der ihm eigenen Sprache mit charmanten Ausdrücken wie „Kartoffelwürstchen“ und „bescheuert“.

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Wer war zuerst, Bucheli oder Kachelmann? Wer hat wen kopiert mit der exakt selben Botschaft? Es war zu heiß, um das zu überprüfen, und es spielt auch keine Rolle. Entscheidend ist, dass jeder, der mit Wetter zu tun hat und klimamissionarisch unterwegs ist, dieser Tage ganz dringend verkünden musste, wie einmalig die kurze Hitzeperiode doch war.

Worte reichen dafür nicht, man muss den nahenden Hitzetod für schlichtere Gemüter auch mit der Kraft des Bildes zeigen. Das Schweizer Fernsehen ist schon lange dazu übergegangen, in der Wettersendung sogar schon Temperaturen, die fast jeder als äußerst angenehm und sommertypisch wahrnimmt, im grellen Rot abzubilden. Wetterkarten sehen heute aus wie ein Vulkanausbruch.

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Das aber sei keineswegs politisch motiviert, heißt es bei SRF. Die neue Farbgestaltung sei nur der besseren Lesbarkeit geschuldet. Die Temperaturangaben sind seit Beginn der Greta-Ära also nur deshalb immer mehr ins Rot gerutscht, weil sich dann die Zahlen auf dem Schirm besser lesen lassen? Es war ja wirklich heiß, aber so viele Synapsen können auch bei 35 Grad nicht durchschmoren, dass man diese Erzählung glaubt.

Steuergelder für Selbstverständlichkeiten

Nun ist zwar anzunehmen, dass die meisten Leute in der vergangenen Woche wahrgenommen haben, wie heiß es war. Und ganz selbstverständlich ihr Verhalten angepasst haben. Väterchen Staat darf aber nichts dem Zufall überlassen. Es kann daher dennoch nicht schaden, darauf aufmerksam zu machen. 

Die Stadt Zürich erstellte einen kurzen Videoclip, der erstaunliche Einsichten lieferte. Ist es heiß, solle man seinen Körper kühlen, mehr Wasser trinken, Fenster und Rollläden schließen sowie Anstrengungen vermeiden.

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Diese Aktion war so löblich wie dringend nötig. Denn ohne diese Tipps wären die meisten Leute versucht gewesen, sich zuerst einige Tage lang systematisch zu dehydrieren, um dann mittags um 12 Uhr mit einem portablen Holzkohlegrill in den Händen in der prallen Sonne joggen zu gehen, um sich auf den nächsten Marathon vorzubereiten.

Ironischerweise wird die Stadt Zürich mit Garantie beim Wintereinbruch in einigen Monaten nicht im selben Stil vor der Kälte warnen. Obschon erwiesenermaßen weltweit fünf bis zehn Mal mehr Menschen den Kälte- als den Hitzetod sterben. Wer zu erfrieren droht, ist eben ein schlechter Botschafter der globalen Erwärmung und muss daher nicht geschützt werden. Es gibt gute und schlechte Tote.

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Lieber Apokalypse als Lebensfreude

Dass Politiker mit einem bestimmten Einschlag ein paar aneinandergereihte Hitzetage nützen, um Panik schüren, ist zwar unschön, aber nachvollziehbar. Links-grüne Kreise in der Schweiz trommeln mit dem Argument des Klimaschutzes seit Jahren für Einschränkungen und Verbote quer durch alle Lebensbereiche, wollen aber in Wahrheit einfach eine Gesellschaft, in der alles ausradiert wird, was ansatzweise Freude bereiten kann. 

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Wie willfährig aber Behörden und Medienschaffende dabei mitmachen, ist weit beunruhigender. Niemand zwingt das öffentlich-rechtliche Fernsehen, die Angst mit tiefroten Grafiken zu schüren. Keiner zwingt eine städtische Stelle, einen Ratgeber rund um Selbstverständlichkeiten zu verfilmen. Und für beides zahlt der einfache Bürger, der mehrheitlich mit Garantie weder das eine noch das andere will.

Noch vor wenigen Jahren wäre eine heiße Periode im späten Juni als Geschenk gefeiert worden, um sich in einen See zu stürzen oder bis spätabends mit Freunden draußen zu feiern. Heute werden uns dieselben Bedingungen – ob nun mit dem einen Grad mehr oder weniger – verkauft als Vorbote der nahenden Apokalypse. 

Und schon bald wird man sich dann wieder darüber wundern, dass die Therapie- und Psychiatrieplätze im Land völlig überlaufen sind. Nachdem man jahrelang Ängste geschürt hat.

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