Per Telefon gegen Gewalt
Ursprünglich war November 2025 für die Einführung geplant, dann erwies sich das Unterfangen doch als komplexer, nun wird es Mai 2026. Die Rede ist vom Startschuss für einen neuen Kurzwahldienst unter der Telefonnummer 142. Dort erreicht man in der Schweiz künftig die nationale Opferberatung. Gedacht ist diese vor allem für Menschen, die unter häuslicher Gewalt leiden.
Die Kurznummer ist nur eine von diversen geplanten Maßnahmen. Das Waffenrecht soll revidiert und ein neues schweizweites Gewaltschutzgesetz eingeführt werden. Die Offensive ist einer Zunahme an Gewalt gegen Frauen geschuldet. 2025 wurden 14 Morde an Frauen als „Femizid“ eingestuft, sprich: Die Opfer wurden in erster Linie getötet, weil sie Frauen waren, zumeist in einem Beziehungsdelikt.
Reduktion auf „Männer“
Der Begriff Femizid ist keine offizielle Kategorie, sondern eine politisch-mediale. Sie wird vor allem von linken Kräften verwendet, um ein Machtgefälle zwischen Mann und Frau zu verdeutlichen, das oft in Gewalt münde. Es ist eine Art feministischer Kampfbegriff. Dieser setzt auf die willkürliche Reduktion auf die Geschlechterfrage mit dem Ergebnis einer verzerrten Realität.
Dass häusliche Gewalt ein zunehmendes Problem ist, dem man begegnen soll, ist keine Frage, das zeigen die nackten Zahlen. 2024 nahmen sie gegenüber dem Vorjahr um über sechs Prozent zu. Den Opfern eine einprägsame Kurznummer zur Verfügung zu stellen, unter der sie schnelle Hilfe erhalten, ist sicher keine schlechte Idee. Damit stellt man dem Phänomen aber nichts wirklich entgegen.
Bei den mehr als 21.000 Fällen von häuslicher Gewalt 2024 waren 46 Prozent der polizeilich erfassten Beschuldigten Ausländer. Diese machten zu jener Zeit rund 27 Prozent der Wohnbevölkerung in der Schweiz aus. Zugewanderte, die später eingebürgert wurden, sind hier nicht erfasst, da der vormalige Status in der Kriminalitätsstatistik nicht ausgewiesen wird. Es ist ein offensichtliches Missverhältnis. Gestützt wird es von Daten, die zeigen, dass Ausländerinnen auch überproportional oft Schutz in sogenannten Frauenhäusern suchen.
Herkunftsfrage wird ausgeklammert
Es gibt also zwei einfache Wahrheiten. Erstens: Häusliche Gewalt geht nicht immer, aber in den meisten Fällen von Männern aus. Und zweitens geht sie nicht immer, aber in überproportional vielen Fällen, mutmaßlich mehrheitlich, von Ausländern oder von inzwischen eingebürgerten Migranten aus.
Beide Feststellungen sind wichtig, wenn man die potenziellen Opfer schützen will. Die Politik mag sich aber nur mit der ersten beschäftigen und stellt fest: Die Männer sind das Problem, über deren Herkunft sprechen wir nicht.
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Das zeigt sich auch bei einer aktuellen Kampagne der Stadt Zürich unter dem Titel „Gewalt macht dich nicht zum Mann. Zuhören schon“. Potenziellen Tätern soll Vernunft eingetrichtert werden, indem man sie auffordert, ihre Männlichkeit zu überdenken.
Sämtliche Plakate mit unterschiedlichen Botschaften dieser Art sind auf Deutsch verfasst. Dabei würde ein Blick in die Kriminalstatistik reichen, um zu merken: Ein großer Teil der Betroffenen wird diese Form der Laienpsychologie sprachlich gar nicht erst verstehen. Und ein weiterer Teil wird aufgrund seiner kulturellen Prägung wenig zugänglich sein für die Aufforderung, er solle der Frau doch bitte zuhören.
Aktionen am Ziel vorbei
Wer eine solche Kampagne entwirft, verschließt den Blick vor der Realität. Er möchte das Gefühl haben, etwas zu unternehmen, aktiv zu werden, aber um das eigentliche Resultat kann es diesen Leuten nicht gehen.
Ansonsten würden sie die offensichtlichen Zielgruppen direkt und in deren Muttersprachen adressieren. Man würde die Kinder von Migranten in der Schule über unsere abendländischen Werte unterrichten, statt Schweizer Kinder in die Geheimnisse von Ramadan einzuführen. Man würde die staatliche Beratung von Migranten auf die Integration in unsere Gesellschaft ausrichten, statt Ratgeber für den Bezug möglichst vieler Unterstützungsangebote zu spielen.
Der Staat hat die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass sich die Menschen in ihrem Land sicher fühlen. Das gilt nicht nur, aber besonders für die eigenen vier Wände. Stellt man fest, dass das zunehmend nicht mehr der Fall ist, muss man die Ursachen schonungslos untersuchen und, wenn einmal gefunden, klar benennen und danach Vorkehrungen treffen. Doch eine einprägsame Telefonnummer aufzusetzen und an einem schärferen Waffengesetz zu schrauben, hält niemanden davon ab, zum Küchenmesser zu greifen.
Die Verfügbarkeit von potenziell tödlichen Waffen wird man nie verhindern können. Die Frage ist vielmehr, ob einer findet, es sei völlig in Ordnung, sie auch einzusetzen. Die Zahlen zeigen klar: Die Mehrheit der Menschen, die das denken, erreicht man nicht mit der (deutschsprachigen) Botschaft, dass nur gute Zuhörer echte Männer sind. Denn ihr Bild eines Mannes ist ein ganz anderes.
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Kommentare
Bemerkenswert: in bestimmten politischen Kreisen wehrt man sich sonst vehement dagegen, dass der Staat sich in einer anderen Sprache als der Landessprache an Zuwanderer wendet. Der Migrant hat Deutsch zu verstehen, sonst hat er halt Pech gehabt. Hier ist es nun offenbar erwünscht, denn hier würde die Anwendung der Fremdsprache ja nicht in erster Linie der Hilfe dem Angesprochenen gegenüber dienen, sondern der Selbstversicherung der Nicht-Migranten, dass das Problem (Gewalt gegen Frauen) ja mit ihnen nichts zu tun hat.