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Kolumne „Das liebe Geld“

Die ziemlich realen Bedrohungen für unser Vermögen

Die Welt von Sparern und Anlegern ist irgendwie auf den Kopf gestellt. Haben Sie auch das Gefühl? Fast schon gebetsmühlenartig wird seit Jahren vor der Inflation gewarnt und davor, was sie für unseren Vermögensaufbau und vor allem unsere Altersvorsorge bedeutet. Jahrelang war das aber irgendwie ein kaum greifbarer Effekt. Das Inflationsgespenst war alles andere als real. Aber es war da, auch bevor die Inflation in jüngster Vergangenheit auf über zehn Prozent hochschnellte und seither nur langsam sinkt. Doch in den vergangenen 18 Monaten war das Gespenst sehr greifbar, an der Tankstelle, bei den Nebenkosten oder im Supermarkt. Die Inflation hat unser Leben verdammt teuer gemacht.

Und selbst wenn sie immer weiter sinkt, die Preise aus dem Frühjahr 2020, also vor der Corona-Krise sowie den steigenden Energiepreisen in Folge des Ukraine-Krieges, werden wir wohl nicht wieder sehen. Aber immerhin steigen sie nicht mehr so stark. Unser Geld ist aber sehr viel weniger wert als vor vier Jahren – Stichwort Kaufkraftverlust. Dieser Effekt war aber langfristig auch schon bei Inflationsraten von 1,5 Prozent schon ein Problem. Nur hat man es nicht so wirklich gespürt und konnte sich den langfristigen Schaden auch nicht wirklich vorstellen. Er war aber da! Diese Lektion haben wir nun alle gelernt, oder?

Und dann sind da die Zinsen. Jahrelang waren sie quasi abgeschafft. Doch im Sommer 2021 kam die Wende. Endlich gibt es wieder Zinsen! Die Notenbanken haben sie kräftig erhöht. So wollen sie die Inflation bekämpfen. Es klappt auch. Nur leider liegen die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld immer noch unterhalb der Inflationsrate. Im Schnitt gibt es beispielsweise für Tagesgeld gerade zwei Prozent pro Jahr. Bei einer Inflation von knapp vier Prozent ist der Realzins noch immer deutlich negativ – mehr dazu schrieb ich in meiner Oktober-Kolumne.

Vor allem Frauen ändern ihr Anlageverhalten

Fakt ist leider: Das Leben ist, wird und bleibt teurer, die Zinsen bleiben hoch, gleichen den Kaufkraftverlust aber meistens nicht aus. Vermögensaufbau geht anders. Wie gehen die Deutschen damit um? Wie stark beeinflussen Inflation und Zinserhöhungen das Anlageverhalten von Männern und Frauen? Gibt es überhaupt einen Unterschied? Dem ist J.P. Morgan Asset Management nachgegangen.

Das Ergebnis zeigt, dass die aktuellen Entwicklungen vor allem starke Auswirkungen auf das Anlageverhalten von Frauen haben. Jede zweite Frau (49 Prozent) spart aufgrund der hohen Inflation weniger oder gar nichts mehr – im Vergleich sind es 42 Prozent der Männer. 36 Prozent der Frauen nutzen in Folge der Zinserhöhungen wieder stärker Tagesgeld und Sparbuch anstatt Investmentfonds, ETFs oder Aktien – bei den Männern sind es 28 Prozent.

Insgesamt setzt derzeit fast jede zweite Frau auf das Sparbuch, bei Männern ist es mit 36 Prozent nur rund jeder Dritte. Dabei ist mit der Entwicklung ihrer Sparprodukte nur rund jede vierte Frau zufrieden (26 Prozent).

Aktien bringen langfristig die besseren Renditen

Das sind keine guten Entwicklungen. Weniger zu sparen, weniger anzulegen, das könnte langfristig zu einem Problem werden, vor allem mit Blick auf die Altersvorsorge. Natürlich: Wenn das Leben immer teurer wird, dann fehlt das Geld um zu investieren. Denn an der Börse sollten Sie nur Geld anlegen, das Sie in den kommenden zehn Jahren oder besser noch länger nicht brauchen. Wenn Sie den Gürtel enger schnallen müssen, dann geht das vielleicht nicht mehr.

Aber „nur“ noch Sparen, weil es wieder höhere Zinsen gibt? Das wäre eine Fehlentscheidung. Denn langfristig bringen Aktien die besseren Renditen – das war immer schon so, und ich bin überzeugt, dass es auch weiterhin so bleiben wird. Lassen Sie sich bitte nicht von den gefühlt ach so hohen Zinsen in die Irre führen. Denn damit torpedieren Sie Ihren Vermögensaufbau.

 

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