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Linke Aufregung um Felix Nmecha

Warum es das Christentum gerade jetzt wieder braucht

„Platzverweis für Jesus“, titelt die Taz am Montag. Felix Nmecha sei ein „Fußballprofi mit Christusfimmel“, der seinen Glauben „wie eine Monstranz“ vor sich hertragen würde. Dahinter stünde, so Autor Andreas Rüttenauer, „ein finsteres Weltbild“. Es ist immer wieder spannend zu beobachten, zu welch drastischer Religionskritik das linksjournalistische Spektrum in der Lage ist, wenn es nicht gerade um den Islam geht. 

Dabei war alles, was Deutschlands Nummer 23 nach dem Auftaktspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft tat: beten. Und das auch noch gemeinsam mit Spielern des kleinen Inselstaates Curaçao, die man zuvor mit 7:1 vom Platz gefegt hatte. Eine friedliche und vereinende Geste unter Christen. Nicht mehr und nicht weniger. Was kann daran schon stören? Wie es scheint, einiges.

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Das liegt mitunter daran, dass Nmecha in linken Kreisen schon vorher als „umstritten“ galt, weil er in den sozialen Medien unter anderem einen Eintrag des konservativen US-Aktivisten Matt Walsh teilte, der durch die transkritische Doku „What is a woman“ auch zu internationaler Bekanntheit gelangte. Seither gilt der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund als trans- und homophob. Obendrein trauerte der 25-Jährige öffentlich um den christlichen MAGA-Supporter Charlie Kirk. Der Post musste auf Druck des BVB schließlich geändert werden. Immerhin entscheiden hierzulande immer noch die Linken, um wen getrauert werden darf und um wen nicht.

Es ist das offensive Ausleben des christlichen Glaubens, das viele Linke so triggert

Und dennoch glaube ich nicht, dass die mitunter harsche Kritik an Felix Nmecha primär auf seine „umstrittenen“ Postings zurückzuführen ist. Zumal man im linken Spektrum eigentlich sehr vorsichtig ist, wenn es um Kritik an jemandem geht, der nicht wie der klassisch blonde „Teutone“ aussieht. Man möchte ja schließlich nicht in den Verdacht geraten, rassistisch zu sein.

Nein, es ist das offensive Ausleben des christlichen Glaubens, das viele Linke so unfassbar triggert, verbunden mit der Abneigung gegenüber all jenen Menschen mit Migrationshintergrund oder auch nur etwas dunklerer Hautfarbe, die nicht dem linken Weltbild zuarbeiten. Kurzum: Wäre Nmecha wie Antonio Rüdiger gläubiger Moslem, wäre es eine völlig andere Geschichte.

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Das hier hat nichts mit Nmechas vermeintlichem christlichen Fundamentalismus zu tun, sondern, ganz im Gegenteil, mit der Entfremdung der Deutschen von ihren eigenen kulturellen und religiösen Wurzeln. Was wir bei Muslimen als völlig normal wahrnehmen, also beten, religiöse Gesten etc., empfinden viele von uns bei einem Christen als befremdlich. 

Der Islam hat für die meisten Deutschen immer noch etwas Exotisches an sich, mit dem man in seiner Alltagswelt nur wenig bis keine Berührungspunkte aufweist. Erst recht, wenn der eigene Freundeskreis primär aus grünwählenden Biodeutschen besteht. Eine fremde Welt, die genau deshalb mehr Narrenfreiheit und Toleranz genießt als die eigene christlich-abendländische Kultur, derer man sich in den letzten Jahrzehnten immer mehr entledigt hat.

Auch darum wird eine mögliche Revitalisierung des christlichen Glaubens deutlich kritischer beobachtet als die reale Gefahr der zunehmenden Islamisierung des europäischen Kontinents. Selbst wenn das Christentum, im Gegensatz zum Islam, eine Aufklärung hinter sich hat.

Kritik am Christentum erfordert keinen Mut, Kritik am Islam umso mehr

Es ist der antrainierte Hass auf das Eigene und die Verherrlichung des Fremden, wie wir es seit Jahren und Jahrzehnten beobachten können. Dazu kommt: Kritik am Christentum erfordert keinen Mut. Kritik am Islam umso mehr. Deshalb machen sich Comedians wie Carolin Kebekus seit Jahren über das Christentum lustig, aber nie über die Religion, deren Anhänger gerne auch mal etwas ungehalten reagieren, wenn man sie kritisiert. Dabei sollte ihnen genau dieser Umstand eigentlich aufzeigen, von welcher Glaubensgemeinschaft die eigentliche Gefahr ausgeht.

Ich war nie der Meinung, dass vom Christentum irgendeine Gefahr ausgeht. Ehrlicherweise sah ich, ähnlich wie viele Linke, jahrelang jedoch auch keinen Sinn mehr in Religion und Glauben. Wie viele meiner Generation vertrat ich die Auffassung, dass Religion ein überholtes Konzept sei. Dass es nicht mehr Religion in unserem Alltag bräuchte, sondern weniger. Eine Krücke, die Menschen davor bewahrt, die volle Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen.

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Heute sehe ich das differenzierter. Radikaler Atheismus ist nicht nur anstrengend, weil er die volle Verantwortung auf das Individuum überträgt, er hinterlässt bei vielen Menschen vor allem auch eine spirituelle Lücke, die wiederum Raum für ideologischen Nonsens schafft, der in den vergangenen Jahren zur realen Gefahr erwachsen ist.

In diesem Kulturkampf können wir ohne Göttliches nicht bestehen

Ja, irgendwie hatte ich immer den naiven Traum, dass der Liberalismus, der gesellschaftliche Freiheitsgedanke ausreicht, um diese Lücke zu füllen, um zu wissen, wofür man hier kämpft. Einfach, weil es bei mir immer so war. Heute weiß ich, dass das in einem Land wie Deutschland, das schon immer mit dem liberalen Freiheitsgedanken gefremdelt hat und über eine hohe Anfälligkeit für den Kollektivismus verfügt, nicht funktioniert.

Dass die meisten Menschen mehr brauchen als ein gesellschaftliches System und ihre individuelle Freiheit, etwas, an das sie glauben und für das sie kämpfen können. Es braucht etwas Höheres. Etwas, das mitunter auch gar nicht zu erklären ist. Das nicht weltlich, sondern göttlich ist. Weil auch nur dadurch eine Augenhöhe in diesem Kulturkampf entsteht, den viele Bürger dieses Landes, einschließlich Politiker und Medienschaffende, bis heute nicht sehen wollen.

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Wer dem spirituellen Eroberungsfeldzug des Islams Einhalt gebieten will, muss ihm etwas Spirituelles entgegensetzen. Das weiß ich heute. Und nein, das meint keinen blutigen Glaubenskrieg wie in früheren Zeiten. Vielmehr geht es darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, woher wir kommen, was unsere eigene Kultur und Werte ausmacht und worum wir folglich kämpfen. Eine spirituelle Flankierung, die uns wieder klarmacht, wer wir eigentlich selbst sind, damit wir auch in Zukunft wissen, wer wir als Europäer, als Deutsche, als Christen sein wollen.

Und genau davor fürchtet sich die politische Linke

Und genau davor fürchtet sich die politische Linke. Vor Menschen, die, wie Muslime, plötzlich wieder eine Identität haben. Etwas, woran sie glauben können. Weil sie dann nicht anfällig für ihre ideologischen Lügen sind, für Kulturrelativismus und Selbstverleugnung.

Man kann viel Kraft aus dem Glauben ziehen. Menschen wie Nmecha zeigen das besser auf als jeder woke Kirchentag. Und niemand fürchtet diese Kraft der Menschen mehr als ein politisches Spektrum, das seine Macht auf sozialer Repression errichtet.

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