Der christliche Mann – ein Auslaufmodell?
In einer Zeit gesellschaftlicher Umbrüche fällt es vielen Männern zunehmend schwer, ihre eigene Identität und Berufung zu finden. Zwischen sich wandelnden Rollenbildern, Debatten über Geschlecht und Individualität gerät oft der Blick auf den Ursprung des Mannes aus dem Fokus: die Schöpfung durch Gott. Die Heilige Schrift berichtet davon, dass Gott den Menschen als Mann und Frau erschaffen hat. Doch welche Bedeutung hat das heute noch?
Männlichkeit erschöpft sich nicht in biologischen Merkmalen, körperlicher Stärke oder gesellschaftlichen Klischees. Der christliche Glaube zeichnet ein tieferes Bild vom Mannsein, eines, das Verantwortung, Liebe, Opferbereitschaft und geistige Reife umfasst.
Der christliche Mann übernimmt Verantwortung
Ein Mann ist jemand, der Verantwortung übernimmt: für seine Familie, für seine Mitmenschen und vor allem gegenüber Gott, denn Christus ist das Haupt des Mannes, der Mann aber das Haupt der Frau (1 Kor 11,3). Diese Stelle lädt dazu ein, missverstanden zu werden. Gemeint ist keine Überlegenheit des Mannes, sondern eine Verantwortung, die sich am Vorbild Christi orientiert. Christus herrscht nicht durch Macht, sondern durch Liebe und Hingabe. Diese Liebe gipfelt schließlich im Kreuzestod.
Verantwortung, Liebe und Hingabe können im konkreten Familienalltag etwa bedeuten, dass der christliche Vater nach einem langen problemreichen Arbeitstag bei der Rückkehr zu seiner Familie nicht die Arbeitstasche beiseitelegt und schlafen geht. Stattdessen hört er zu, hilft abends (und auch sonst) noch mit im Haushalt, nimmt sich Zeit für seine Frau und seine Kinder. Er kümmert sich nicht zunächst um sich selbst, sondern um die Sorgen und Nöte, die in seiner Familie auf ihn warten. Gerade darin spiegelt sich das christliche Verständnis von Leitung wider: Der Mann herrscht nicht oder übt Macht aus, nein, er vollbringt einen Dienst aus Liebe, ebenso wie Christus seine Jünger nicht beherrscht hat, sondern ihnen diente, ihnen sogar die Füße gewaschen hat (Joh 13,1-20).
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Dafür braucht der christliche Mann Mut: Mut, Entscheidungen zu treffen, Schwierigkeiten auszuhalten und im Ernstfall für andere einzustehen, so wie David, der für sein Volk eingestanden ist, Verantwortung übernommen hat und Goliath im Kampf besiegt hat (1 Sam 17). Ein christlicher Mann sucht nicht zuerst Bequemlichkeit oder Selbstverwirklichung, sondern fragt danach, wie er dienen kann.
Der christliche Mann liebt
Zur Berufung des Mannes gehört ebenso die Liebe. Der Mann ist zur treuen, verbindlichen und fruchtbaren Liebe berufen. Er soll Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden (Gen 2,24).
Wahre Liebe ist weit mehr als Emotion oder bloße Anziehung. Sie verlangt Achtung, Treue und Selbsthingabe. Wo Liebe nur auf Lust oder Egoismus reduziert wird, verliert der Mensch seine Würde. Gerade die heutige Kultur, die Beziehungen oft oberflächlich versteht, braucht wieder Männer, die lieben können, ohne zu benutzen. Der andere Mensch darf niemals zum Objekt eigener Bedürfnisse werden. Eheliche Liebe muss dabei stets von Achtung und Verantwortung geprägt sein. (Humanae Vitae, 9 und 17)
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Die Liebe bildet nicht nur den Kern für die Verantwortung, sondern für jede Beziehung. Ein Mann soll seine Frau so lieben, wie auch Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat (Eph 5,25). Eine Liebe, die opferbereit, treu und dienend ist. Der Mann soll seine Frau nicht beherrschen, sondern sie schützen, stärken und ihr helfen, in ihrer eigenen Berufung zu wachsen. Gerade darin zeigt sich wahre Stärke: nicht im Beherrschen anderer, sondern im Beherrschen seiner selbst.
Besonders deutlich zeigt sich diese Liebe in Zeiten der Belastung, beispielsweise nach der Geburt eines Kindes, wenn das Leben neu geordnet werden muss. Zieht sich der Mann zurück, bleibt die Frau oft überfordert und allein. Der christliche Mann hingegen hilft im Alltag und vermittelt seiner Frau auch in emotional aufgeladenen Situationen verlässlich, dass sie geliebt ist. Denn die „Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht verbissen, sie prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab. Liebe verletzt nicht den Anstand und sucht nicht den eigenen Vorteil, sie lässt sich nicht reizen und ist nicht nachtragend. Liebe nimmt alles auf sich, sie verliert nie den Glauben oder die Hoffnung und hält durch bis zum Ende.“ (1 Kor 13, 4-5,7)
Der christliche Mann braucht Gemeinschaft
Der christliche Mann ist nicht dazu geschaffen, allein zu sein. Freundschaft und Gemeinschaft gehören wesentlich zum Leben eines Mannes. „Eisen wird an Eisen geschliffen; so schleift einer den Charakter des anderen.“ (Spr 27,17)
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Männer brauchen andere Männer, die sich gegenseitig unterstützen, stärken und aufrichten. Echte Freundschaften schenken Orientierung, Halt und Ermutigung — besonders in Zeiten von Zweifel, Versuchung oder Überforderung. Freundschaft bedeutet deshalb nicht bloß gemeinsame Freizeitgestaltung, sondern gegenseitige Unterstützung.
Ein guter Freund erinnert an die Wahrheit, korrigiert liebevoll und hilft, den eigenen Weg nicht zu verlassen. Die tiefste Freundschaft aber findet der Mensch in Christus selbst, denn er ist es, der uns Freunde nennt (Joh 15,15).
Der christliche Mann heute
Ist der christliche Mann ein Auslaufmodell? Ein Mann, der Verantwortung übernimmt, treu liebt, seine Familie schützt, für seinen Glauben einsteht und sich selbst nicht zum Mittelpunkt macht, passt nicht immer in den Zeitgeist.
Dennoch bleibt genau diese Form von Männlichkeit aktuell. Denn die Sehnsucht nach Orientierung, Verlässlichkeit, Stärke und echter Liebe verschwindet nie. Der christliche Mann ist nicht zur Hartherzigkeit berufen, sondern zur Standhaftigkeit. Nicht zur Herrschaft, sondern zum Dienst. Nicht zur Selbstsucht, sondern zur Hingabe.
Unsere Zeit braucht deshalb wieder Männer, die den Mut haben, wirklich Männer zu sein — nicht nach wechselnden gesellschaftlichen Vorstellungen, sondern nach dem Vorbild Christi. Männer wie David, die Verantwortung übernehmen und Mut beweisen auch dann, wenn die Situation ausweglos scheint (1 Sam 17).
Den vielen Männern, die heute keinen Sinn, keine Aufgabe und keine klare Richtung im Leben finden und darunter leiden, würde diese Einsicht aus der Misere helfen.
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Kommentare
Der christliche Mann hilft also, wenn er am Abend nach einem langen Arbeitstag heimkommt, und er hilft, wenn ein Kind auf die Welt kommt und das Familienleben neu geordnet werden muss.
Ich spitze zu: Welch ein Gnadenerweis des verantwortungsvollen, christlichen Mannes.
Wieso wird hier eigentlich immer implizit vorausgesetzt, der Mann tätigt Erwerbsarbeit, und die Frau macht daheim die 'care'-Arbeit, wie es neuerdings heißt? Der Katechismus lehrt eine ganze Menge wertvoller Dinge über die Ehe, aber nicht das.
Was hier formuliert wird, das ist ein Minimalprogramm, das mMn von gegenseitiger Unterstützung, Subsidiarität und Solidarität in der Ehe noch sehr weit entfernt ist.
@Braunmüller Ach, Frau Braunmüller, man kann natürlich immer ein Haar in der Suppe finden ... 😉
Auch ich könnte jetzt kritisch nachfragen, ob mir ein Jungspund ohne Berufserfahrung (und mutmaßlich ohne eigene Familie) das Leben im Allgemeinen und meine Identität als Mann in Besonderen erklären will!? Aber ich finde seine Gedanken vernünftig, gutwillig und ehrenwert, zumindest will ich ihm mit Goethe zugestehen: "Wer redlich sich bemüht, den können wir erlösen." 👍
Klar kann man auch fragen, ob das Gesagte nicht genauso - vielleicht mit etwas anderer Gewichtung - für Frauen gilt. Was man nicht sagen kann, ist, dass er die Hausfrauenehe einfordert. Davon sagt er nämlich kein Sterbenswort!!! In diesem Punkt reden Sie von Ihrer eigenen Gedankenwelt und Ihten eigenen Triggern ... 😉
(Ja, den Mann sieht er als berufstätig. Aber mal ehrlich: Welche Frau hat vor einem reinen Hausmann auch nur einen Funken Respekt!?? Herr Käsmann wurde auch von seiner emanzipierten Bischöfin geschieden, nachdem er die vier Kinder großgezogen hatte - in diesem Punkt sind Frauen keinesfalls besser als Männer.)
So gesehen wünsche ich Herrn Mark viel Glück und Gottes Segen auf seinem familiären wie beruflichen Lebensweg. Möge sein Idealismus erhalten bleiben! 👍
Lieber David, obwohl hundemüde hat mich dieser Artikel gefesselt.
Weiter in diese Richtung, kann gut sein, dass damit ein paar wachgerüttelt werden. Ich werde es fleißig teilen. Dankbar Dich zu kennen, bis bald Monika
Zum Thema "toxische Männlichkeit" - ein Klassiker klärt auf:
Die Wunde des fehlenden Vaters - Selbstermächtigung oder Kastration -
Warum wir das Schwert brauchen - Wagners 'Walküre' als Therapie
Beginnen wir mit der Zeitdiagnose:
"Männer verwandeln sich langsam, aber sicher in ewige Jugendliche ohne klares Initiationsritual, das ihren Eintritt in das Dasein als Erwachsene markieren würde (weder der Wehrdienst noch die Berufswahl, ja nicht einmal die Ausbildung erfüllen mehr diesen Zweck)." So der Philosoph Slavoj Žižek.
Väter und Söhne (und Männerbünde) - das war gestern. Sollte man nicht hier Kritik am zeitgeistkonformen Leitbild der Effeminierung üben? Ein Versuch:
Ein Drama zeigt uns den Weg - Wagners 'Walküre' als Initiation: "Ein Schwert verhieß mir der Vater"
Im ersten Akt der 'Walküre' entwickelt Richard Wagner gleichsam den "Siegmund-Komplex" - die Wunde des fehlenden Vaters:
"Ein Schwert verhieß mir der Vater,
ich fänd' es in höchster Not.
Waffenlos fiel ich
in Feindeshaus ..."
Wagner enthüllt hier eine abgründige (gegen-)ödipale Dynamik:
In dem Augenblick, als dem unbehausten und ohnmächtigen Siegmund die erste Frau begegnet, die ihn erotisch fasziniert, und er einen Kampf auf Leben und Tod mit einem anderen Mann bestehen muß, erinnert er sich an Vater und Schwert - der Vater als Vertreter und Überbringer von Macht, Selbstgewißheit, erotischer Potenz, wertvollem Erbe. Die Erinnerung und der Notschrei nach dem Vater ("Wälse! Wälse! Wo ist dein Schwert?") wird zu einem befreienden Akt der Selbstermächtigung - die Musik unterstreicht das eindrucksvoll.
Diese "Väter mit dem Schwert" (auch deren Väter, also die Großväter) wurden gerade von den Achtundsechzigern geächtet; diese diffamierten und verspotteten das selbstverständliche Vatersein und die festbewußte Vaterschaft durchgängig als Relikte patriarchaler und damit faschistoider Herrschaft.
Heute mangelt es auch daher an solchen Vätern - "Wotan-Väter". Ermutigende Väter, die ihre Söhne aus Haus und Herd "locken". Und ihnen dabei Prüfungen und Entbehrungen zumuten.
Und so gibt es auch keine Schwerter und keine Verheißungen, die es wert sind, weitergegeben zu werden. (Und die Alberichs, Mimes, Beckmesser und Fafners, allesamt bizarre, gebrochene Schattenexistenzen in den Wagnerwerken, haben bei uns Hochkonjunktur. Wir kennen sie alle, aus Politik, Kulturleben, Hochschulen, Medien, Kirchen, Facebook.)
"Ödipus-Komplex" war gestern -
Haupt bedeutet auch Unterordnung!
Aber eben auch Liebe und Verantwortung, wie Sie es beschrieben haben.
Das alles ist eine wunderbare Anleitung zum Herzinfarkt mit Mitte 40, besonders für einen tatsächlich hart arbeitenden Mann. Geschrieben von einem 24-jährigen Dandy, genau das ist meine Art von Humor. Letztendlich entspricht es dem gesellschaftlichen Wunsch nach einem immer verfügbaren, anspruchslosen, den Mund haltenden Gebrauchsgegenstand, der keinen Ärger macht.