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VDS-Gründer Walter Krämer im Gespräch

„Wir spalten nicht, wir vereinen, im Bemühen um ein großes kulturelles Ziel“

Das in Teilen staatlich finanzierte Rechercheportal Correctiv hat vergangene Woche für europaweite Schlagzeilen gesorgt. Im November 2023 sollen sich Politiker der AfD sowie Mitglieder der CDU, Unternehmer, rechte und rechtsradikale Aktivisten in Potsdam versammelt haben, um an einem „Geheimplan gegen Deutschland“ zu arbeiten, durch den Millionen Ausländer sowie deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund aus dem Land geschafft werden sollen. Der Artikel sorgte trotz Ungereimtheiten für einen Aufschrei. „Remigration“ wurde zum „Unwort des Jahres“ 2023 gewählt.

Und er provozierte Folgen in Politik und Gesellschaft: In mehreren deutschen Städten fanden Demonstrationen mit bis zu zehntausend Teilnehmern statt, die AfD trennte sich von dem Referenten ihrer Parteichefin Alice Weidel, Roland Hartwig, und auch im Verein Deutsche Sprache (VDS) gab es personelle Konsequenzen. Die bisherige Vorständin Silke Schröder, die ebenfalls der Veranstaltung in Potsdam beigewohnt hatte, gab am gestrigen Montag ihren Rücktritt von dem Posten und ihren Austritt aus dem VDS bekannt. Laut dem Vereinsvorsitzenden Walter Krämer kam sie damit einem Rauswurf zuvor.

Corrigenda hat bei Walter Krämer nachgefragt, ob sich der Verein von linken Medien und Anpeitschern in sozialen Medien hat treiben lassen, was er über die jüngsten Austritte denkt, wo die roten Linien der Organisation sind – und ob der Kampf für die deutsche Sprache heute nicht automatisch auch ein politischer ist.

Herr Prof. Krämer, Silke Schröder, bis vor wenigen Tagen noch Vorstand im Verein Deutsche Sprache, hat die Organisation verlassen und kam damit einem Rauswurf zuvor. Frau Schröder wirft Ihnen nun eine „inquisitionsartige wie unprofessionelle und undemokratische Art der Stigmatisierung“ vor und dass Sie „linker Hetze“ entsprochen hätten. Herr Krämer, sind Sie, ist Ihr Verein links?

Wir sind weder links noch rechts, sondern stolz darauf, zu unseren Mitgliedern Anhänger aller im Bundestag vertretenen Parteien zu zählen. Das gibt es bei Organisationen unserer Größe (36.000 Mitglieder) nur noch beim Roten Kreuz und bei der Freiwilligen Feuerwehr. Wir spalten nicht, wir vereinen, und zwar im gemeinsamen Bemühen um ein wichtiges, großes kulturelles Ziel.

Einige Teilnehmer der Veranstaltung in Potsdam widersprachen der Darstellung von Correctiv. Hätten Sie weitere Recherchen abwarten sollen?

Die Vorstandssitzung ist am Freitag, bis dahin hätte es noch viel Zeit für Recherchen gegeben. Und wir haben natürlich auch recherchiert. Hätte sich der Ausschlussantrag als nicht substantiiert erwiesen (er war nicht allein mit dem Potsdam-Treffen begründet), wäre auch die Entscheidung entsprechend ausgefallen. Aber leider war schon sehr früh klar, dass die Ausschlussgründe ausreichen.

„Bei Correctiv handelt es sich um einen fleißigen Zuträger der linken Medienmafia“

Haben Sie sich bei der Entscheidung, Frau Schröder auszuschließen, von aufgescheuchten linken Medien treiben lassen?

Nein. Dass es sich bei Correctiv um einen fleißigen regierungstreuen Zuträger der linken Medienmafia und um alles andere als eine seriöse Informationsplattform handelt, ist aber nur ein Teil der Sache. Von solchen Leuten werde ich schon seit 40 Jahren attackiert, das geht mir sozusagen am A… vorbei. Der andere Teil ist das persönliche Verhalten von Frau Schröder.

Was sind für Ihren Verein links wie rechts die roten Linien bei politischen Positionen?

Vereinssatzung und Grundgesetz. Wer die nicht respektiert, fliegt raus. Ist auch schon mehrfach vorgekommen.

Ganz konkret gefragt: Bei welchen Äußerungen oder Auffassungen von links würden Sie jemanden vor die Vereinstür setzen?

Dutzende. Etwa wenn jemand auf einer Demonstration hinter einer Fahne mit der Aufschrift „Deutschland verrecke“ herläuft.

In Ihrer Pressemitteilung werden Sie mit den Worten zitiert: „Der VDS ist ein Sprach- und Kulturverein mit dem einzigen Ziel der Förderung und Weiterentwicklung der deutschen Sprache.“ Ist es in Zeiten wie diesen, in denen vor allem Linke einen Kulturkampf betreiben und auch die deutsche Sprache ins Visier nehmen, überhaupt möglich, den Einsatz für die Sprache unpolitisch zu betreiben?

Zu meiner großen Freude sind auch viele Linkswähler intelligenzbegabt. So lehnt auch unter Grünen eine Mehrheit die Gendersprache ab. Wir haben sogar ein Gründungsmitglied der Grünen als Leiter unserer AG „Grüne für gutes Deutsch“. Aber natürlich ist der Zuspruch in konservativen Kreisen größer.

Zur Person Walter Krämer

Jahrgang 1948, lehrte bis April 2022 an der Technischen Universität Dortmund Wirtschafts- und Sozialstatistik. Neben Fachpublikationen veröffentlichte der preisgekrönte Statistiker zahlreiche populärwissenschaftliche Bücher. Seit 1969 ist er FDP-Mitglied, zwischenzeitlich gehörte er auch der SPD an. 2021 trat der zweifache Familienvater wegen einer Genderleitlinie des Bistums Hildesheim aus der Kirche aus.

In einem Interview mit diesem Magazin hatten Sie vor rund einem Jahr gesagt, „die meisten Bundesbürger sind feige“. Nun haben teils sehr prominente Mitglieder wie Peter Sloterdijk den VDS verlassen. Ist solch ein Verhalten feige?

Ich weiß ja nicht, was ihn dazu bewogen hat. Vielleicht war ihm der Beitrag zu hoch? Aber einige der aktuellen Austritte (insgesamt nicht viele, bewegt sich im Promillebereich) gehen natürlich auf die Feigheit der Menschen zurück. Man will nicht ins Visier der Medienmafia geraten.

„Es braucht heute in gewisser Weise mehr Mut, für die deutsche Sprache einzustehen“

Braucht es heute mehr Mut als beispielsweise noch vor 20 Jahren, um für die Schönheit unserer Sprache einzustehen?

In gewisser Weise schon, da ja speziell unsere öffentlich-rechtlichen Medien dafür sorgen (laut Umfrage unter Volontären wählen 95 Prozent davon Rot-Grün), dass jegliche Verwendung des Adjektivs „deutsch“, sofern nicht herabwürdigend und verächtlich, als Indiz für rechtes Gedankengut verwendet werden kann.

Welchen Einfluss auf den Erhalt der deutschen Sprache hat eine Bundesregierung? Durch Einsparungen der Bundesregierung beim Goethe-Institut müssen beispielsweise mehrere Standorte geschlossen werden.

Bei manchen Goethe-Instituten ist es um die Schließung nicht schade. Es gibt Ohrenzeugen eines Gespräches unter Mitarbeitern des Goethe-Instituts in Prag, dass sie sich schämen, für Deutschland arbeiten zu müssen. Eine andere Sache ist das Zurückfahren der Mittel für kulturelle Auslandsarbeit allgemein. Das sollte sich die Bundesregierung mal ein Beispiel am British Council nehmen. Und sie sollte ein Großteil des Personals gewisser Goethe-Institute auswechseln. Das in Kuba etwa, berichtet mir ein Freund, der seit Jahren in Havanna lebt, tritt systematisch auf der deutschen Kultur und Sprache herum. Aber wie ich die aktuelle Bundesregierung kenne, werden nur die Institute geschlossen, wo man sich noch echt um Deutsch bemüht.

Worin sehen Sie aktuell die größten Gefahren für die deutsche Sprache?

Dass ihre Schönheit und Geschmeidigkeit ein Opfer des Genderwahnsinns wird und dass sie nur noch als Pidgin-Dialekt für den Feierabend, aber nicht mehr als Inspiration für große Literatur und Dichtung weiterlebt.

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Kommentare

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Kommentar
11
Alexander Diehl
Vor 1 Monat 1 Woche

Haha, halten Sie an der Interviewführung eigentlich irgendetwas für "neutral"? Schon bemerkenswert, mit welcher Wortwahl und welchen evidenzfreien Behauptungen Sie den Sprachenonkel durchkommen lassen.

8
Dr. Gunter W. …
Vor 1 Monat 2 Wochen

Das Interview von Prof. Krämer sollte den linken und rechten Ideologen sowie den links-faschistischen Medien ein Anlass sein über die Sachargumente nach zu denken. Die AfD wird durch die öffentlichen Medien erst stark gemacht.

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Albert Brettermeier
Vor 1 Monat 1 Woche

Nichts verströmt politische Neutralität so sehr, wie davon zu fabulieren, man werde von "fleißigen regierungstreuen Zuträgern der linken Medienmafia" attackiert. Was für ein Clown, spätestens mit seinen unhaltbaren Vorhersagen zu Beginn der Corona-Pandemie hat er den letzten Rest seiner statistisch-wissenschaftlichen Autorität verspielt. Ideologie frisst Hirn, eines ehemals geachteten Professors unwürdig.

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Karl Heinz Maierl
Vor 1 Monat 1 Woche

Sehr geehrter Herr Steinwandter!
Herr Professor Krämer kann natürlich ein Thema rabulistisch angehen, mit dem Ziel, am Ende recht zu behalten. Dazu gehört freilich auch Stil in der Argumentation. Das machte er gut und deswegen mochte ich ihn und unterstützte obendrein seinen Verein. Natürlich müssen in der jeweiligen Sachlage unbedingt evidente Belege aufgeführt werden, die dem Thema angemessen sind.
Die Aussagen von Prof. Krämer: „Von solchen Leuten werde ich schon seit 40 Jahren attackiert, das geht mir sozusagen am A… vorbei. Der andere Teil ist das persönliche Verhalten von Frau Schröder. … Vereinssatzung und Grundgesetz. Wer die nicht respektiert, fliegt raus.“ zeigen, dass er seltsamerweise keinerlei Argumente hat. Rumms, knall bum, sonst gibts auf’s Maul. Na prima.
Noch im Dezember 2023 schrieb Prof. Krämer zu dem Unternehmen „rote-karte-staatsfunk.de“: „Es ist in höchstem Grade undemokratisch, dass sich die veröffentlichte deutsche Meinung zu so großen Teilen aus einer einzigen rot-grünen ideologischen Quelle speist und alternative Standpunkte unterschlagen oder verfälscht berichtet werden.“
Jetzt darf ich in weiten Teilen der Medienwelt lesen, wie er sich Mühe gibt, von eben diesem rot-grünen Gottesstaat beklatscht zu werden. Oder wie soll ich es verstehen, dass er vor der „Recherche“ von Correctiv [einer einzigen rot-grünen ideologischen Quelle] stramm steht?
Das o. g. habe ich auch dem Verein geschrieben. Bis jetzt kam keine Reaktion.
Mit freundlichen Grüßen
Karl Heinz Maierl

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Daniel S.
Vor 1 Monat 1 Woche

Sehr interessantes Interview. Ich schätze die Beiträge von Herrn Prof. Krämer immer sehr. Insbesondere die Sprachnachrichten und Infobriefe sind meist ein Genuss und stets niveauvoll gehalten, was angesichts der zunehmenden Intoleranz in der deutschen Gesellschaft wie auch Medien sehr schwerfallen dürfte. Aber ich denke genau dies ist die beste Art damit umzugehen. Vielen Dank für die tolle Arbeit und weiter so! Ich bleibe als Leser definitiv treu und erfreue mich weiterhin an den tollen Inhalten im Kontext der deutschen Sprache.

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Alexander Diehl
Vor 1 Monat 1 Woche

Haha, halten Sie an der Interviewführung eigentlich irgendetwas für "neutral"? Schon bemerkenswert, mit welcher Wortwahl und welchen evidenzfreien Behauptungen Sie den Sprachenonkel durchkommen lassen.

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Daniel S.
Vor 1 Monat 1 Woche

"evidenzfreien Behauptungen", "durchkommen lassen" - oje. Da hätte der Journalist jetzt hier wohl besser eine wissenschaftliche Arbeit an Stelle eines Interviews veröffentlicht, oder wie? Im Grunde enthält das Interview eigentlich relativ wenige "Behauptungen". Davon mal abgesehen - und das mag Ihnen jetzt ganz schrecklich vorkommen - gibt auch noch so etwas wie eine freie Meinungsäußerung und persönliche Eindrücke. Und auch wenn Menschen wie Ihnen das nicht gefallen mag, leben wir immer noch in einer Demokratie und diese lebt von verschiedenen Meinungen.

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Hajo Voß
Vor 1 Monat 1 Woche

Das hört sich schon anders an.

8
Dr. Gunter W. …
Vor 1 Monat 2 Wochen

Das Interview von Prof. Krämer sollte den linken und rechten Ideologen sowie den links-faschistischen Medien ein Anlass sein über die Sachargumente nach zu denken. Die AfD wird durch die öffentlichen Medien erst stark gemacht.