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Würdigung zum 10. Todestag

Geliebt, vermisst, unvergessen: Johanna Gräfin von Westphalen

Es gäbe vieles heute nicht, wenn es sie nicht gegeben hätte: Johanna Gräfin von Westphalen. Eine unerschütterliche, unbestechliche, unermüdliche Verfechterin unverhandelbarer Werte. Eine Kämpferin für das Gute, für die Familie, für das Leben. Eine Frau, die sich – den gewaltigen Fußspuren ihres Großonkels und Vorbilds, des seligen Kardinal Clemens August Graf von Galen folgend – von niemandem den Mund verbieten ließ. 

Eine Große ihrer Zeit, die mit scharfem Verstand und sicherem Instinkt schonungslos Missstände und Fehlentwicklungen erkannte und benannte, die in Politik, Gesellschaft oder Kirche dem Dienst am Menschen, seinem bedingungslosen, konsequenten Schutz und dem Aufbau einer wahrhaftigen Kultur des Lebens zuwiderliefen. Ihre Stimme hatte Gewicht. 

Gräfin Westphalen war aber nicht nur eine von ihren zahlreichen Mitstreitern geschätzte und von ihren Gegnern gefürchtete Rednerin. Sie setzte um, wovon sie sprach. In ihrer unermüdlichen Schaffenskraft – der erst ihr Tod am 21. Januar 2016 mit 79 Jahren ein plötzliches Ende setzte – gründete sie in den 1980er Jahren neben politischen Initiativen 1988 zusammen mit ihrem Sohn Friedrich Wilhelm auch ihre eigene „Stiftung Ja zum Leben“. Dadurch wollte sie sicherstellen, dass Schwangere in Not und ihre ungeborenen Kinder nicht nur auf politischer Ebene eine Stimme bekamen, sondern dass diese Frauen vor allem inmitten ihrer Angst, Sorge und Verzweiflung ganz konkrete, schnelle und unbürokratische Hilfe erhielten – und so eine Entscheidung für ihr Baby treffen konnten. 

„Geburtshelferin“ der deutschen Lebensschutzbewegung

Sie förderte und half, wo immer es ihr angebracht, gut und richtig erschien: So konnten kleine Eigeninitiativen und Projekte, aber auch internationale Aktionen und Kampagnen, die sich den Schutz des Lebens und der Familie auf die Fahnen geschrieben hatten, wachsen und erfolgreich werden. 

„Die Gräfin“, selbst sechsfache Mutter, war die „Geburtshelferin“ der deutschen Lebensschutzbewegung. Sie genoss dank ihrer Kompetenz und Integrität das Vertrauen tausender engagierter Lebensschützer ebenso wie die Hochachtung von engagierten Politikern wie Hubert Hüppe (CDU) oder Bernd Posselt (CSU) und Geistlichen wie dem Fuldaer Bischof Johannes Dyba, Joachim Kardinal Meisner oder dem Salzburger „Lebensschutz-Bischof“ Andreas Laun.

Johanna Gräfin von Westphalen spricht beim 1000plus-Tag 2012 in Heidelberg

Dabei ging es ihr nie um ihre Person, sondern immer um die Sache. Ihre Herkunft und ihr Erbe verstand sie als Auftrag und Verpflichtung, sich in den Dienst der Notleidenden und derer zu stellen, die sonst keine Hilfe und keine eigene Stimme haben.

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Ihr mütterliches Wesen verband eine unnachgiebige Kompromisslosigkeit, wenn es um den Schutz der Schwächsten ging, mit einer Güte und Großmütigkeit, die sie jedem Menschen, vor allem den Leidenden, mit offenem Herzen entgegenbrachte.

Mit Güte und Großmütigkeit für das „Oldenburger Baby“

Einer dieser Leidenden war Tim, das berühmte „Oldenburger Baby“, ein Junge mit Down-Syndrom, der 1997 seine eigene Spätabtreibung wie durch ein Wunder überlebte, aber weitere schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen durch die Abtreibung erlitt.

Als die Gräfin durch die Presse von Tim erfuhr, erbarmte sie sich des Jungen. Sie ermöglichte ihm aufwendige Therapien, die ihm sonst verwehrt geblieben wären, und stellte sicher, dass Tim in den 21 Jahren, die er leben durfte, optimal gefördert werden und sich bestmöglich entwickeln konnte.

Johanna Gräfin von Westphalen machte auf das Schicksal von Tim aufmerksam, der seine eigene Abtreibung überlebt hatte, und half ihm

Schirmherrin von 1000plus

Als 1000plus im Jahr 2009 (damals als Projekt des Vereins Pro Femina e. V.), durch Kristijan Aufiero gegründet wurde, gehörte die Gräfin zu den Wenigen, die das Potenzial und die Zukunftsfähigkeit dieses Projekts – über das Internet abertausende Schwangere in Not zu erreichen, zu beraten – mit großer Weitsicht und Begeisterung erkannte. Sie entschied sich, der damals geradezu verwegenen Vision von Kristijan Aufiero zu vertrauen. So entstand eine der fruchtbarsten und erfolgreichsten Kooperationen im Dienst an Schwangeren in Not, die Deutschland je gesehen hat.

Kurzerhand machte die Gräfin 1000plus (das heute auch dieses Magazin herausgibt) zu ihrem wichtigsten Projekt und die Stiftung bis zu ihrem Tod zum Kooperationspartner von 1000plus. Den „beachtlichen Beratungserfolgen“, die sich schon kurze Zeit nach dem Projektstart von 1000plus und der dadurch ermöglichten Profemina-Beratung einstellten, attestierte sie bereits 2012 eine „explosionsartige Weiterentwicklung“.

Um die Profemina-Beratung noch weiter auszubauen und noch tausende Schwangere in Not mehr zu erreichen, nahm sie nicht nur wie gewohnt sich selbst, sondern auch alle Menschen in die Pflicht, denen die Hilfe statt Abtreibung ein Anliegen ist:

„Unsere gemeinsame Vision ist es doch, eines Tages möglichst viele Frauen im Schwangerschaftskonflikt zu erreichen – vielleicht auch alle, wer weiß! Wir wollen ihnen helfen, Ja zum Leben zu sagen. Alles, was wir selbst dazu beitragen können, sollten und müssen wir tun. Wir sind gezwungen, wenn wir das erkannt haben. Wir müssen nach dieser Erkenntnis dann auch tätig werden.“

Gräfin Westphalen war zeit ihres Lebens in diesem Sinne tätig und ist ihren eigenen Worten immer treu geblieben. Es war wie eine natürliche Konsequenz dieser intensiven, vertrauensvollen und freundschaftlichen Zusammenarbeit, dass sie die 1000plus-Schirmherrschaft übernahm und bis zu ihrem Tod innehatte.

Ihr Motto: „Kinder schützen, Familien stärken“

Zehn Jahre sind es nun her, seit uns am Morgen des 21. Januar 2016 die erschütternde Nachricht erreichte, dass Johanna Gräfin von Westphalen von ihrem Schöpfer, an den sie so fest geglaubt und dem sie so treu gedient hatte, unerwartet heimgerufen wurde. Dass wir eine große Persönlichkeit unserer Tage verloren hatten, die wir so sehr geschätzt und geliebt haben.

Sie war bereit, sie hatte alles gegeben, alles investiert, alles in die eine Waagschale geworfen: dem menschlichen Leben zu dienen, es als das kostbarste Geschenk des Schöpfers aller Dinge immer und überall zu verteidigen, zu hegen und zu pflegen!

Zur Person Johanna Gräfin von Westphalen

Johanna Gräfin von Westphalen wurde am 24. September 1936 als Tochter von Christoph Bernhard Graf von Galen und Marie-Sophie Gräfin von Galen auf Haus Assen in Westfalen geboren. Sie war verheiratet mit Clemens August Graf von Westphalen zu Fürstenberg und Mutter von sechs Kindern. Die Familie lebte auf Wasserschloss Laer in Meschede. Gräfin von Westphalen war Mitbegründerin der politischen Initiative Christdemokraten für das Leben (CDL), denen sie 17 Jahre vorstand, Großkreuz-Dame des Päpstlichen Ritterordens des Heiligen Gregors des Großen und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Sie starb am 21. Januar 2016 in Garmisch.

„Kinder schützen, Familien stärken“: Das war ihr Lebensmotto, ihr Auftrag, ihre Aufgabe in dieser Welt. Und diese Aufgabe war und ist nicht nur eine der vornehmsten, sondern, angesichts der heutigen systematischen Zerstörung von Ehe und Familie und der schwindenden Achtung vor der Würde eines jeden Menschenlebens, eine der notwendigsten, der dringendsten, der wichtigsten – und schönsten!  

Diese Aufgabe hat uns einst zusammengeführt. Und diese Aufgabe im Dienst der Kultur des Lebens und der Liebe ist und bleibt ihr Vermächtnis und ihr Auftrag, dem wir uns bei 1000plus weiter verpflichtet fühlen – heute, morgen und für immer.

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