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Marsch fürs Leben in Wien

„Machen Sie den Mund auf, gehen Sie auf die Straße!“

In wenigen Tagen ist es so weit: Am 10. Oktober werden Tausende Lebensschützer um 13:30 Uhr auf dem Karlsplatz in Wien zum Marsch fürs Leben zusammenkommen. Von dort aus ziehen sie durch die Stadt, um sich öffentlich für den unbedingten Schutz jedes Menschenlebens von der Zeugung bis zum natürlichen Tod einzusetzen. 

Ein besonderes Augenmerk der überkonfessionellen Kundgebung liegt in diesem Jahr auf den sogenannten „Schutzzonen“, erklärten die Veranstalter gegenüber Corrigenda. Gemeint sind damit Bannmeilen rund um Abtreibungseinrichtungen, innerhalb derer es verboten ist, zu beten. Die Zonen, die treffender „Zensurzonen“ genannt werden müssen, gibt es bereits in mehreren westlichen Ländern; nun wollen auch die regierenden Sozialdemokraten und NEOS ein entsprechendes Gesetz auf den Weg bringen. Die ÖVP hatte einer Prüfung der rechtlichen Rahmenbedingungen zugestimmt.

Ein prominenter Geistlicher, der lautstark seine Stimme gegen diesen Angriff auf die Religionsfreiheit erhebt, ist der deutsche Gerhard Ludwig Kardinal Müller. Der ehemalige Bischof von Regensburg und ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan, seit 2021 Richter an der Apostolischen Signatur, dem höchsten Gericht der Katholischen Kirche, sendet im Vorfeld des Marsches eine Botschaft an alle Gläubigen. Darin ruft er zur Teilnahme am Marsch fürs Leben auf, geißelt Abtreibungskliniken als „Mordskliniken“ und äußert deutliche Kritik an den politischen Entscheidungsträgern. 

Corrigenda liegt Müllers Videobotschaft exklusiv in transkribierter Form vor:

Botschaft von Gerhard Ludwig Kardinal Müller

Liebe Österreicher und Damen und Herren, Brüder und Schwestern, 

kommen Sie bitte zum Marsch fürs Leben in Wien. Aber diesen Marsch für das Leben gibt es ja in ganz Europa, getragen von christlich gesinnten Menschen. Und so bitte ich Sie, dass Sie in Wien, aber auch in vielen anderen Städten Europas dieses Zeugnis für das Leben geben.

Gott hat die Welt geliebt und für sie seinen eigenen Sohn dahingegeben, damit jeder, der an ihn glaubt, das ewige Leben hat. Deshalb ist unser katholischer Glaube, unser Christsein, nicht einfach etwas für das stille Kämmerlein, nur für uns selber in der Sakristei – so wollten es ja die totalitären Systeme der letzten Zeit.

Nationalsozialismus und Kommunismus haben die Kirche verfolgt und die Religionsfreiheit ausgeschaltet. Zur Religionsfreiheit gehört auch, dass wir das nicht nur im privaten Raum verwirklichen in der Liturgie, in der Kirche, sondern auch, dass wir einen Dienst an der Welt haben, so wie es das Zweite Vatikanische Konzil herausgestellt hat.

Die Kirche in der Welt von heute: Wir haben eine Sendung hinein in die Welt, so hat es ja der Heilige Vater Leo XIV. in seiner neuesten Enzyklika auch unterstrichen: Die Kirche ist der Anwalt der Menschheit und der Menschlichkeit. Deshalb kann ich nur jeden Katholiken ermuntern, seinen Mund aufzumachen, Zeugnis zu geben, wenn die Steine schweigen.

Wir werden es von den Dächern rufen: Jedes Menschenleben hat einen unendlichen Wert!

Jeder ist Sohn und Tochter Gottes. Das bekennen wir, auch wenn wir von den Ideologien unseres Jahrhunderts verfolgt werden oder diskriminiert werden. Von den Nachfahren der Kommunisten und der Nationalsozialisten, die unsere Religionsfreiheit eingrenzen wollen. Die es verbieten wollen, dass wir für das Leben beten, auch vor diesen Mordskliniken, dort, wo Menschenleben vernichtet wird.

Jedes Menschenleben hat einen unbedingten Wert

Und hier die Religionsfreiheit aufzuheben, das ist der Anfang von einem totalitären, religionsfeindlichen System, dem wir uns widersetzen müssen. Und ich kann auch nur die Menschen, die in der Politik tätig sind, gerade in den Parteien, die sich auf das Christentum berufen oder sogar es im Namen führen, [aufrufen], sich nicht selber verführen zu lassen von diesen menschenfeindlichen Ideologien, sondern klar zur christlichen Position zu stehen und sie auch in der Politik umzusetzen: 

Dass jedes Menschenleben unabhängig von seinem Lebenszeitalter, oder ob jemand krank oder gesund ist, dass jedes Menschenleben einen unbedingten Wert hat, dass der einzelne Mensch vorgeht, der Bürger steht vor dem Staat. Der Staat hat dem Menschen zu dienen und nicht sich zum Instrument einer menschenfeindlichen Ideologie machen zu lassen.

Also machen Sie den Mund auf, gehen Sie auf die Straße, bekennen Sie unseren Glauben, unsere Überzeugungen, und beten Sie auch für die Bekehrung von falsch geleiteten Politikern und Ideologen.

So bete ich für Sie, dass Ihr Zeugnis ein großes Echo hat. 

Gott segne Sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

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