Fälscher ohne Fälschung
Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft reiste 2022 zu den Olympischen Spielen in China. Betreut wurde sie von ihrem Trainer Patrick Fischer. Ein Mann, dessen Name sogar viele kennen, die mit der Sportart nichts anfangen können.
Seit er das Team 2015 übernommen hat, kletterten die Schweizer in der Weltrangliste von Platz 8 auf Platz 2 und errangen drei Vizeweltmeistertitel. Fischer, Jahrgang 1975, gilt als Meister seines Fachs, zudem als charismatischer Anführer. Er ist der „Mister Eishockey“ in der Schweiz.
Nach der Weltmeisterschaft im eigenen Land, die in einem knappen Monat beginnt, wollte Patrick Fischer abtreten. Nun wird er diesen Höhepunkt seiner Karriere verpassen: Der Schweizer Eishockey-Verband warf ihn Mitte vergangener Woche fristlos hinaus.
Grund: Es war bekanntgeworden, dass Fischer seine Chinareise 2022 mit einem gefälschten Covid-Zertifikat angetreten hatte. Er hatte sich bewusst nicht impfen lassen und sich auf Telegram die Fälschung besorgt. Ein Gericht verurteilte ihn 2023 per Strafbefehl dafür, er bezahlte mehrere zehntausend Franken.
Zwei Lager im Land, und beide irren
Aufgeflogen war das fast drei Jahre alte Urteil erst jetzt, weil sich der Eishockey-Trainer vor wenigen Wochen in einem Gespräch mit einem Journalisten des Schweizer Fernsehens (SRF) selbst verriet. Fischer war wohl davon ausgegangen, der Austausch über ein längst erledigtes Urteil erfolge vertraulich. Bei SRF teilte man ihm jedoch mit, man werde die Story publik machen. Fischer entschied sich, der Enthüllung mit einem Geständnis in den sozialen Medien zuvorzukommen.
Seither ist das Land in zwei Lager geteilt. Die einen finden, ein Urkundenfälscher könne die Schweiz nicht sportlich repräsentieren, der Rauswurf sei richtig. Die anderen sagen, die Sache sei längst abgehakt, Fischer hätte bleiben sollen.
In gewisser Weise irren beide Lager. Denn sie berühren mit ihrer jeweiligen Position den Kern der Sache nicht.
Das Imitat einer Illusion
Der Ex-Nationaltrainer hat zwar geltendes Recht gebrochen. Dieses aber basierte auf Unrecht. Das Covid-Zertifikat, das Menschen ausschloss, die sich nicht impfen ließen, suggerierte, das Papier sei ein Beleg für die „Ungefährlichkeit“ des Besitzers. Demnach hätte jemand, der auf die Spritze verzichtete und ein gefälschtes Zertifikat verwendete, andere mit einer Ansteckung bedroht.
Dabei war schon damals bekannt, dass die Wirkstoffe gegen Covid-19 keinerlei Fremdschutz bezüglich Übertragung des Virus bieten. Mehr noch: Der Hersteller hatte einen solchen gar nicht erst geprüft und versprach diesen Effekt entsprechend auch nicht. Es war die Politik, die die gegenteilige Botschaft unter die Leute brachte. Der Schweizer Gesundheitsminister Alain Berset beispielsweise behauptete im Schweizer Fernsehen, mit dem Zertifikat könne man beweisen, dass man „nicht ansteckend“ sei.
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Man könnte also sagen: Patrick Fischer hat via Telegram nur das Imitat einer Illusion besorgt, er hat eine Fantasie durch eine andere ersetzt. Das echte Covid-Zertifikat war genauso wertlos wie die Fälschung. Man würde auch niemanden als Bargeldfälscher verurteilen, wenn er Spielgeld durch den Kopierer jagt. Mit dem Unterschied allerdings, dass man Spielgeld sofort als solches erkennt. Im Fall des Zertifikats wurde mit viel Einsatz und Geld die Lüge aufrechterhalten, es habe einen Wert.
Plötzlich herrscht journalistischer Eifer
Unmittelbar nach den ersten Schlagzeilen hatte es noch so ausgesehen, als könne Patrick Fischer im Amt bleiben. Der Verband stärkte ihm den Rücken mit der Begründung, die Sache sei juristisch erledigt. Dann folgte ein mediales Feuerwerk. Erst unter diesem Druck knickten die Funktionäre ein und schassten Fischer.
Und an diesem Punkt beginnt sie, die Doppelmoral.
Der Eifer, mit dem Journalisten die Causa verfolgten und jeden Stein umdrehten, um weitere Details auszugraben, steht im krassen Gegensatz zur Untätigkeit, die sie ansonsten rund um Corona an den Tag legen. Keine der Enthüllungen rund um diese Zeit, seien es die Protokolle aus dem deutschen Robert-Koch-Institut oder Meldungen rund um Impfschäden, wurde auch nur ansatzweise vergleichbar aufgenommen und mit diesem Furor durchleuchtet.
Verständlich, denn fast alle Schweizer Medien hatten in der Coronazeit die offizielle Linie übernommen und unkritisch nachgebetet. Jedes Puzzleteilchen, das nun im Nachhinein zeigt, wie falsch die Versprechungen rund um Impfung und Schutzmaßnahmen waren, ist eines zu viel für die Journalisten, denn sie hatten ein ganz anderes Bild gezeichnet.
Ein Ablenkungsmanöver
Kein einziger Bericht der großen Medienhäuser ging auf die Frage ein, welchen Wert das Original überhaupt hatte, von dem Patrick Fischer eine Fälschung erstellen ließ. Kein einziger Journalist geht der Frage nach, welchen Schaden er denn effektiv durch seine Handlung verursacht hat.
Die Schaffung des Covid-Zertifikats hat Ungeimpfte zu Unrecht benachteiligt, der Wirtschaft riesige Verluste beschert und die Gesellschaft gespalten. Was Fischer tat, hat hingegen keinem einzigen Menschen wirklich geschadet. Er war zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für andere. Man kann ihm vorwerfen, seine Umgebung belogen zu haben. Aber es wäre neu, dass solche moralischen Kategorien in der Welt des kommerziellen Spitzensports eine Bedeutung haben.
Die aktuelle Debatte ist ein Sinnbild für die ganze Corona-Debatte. Bis heute wird nicht über die großen Linien gesprochen. Stattdessen stürzen sich Journalisten auf einen völligen Nebenschauplatz und blasen ihn auf zu riesigen Dimensionen.
Getreu dem Motto „Wag the dog“: Lenke mit einem völlig nebensächlichen Detail von dem ab, was wirklich geschehen ist.
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