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Kindererziehung im Spannungsfeld

Haben Eltern das alleinige Monopol?

Kaum etwas emotionalisiert Eltern derart stark wie das Thema Kindererziehung. Kein Wunder also, dass der Markt an Erziehungsratgebern ununterbrochen boomt. Doch wehe dem, der es wagt, sich mit Ratschlägen direkt an die Erziehungsberechtigten zu wenden. Oft reagieren Eltern regelrecht allergisch, wenn nicht sogar aggressiv, wenn sich Außenstehende in die Erziehung des sakrosankten Nachwuchses einmischen. Haben wir ein „Erziehungsmonopol“ der Eltern oder ist es nicht eher so, dass wir als Gesellschaft eine allgemeine Verantwortung haben, die Erwachsenen von Morgen werteorientiert zu prägen?

Viele von uns sahen sich schon einmal in einer Situation, in der sich Kinder unangebracht frech verhalten haben oder sogar vor den Augen ihrer Eltern Allgemeingut mutwillig beschädigt haben. Das fängt bei Beleidigung an und geht bis hin zum Wegwerfen von Müll, dem Kritzeln auf Wänden oder dem Rauspulen der Sitzpolsterung in Bus oder Bahn. Doch wann ist es angebracht, ja sogar geboten, sich als Außenstehender einzuschalten?

Das Erbe der antiautoritären Erziehung

Bekommen Kinder keine Grenzen gesetzt, hören sie nur selten ein Nein, tun sie sich als Erwachsene schwer mit Regeln und der Rücksichtnahme auf ihre Mitmenschen. Man kann wohl davon ausgehen, dass nicht wenige der Klima-Kleber eine eher antiautoritäre Erziehung genossen haben – ausbaden muss dies dann die Allgemeinheit. Eine Generation, die den Wert eines Menschen an der Zahl seiner Follower in den Sozialen Medien misst und alle über 50 als „Umweltsäue“ abstempelt, wird ihren fragwürdigen Wertekatalog tendenziell auch an die eigenen Kinder weitergeben.

Wir erleben wohl gerade einen Kipppunkt in der Menschheitsgeschichte, wo die Evolution der Werte sich rückwärts- und nicht mehr vorwärtsentwickelt. Vieles, was Religion und Philosophie im Laufe von Jahrhunderten als Basis für ein humanistisches und freiheitlich-demokratisches Fundament gelegt haben, wird nun mit der woken Abrissbirne zertrümmert.

Selbstverständlich ist es Sache der Eltern, wie sie ihre Kinder erziehen, doch wenn Verhaltensweisen der Allgemeinheit schaden, dann ist es sehr wohl geboten, sich einzumischen. Das ist auch nicht neu. In dörflichen Gemeinschaften ist dies eine Selbstverständlichkeit. Hier gilt zudem oft das Autoritätsprinzip des Lehrers, Pfarrers und Polizisten. Auf dem Land leben auch zumeist noch mehrere Generationen unter einem Dach. Familien bauen traditionell in direkter Nachbarschaft zueinander. So werden die Kinder nicht nur von den eigenen Eltern erzogen, sondern auch von Oma, Opa, den Onkeln und Tanten.

Junge Klimaprotestierer der „Letzten Generation“ blockieren im Oktober 2023 eine Hauptverkehrsstraße in Berlin: Schwierigkeiten mit der Rücksichtnahme auf Mitmenschen
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Auch hat sich der Brauch, Kinder zu tadeln, wenn sie etwas ausgefressen haben oder sie zu loben, wenn sie sich richtig verhalten haben, beim Besuch von Nikolaus und Krampus für viele Familien bewährt. Die Kinder lernen hier nicht nur spielerisch den Unterschied zwischen Gut und Böse, sie erfahren auch, dass ihr Handeln Konsequenzen hat – im positiven wie im negativen Sinne.

Es ist deshalb kaum verwunderlich, wenn auch hier die woken Zeitgenossen aufschreien und anmahnen, dass dies „schwarze Pädagogik“ sei und dem Kind schade. Heutzutage hebt der Krampus höchstens mahnend den Zeigefinger, mit der Rute wird niemand mehr geschlagen. Wenn Kinder nicht einmal mehr Kritik aushalten können, dann werden sie es im Laufe ihres Lebens sehr schwer haben, in Beziehungen und Arbeitsverhältnissen klarzukommen.

Fürsorge und Regeln in Balance

Ohne Grenzen und Konsequenzen gelingt es kaum, eine gesunde Resilienz zu entwickeln, und genau dies offenbart sich nun in der Symptomatik der sogenannten Generation Z. Wer außerhalb der familiären Blase erst im Erwachsenenalter auf Regeln und Widerspruch stößt, ist oft zum Scheitern verurteilt. Die Selbstverständlichkeit, mit der eine Work-Life-Balance eingefordert wird, ist ein Produkt dieses Weltbildes.

Als Mutter von zwei Kindern war ich als Alleinerziehende das ein oder andere Mal sogar froh, wenn mir ein Außenstehender beigestanden ist. Oft reicht schon ein strenger Blick, um die Kinder wieder in ihre Schranken zu weisen. Kinder brauchen Fürsorge und Liebe und eben auch dringend einen Rahmen, der ihnen Sicherheit gibt.

Es gibt auch Fälle, in denen niemand wegschauen darf: wenn Kinder Gewalt erfahren. Hier muss man hinschauen und helfen. Dies gebieten die christliche Nächstenliebe und der Anstand.

 

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