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Zur Theologie des Leibes

Mach mehr aus der Liebe!

„Der Leib, und nur er, kann das Unsichtbare sichtbar machen, das Geistige und das Göttliche.“

In diesem Kernsatz seiner „Theologie des Leibes“ (Katechese Nr. 19,4) zeigte der große Papst Johannes Paul II. auf, dass der Leib, nur unser menschlicher Leib, Liebe ausdrücken kann; und wenn er hingebungsvolle Liebe ausdrückt, die Liebe und damit Gott sichtbar macht. Ein Blick in die Welt um uns lässt eher das Gegenteil befürchten.

Wenn Sie gefragt werden, wozu es Sexualität gibt, was antworten Sie? Beim Tier ist es klar, da geht es schlicht und einfach um Fortpflanzung; vielleicht auch um Bindung. Aber bei uns Menschen? Da geht es wohl unbestritten um mehr. Wenn Sie ein gebildeter Christ sind, dann können Sie jetzt Zeugnis geben von der großen Berufung des Menschen: Nur wir Menschen sind so geschaffen, dass wir mit unserem Leib Liebe ausdrücken können.

Was das genau meint? Neben dem großen Geschenk der Fruchtbarkeit ist auch die Liebe ein Geschenk an uns, eingeschrieben in unseren Leib, unsere Seele, unseren Geist: die Liebe im wahren Sinn des Wortes; eine Liebe, die dem anderen so begegnet, dass er um seiner selbst willen, frei, lebensspendend, bedingungslos und ausschließlich geliebt, geachtet, geehrt und so behandelt wird. Das ist, wonach wir uns alle sehnen, ausnahmslos. Und das ist die einzige adäquate Form, einem Menschen in der Liebe zu begegnen. Darum geht es bei uns Menschen.

Menschliche Liebe ist Abbild der göttlichen Liebe

Bemerkenswert: Es handelt sich bei diesen Extras an Inhalten der menschlichen Liebe vorwiegend um Geistiges, im Letzten um Göttliches: es kommt von Gott und führt zu Gott. Es ist quasi nicht von dieser Welt und trotzdem uns in die Verantwortung gegeben; in unseren Leib gelegt, genauso wie in unseren Geist und in unser Herz. Nicht umsonst begegnen wir uns ja von Aug’ zu Aug’, Herz zu Herz und Geschlechtsorgan zu Geschlechtsorgan; die ganze Person ist beteiligt, ebenbürtig, bis tief ins Herz hinein dem Anderen zugewandt, zur Hingabe geschaffen. Das unterscheidet uns von den Tieren. Wesentlich. Sind wir uns dessen bewusst?

Geistiges ist nicht sichtbar. Auf den ersten Blick unsichtbar. Und doch da. Fühlbar, erstrebenswert: Wer möchte nicht geliebt werden? Erst durch die Liebe kann sich ja der Mensch erkennen.

Damit der Mensch sich als liebendes Geschöpf erkennt, hat Gott diese große Sehnsucht nach wahrer Liebe in uns hineingelegt. In jeder Jugendstudie wird es wieder belegt: Gerade die jungen Menschen sind noch ganz nah dran an dieser großen Sehnsucht, und absolut niemand sehnt sich danach, ge- oder gar missbraucht zu werden; alle wollen als Person wahrgenommen und einzigartig und ausschließlich geliebt werden.

Christus führt den gefallenen Menschen aus dem Begehren in die Freiheit der Liebe

Es gibt Regeln, wie Liebe geht, und es gibt No-goes, absolute Vernichter und Feinde von Liebe. Seit dem Sündenfall (Genesis 3), dem Herausfall des Menschen aus der göttlichen Liebe aus freiem Willen, muss unser Herz, unsere Liebe willentlich gelenkt werden. Zu groß sind die Begehrlichkeiten und blinden Flecke, die Liebe bis in ihr Gegenteil entstellen können. Davor warnte Jesus ausdrücklich.

Wer also glaubt, dass er Geschöpf Gottes ist und dass Gott uns durch seinen Sohn erlöst hat, wer noch dazu glaubt, dass Gott die Liebe ist und aus Liebe und für die Liebe alles geschaffen hat, der nimmt die klaren Regeln und Gesetzmäßigkeiten von Liebe an, die erfüllt und fruchtbar ist: Vor allem der heilige Papst Johannes Paul II. hat sie zusammengetragen, die Katholische Kirche legt sie uns ans Herz.

Um einige zu nennen: Brauchen ist das Gegenteil von Liebe; der sexuelle Trieb ist der Kraftstoff, der gezügelt und gelenkt gehört; Eros muss durch Ethos gereinigt werden; alles beginnt im Herzen, dem Zentrum des freien Willens; der Mensch ist das einzige um seiner selbst willen gewollte Geschöpf Gottes und kann sich nur durch Selbsthingabe finden; Liebe zwischen Mann und Frau und Fruchtbarkeit gehören untrennbar zusammen; und noch einmal: Liebe ist die einzige adäquate Form einander geschlechtlich und überhaupt zu begegnen.

Die Sprache des Leibes ist eindeutig

Dieser Bauplan des Menschen und seiner Liebesfähigkeit ist deutlich eingeschrieben in unseren Leib, in unsere Seele, und kann von unserem Geist erkannt und befolgt werden.

Wer eine andere Person nur körperlich liebt, oder gar nur seinen Trieb an ihr abreagiert, handelt zu hundert Prozent „gegen die Liebe“. Noch mehr, wer eine andere Person schlägt, vergewaltigt, missbraucht: der Leib, die Seele des „Gebrauchten“ werden dadurch verletzt, seine Person vernichtend angegriffen. Das ist doch ganz klar: man braucht sich das nur für sich selbst als Betroffenen vorstellen. Dazu braucht man keine Religion, keine Lehre, keine Regeln, einfach nur Ehrlichkeit.

Schmetterlinge im Bauch: Damit der Mensch sich als liebendes Geschöpf erkennt, hat Gott diese große Sehnsucht nach wahrer Liebe in uns hineingelegt

Mit Hilfe des Leibes drückt der Mensch entweder aus: ich achte dich, ich will dein Gutes, ich achte deinen freien Willen, oder er schlägt all das nieder und zur Seite, verletzt also die andere Person. Das fängt im Kleinen an und hört im Großen auf. Ein Dauerkrieg sozusagen: Es gibt Verletzte, Tote, nachhaltig Zerstörte durch falsch gelebte Liebe; über die Menschheit breiten sich Verletzung, Ohnmacht, Misstrauen, Hass und Rachsucht aus.

Kennen Sie die Bilder der Zerstörung aus Kriegsgebieten? So ungefähr schaut es aus in der geistig-seelischen Welt. Die wiederum eins zu eins mit unseren Körpern verknüpft ist, also maßgeblichen Einfluss auf unser tägliches Leben hat. Auch wenn wir das nicht unmittelbar sehen und greifen können. Nicht zu unterschätzen ist auch die lähmende Auswirkung von zügellos gelebter Sexualität im Arbeitsleben, richtig gefährlich etwa in der Politik. Wer nicht aufgedeckt werden möchte, macht sich abhängig, ist erpressbar, angreifbar, schweigt. Fast immer ist da Machtmissbrauch im Spiel.

Dass unser sexuelles Verhalten nicht nur Privatsache ist, zeigt ja in aufrüttelnder Weise der Fall Epstein. Alles, was der Mensch tut, ganz besonders dieses im Intimen stattfindende Verhalten, hat soziale Auswirkungen. Es wirkt auf die Umgebung; und ganz entscheidend ist auch die persönliche Seite: wir werden, was wir tun.

Kehren wir um, bekennen wir Schuld, streben wir nach wahrer Liebe

Kommt nicht der überwiegende Teil der Übel in der Welt in Wahrheit von der nicht richtig gelebten, ungezügelten, nicht gereinigten Sexualität, der falsch gelebten Liebe? Zerbrochene Ehen, Missbrauch, Sexskandale, Gender-Verwirrung, Leihmutterschaft, Liebe zu KI-Chatpods … psychische Verletzungen, psychische Störungen, Gier, falsches Machtstreben … bis zum Krieg letztlich. Und so schlimm: Nicht zu vergessen der Krieg im Mutterleib, die Abtreibung. Alles Themen unserer Zeit.

Wer sich selbst, die eigene Identität als Mann oder Frau, unsere Ergänzungsbedürftigkeit, Geschöpflichkeit nicht kennt, wer auch gar nicht nach dem Woher und Wohin fragt und Gott völlig aus seinem Leben verdrängt, der verirrt sich, verliert sich, kann im schlimmsten Fall zum Unmenschen werden.

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Die Kirche hat die umfassendsten und tiefsten Antworten, die den menschlichen Sehnsüchten am nächsten kommen, speziell auch, was das große Thema „Liebe“ angeht. Die Päpste meiner Zeit, vor allem natürlich der hl. Johannes Paul II., haben da – oft gegen den Mainstream, angefeindet, aber gestützt auf die Liebe zu den Menschen und das Wort Gottes – großartige Arbeit geleistet. Wie dankbar bin ich dafür.

Diese katholische Lehre über den Menschen und die menschliche Liebe, im Kern die „Theologie des Leibes“, muss nur unter die Leute kommen: Gerade die Jugend sehnt sich nach diesen klaren, lebensspendenden und ihnen würdigen Lebens-Weisheiten. Was wir darüber hinaus auch brauchen ist ein Bekenntnis, Reue und Wiedergutmachung, Buße für alle Sünden und Verbrechen durch falsch gelebte Sexualität und Liebe.

Die Welt braucht nicht Gier, sondern Hingabe und Buße

Ein wunderbarer Satz des Zweiten Vatikanums (Pastoralkonstitution „Freude und Hoffnung“ Nr. 24,3): „Der Mensch, der auf Erden die einzige von Gott um ihrer selbst willen gewollte Kreatur ist, findet sich selbst nur durch die aufrichtige Hingabe seiner selbst“ zeigt beides auf: unsere besondere Stellung in der Schöpfung und unsere besondere Aufgabe. Die Welt braucht Hingabe, und wer sollte sie geben können, wenn nicht wir, die wir dazu geschaffen und angelegt sind. Wer immer nur nimmt, sich nicht als Geschenk dankbar annimmt, wer also den wunderbaren Kreislauf des Geschenks, des Annehmens und Weitergebens aus der Quelle Gott, verlässt oder pervertiert, der richtet Unheil, Zerstörung an. In sich und um sich.

Gerade in der Fastenzeit könnten wir uns besinnen und in den Kreislauf der Gnade zurückfinden. Buße im christlichen Verständnis ist notwendig, um Gottes Stimme klarer zu hören und Vergebung zu erfahren. Wir brauchen Umkehr, Reue und die Ausrichtung des Lebens auf Gott. Buße ist ein Akt der Gnade, der Heilung bringt und ein neues, versöhntes Leben ermöglicht.

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