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Kolumne „Der Schweizer Blick“

Wenn nicht-linke Medien „salonfähig“ werden

Es funktioniert immer nach demselben Raster. Ein Veranstalter möchte den Dialog ermöglichen und lädt Referenten und Gäste aus dem gesamten politischen Spektrum ein. Liberale, konservative, schlicht bürgerliche Stimmen melden sich an. Solche von links verweigern den Auftritt danach mit dem Verweis darauf, dass es dort ja schließlich auch Rechte habe, mit denen man nichts zu tun haben wolle. Danach melden linke Medien mit großer Empörung, da finde eine ausschließlich rechts besetzte Veranstaltung statt. Das muss doch schließlich Absicht sein!

So auch wieder geschehen beim Journalistenkongress des „Vereins für unabhängigen Journalismus“, der Ende vergangener Woche in Zürich abgehalten wurde. Der noch junge Verein hat sich auf die Fahne geschrieben, Medienschaffende zu vernetzen und gemeinsam mit ihnen die freie Rede hochzuhalten. Dafür wurden ohne Scheuklappen potenzielle Referenten aller Richtungen eingeladen. Linke Medien wie die Wochenzeitung (WOZ) und die Republik boykottierten den Anlass aber, wie der Organisator erklärte.

Pauschale Vorwürfe

Boykott ja, doch ignorieren wollte man das Geschehen dann doch nicht. Denn schließich liege eine große Gefahr für Demokratie und Gesellschaft darin, wenn Medienschaffende, die nicht dem Mainstream folgen, in einem Raum zusammenkommen. Schon früh kündigte die WOZ das unfassbare Geschehen an und versuchte nach besten Kräften, es präventiv zu diskreditieren. Die Republik doppelte nach und warf den Beteiligten gleich mal pauschal vor, „Desinformation“ zu verbreiten.

Wer referierte nun in dieser sinistren Umgebung, wer saß im Publikum? Es waren vor allem Vertreter jüngerer Medien: Radio Kontrafunk, das österreichische Onlineportal Exxpress, der Gründer der deutschen Apollo News oder des gerade gestarteten Mediums Glut. Was sie verbindet: Sie waren nicht mehr glücklich mit den „Altmedien“, von öffentlich-rechtlichen Sendern bis zu den Traditionstiteln der großen Verlage.

Voller Saal beim Panel über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk beim Journalistenkongress 2026 in Zürich

In vielen Fällen hatte die Coronazeit den Anstoß gegeben für ihre Initiative, aber danach haben weitere kontroverse Themen dazu geführt, dass sich jenseits alteingesessener Medien ein neues Biotop gebildet hat. Diesen Leuten ging es darum, eine andere Sichtweise zu ermöglichen, was einst die Grundlage für mediales Schaffen war.

Dieses Biotop besteht je nach Wortwahl der anderen Medien aus „fragwürdigen“ oder „umstrittenen“ Leuten, aus «Querdenkern“ oder „Fake-News-Verbreitern“. Unnötig zu erwähnen, dass die Redaktionen, die im Vorfeld versuchten, dem Journalistenkongress die Legitimation abzusprechen, jeden Beleg für solche „Einordnungen“ schuldig blieben. Man stellt es einfach mal in den Raum und hofft, dass es hängen bleibt.

Das Urteil schon vorher gefasst

Auch in Deutschland nahm man die Ereignisse wahr. Die Schweizer Korrespondentin des Deutschlandfunk nahm offenbar sogar die für sie sicher sehr belastende Pflicht wahr, vor Ort zu erscheinen und sich das Ganze anzuhören. Wobei sie ihr Urteil sichtlich bereits vor dem Begrüßungskaffee gebildet hatte.

„Rechtslastige Medien werden immer salonfähiger“, ist der neun Minuten lange Radiobeitrag betitelt, in dem die besagte Dame atemlos berichtet, wie furchtbar das alles war. Auch sie sieht sich leider außerstande, konkrete Beispiele dafür anzuführen, es bleibt bei der Aufzählung der beteiligten Medien. Deren Vertreter hätten auch Voten für den Weltfrieden vortragen oder gemeinsam die «Internationale» singen können, es hätte an der Bilanz des Deutschlandfunk nichts geändert.

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Der Begriff „salonfähig“ ist vielsagend, vor allem. Historisch betrachtet stammt er aus der Zeit des bürgerlichen Adels. Der fand es nicht lustig, wenn Gepflogenheiten aus dem Pöbel plötzlich ganz normal wurden. Sobald deren Verhaltensweisen, die man als Teil der Reichen und Mächtigen nicht gut fand, Einzug in die breite Gesellschaft hielten, dann wurden sie „salonfähig“ – und der Adel war davon angewidert.

Ausgerechnet auf die gerümpfte Nase des feudalen Adels beziehen sich also Linke, wenn es darum geht, Entwicklungen zu brandmarken, die ihnen nicht gefallen. Rechte Positionen, ob von Bürgern oder von Medien, müssen sich keinen Weg zurück zur „Salonfähigkeit“ erkämpfen. Es gab sie schon immer, gottlob in einer Demokratie. Was sich hingegen verändert hat: Den vornehmlich linken Medien ist es über die letzten Jahre gelungen, ihre Perspektive auf die Welt als die einzig richtige, die einzig akzeptable darzustellen.

Debatten als Gefahr

Wer als Journalist heute Fragen zum Klimawandel hat, gern mehr wissen würde über die Vorgeschichte zum Ukrainekrieg oder die Migrationspolitik kritisiert, schert davon aus. Gibt es immer mehr solcher Medienschaffender und auch immer mehr Leser, die sich dafür interessieren, meldet der mediale Mainstream in höchster Aufregung, diese Positionen würden nun „salonfähig“. Als wäre es verboten oder zumindest unanständig, die Dinge anders zu sehen als sie. 

Tut man das und hat dann noch die Stirn, sich in aller Öffentlichkeit und breit angekündigt zu treffen, ist das für die Vertreter der einzig richtigen Lehre ein Affront. Der Austausch von Gedanken, die offene Debatte über Standpunkte: Das ist heute offenbar zu viel des Guten. Selbst für Journalisten. Als läge die aktuelle Gefahr für Gesellschaft und Demokratie im Gespräch – und nicht in dessen Unterbindung.

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