Lassen Sie sich nicht verunsichern
Wenn es um unser Geld geht, um unser Erspartes, dann sind wir leider oft allzu risikoscheu. Das ist verständlich, aber es ist auch sehr schade. Denn dadurch entgehen uns auch Chancen, Chancen auf eine höhere Rendite. Und die braucht es doch eigentlich für den langfristigen Vermögensaufbau. Vor allem, da wir es mit einem Geldsystem zu tun haben, in dem unser Erspartes wegen der Inflation Jahr für Jahr an Kaufkraft verliert.
Aber da sind all die warnenden Stimmen, Crash-Propheten, aber eben auch jene, die eigentlich ziemlich gute Argumente haben. Mitunter geraten sogar extrem beliebte Anlageprodukte in den Fokus der Kritiker.
Beispiel MSCI World. Der Weltaktienindex ist vor allen bei jenen beliebt, die über einen regelmäßigen Sparplan in börsennotierte Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz: ETFs) investieren. Monat für Monat fließen hohe Summen in diese Produkte. Und das ist auch gut so! Ein ETF auf den MSCI World ist ein guter Anfang, ein gutes Basisinvestment. Lassen Sie sich nichts anderes einreden.
Zuletzt gab es jede Menge Kritik am Index, entsprechende Schlagzeilen inklusive. „Soll ich meinen MSCI World verkaufen?“ (FAZ), „Ich halte den Hype um den MSCI World für ein Riesenmissverständnis“ (Spiegel) oder „Wie riskant ist der ‘Weltindex’ für Fondssparer?“ (tagesschau.de) Es ist Kritik, die in Teilen auch berechtigt ist und die Sie als Anleger auch unbedingt kennen sollten.
Trotzdem sollten Sie sich aber auch nicht verunsichern lassen! Doch der Reihe nach: Mit dem MSCI World setzen Sie auf Aktien von mehr als 1.400 Unternehmen aus 23 Industrienationen. Das ist eine extrem gute Risikostreuung. Mit nur einem Produkt, also einem ETF auf den MSCI World, investieren Sie breit gestreut.
Zu viel USA, zu viel Tech, zu viel Dollar?
Doch gerade an dieser Risikostreuung gibt es Kritik: 1.400 Aktien mögen viel sein, aber US-Unternehmen machen mit zeitweise über 70 Prozent den mit Abstand größten Teil des MSCI World aus. Damit hat dann auch der US-Dollar ein hohes Gewicht. Das wurde europäischen Anlegern übrigens zum Verhängnis. Zwar lief der Index im Jahr 2025 mit einem Plus von rund 20 Prozent ziemlich gut, aber da der Dollar so schwach war, blieben für Euro-Anleger „nur“ gut sechs Prozent übrig.
Auch bei den Branchen sehen Kritiker übrigens ein sogenanntes Klumpenrisiko: Denn knapp 30 Prozent entfallen auf Technologieaktien. Und die Kritik geht noch weiter: Da der MSCI World nur Industrieländer abbildet, fehlen die aufstrebenden Schwellenländer und damit auch Wachstumsmärkte wie China, Indien und Brasilien. Sie sind im MSCI Emerging Markets gelistet. Auch Aktien kleinerer Unternehmen, sogenannte Nebenwerte, fehlen im Index.
Die Generalkritik ist nicht gerechtfertig
All das ist richtig, aber ich bin trotzdem der Meinung, dass die Generalkritik an dem beliebten MSCI World nicht berechtigt ist. Die Zusammenstellung des Index unterliegt klaren Regeln: Die Unternehmen mit dem höchsten Börsenwert – auch Marktkapitalisierung genannt – haben den größten Anteil am Index. Und da US-Aktien, allen voran die Tech-Giganten in den vergangenen Jahren super gelaufen sind, die Unternehmen damit immer wertvoller wurden, ist auch ihr Anteil gestiegen. Davon haben wir als Anleger in den vergangenen Jahren auch extrem profitiert. Schade, dass der Dollar 2025 nicht mitgespielt hat. Aber das kann sich ja wieder ändern.
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Dass keine Schwellenländer-Aktien im Index sind, liegt daran, dass diese Märkte kaum investierbar waren, als der MSCI World ins Leben gerufen wurde. Anfang des Jahrtausends folgten dann MSCI Emerging Markets und der MSCI All Country World. In letzterem haben auch die Schwellenländer einen Anteil von gut zehn Prozent, denn größer ist ihre Marktkapitalisierung noch immer nicht.
Schwellenländer, Europa und Nebenwerte beimischen
Bei aller Kritik bin und bleibe ich der Meinung: Der MSCI World ist ein gutes Basisinvestment. Wichtig ist, den Index und die Kritik an ihm zu verstehen und gegebenenfalls nachzujustieren. Ihnen ist zu viel USA im Index? Dann investieren Sie doch zusätzlich in einen ETF auf einen europäischen Aktienindex. Damit sinkt auch die Dollar-Abhängigkeit in Ihrem Depot. Ihnen fehlen die Schwellenländer? Mischen Sie einen ETF auf dem MSCI Emerging Markets bei oder setzen Sie gleich auf dem MSCI All Country World. Ihnen fehlen die Nebenwerte? Auch da gibt es eine breite Auswahl an ETFs.
Aber handeln Sie nicht übereilt. Schmeißen Sie den MSCI World nicht gleich aus dem Depot. Der MSCI World ist und bleibt ein guter Index. Nur ist eben nicht jeder Index perfekt. Aber zum Glück können Sie ja mehrere Indizes und damit ETFs miteinander kombinieren.
Wichtig ist, dass Ihre Geldanlage zu Ihrem Risikoprofil, Ihrem Anlagehorizont und Ihren Zielen passt. Mit etwas Wissen, Geduld und einer klaren Strategie können Sie mit ein paar Anpassungen ein wunderbar global ausbalanciertes ETF-Portfolio aufbauen. Schauen Sie sich den MSCI World genau an, überlegen Sie was Ihnen fehlt und investieren Sie entsprechend.
Es ist einfacher, als Sie vielleicht denken! Und ganz wichtig: Lassen Sie sich bitte nicht von all der Kritik verunsichern. Und seien wir ehrlich: Zu viel USA, zu viel Tech, zu viel Dollar – das war lange Jahre eine ziemlich erfolgreiche Mischung! Mehr Chance als Risiko auf jeden Fall.
Kommentare
...und wie rechnet sich das noch, wenn die Besteuerung von nicht realisierten Gewinnen eingeführt wird?