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Interview mit Guareschi-Biograf Marco F. Gallina

„Keine Gruppe, kein Volk, kein Apparat hat ein Gewissen. Das hat nur das Individuum“

Der Pfarrer Don Camillo und sein Rivale, der kommunistische Bürgermeister Peppone, sind weit über die katholische Welt hinaus bekannt. Bücher und Filme über die „kleine Welt“ der Poebene waren auch in Deutschland erfolgreich. Den Zillertaler Volksmusikanten von der Gruppe Ursprung Buam gelang mit „Don Camillo und Peppone“ ein Hit. Szenen aus dem Film werden auf YouTube hunderttausendfach geklickt. Und doch: Der Schöpfer des hemdsärmeligen Priesters ist in deutschsprachigen Gefilden weithin unbekannt. Wer etwas über ihn wissen wollte, der stieß auf dem Blog von Marco F. Gallina auf Anekdoten und Gedanken des Schriftstellers Giovannino Guareschi.

Jetzt hat Gallina die erste deutschsprachige Guareschi-Biografie vorgelegt. Corrigenda konnte sie vorab lesen und mit dem Autor sprechen. Ein Gespräch über einen besonderen Satiriker und was er uns zu sagen hat.

Herr Gallina, Sie haben soeben die erste deutschsprachige Guareschi-Biografie vorgelegt. Guareschi war außerhalb Italiens recht unbekannt. Seine Figuren Don Camillo und Peppone waren es nicht. Gerade in Deutschland waren Bücher und Filme populär. Woran liegt das? Schließlich begann die Walze der Säkularisierung auch im Deutschland der Nachkriegsjahre loszurollen. 

Deutschland selbst war zu Beginn der 1950er Jahre ein „geteiltes Dorf“, ähnlich wie die „kleine Welt“, in der Don Camillo und Peppone leben. Guareschi selbst hat nicht daran geglaubt, dass seine Geschichten außerhalb der Po-Ebene funktionierten, wurde aber schnell eines Besseren belehrt, als die Geschichten (und anschließend die Filme) den Zeitgeist trafen. Das hatte nicht nur mit der Teilung und der unmittelbaren Bedrohung durch den Kommunismus zu tun. Die 1950er Jahre waren in Europa von einer Orientierungssuche nach dem Schrecken der totalitären Ideologien gezeichnet, und zumindest übergangsweise galt das Christentum nun wieder als maßgeblich – man denke in dem Zeitraum auch an die Wiederbelebung des Abendlandgedankens, die Tätigkeit von Romano Guardini oder die Erfolge von J. R. R. Tolkien und C. S. Lewis. Im Übrigen wurden während eines regelrechten „Guareschi-Booms“ zahlreiche seiner anderen Schriften auch damals ins Deutsche übersetzt – die meisten dieser Bücher wurden aber nie wieder aufgelegt und sind heute nur antiquarisch erhältlich. Selbst der Spiegel kam um Guareschi nicht herum und widmete ihm an Silvester 1952 seine Titelstory.

Guareschi verband mit Deutschland nicht nur Erfolg, sondern auch Leid. Zwei Jahre saß er während des Zweiten Weltkriegs in Kriegsgefangenschaft in Deutschland. Dort las er Mitinsassen Geschichten vor, munterte sie auf. Später hegte er ähnlich wie auch Viktor Frankl keinen Groll gegen die Deutschen. Woher nahm Guareschi die Kraft, in dieser niederschmetternden Situation nicht zugrunde zu gehen, sondern im Gegenteil andere vor dem seelischen Abgrund zu bewahren?

Guareschi empfand die Kriegsgefangenschaft als Bewährungsprobe. Sie hatte drei Dimensionen. Da gab es einerseits die patriotisch-charakterliche Ebene. Mit seinen Kameraden, die nicht mit Hitler und Mussolini kollaborieren wollten, befand er sich in einer „Schicksalsgemeinschaft“, die sich geschworen hatte, sich nicht zu Tieren herabwürdigen zu lassen. Ihre Gefangenschaft war ein „Dienst für das Vaterland“, indem sie nicht kapitulierten. Der nächste Aspekt betraf die familiäre Ebene: Als Väter, Brüder und Söhne war es ihre Pflicht, zu ihren Familien zurückzukehren; ein Nachgeben angesichts von Hunger und Krankheit hätte bedeutet, ihre Familien im Stich zu lassen. Die dritte Ebene betraf bei Guareschi die Beziehung zu Gott. Kein Elend, mit dem Gott den Menschen konfrontiert, ist so groß, dass er es nicht tragen könnte. Das war Guareschis lebenslange Überzeugung. Nur im Leid schält sich der wahre Charakter des Menschen heraus. Die ganze Welt mag in Feuer und Krieg untergehen, aber Gott bleibt. Der menschengemachte Totalitarismus kann nicht über das triumphieren, was Gott dem Menschen beigegeben hat. Daher Guareschis Motto: Ich sterbe nicht, selbst wenn sie mich umbringen.

„Das Herz der christlichen Religion findet sich nicht in Bischofsbeschlüssen und theologischen Diskussionen, sondern in der Volksfrömmigkeit“

In Ihrem Buch schreiben Sie, weit relevanter als Italiens Nord-Süd-Gefälle sei die Trennung zwischen dem Heiligen und dem Profanen. Hat das post-guareschische Italien abseits Roms noch die Kraft für das Sakrale und allem, was daraus folgt? Man denke an die Geburtenrate, die eine der niedrigsten des eh schon schwachen Europas ist.

Das siebte Jahrhundert war in Italien sowohl demografisch wie auch religiös – man vergisst leicht, wie lange der Arianismus Europa im Griff hatte – eine deutlich angespanntere Zeit. Die Kraft der italienischen Frömmigkeit hat seitdem immer wieder ihren Aufstieg und Niedergang erlebt – so mussten die iro-schottischen Missionare oder die cluniazensische Reformbewegung häufiger im Heimatland der römischen Kirche nachhelfen. Im Hochmittelalter hat dagegen Franz von Assisi die ganze christliche Welt erschüttert. Sein Tag wird in Italien bald wieder Nationalfeiertag sein. Denn das Herz der christlichen Religion findet sich nicht in Bischofsbeschlüssen und theologischen Diskussionen, sondern in der Volksfrömmigkeit. So hat es übrigens auch Guareschi gesehen. Mit Carlo Acutis und Pier Giorgio Frassati wurden zwei junge Italiener heiliggesprochen. Die Apologetik der Kirche besteht zu einem großen Teil aus ihren Heiligen und ihrer Kunst, um ein Wort von Benedikt XVI. abzuwandeln. In dieser Hinsicht ist die letzte Messe in Italien noch nicht gelesen.

Das Italien der Nachkriegszeit ähnelt ein Stück weit dem Deutschland von heute. Die Regierungen verharmlosen den Terror gegen Rechte, die Leitmedien aber warnen unentwegt vor den Rechten. Wie fand Italien aus dieser Schieflage heraus?

Bevor es besser wird, muss es erst noch deutlich schlechter werden. Denn die 1970er und 1980er Jahre, die darauffolgten, waren ja noch deutlich blutiger als der „Deutsche Herbst“ – inklusiver rechtsextremer Attentate und „False Flag“-Aktionen. Zu einem echten Wandel kam es daher erst ab dem vollständigen Zusammenbruch des alten Parteiensystems zu Beginn der 1990er. Freilich retteten sich damals auch viele alte Parteikader in neue Bewegungen unter anderem Namen. Aber erst dieser Zusammenbruch hat dafür gesorgt, dass es zu einer echten Neuordnung kam – die überdies nicht direkt eintrat, sondern ein Prozess über Jahrzehnte war.

„Es gibt heute mehr Ähnlichkeiten zwischen CDU und DC als je zuvor“

Die italienische Republik ist wie die bundesdeutsche geprägt von der Christdemokratie, hier CDU/CSU, dort die Democrazia Cristiana (CD). Gibt es heute noch Ähnlichkeiten?

Es gibt heute mehr Ähnlichkeiten zwischen CDU und DC als je zuvor. Im Grunde hätte die CDU Ende der 1990er mit der Spendenaffäre ein ähnliches Schicksal erleiden können wie ihre italienische Schwester. Angela Merkel hat sie als „unbefleckte Jungfrau“ gerettet. Der Preis war die komplette Aushöhlung der Union. Daher gab es in Deutschland keine Neuordnung wie in Italien.

Guareschi war ein überzeugter Verteidiger des Individuums, eine Haltung, die, wohlgemerkt, nicht mit Individualismus verwechselt werden darf. Warum dieser Fokus auf den Einzelnen?

Weil keine Gruppe, kein Volk, keine Masse, kein Apparat, auch nicht eine „Demokratie“ ein Gewissen hat. Das hat nur das Individuum, das allein vor Gott steht und sich verantworten muss. Es gibt keine kollektiven Seelen.

Kann man diese Haltung „rechts“ nennen? Und den Fokus auf das Kollektiv „links“?

Letzteres war ja bereits die Ansicht von Erik von Kuehnelt-Leddihn. Guareschi hätte dem zugestimmt. Im Übrigen auch der Priester Hans Milch, der mit seiner Theologie des „Gottmenschentums“ definitiv Bezüge zur Guareschi-Haltung aufweist. Letztlich ist das Eingehülltsein in die Masse nichts weniger als ein Hass gegen alles Große, Edle, Erhabene und Schöne.

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Für mich persönlich ist „rechts“ deswegen weniger eine politische als eine ästhetische Frage. Deshalb ist nicht nur der Inhalt, sondern auch die Form für den Rechten ausschlaggebend. Die Frage nach Schönheit und Wahrheit – und damit: dem Wesen des Menschen – ist überdies wichtiger als die Frage nach außenpolitischen Positionen.

Sind Kommunismus und Christentum vereinbar?

Nein.

Guareschi stellte der Figur Italia turrita, die Personifikation Italiens, eine andere Figur zur Seite, die das Jakobinische verkörpert. Die Figur, anfangs noch neutral dargestellt, mutiert immer weiter zum Scheusal, später auch mit direktem Bezug zur DC. Sehen Sie da Ähnlichkeiten zu CDU und ÖVP?

Ja und nein. Ja, weil DC, CDU und ÖVP ihre Länder so maßgeblich geprägt haben, dass viele ihrer heutigen Erben denken, dass die jeweiligen Staaten ihr Privateigentum sind. Es besteht eine gewisse Attitüde, dass die eigene Partei ein „Herrschaftsanrecht“ hat. Nein, weil Guareschi der DC zum Vorwurf machte, den König ins Exil geschickt und damit das „wahre Italien“ verraten zu haben. CDU und ÖVP haben diesen klassisch-jakobinisch geprägten „Königsmord“ gar nicht begehen können, da es bei ihrer Gründung keine Monarchie mehr gab.

Als sich Guareschi mit Ministerpräsident Alcide De Gasperi anlegt, geht er lieber ins Gefängnis, als zu verhandeln. Ist das eine Form von „in Schönheit sterben“?

Es ist eine Ehrensache. Guareschi fühlte sich in seiner persönlichen Ehre verletzt, weil die Staatsanwaltschaft als „Beweis“ gegen ihn gelten ließ, dass De Gasperi per Zeugnis die Vorwürfe Guareschis „entkräftet“ hatte. Die Worte des Ex-Ministerpräsidenten De Gasperi wogen also mehr als die Aussagen des Bürgers Guareschi. Das war demnach ein Ehrvergleich, kein juristischer Vergleich. Guareschi machte mit seinem Gang klar, dass er bereit war, für seine Überzeugung ins Gefängnis zu gehen, er also kein Verleumder war, der sich vom Hof machte, wenn er aufflog.

„Der Mensch kann sich nicht aufgrund von Befehlen, Ideologien oder Autoritäten verstecken“

Er kritisierte die Democrazia Cristiana scharf, dennoch unterstützte er sie bei der Wahl 1948. Wie passt das zusammen?

Man muss hier etwas differenzieren. Guareschis Zeitung, der Candido, kritisierte die Christdemokraten zwar schon ab der Gründung 1946; der eigentliche Gegner war aber die „Volksfront“ aus Kommunisten und Sozialisten. Guareschi hielt die Christdemokraten bei der Wahl 1948 nicht nur für das geringere Übel, sondern auch De Gasperi für den einzigen Mann, der geeignet war, Italien zu diesem Zeitpunkt zu stabilisieren und zu verteidigen. Allerdings beging Guareschi den „Fehler“, nach dem Wahlsieg der DC auch die neue Regierung von De Gasperi zu kritisieren, insbesondere, weil viele Nicht-Christdemokraten diesem die Stimme gegeben hatten, um einen starken Anti-Kommunisten-Block zu formen. Der Ministerpräsident, so Guareschi, sollte sich fortan nicht als Parteimann verstehen, sondern als Premier. Das nahm man Guareschi übel. Das Zerwürfnis folgte.

„Man darf das wunderbare Geschenk, das Gott uns gegeben hat, nicht verachten: Er hat uns eine Persönlichkeit und ein Gewissen gegeben, auf die wir nicht verzichten dürfen. Auf dem Sterbebett werden wir allein vor Gott für unsere Taten Rechenschaft ablegen müssen“, schrieb Guareschi. Was bedeutet diese beständige Hervorhebung des Gewissens aus christlicher Sicht?

Der Mensch kann sich nicht aufgrund von Befehlen, Ideologien oder Autoritäten verstecken. Das Gewissen ist der innere Ort menschlicher Entscheidung; hier wird klar, ob der Mensch sich für oder gegen Gott entscheidet, ob er Gottes Willen folgt oder nicht. Das setzt zuerst einmal die Freiheit von Willen und Entscheidung voraus. Wichtig bleibt, dass das Gewissen Guareschis kein bloßes „Herzgefühl“ oder eine „Stimmung“ ist, sondern eben ein katholisch gebildetes Gewissen. Die Entwicklung Guareschis als „Autor des Gewissens“ lässt sich dabei bereits in der deutschen Lagerhaft nachweisen.

Zur Person Marco F. Gallina

1986 in Italien geboren, im Rheinland sozialisiert, hat in Verona und Bonn Geschichts- und Politikwissenschaften mit Schwerpunkten auf Internationale Beziehungen, Diplomatiegeschichte und europäische Geschichte studiert. Danach war er bis 2021 Mitarbeiter im Deutschen Bundestag. Dort spezialisierte er sich auf Themen zur Außen-, Sicherheits- und Energiepolitik. Seit 2014 publizistisch aktiv, schrieb er ab 2019 insbesondere für die katholische Wochenzeitung Die Tagespost. Nach Ablauf der Legislaturperiode war er von 2021 bis 2025 Redakteur bei Tichys Einblick. Seit 2025 ist er Referent bei der christlichen Menschenrechtsorganisation Christian Solidarity International (CSI) und schreibt regelmäßig für Corrigenda. 2026 erschien sein Buch „Giovannino Guareschi – Don Camillos rebellischer Vater“ im Westend-Verlag. Der Katholik ist verheiratet, Vater von drei Kindern und lebt in Bayern.

Katholiken sollten in mehreren Parteien sein und dann zusammenarbeiten, riet Guareschi. Heute wird wieder vereinnahmt: Union und AfD, ÖVP und FPÖ sagen: Echte christliche Politik gibt es nur mit uns. Was sagen Sie dazu als Historiker und Guareschi-Biograf?

Wer an die Politik glaubt, ist sowieso verloren. Als Christ sollte man das mit mehr Gelassenheit sehen. Man kann punktuell Parteien in politischen Programmen unterstützen, wenn es sich anbietet. Eine echte christliche Politik wurde bis heute nirgendwo ohne Abstriche umgesetzt. Nicht einmal Kaiser Theodosius hat das geschafft – und der hat das Christentum immerhin zur Staatsreligion im Römischen Reich erklärt.

„Jede Form echter Satire droht heute im Verdacht zu stehen, mindestens protofaschistische Absichten zu haben“

Guareschi schrieb, ein Kommunist, der nicht-kommunistische Zeitungen lese, habe sich bereits aus dem roten Dunst gelöst. Zeitungen entstanden einst als Blätter von Verbänden, Parteien und Weltanschauungen. Heute erleben wir auch dank Social-Media wieder einen Hang dazu, dass man eher nur das liest und hört, dem man zustimmt. Was würde Guareschi dazu sagen?

Ich glaube, Guareschi würde sich in erster Linie nicht einmal so sehr über die Wagenburgmentalität des politisch-medialen Milieus und ihrer Bodentruppen erregen, denn vielmehr über ihre schreiend platte Humorlosigkeit. Überhaupt droht ja bereits jede Form echter Satire heute im Verdacht zu stehen, mindestens protofaschistische Absichten zu haben.

Guareschi war kein grundsätzlicher Gegner des Fortschritts, sondern wendete sich gegen jene Entwicklung von Zerstreuungen und Erfindungen, die das Leben „frenetisch“ machen: schnelle Abwechslung, kein Innehalten, kurze Aufmerksamkeitsspanne, immer auf der Suche nach dem nächsten Dopaminstoß. Womit wir wieder bei den sozialen Medien wären. Wie hat sich Guareschi dem damaligen frenetischen Fortschritt entzogen, schließlich war er ein Mann der Medien?

Guareschi war von Geburt an ein Landmensch, obwohl er als Journalist seinen Schwerpunkt in der Stadt hatte. Das Mailand der 1930er Jahre war für ihn Heimat und zugleich Abenteuer angesichts der vibrierenden Fremdheit und Vitalität. Später zog es ihn wieder auf das Land zurück, genauer gesagt nach Roncole Verdi, den Geburtsort des berühmten Komponisten. Da Guareschi weiterhin in Mailand arbeiten musste, blieb er meistens drei bis vier Tage im Büro, arbeitete sein gesamtes Pensum in einem Höllentempo ab, und fuhr dann die restlichen Tage zurück aufs Land. Dort fand er seinen Ausgleich – und gab auch häufig vor, unerreichbar zu sein.

Stichwort Kirchenkrise: Guareschi hat viel vorhergesehen, er war beispielsweise nicht einfach nur ein Kritiker des Zweiten Vatikanischen Konzils, sondern entlarvte es als Intellektuellenveranstaltung, das wenig mit Volksnähe zu tun hatte. Was hat er seinerzeit als Lösung angeboten?

Don Camillo ist bereits die Antwort. Er ist ein vorkonziliarer Priester, wie ihn sich das Konzil gewünscht hätte. Er hat ein Auge für die Wirklichkeit und für die Menschen in seiner Umgebung – Landpfarrer wie ihn gibt es übrigens immer noch. Don Camillo hat jede Mode, jeden Zeitgeist und auch sein eigenes Handeln – mit etwas Hilfe von oben – hinterfragt, ohne dabei die Grundüberzeugungen des katholischen Glaubens anzutasten. Dass Don Camillo am Ende selbst zu einem „subversiven“ Priester wird, ist daher zwangsläufig. Er wäre auch den „Synodalen“ ein Dorn im Auge gewesen, obwohl ja gerade die von sich sagen, besonders volksnah zu sein. Das Paradoxon hat Guareschi schon in den 1960ern vorhergesehen.

Was ist die tonangebende Ideologie von heute? Welchem Thema würde sich Guareschi heute in einem weiteren Don-Camillo-Band widmen?

Dem Transhumanismus. Denn der ist nichts anderes als eine Weiterentwicklung der Idee des „Neuen Menschen“, die er schon von den Totalitaristen seiner Zeit kannte.

Herr Gallina, Gerüchten zufolge liegen auch in Ihrer Schublade unfertige Romane. Juckt es Sie nicht, dem Vorbild Guareschis zu folgen und einen Roman zu veröffentlichen?

Ich bin unsicher, ob die Welt noch mehr Gallina ertragen kann.

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