So aggressiv läuft der Kampf gegen Lebensschützer in Österreich
Am 13. Dezember 2025 erschien in der auflagenstärksten Zeitung Österreichs ein bemerkenswerter Bericht. Die Kronen-Zeitung schrieb unter der Überschrift „Abtreibungsgegner vor Spital werden in Linz nicht geduldet“: „Demonstranten bedrängen vor dem Kepler-Klinikum Frauen und Mitarbeiter. Die Landespolitik geht jetzt dagegen vor.“
Der Artikel handelt von der für im Bundesland Oberösterreich zuständigen Landeshauptmannstellvertreterin Christine Haberlander (ÖVP), die Frauen, die sich zu einer Abtreibung genötigt sehen, garantiert – „und dazu bekenne ich mich auch“ –, dass sie dies in einem öffentlichen Spital tun könnten. Für Kundgebungen von Lebensschützern in der Nähe von Krankenhäusern habe sie „absolut kein Verständnis“, ergänzte sie gegenüber der Kronen-Zeitung.
Erneut gibt es keine Belege für Anschuldigungen gegen Beter
Bemerkenswert ist der geschilderte Fall nicht nur deswegen, weil da eine ÖVP-Politikerin sprach wie eine Grüne. Sondern weil von einem „Bedrängen“ von Schwangeren oder Krankenhausmitarbeitern in Linz gar keine Rede sein kann. Das bestätigte auch die oberösterreichische Polizei auf Corrigenda-Nachfrage. „Die interne Recherche hat keine derartigen Vorfälle ergeben, die der Polizei zur Anzeige gebracht worden wären. Dementsprechend musste die Polizei diesbezüglich auch nicht einschreiten“, teilte ein Polizeisprecher mit. Kein Wunder: Die Lebensschützer in Linz wie in ganz Österreich demonstrieren stets angemeldet, friedlich und im Rahmen der Gesetze.
Ganz anders Abtreibungsbefürworter: Sie drohen, werden handgreiflich und schrecken selbst vor Bombenattrappen nicht zurück. Während Abtreibungsbefürworter in Politiker- und Redaktionsbüros in Österreich mit Fake-News argumentieren – Corrigenda berichtete hier und hier exklusiv darüber –, breiten alle großen Medien den Mantel des Schweigens darüber, wenn es Lebensschützer trifft.
Eine Kooperation der österreichischen Lebensrechtsgruppen von Vorarlberg bis Wien hat deshalb beschlossen, die Recherche und Dokumentation selbst in die Hand zu nehmen. In einem 64 Seiten langen Dossier, das Corrigenda vorliegt, sammelten sie rund zwei Dutzend Fälle, in denen Abtreibungsbefürworter Täter und Lebensschützer Opfer waren. Ereignet haben sich die Fälle in den Jahren 2021 bis 2025.
Plötzlich piepst eine Bombenattrappe in der Kirche
Es ist Samstag, 4. Oktober 2025. Mit einem Gottesdienst in der Wiener Karlskirche wird der „Marsch fürs Leben“ eröffnet. Plötzlich hören die Teilnehmer in den hinteren Bänken ein Piepen. Unter einer der Bänke ist eine Bombenattrappe drapiert. Sofort rückt die Spezialeinheit Cobra mit Sprengstoffexperten an, die Messbesucher werden ins Freie geführt. Später stellt sich heraus, dass ein Mädchen die Tasche unter der Bank nichtsahnend zur Seite geschoben hatte. Nach der heiligen Messe finden Besucher noch eine zweite Attrappe im Eingangsbereich.
Sprache prägt die Gedanken, und Gedanken können zu Taten werden. Das zeigen politisch motivierte Anschläge immer wieder. Im September sorgte der Mordanschlag auf den christlich-konservativen US-Aktivisten Charlie Kirk für weltweites Entsetzen. Umso erschreckender ist es dann, wenn Abtreibungsbefürworter in der Nähe der Karlskirche mit Kreide auf den Boden schreiben: „1. Kirk, 2. ihr“. Hinter „Kirk“ malten die Täter ein Kästchen mit gesetztem Haken, bei „ihr“ war ein leeres Kästchen.
Wenige Tage zuvor hatte eine Gruppe, die sich nach eigenen Angaben „gegen christliche Fundamentalist*innen, Abtreibungsgegner*innen und Faschist*innen, für eine queerfeministische emanzipierte Gesellschaft“ einsetzt, auf Instagram dazu aufgerufen: „den Fundis die Hölle heiß machen“. Dazu war ein Bild einer brennenden Karlskirche abgebildet und der Titel: „Marsch fürn Arsch“.
Mutter eines minderjährigen Opfers äußert sich
Wenn es gegen Lebensschützer geht, bleibt es aber nicht bei Drohungen. In dem Dossier werden mehrere Fälle aufgeführt, bei denen Menschen angegriffen wurden. Am Telefon erzählt eine vierfache Mutter aus Wien gegenüber Corrigenda, was ihrer Tochter beim Wiener „Marsch fürs Leben“ ein Jahr zuvor widerfahren ist.
„Meine damals 13-jährige Tochter ging in einer Reihe mit anderen Marsch-Teilnehmern, als Gegendemonstranten die Frau neben ihr und meine Tochter mit schwarzer Farbe überschütteten. Es war eine Art Lack, der trotz mehrfachen Waschens nicht mehr rausging, weder aus den Klamotten noch aus den Haaren.“
Die 13-Jährige sei sehr aufgewühlt gewesen, schildert die Mutter, die ihren Namen nicht der Öffentlichkeit preisgeben will. Zwar habe das Mädchen gewusst, dass es Menschen gibt, die nicht seiner Meinung sind, was den Schutz des Lebens anbelangt.
„Sie war aber doch sehr erschrocken, dass jemand, der bei einer so fröhlichen Veranstaltung teilnimmt, der singend und mit lebensfrohen Schildern die Straße langgeht, mit so viel Hass konfrontiert wird.“
So ein Angriff kann Spuren hinterlassen, nicht nur äußerliche:
„Als Mutter habe ich mir dann natürlich überlegt, ob meine Kinder weiterhin mit auf solche Veranstaltungen dürfen. Aber ich möchte mich nicht aus dem öffentlichen Raum vertreiben lassen.“
Deswegen war ihre Tochter ein Jahr später wieder mit dabei beim „Marsch fürs Leben“. Den ganz kleinen Kindern möchte sie den Hass, Gotteslästerungen und die Obszönitäten der Gegendemonstranten nicht zumuten.
Eine Sache würde sie jedoch heute anders machen: „Damals fühlte ich mich machtlos, weshalb ich auch nicht daran dachte, den Vorfall zur Anzeige zu bringen. Ich dachte, das sei nicht zielführend, da kommt eh nichts dabei heraus. Heute würde ich Anzeige erstatten und viele Fotos machen.“ Dann schildert die Wienerin noch eine andere Begebenheit:
„Auf einer Lebensschutz-Kundgebung standen uns abermals schreiende und hasserfüllte Gegendemonstranten gegenüber. An dem Platz kam ein unbeteiligter Mann mit seinem Kind vorbei. Das Kind fragte seinen Vater, was denn hier los sei, woraufhin dieser entgegnete: ‘Die einen sind für Kinder und die anderen gegen Kinder.’ Darauf das Kind verdutzt: ‘Wieso gegen Kinder?’“
Die 64-seitige Fallsammlung führt weitere Angriffe auf:
- Eine 24 Jahre alte Lebensschützerin wurde von einem Gegendemonstranten sexuell belästigt.
- Eine Sängerin des „Marschs fürs Leben“ in Wien wurde beim Verlassen der Veranstaltung mit dem Fahrrad umgestoßen.
- Ein älterer Mann wurde, ebenfalls beim Wiener „Marsch fürs Leben“, von Gegendemonstranten zu Boden gestoßen.
- Eine Gruppe von Marsch-Teilnehmern wurde auf dem Heimweg von mehreren Linksradikalen mit Dosen und Flaschen beworfen.
Nicht alle Fälle sind nachprüfbar, da sie mitunter nicht bei der Polizei gemeldet wurden oder keine Fotos oder Videos existieren. Die Betroffenen sowie Zeugen sind der Kooperation der Lebensrechtsgruppen und teilweise auch Corrigenda bekannt. Suha Dejmek von der Meldestelle Christenschutz mit Sitz in Wien betonte: „Die Faktenlage ist erdrückend: Nicht die Beter sind das Sicherheitsrisiko, sondern sie sind die Zielscheibe.“
Auf demselben Instagram-Konto, auf dem der Aufruf mit der brennenden Karlskirche erschienen ist, wurde ein Jahr zuvor ein anderes Bild geteilt, das zu Gewalt aufruft. „Auf dem beworbenen Sujet ist nämlich ein gewaltbereiter Aktivist zu sehen, der einen Mann mit einem Eispickel oder einer ähnlichen Waffe bedroht. Der Bedrohte trägt dabei ein Kreuz auf der Brust und eine österreichische Flagge in der Hand“, fasste der Exxpress damals zusammen. Es könnte sich bei dem Gegenstand allerdings auch um einen Intrauterinpessar handeln, das Frauen in die Gebärmutter eingesetzt wird, um Schwangerschaften zu verhindern.
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Gleichzeitig riefen die Frauensprecherinnen der Grünen, Meri Disoski und Viktoria Spielmann, öffentlich zur Teilnahme an den Gegenprotesten auf und reihten sich damit indirekt in die Reihen gewaltbereiter Aktivisten ein. Disoski ist es auch, die einen Gesetzesentwurf ins Parlament eingebracht hat, der eine Änderung des Sicherheitspolizeigesetzes vorsieht, wodurch Bannmeilen rund um Abtreibungseinrichtungen errichtet werden könnten. Demonstrationen, Gebetsmahnwachen oder das Verteilen von Informationsmaterial wären dann in einem bestimmten Umkreis rund um Kliniken oder ambulante Praxen verboten.
Die oppositionelle Grünenpolitikerin treibt damit die andere linke Partei im Nationalrat vor sich her: die SPÖ. Deren Spitzenpolitikerin Eva-Maria Holzleitner, die aktuell das Amt der Bundesfrauenministerin bekleidet, hatte angekündigt – links-euphemistisch gesprochen: „Schutzzonen“ zu errichten, weil Gesundheitspersonal und Frauen „wirklich aggressiv angegangen“ würden. Freilich konnte sie keinen Fall nennen, in denen Schwangere oder Klinikpersonal polizeilich relevant bedroht oder angegriffen worden wären.
„Von Verantwortungsträgern ist Respekt vor Fakten zu erwarten“
Die Menschenrechtsorganisation ADF International nahm den Grünen-Gesetzentwurf nach Strich und Faden auseinander. Der Antrag verstoße gleich gegen mehrere juristische Prinzipien, wie etwa das Bestimmtheitsgebot und das Legalitätsprinzip. Auch gebe es keine Regelungslücke, weil das bestehende Recht ausreiche, um Störungen, Behinderungen oder Belästigungen zu unterbinden.
Die ÖVP-Nationalratsabgeordnete und Menschenrechtssprecherin der ÖVP, Gudrun Kugler, hatte Ende Oktober auf Corrigenda-Anfrage erklärt:
„Von Verantwortungsträgern ist Respekt vor Fakten zu erwarten – auch wenn diese die eigene Ideologie nicht stützen. Gesetzesinitiativen auf Basis gewünschter Narrative oder unbestätigter Behauptungen zeugen von einem problematischen Politikverständnis. Anstatt sich an Fake-News abzuarbeiten, gibt es genug reale Probleme, die entschlossenes Handeln verlangen.“
Auch hatte sie darauf hingewiesen, dass das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit auch dann gelte, „wenn es politisch unbequem ist. Es ist ortsbezogen und darf nicht nach Belieben der Politik eingeschränkt oder verlegt werden.“ Ebenso hat sie an die Lebensschützer ein Anliegen: „Dass laut Polizei keinerlei Übergriffe oder Störungen durch Lebensschützer gemeldet wurden, deckt sich mit meiner Beobachtung, und ich appelliere, dass dies auch künftig so bleibt.“
Offener Brief an SPD-Frauenministerin Holzleitner
Die linken Aktivisten im Internet und auf der Straße, ihre sympathisierenden Medien und Politiker versuchen das Thema dennoch am Köcheln zu halten. Doch regt sich Widerstand. In einem offenen Brief mit dem Titel „Gebet für Schwangere in Not ist kein Verbrechen!“ wenden sich prominente Geistliche, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Lebensschutzvereinen an Ministerin Holzleitner.
In dem Brief, der bereits von mehreren Hundert Menschen unterzeichnet wurde, bitten die Initiatoren die Sozialdemokratin:
- von einem solchen Gesetzesentwurf Abstand zu nehmen, da es dafür keine belegbaren Grundlagen gibt;
- die Meinungs-, Versammlungs- und Religionsfreiheit zu achten, damit Menschen auch in der Nähe von Abtreibungseinrichtungen friedlich beten können;
- jene nicht zu kriminalisieren, die für Schwangere in Not beten und ihnen nur das Beste wünschen.
Ein Rechtsstaat dürfe nicht „auf Basis politischer Narrative handeln, sondern muss sich auf überprüfbare Tatsachen und die Verfassung stützen“. Die Abtreibungsverfechter ficht das nicht an, sie wollen gleich den Rechtsstaat über den Haufen werfen und die Tötung ungeborener Kinder legalisieren. Eine entsprechende Petition von Amnesty International Österreich haben 10.000 Menschen unterzeichnet. Am Dienstag warb die selbsternannte Menschenrechtsorganisation damit, dass auch Bundesfrauenministerin Holzleitner zu den Unterstützern zähle.
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Kommentare
Frau Ministerin Holzleitner muss nach diesen Eskalationen zurücktreten!