Kühle Vernunft statt steinzeitliche Gefühle
Es ist ein ernstes Thema: unsere Finanzen. Was kommt rein, was geht raus? Wie viel können wir sparen oder anlegen? Und wie? Was ist mit unserer Altersvorsorge? Und mit der Absicherung der Risiken im Alltag? Was bleibt für die Erben? Versicherungen, Tages- und Festgeld, Bausparvertrag und private Altersvorsorge … alles eher dröge Themen, für die meisten zumindest. Aber auch alles eine wichtige, eine ernste Angelegenheit. Und gleichzeitig doch hoch emotional!
Eigentlich sollten wir sehr rational agieren, wenn es um unser Geld und unsere finanzielle Zukunft geht. Fakten abwägen, Entscheidungen sehr durchdacht treffen, extrem kontrolliert handeln. Aber so ist es eben nicht. Wir haben Zweifel, wollen keine falschen Entscheidungen treffen. Nicht für die falsche Rentenversicherung, nicht für die falsche Rürup-Versicherung. Und ewig lange binden will man sich eigentlich auch nicht. Mitunter haben wir nicht nur Zweifel, sondern sogar Angst. Und tun dann lieber gar nichts.
Mit Blick auf unseren langfristigen Vermögensaufbau und unsere Altersvorsorge ist das fatal. Viele Deutsche stehen da ziemlich blank da, wie Umfragen immer wieder zeigen. Sie fühlen sich schlecht informiert, unwohl, verängstigt. Emotionen pur. Und diese bremsen uns dann eben leider aus, wenn es darum geht, aktiv zu werden.
Das nervenaufreibende Auf und Ab an der Börse
Besonders emotional wird es, wenn wir an der Börse investieren. Das ständige Auf und Ab der Kurse ist ziemlich nervenaufreibend. Keine Frage. Viele Deutsche meiden die Börse, weil sie Angst vor Verlusten haben. Dabei schwenken die Kurse sowohl nach unten als auch nach oben, öfter aber nach oben. Trotzdem sehen die Deutschen nur die Risiken, aber nicht die Chancen.
Dabei sind Aktien langfristig die erfolgreichste, weil renditenstärkste Anlageklasse überhaupt. Sie bringen langfristig bei breiter Risikostreuung Renditen von sechs bis acht Prozent. Welche andere Anlageklasse schafft das? Natürlich gibt es Schwankungen, natürlich gibt es Korrekturen und immer mal wieder auch einen Crash. Das müssen wir aushalten. Denn langfristig stimmt die Rendite. Das zeigt die Statistik, das zeigen die Erfahrungen.
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Trotzdem haben die Deutschen Zweifel. Angst ist eine ziemlich starke Emotion. Unsere Aktienkultur ist ausbaufähig. Zwar ist die Zahl der Aktionäre in den vergangenen Jahren leicht gestiegen. Jeder sechste Deutsche besitzt Aktien, Aktienfonds oder Aktien-ETFs. Aber das ist immer noch zu wenig; gerade mit Blick auf unsere Altersvorsorge. Unser Rentensystem ächzt. Die gesetzliche Rente sichert kaum mehr das „Überleben“, geschweige denn einen gewissen Luxus. Private Altersvorsorge, privater Vermögensaufbau tut not. Dabei wählen die Deutschen, wenn sie überhaupt aktiv werden, aber leider Produkte mit hohen Garantien, die vermeintlich sicher sind. Garantien sind aber teuer, die Rendite bleibt auf der Strecke. Trotzdem fühlt sich das besser an. Die Emotionen, wieder einmal. Mit Rationalität hat das wenig zu tun.
Unser Steinzeit-Gehirn bremst uns aus
Aber warum sind wir so emotional, wenn es um unser Geld geht? Dafür gibt es vor allem einen Grund. Wir laufen noch immer mit einem Steinzeit-Gehirn herum. Angriff, Flucht und Verteidigung sind starke Impulse. Das einmal erreichte, das verdiente, ersparte Geld, soll unbedingt bewahrt werden. Gibt es Risiken, wie etwa die Kursschwankungen an der Börse, dann fliehen wir. Scheinbar gibt es nur Extreme. Außerdem ist unser Gehirn auf die schnelle Belohnung programmiert. Wir wollen jetzt das Ergebnis, den Gewinn, das Geld. Gibt es deshalb mehr Lottospieler als Aktionäre? Mit langfristigen Entscheidungen für unser Geld tun wir uns schwer.
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Einfacher tun wir uns übrigens damit, unsere Alltagsrisiken zu versichern. Wir versichern unser Handy, unsere Tiere, via Sterbegeld sogar unsere Beerdigung. Eher unnötige, aber beliebte Versicherungen. Die Deutschen gelten in der Regel übrigens als überversichert. Bei Haftpflicht, Berufsunfähigkeit und Rechtsschutz – drei sehr wichtige Policen – sind wir nicht ganz so überzeugt. Das Risiko ist weniger greifbar. Noch schlechter ist es um unseren Vermögensaufbau und unsere Altersvorsorge bestellt. Da lähmen uns Zweifel und Angst.
Hinterfragen Sie Ihre Entscheidungen
Und nun? Hinterfragen Sie sich und Ihre Entscheidungen? Wann handeln Sie emotional? Wann lassen Sie sich in die Irre führen? Wir werden niemals komplett rational handeln. Wir sind Menschen aus Fleisch und Blut, wir haben Emotionen. Aber wir können lernen, diese zu erkennen und zu kontrollieren.
Das gilt übrigens nicht nur für unsere Finanzen. Nur kostet es uns in diesem Fall eben auch mitunter viel Geld. Weil wir auf Rendite verzichten, weil wir viel zu sicher unterwegs sind. Ein bisschen mehr Mut, ein bisschen weniger Steinzeit-Gehirn tut uns allen gut!
Kommentare
Für eine Geldanlage nach katholischen Prinzipien, also unter Ausschlus von Unternehmen mit Geschäften in Rüstung, Glücksspiel, Abtreibung, Verhütung, embryonaler Stammzellenforschung etc. plus ESG-Kriterien gibt es eine deutlich geringere Auswahl - aber es gibt sie:
Seit 2024 gibt es einen akzeptablen ETF auf den MSCI World, den Franklin MSCI World Catholic Principles UCITS ETF (ISIN: IE000AZOUN82), darüber hinaus gibt es aktiv gemanagte Fonds des Franziskaner Ordens, zB terrAssisi Aktien I AMI (Aktienfonds, All Cap Welt) mit verschiedenen Kennzahlen (ausschüttend oder thesaurierend).
Die Besonderheit bei den terrassisi Fonds ist die Anlage nach franziskanischen Prinzipien und ein zusätzlicher katholischer Impact: ein Teil der Verwaltungsgebühr wird für Hilfsprojekte des Franziskaner Ordens verwendet.
Aktiv gemanagte Fonds sind dabei immer etwas teurer als ETFs, die nur einen Index nachbilden und in diesem Fall nach katholischen Prinzipien alle Unternehmen mit Geschäften in moralisch verwerflichen Bereichen herausfiltern.
Im Fall der terrassisi Fonds greift der Fondsmanager unter anderem auch aktiv ein, wenn sich bei einem Unternehmen fragwürdige Praktiken zeigen.
So hat der Fondsmanager Sebastian Riefe die britische Supermarktkette Sainsbury's PLC aus dem Fonds verkauft, weil das Unternehmen aufgrund von Arbeitsrechtsverletzungen nicht mehr den strengen Nachhaltigkeitskriterien des terrAssisi-Fonds genügte.
Dieses aktive Management gibt es bei ETFs nicht, weil es sich um passive Fonds handeln, die einen Index nachbilden und daher auch günstiger im Verwaltungsaufwand sind.
Diese Fonds können auch einfach über Neobroker gezeichnet werden, aber leider nicht alle. Man kann das testen indem man in die Suchmaske des Brokers "catholic" oder "terrassisi" eingibt.
Übrigens, es lohnt sich, nicht nur nach der Ethik des in Aktien investierten Anlagevermögens zu schauen, sondern auch nach dem Tagesgeldkonto, denn die üblichen Hausbanken vor Ort arbeiten mit dem Geld, und zwar völlig ohne ethische Filter.
Wenn man sichergehen möchte, dass auch die Ersparnisse auf dem Tagesgeldkonto nach katholischen Prinzipien verwaltet und angelegt werden, dann bieten sich Tagesgeldkonten bei katholischen Banken wie der Steyler Bank oder der Pax Bank an. Dort ist die Verwendung der eigenen Gelder, so auch der verwahrten Gelder, in der DNA der Geschäftsprinzipien verankert.
@Ludwig Unser Glaube heißt Rheinmetall, unser Banner: Donaustahl!
Im Ernst: Dass Rüstung "unethisch" sei und darum für Katholiken nicht investierbar, haben Sie sich schön einreden lassen. Moskau und Peking wird es freuen. Ich sag Ihnen nur eins: Wer keine eigene Armee im Lande hat, hat eine fremde Armee im Land. Rüste, was du rüsten kannst, der Feinde sind viele.
Und nimm noch dies, Bruder Ludwig: „Besser fremdes Blut am Messer, als ein fremdes Messer im eigenen Blut.“ (Hermann Löns) Beim Blick auf das Stadtbild: Sie werden noch an meine Worte denken. Gruß!
Ein paar Aussagen der Bibel zum Geld:
Jesus Christus spricht in Matthäus 25, 45 "Was ihr an einem von meinen geringsten Brüdern zu tun versäumt habt, das habt ihr an mir versäumt".
Sammelt keine Reichtümer hier auf der Erde! Sammelt lieber Reichtümer bei Gott."
Matthäus 6, 19.20
"Unser tägliches Brot gib uns heute."
Matthäus 6, 11
"Brot" steht für Grundbedürfnisse.
Wenn wir also Nahrung und das zum Bedecken haben, soll uns das genügen."
Oft falsch übersetzt, nämlich nicht nur Kleidung sondern auch Unterkunft!